Motorradunfallursachen: Eine detaillierte Analyse und Tipps zur Vermeidung

Motorrad- und Autofahrende sind auf der Straße häufig auf Kollisionskurs. Es vergeht kaum ein Tag, an dem es im deutschen Straßenverkehr nicht kracht.

Unfallstatistik und ihre Bedeutung

Über Unfälle, bei denen infolge des Fahrverkehrs auf öffentlichen Wegen und Plätzen Personen getötet oder verletzt oder Sachschäden verursacht worden sind, wird laufend eine Bundesstatistik geführt. Die Antwort findet sich im Gesetz über die Statistik der Straßenverkehrsunfälle, welches auch Straßenverkehrsunfallstatistikgesetz (StVUnfStatG) genannt wird. Dank diesen umfangreichen Darstellungen können Veränderungen erkannt und im Anschluss mögliche Maßnahmen zur Verbesserung gefunden werden. Auf diese Weise können die gesammelten Daten miteinander verglichen und Maßnahmen ergriffen werden, um beispielsweise bestimmten Unfallursachen entgegenzuwirken.

Der Unfallstatistik des Statistischen Bundesamtes zufolge kam es im Jahr 2015 zu knapp 2,50 Millionen Unfällen. Im Jahr 2015 ereigneten sich insgesamt 3.475 tödliche Unfälle. 1970 wurden insgesamt 21.000 Verkehrstote in Deutschland verzeichnet.

Ursachen von Motorradunfällen

Eine Analyse der Verkehrsunfälle im Jahr 2021 durch ADAC Experten ergab: 16.435 Mal krachte es in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Pkw und Motorrädern. Dabei verletzten sich fast 10.000 Motorradfahrende schwer und 529 verunglückten infolge von Verkehrsunfällen tödlich.

Weil Auto und Motorrad ungleiche Partner im Straßenverkehr sind, waren 93 % der Unfallopfer Kraftradfahrende oder -mitfahrende, aber 66,4 % dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrenden verursacht. Basierend auf der Fahrleistung ist das Risiko eines Motorradfahrenden, an einem Unfall beteiligt zu sein, vier Mal höher als bei anderen Verkehrsbeteiligten. Auch das Verletzungsrisiko ist bei Motorradfahrenden erhöht. Ein möglicher Grund liegt darin, dass Krad-Fahrende so gut wie keine passiven Schutzvorrichtungen wie Airbags, Gurte oder Knautschzonen der Karosserie haben.

Häufige Unfallursachen durch Autofahrer

42 Prozent der von Autofahrern verursachten Motorradunfälle sind sogenannte "Sichtunfälle". Das bedeutet: Der Autofahrer hat das Motorrad zu spät oder gar nicht wahrgenommen. Sie wirken wegen ihrer schmalen Silhouette zwar klein, haben aber ein großes Beschleunigungsvermögen und kommen oft schneller nah, als Autofahrende vermuten.

Weitere Risikofaktoren

  • Kreuzungen und Einmündungen: Viele Motorradcrashs ereignen sich an Kreuzungen und Einmündungen - also an Stellen, an denen sich oft die Vorfahrt ändert.
  • Geschwindigkeit: Zu den meisten Motorradcrashs kommt es wegen überhöhter Geschwindigkeit.
  • Fahrten in der Gruppe: Auch bei Fahrten in der Gruppe passiert häufig ein Motorradunfall. Die Gruppendynamik führt dazu, dass sich Motorradfahrer hier eher überschätzen.

Sicherheitsmaßnahmen für Motorradfahrer

Egal, ob Sie ein geübter Motorradfahrer sind und regelmäßig auf dem Bike sitzen oder gerade erst Ihr Zweirad bekommen haben: Ein Fahrsicherheitstraining mit Motorrad macht auf jeden Fall Sinn. Dabei lernen Sie, in Gefahrensituationen richtig zu reagieren.

Wir legen Ihnen die Motorrad-Inspektion auch danach noch ans Herz: Sie ist nämlich deutlich intensiver als die Hauptuntersuchung. Im Gegensatz zur Hauptuntersuchung ist die Motorrad-Inspektion meist freiwillig. Nur während der Garantiezeit gibt der Hersteller einen Zeitrahmen vor.

