Aufgaben und Ausbildung zum Zweiradmechatroniker mit Schwerpunkt Motorradtechnik

Zweiräder erobern die Straße. Fahrräder, weil sie zu den umweltfreundlichsten Verkehrsmitteln zählen und obendrein als Fitnessgerät dienen. Dann gibt es noch Mountain-Bikes, BMX- und Rennräder in allen Variationen. Nicht zu vergessen: Das Stück Freiheit - das Motorrad, ausgestattet mit reichlich PS und Elektronik. Schützende Karosserien haben diese Fahrzeuge alle nicht. Deshalb müssen sie beim Wartungsdienst gewissenhaft auf Verkehrssicherheit gecheckt werden. Dazu kommen Reparaturen wie z. B. Rahmen vermessen und richten. Der Zweiradmechatroniker muss ganz schön was auf dem Kasten haben in puncto Elektronik und aktueller Fahrzeugtechnik mit allen hydraulischen Drum und Dran. Dazu kommt die breite Palette der Metallbearbeitung. Und - ganz wichtig: umweltfreundliches Arbeiten. Freundlichkeit ist auch das Motto bei vielen Beratungsgesprächen mit Kunden. Ist doch ganz anständig was los in diesem Beruf.

Wer gerne an fahrbaren Untersätzen auf zwei Rädern herumtüftelt, sollte über eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker nachdenken. Egal ob es sich dabei um Fahrräder, Mofas, Mopeds, Mokicks oder Motorräder handelt. Für zweiradbegeisterte Jobanwärter dürfte der Beruf des Zweiradmechanikers so etwas wie der Himmel auf Erden sein. Denn Zweiradmechatroniker tun sie den ganzen Tag fast nichts anderes, als an den unterschiedlichsten Modellen herumzubasteln. Je nach Spezialisierung kümmern sie sich dabei um Fahr- oder Motorräder - und neuerdings auch E-Bikes.

Vom Mechaniker zum Mechatroniker

Seit dem 1. November 2014 wird der Beruf des Zweiradmechaniker schrittweise auf den Zweiradmechatroniker umgestellt. Hintergrund der Umbenennung: Der Absatz von E-Bikes steigt zunehmend und immer mehr motorisierte Zweiräder sind mit elektronischen Systemen ausgestattet. Um diese technologischen Entwicklungen in der Lehre abzubilden, hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) die Ausbildung des Zweiradmechanikers modernisiert und die dreieinhalbjährige Berufsausbildung des Zweiradmechanikers inhaltlich auf den neuesten Stand gebracht.

Die Ausbildungsordnung beinhaltet im Vergleich zu früher inzwischen mehr Inhalte, die sich auf die Arbeit mit elektrischen und elektronischen Systemen an Zweirädern beziehen. Unter anderem lernen die Lehrlinge, wie Mechatronik- und IT-Systeme mit neuesten Reparatur- und Diagnosemethoden gewartet werden. Auch die Weiterentwicklung von Leichtbaustoffen wie Karbon findet in der Ausbildung Berücksichtigung.

Ausbildungsinhalte in der Fachrichtung Motorradtechnik

In der Fachrichtung Motorradtechnik stehen diese Inhalte auf dem Stundenplan:

  • Fahrzeuge, Betriebseinrichtungen und Systeme bedienen
  • Schutzmaßnahmen bei der Arbeit treffen
  • Auswahl der richtigen Messgeräte
  • Funktionsfähigkeit elektrischer Bauteile, Leitungen und Sicherungen prüfen
  • Service- und Wartungsarbeiten durchführen
  • Kontrolle von Betriebsflüssigkeiten
  • Schäden und Funktionsstörungen feststellen
  • Fehlerursachen bestimmen
  • Demontage und Reparatur von Bauteilen, Baugruppen und Systemen
  • Motoren, Vergaser, Einspritzsysteme und Abgassysteme prüfen, reinigen und einstellen
  • Ausbau, Zerlegen und Reinigung eines Motors

Die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker mit dem Schwerpunkt Motorradtechnik vermittelt umfangreiches Wissen und praktische Fähigkeiten, die für die Wartung, Reparatur und Anpassung von Motorrädern und deren Systemen erforderlich sind. Die Auszubildenden erlernen zuerst das Bedienen von Fahrzeugen und Systemen, einschließlich des korrekten Außerbetriebnehmens und Inbetriebnehmens fahrzeugtechnischer Systeme, was für die Sicherheit und Funktionalität der Motorräder essentiell ist.

Ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung ist das Messen und Prüfen an Systemen, das Durchführen von Service- und Wartungsarbeiten sowie das Diagnostizieren von Fehlern und Störungen an Fahrzeugen und Systemen. Diese Kompetenzen sind entscheidend, um die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der Motorräder zu gewährleisten und potenzielle Sicherheitsrisiken zu identifizieren und zu beheben.

