Harley Davidson Sportster XLH 1000: Technische Daten und Modellgeschichte

Die Harley-Davidson XLH 1000 Sportster wurde von 1972 bis einschließlich 1985 produziert. Sie ersetzt die XLH 900 und markiert den Übergang zum 997 cm³ großen Ironhead-V2-Motor. Seit 1957 wird die Sportster-Baureihe kontinuierlich weiterentwickelt. Im Gegensatz zur sportlicheren XLCH mit Kickstarter ist die XLH 1000 das straßenorientierte Modell mit Elektrostarter.

Modellhistorie der Harley-Davidson XLH 1000 Sportster (1972-1985)

  • Baujahr 1972 - Einführung des 1000-cm³-Ironhead-Motors

    1972 wird der Hubraum des Ironhead-Motors durch Vergrößerung der Bohrung auf 3,188 Zoll (81 mm) bei gleichbleibendem Hub von 3,8125 Zoll (97 mm) auf 997 cm³ erhöht. Die Verdichtung beträgt 9:1. Serienmäßig ist die XLH 1000 mit Elektrostarter ausgestattet. Gegenüber dem Vorgänger bleibt der Rahmen weitgehend unverändert.

  • Baujahre 1973-1978 - Elektrik und Detailverbesserungen

    Ab 1973 wird die Elektrik auf ein 12-Volt-System umgestellt. Die Einführung einer kontaktgesteuerten Zündspule erfolgt 1974. In den Folgejahren werden kleinere Änderungen an Verkabelung, Sitzbank und Lenker vorgenommen. Ein neues Auspuffsystem, das den US-Lärmvorschriften entspricht, wird 1977 eingeführt. Um die Startzuverlässigkeit zu verbessern, wird die Batterie vergrößert.

  • Baujahr 1979 - Neuer Rahmen und Öltank

    1979 erhält die XLH 1000 einen überarbeiteten Rahmen mit rechteckigem Öltank. Die Batterie wird seitlich montiert. Die Position der Fußrasten wird verändert, bleibt aber aufrecht-touringorientiert. Der Auspuff wird erneut angepasst. Diese Änderungen markieren die größte technische Überarbeitung seit 1972.

  • Baujahre 1980-1983 - Elektronische Zündung und neue Bedienelemente

    Eine kontaktlose elektronische Zündung wird 1980 eingeführt. Die Bedienelemente am Lenker werden überarbeitet, um neuen US-Vorschriften zu entsprechen. Eine neue Instrumenteneinheit mit überarbeitetem Tachometer und Kontrollleuchten erhält die XLH 1982. Die Vorderradbremse bleibt eine Einzelscheibe, wird aber in ihrer Wirkung verbessert.

  • Baujahr 1984 - Keihin CV-Vergaser

    Harley-Davidson ersetzt 1984 den bisherigen Bendix-Vergaser durch einen Keihin CV (Constant Velocity)-Vergaser. Dies verbessert die Gasannahme und reduziert Emissionen. Die Zündung wird weiter optimiert. Serienmäßig stammen die Reifen von Dunlop, Modell K291.

  • Baujahr 1985 - Letztes Produktionsjahr der XLH 1000

    1985 ist das letzte Produktionsjahr der XLH 1000. Im Modelljahr 1986 wird sie durch die XLH 883 und XLH 1100 mit neuem Evolution-Motor ersetzt. Der Ironhead-Motor wird nach fast 30 Jahren eingestellt. Die 1985er-Version erhält keine wesentlichen technischen Änderungen mehr.

Technische Details und Fahreigenschaften

Die Stärke der Sportster sind beschauliche Sightseeing-Touren nach dem Motto: ab 40 km/h den vierten Gang einlegen und das Getriebe vergessen. Das Fahrwerk, bestehend aus Doppelrohrrahmen, Telegabel und Rohrschwinge mit zwei Federbeinen würde Aufstiege in höhere Geschwindigkeitsbereiche wohl durchaus mitmachen, ohne dem Fahrer mit wilden Schaukeleien Schwitzkuren zu bescheren.

Die Sitzposition (mit den Händen am breiten und hohen Buckhornlenker sowie den Füßen auf den vorverlegten Rasten sitzt man wie in Opas Schaukelstuhl), beschränkte Haftfähigkeit der serienmäßigen Goodyear-Reifen und die harte Abstimmung der Hinterradfederung raten zu einem moderaten Umgang mit dem Gasgriff.

Auch in die Schräglage sollte man sich vorsichtig begeben, die vorverlegten Fußrasten kratzen nicht nur am Asphalt, sondern auch am eigenen Selbstbewußtsein, also genießt man am besten senkrecht das Easy Rider-Feeling. Das Auge erfreut sich dabei am reichlich vorhandenen Chrom. Zwar fehlt das Radio der E-Glide, doch dafür kann man im verchromten Lampentopf unterwegs den aktuellen Wetterbericht vom Himmel ablesen. Die schönste Musik macht ohnehin der Vau-Zwo, besonders im Leerlauf, wenn man die Arbeitstakte mitzählen kann - noch ein Argument, das den Drehzahlmesser überflüssig erscheinen läßt.