Tipps zur Unfallvermeidung

Verhalten im Straßenverkehr

So ungefähr gilt dieses bekannte Sprichwort auch im Straßenverkehr. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist. Daher sollten Sie auf alles vorbereitet sein: zum Beispiel auf überholende Autos auf Ihrer Spur der Landstraße. Bei Kolonnen müssen Sie damit rechnen, dass ein vor Ihnen fahrendes Fahrzeug plötzlich überholt oder wendet. Daher gilt hier besondere Vorsicht, wenn Sie selbst an der Kolonne vorbeiziehen wollen.

  • Geschwindigkeit von Motorradfahrern wird leicht unterschätzt
  • Nicht auf die eigene Vorfahrt vertrauen
  • Vorsicht vor allem an Einmündungen und Kreuzungen

Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit

Gerade zu Beginn der Motorradsaison gibt es solche gefährlichen Begegnungen besonders häufig. Und sehr oft enden sie nicht glimpflich. Der Autofahrende denkt: "Links schauen, rechts schauen, prima, alles frei!" Der Motorradfahrende freut sich: "Wunderbare Rechtskurve. Oh, eine Einmündung! Verdammt, der wird doch nicht …" Es kommt zur Vollbremsung. Gerade noch mal gut gegangen! Genau so sieht eine häufige Unfallsituation aus: Der Autofahrende schaut - und übersieht den Motorradfahrenden trotzdem. Weil der schlichtweg (noch) nicht zu sehen ist oder sich unerwartet schnell nähert.

Verhalten an Kreuzungen und Einmündungen

  • Vor Kreuzungen Tempo reduzieren, bremsbereit sein, Augenkontakt suchen.
  • Vertrauen Sie grundsätzlich nicht auf die eigene Vorfahrt.
  • Fahren Sie immer so, dass Sie an Kreuzungen für wartende Autofahrende gut sichtbar sind. Halten Sie also Abstand zu größeren Autos vor Ihnen, fahren Sie gegebenenfalls "auffällig", indem Sie durch eine kurze Lenkbewegung geringfügig Ihre Fahrspur ändern.
  • Meiden Sie bei mehrspurigem Kolonnenverkehr den Bereich seitlich hinter anderen Fahrzeugen. Sie befinden sich dort im toten Winkel.
  • Vorsicht bei haltenden Pkw am Straßenrand. Blinksignale links können ein Einfädeln in die Fahrspur, aber auch ein Wendemanöver ankündigen.
  • Überholen Sie Kolonnen nur dann, wenn Sie ein Wende- oder Überholmanöver eines vor Ihnen fahrenden Autos ausschließen können.
  • Rechnen Sie auf Landstraßen mit überholenden Autos im Gegenverkehr.
  • Fahren Sie in Linkskurven nicht zu weit innen. Durch die Schräglage ragt Ihr Körper sonst in die Gegenspur.

Sicherheitsüberprüfung und Ausrüstung

  • Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
  • Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
  • Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
  • Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.

Fahrweise und Kurventechnik

  • Übe Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
  • Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
  • Halte dich selbst körperlich fit, damit du auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven hast.
  • Wähle in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch hältst du den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchst du in Schräglage mehr Platz.
  • Trainiere die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.

Allgemeine Sicherheitstipps

  • Bedenken Sie: Motorräder sind nicht wendiger als Autos und haben auch keinen kürzeren Bremsweg. Im Gegenteil.
  • Auch bei optimaler Spiegeleinstellung bleiben "tote Winkel". Werfen Sie deshalb vor jedem Spurwechsel, Abbiegen oder Überholvorgang einen bewussten Sicherungsblick über die Schulter. Blinken Sie stets rechtzeitig.
  • Schauen Sie in Einmündungsbereichen und an Kreuzungen lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig. Beachten Sie vor allem: Die vordere Dachsäule ("A-Säule") Ihres Autos verdeckt nur allzu gern den Blick auf seitlich herannahende Motorräder.
  • Schauen Sie vor einem Spurwechsel, vor einem Überholmanöver oder beim Wenden lieber zweimal in den Spiegel und über die Schulter. Ein Motorrad wird leicht übersehen.
  • Bleiben Sie gelassen, wenn ein Motorradfahrender überholt. Er braucht dafür weniger Strecke, als Sie annehmen.
  • Bringen Sie Ihr Navigationsgerät nicht mittig unten an der Frontscheibe an.
  • Für Auto- und Motorradfahrende gilt: Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln. Und machen Sie sich fit für Gefahrensituationen.

Schlussfolgerung

Von Jan Frederik Strasmann Letzte Aktualisierung am: 16. Für Auto- und Motorradfahrende gilt: Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln. Und machen Sie sich fit für Gefahrensituationen.

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