Weiterhin lernen die Auszubildenden, Bauteile, Baugruppen und Systeme zu demontieren, zu reparieren und zu montieren. Zusätzlich zu diesen technischen Fähigkeiten umfasst die Ausbildung die betriebliche und technische Kommunikation, was für die effektive Interaktion mit Kunden und Kollegen sowie für das Verständnis und die Dokumentation von Arbeitsaufträgen unerlässlich ist.

Im weiteren Verlauf der Ausbildung lernen die Zweiradmechatroniker das Durchführen von Aus-, Um- und Nachrüstarbeiten, um Motorräder an die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben der Kunden anzupassen oder zu verbessern. Sie untersuchen Fahrzeuge auch nach rechtlichen Vorgaben und Richtlinien, was für die Verkehrssicherheit und Zulassung der Motorräder von großer Bedeutung ist.

Ein weiterer wichtiger Ausbildungsinhalt ist das Herstellen von Fahrzeugen und Bauteilen, was den Auszubildenden ermöglicht, tiefgreifendes Verständnis für den Aufbau und die Funktion von Motorrädern zu entwickeln. Schließlich lernen sie auch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen, was sie befähigt, Kunden kompetent zu beraten und Produkte erfolgreich zu vermarkten.

Aufgaben eines Zweiradmechatronikers in der Motorradtechnik

Zweiradmechatroniker führen regelmäßige Wartungs- und Inspektionsarbeiten an Motorrädern durch, um sicherzustellen, dass sie sicher und zuverlässig funktionieren. Sie diagnostizieren und beheben mechanische, elektrische oder elektronische Probleme an Motorrädern.

Einige Zweiradmechatroniker bieten auch Tuning-Dienstleistungen an, um die Leistung und das Fahrverhalten von Motorrädern zu verbessern. Sie führen Reparaturen an Motorrädern durch, die in Unfälle verwickelt waren. Zweiradmechatroniker beraten Kunden bei der Auswahl von Motorrädern und Zubehörteilen, basierend auf ihren Bedürfnissen, Vorlieben und Budgets.

Sie passen Motorräder an die spezifischen Anforderungen und Vorlieben der Kunden an. Sie sind vertraut mit den elektrischen und elektronischen Systemen von Motorrädern und können Fehler diagnostizieren und reparieren.

Zweiradmechatroniker/innen der Fachrichtung Motorradtechnik warten und reparieren motorisierte Zweiradfahrzeuge, zu denen neben Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor auch Hybrid- und Elektrofahrzeuge gehören. Sie halten mechanische, elektronische, hydraulische und pneumatische Systeme und Anlagen von Fahrzeugen instand.

Mithilfe von Mess- und Diagnosegeräten testen sie z.B. Antriebsaggregate und führen Abgasuntersuchungen durch. Sie stellen Fahrzeuge her, bauen sie nach Kundenbedürfnissen um und statten sie mit Zusatzeinrichtungen aus. Darüber hinaus beraten sie Kunden und verkaufen Fahrzeuge, Zubehör und Dienstleistungen. Neben Motorrädern reparieren, bauen und verkaufen sie auch motorisierte Mehrrad- und Spezialfahrzeuge.

Ausbildungsdauer und Voraussetzungen

Die Ausbildung zum Zweiradmechatroniker dauert 3,5 Jahre. Sie beinhaltet eine Zwischenprüfung nach dem Ende des zweiten Ausbildungsjahres und eine Abschlussprüfung in der Mitte des vierten Ausbildungsjahres. Die duale Ausbildung wird in den zwei Fachrichtungen Fahrradtechnik und Motorradtechnik angeboten.

Formale Voraussetzungen, um sich für eine Ausbildung als Zweiradmechaniker zu bewerben, gibt es keine. Die meisten Lehrlinge haben einen Hauptschulabschluss oder die mittlere Reife. Auch unter Abiturienten ist die Ausbildung beliebt. Auszubildende zum Zweiradmechatroniker ohne Hauptschulabschluss findet man dagegen nur selten. In der Fachrichtung Motorradtechnik sind die Anforderungen noch geringfügig höher als in der Fachrichtung Fahrradtechnik.