Der Kaltstart wirft keinerlei Probleme auf. Der sich neben dem Zündschloss befindliche Choke, beides links unterm Tank postiert, muß bei sommerlichen Temperaturen nur halb gezogen werden, und schon auf den ersten Knopfdruck poltert der Motor los. Die Warmlaufphase hält sich in erfreulich engen Grenzen, so dass eine lange Choke-Unterstützung nicht von Nöten ist. Was die Benzinaufbereitung betrifft: ein einsamer und zuverlässig arbeitender Vergaser führt den beiden Brennräumen das notwendige Futter zu.

Wirtschaftlich ist der Verbrauch mit rund fünf Litern Superbenzin pro 100 Kilometer. Trotzdem sind keine 200 Kilometer am Stück drin, denn die Beule von Tank mit ihren knapp 9 1/2 Litern Inhalt ist ein Witz. Auch von einer anderen Seite zeigt sich die Harley sparsam, nämlich mit ihrem Cockpitinstrumentarium. Ganz im Gegensatz zum Lichtermeer mancher Mäusekinos fernöstlicher Instrumententafeln befriedigen nur Ge- schwindigkeit, Drehzahl, Öldruck-, Leerlauf-, Fernlicht- und Blinker-Kontrollleuchte das Informationsbedürfnis des Bikers.

Etwas anspruchs- voller wird die Sportster beim Thema Öl. Im Sommer soll es 50er Einbereichsöl sein, im Winter 40er. Aber wer fährt schon im Winter Harley? Einen viertel Liter SAE 50 auf 1000 Kilometer mußte ich im Durchschnitt nachfüllen. Dünneres oder Mehrbereichsöl dagegen läuft durch wie Wasser. Was links zwischen den Zylindern wie eine Kuhglocke baumelt, und auch so klingt, ist die Hupe - oder das Horn, wie die Amis zu sagen pflegen. Auf der gegenüberliegenden Seite hat des Fahrers Knie Feindberührung mit dem, was wie eine überdimensionale Brotdose aussieht: dem Luftfilter.

Nicht unbedingt ein Quell der Freude ist die Mehrscheiben-Ölbadkupplung. Sie erfordert eine derart hohe Handkraft, daß ein Besuch im Fitnessstudio überflüssig erscheint. Das klauengeschaltete Vierganggetriebe läßt sich exakt schalten, obwohl das Gestänge umständlich außen um den Motorblock herumgeführt wird. Mit der Zeit werden die Gelenke sicher ausschlagen.

Nun zu den Bremsen: es erfordert einen beherzten Zug am Handbremshebel, um die Geschwindigkeit wirksam zu verringern. Die zweite Brems- scheibe - im breit dimensionierten Hinterrad befindlich - ist so gerade eben in der Lage, die mangelnden Talente der vorderen zu kompensieren. Nicht von schlechten Eltern dagegen ist die ebenso wirksame dritte vorhandene Bremse, die Motorbremse. Die beiden je einen halben Liter großen „Hauptbremszylinder” verrichten beim Gaswegnehmen zuverlässig ihre Arbeit.

In drei Jahren Testbetrieb erwies sich die Sporty als auffällig unauffällig. Bei gemächlicher Behandlung versieht sie klaglos ihren Dienst: kein Ölverlust und keine losvibrierten Schrauben. Auch kleinere Urlaubstouren sind drin. Zwar fehlt ein vernünftiges Gepäcksystem, und einen Tankrucksack zu befestigen scheint fast unmöglich - wie sieht das auch aus! Doch in der Chopper-obligatorischen Lederrolle zwischen Gabel und Lampe haben wenigstens Zahnbürste und Kreditkarte Platz.

Easy Rider, was willst Du mehr? Die Sozia bleibt besser zu Hause, es sei denn, sie ist hart gegen sich selbst. Das hintere Bankteil ist so „üppig” dimensioniert, daß abwechselnd die rechte und die linke Pobacke dort Platz finden. Auch die Knie sind in ständiger Bewegung, da die Soziusfußrasten intelligenterweise an der Schwinge befestigt sind.

Eignung für Anfänger und Unterschiede zur XLCH 1000

Die XLH 1000 ist aufgrund ihres Gewichts, der klassischen Technik und des drehmomentstarken Motors nicht für Fahranfänger geeignet. Sie erfordert Erfahrung im Umgang mit Motorrädern ohne moderne Assistenzsysteme. Die XLH 1000 verfügt über einen Elektrostarter, während die XLCH 1000 mit Kickstarter ausgestattet ist. Die XLH ist komfortorientierter, mit größerem Tank und Doppelsitzbank, während die XLCH sportlicher und leichter ausgelegt ist.

Tankinhalt und Reichweite

Der Tankinhalt beträgt laut offizieller Spezifikation 3,2 US-Gallonen (12,1 Liter). Bei einem durchschnittlichen Verbrauch von ca. 6-7 Litern pro 100 km ergibt sich eine Reichweite von etwa 160-180 km.

Technische Daten im Überblick

Merkmal Details
Produktionszeitraum 1972-1985
Motor 997 cm³ Ironhead-V2
Bohrung 81 mm
Hub 97 mm
Verdichtung 9:1
Tankinhalt 12,1 Liter
Verbrauch 6-7 Liter/100 km
Starter Elektrostarter

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