Ausbildungsgehalt

Während ihrer Ausbildung kommen Zweiradmechatroniker auf diese monatlichen Bruttogehälter:

  1. Ausbildungsjahr: 755 Euro bis 1.047 Euro
  2. Ausbildungsjahr: 805 Euro bis 1.102 Euro
  3. Ausbildungsjahr: 935 Euro bis 1.199 Euro
  4. Ausbildungsjahr: 1.130 Euro bis 1.264 Euro

Während der Ausbildung zum Zweiradmechatroniker in der Fachrichtung Motorradtechnik erhältst du bereits eine attraktive Vergütung, die sich mit jedem Ausbildungsjahr steigert. Im ersten Ausbildungsjahr verdienst du 1.075 €, im zweiten Jahr 1.119 € und im dritten Ausbildungsjahr erhöht sich dein Gehalt auf 1.217 €. Diese solide Ausbildungsvergütung gibt dir die Möglichkeit, schon früh finanziell eigenständig zu sein. Nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung kannst du dich auf noch bessere Verdienstmöglichkeiten freuen. Dein Einstiegsgehalt liegt mindestens bei 2.324 €, durchschnittlich verdienst du etwa 2.650 €, und mit entsprechender Berufserfahrung und Qualifikation sind bis zu 3.039 € möglich.

Gehaltsaussichten nach der Ausbildung

Mit mehreren Jahren Berufserfahrung steigern sie ihr Gehalt auf monatlich 2.200 Euro bis 2.700 Euro brutto. Zweiradmechanikermeister mit Leitungsposition oder eigener Werkstatt können auf Gehälter zwischen 2.700 und 4.000 Euro brutto im Monat kommen. Auch ein Verdienst von mehr als 4.000 Euro ist möglich.

Arbeitsmarkt und Karrierechancen

Die Arbeitsmarktaussichten für Zweiradmechaniker sind sehr gut. In den letzten Jahren ist die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. Die Zahl der Auszubildenden liegt seit mehreren Jahren konstant bei über 2.000 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Der Anteil der jungen Männer unter den Auszubildenden beträgt rund 90 Prozent. Die Übernahmechancen als Zweiradmechaniker sind gut.

Zweiradmechatroniker der Fachrichtung Motorradtechnik finden eine Anstellung bei den folgenden Betrieben:

  • Reparaturwerkstätten
  • Hersteller von Krafträdern
  • Motorrad- oder Ersatzteilhändler

Mit einer beruflichen Weiterbildung können Zweiradmechatroniker Verantwortung und Gehalt steigern. Dabei bietet sich insbesondere die Weiterbildung zum Zweiradmechanikermeister an. Nach bestandener Meisterprüfung können Sie unter Umständen die Vermarktung der Produkte übernehmen, kaufmännische Aufgaben erledigen, Auszubildende ausbilden und Kunden, Mitarbeiter und Lieferanten betreuen. Auch haben Meister die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Betrieb selbstständig zu machen.

Andere Weiterbildungen für Zweiradmechatroniker sind:

  • Techniker für Kraftfahrzeugtechnik
  • Zweirad-Servicetechniker
  • Technischer Fachwirt

Geeignete Studiengänge für Zweiradmechaniker sind:

  • Maschinenbau
  • Fahrzeugtechnik
  • Elektrotechnik
  • Elektromobilität
  • Wirtschaftsingenieurwesen

Die Aussichten für Zweiradmechaniker auf dem Arbeitsmarkt sind grundsätzlich sehr gut. Der Job ist zukunftsträchtig, so lange Fahrräder und Motorräder nicht aus der Mode geraten. Und dafür gibt es keine Anzeichen.

Arbeitsmarkt Motorradtechnik:

Weniger eindeutig sind die Perspektiven für die Fachrichtung Motorradtechnik. Motorräder tragen nicht zum Umweltschutz bei und dienen auch nur bedingt der Fitness ihres Fahrers. Dennoch geht Motorradtechnikern die Arbeit so schnell nicht aus. Zwar ging die Zahl der Motorrad-Neuzulassungen seit der Jahrtausendwende zunächst kontinuierlich zurück. Seit einigen Jahren aber wächst sie wieder.

Bewerbung um einen Ausbildungsplatz

Die Bewerbung um die Ausbildung als Zweiradmechatroniker besteht ganz klassisch aus einem Anschreiben samt Lebenslauf - nur bedeutet klassisch nicht gleich einfach. Kommst du frisch aus der Schule, dann wird dein Lebenslauf noch nicht allzu umfangreich ausfallen. Wenn du aber bereits ein Praktikum in einer Werkstatt oder einem Fachgeschäft absolviert hast, dann gehört das neben deinen Schulstationen und persönlichen Daten auf jeden Fall dort hinein.

Hauptantriebsmotor deiner Bewerbung um die Ausbildung als Zweiradmechatroniker ist das Anschreiben. Hier musst du deutlich machen, warum du dich für diesen Beruf entschieden hast. Woher kommt deine Leidenschaft für Fahrräder und Motorräder? Wie oft hast du bereits den Schraubenschlüssel geschwungen? Besitzt du selber ein Mofa oder ein Motorrad, an dem du mit Begeisterung rumwerkelst?

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0