24 Zoll gilt für viele Kinder-Bikes als das perfekte Mittelmaß zwischen kleinen 20 Zoll und größeren 26 oder gar 29 Zoll Laufrädern. Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Kinder-Mountainbikes auseinandersetzt, wird deshalb überrascht sein, wie groß die Vielfalt an 24-Zoll-Rädern inzwischen ist.
Die neuesten 24-Zoll-Mountainbikes zeigen: Ihr Material muss dem der Erwachsenen heute in Nichts mehr nachstehen. Etablierte Hersteller, wie Marin und Scott bauen ihr Kinder-Portfolio beständig aus. Damit aber nicht genug: Bislang weniger bekannte Labels, wie Roko.Bike, geben mächtig Gas und werben um die Gunst der Familien.
Das große Angebot an tollen 24-Zoll-Bikes macht es für Eltern schwer eine gute Kaufentscheidung zu treffen. Mein Tipp: ausgiebig informieren und den Nachwuchs in den Entscheidungsprozess mit einbeziehen! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur, Sozialpädagoge (BA) & Erziehungswissenschaftler (MA)
24-Zöller mit Starrgabel versprechen günstigere Preise und ein niedrigeres Gewicht. Derweil können 24-Zoll-Hardtails mit Federgabel schon ernstzunehmende Spaß-Geräte für erste Sprünge und immer anspruchsvollere Abfahrten sein. Das Angebot klafft weit auseinander, weshalb wir uns drei der aktuell interessantesten Optionen zur Brust genommen haben. Unser Schnell-Check zeigt, wie spannend der Markt für Kinder-Mountainbikes für 700 bis 1100 Euro sein kann.
1. Marin San Quentin 24
Traditionshersteller Marin widmet sich dem Thema Kinder-Mountainbikes schon seit langer Zeit ausgiebig. Erst kürzlich stellten die Kalifornier eine große Palette unkomplizierter Kinder-Bikes mit Starrgabel vor. Bei Ausflügen ins Gelände könnte das Marin San Quentin 24 der richtige Begleiter sein.
Genau, wie beim großen Bruder für Erwachsene, handelt es sich auch beim 24-Zoll-Modell des San Quentin um ein Trail-Hardtail. Die Vorlieben von Freeride-Trickmaschine Matt Jones für robuste, spaßige Bikes mit starrem Heck waren ausschlaggebend für die neueste Ausbaustufe des Marin Kinderbikes. Die geschrumpfte Version steht dem ausgewachsenen Trail-Hardtail in nichts nach. So lässt sich die Rockshox Judy Silver Federgabel mit 100 Millimetern Federweg dank Luftdämpfung auf niedrige Kindergewichte einstellen und kinderspezifische, hydraulische Scheibenbremsen von Tektro bringen den Nachwuchs sicher zum Stehen.
Der robuste Aluminiumrahmen kommt mit einer progressiven Geometrie rund um einen flachen Lenkwinkel von 65 Grad. Bei hohen Geschwindigkeiten in der Abfahrt können Kinder von der Laufruhe des San Quentin 24 profitieren. Eine niedrige Überstandshöhe garantiert viel Bewegungsfreiheit über dem Rahmen.
Für Grip und zusätzliche Dämpfung sorgen Vee Tires Crown Gem, deren massive Breite von 2,6 Zoll auf Felgen mit 27 Millimetern Innenweite besonders gut zur Geltung kommt. Für den Weg zum Trail stehen am Trail-Hardtail für Kinder nur neun Gänge zur Verfügung. Dank der Kassette von Microshift können Kids aber immerhin zwischen elf bis 46 Zähnen wählen.
Das Marin San Quentin 24 im Detail:
- Preis: 1099 Euro
- Gewicht: 13,62 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 24“
- Verfügbare Rahmengrößen: One Size
- Größenempfehlung: 124 - 144 cm
- Federweg vorne: 100 mm
- Einsatzbereich: Trail- Hardtail
- Schaltung / Kassette: 1 x 9 / 11-46 Zähne
- Highlights: Trail-Geometrie, 2,6” breite Reifen
BIKE Schnell-Check: Gewicht und Ausstattung des Marin San Quentin 24 sind eher auf Fahrspaß und den Allround-Einsatz ausgelegt, als auf sportliche Touren. Über 13,5 Kilo wären selbst für ein Erwachsenen-Hardtail ohne Variostütze viel. Ein solider Rahmen, dicke Reifen und ein vom Dirtbike inspiriertes niedriges Oberrohr dürften dafür beim Erlernen der Fahrtechnik helfen. Da Marin nur eine Rahmengröße anbietet, sollten Eltern vor dem Kauf checken, ob das Trail-Hardtail ihrem Sprössling auch wirklich passt.
2. Roko.Bike 24
Vom kleinen Label Roko.Bike hat man in Deutschland wahrscheinlich noch wenig gehört. Zeit das zu ändern, denn die Polen haben sich auf leichte und günstige Kinderbikes spezialisiert. Erst seit 2022 ist das junge Unternehmen im Geschäft. Vorausgegangen war eine zweijährige Entwicklungs- und Testphase. Aktuell bedient Roko.Bike vor allem den polnischen Markt. Die Bikes sind über die Homepage aber auch hierzulande erhältlich, der Versand ist kostenlos.
Mit dem Roko.Bike 24 will das kleine Label ein niedriges Gewicht und guten Vortrieb mit einem günstigen Preis vereinen. Rahmen und Starrgabel bestehen aus leichtem Aluminium, sodass das einfach gehaltene Bike mühelos unter der Neun-Kilo-Marke bleibt. Dass das Leichtgewicht in fünf verschiedenen Farben erhältlich ist, dürfte wählerische Kinder freuen. Extra kurze Kurbeln mit 127 Millimetern Länge sollten ergonomisch gut zu Kinderbeinen passen.
Vorbaulänge und Lenkerbreite des Roko.Bike 24 sind mit 35, beziehungsweise 580 Millimetern knapp gehalten, sodass auch kleinere Kinder das Bike noch gut kontrollieren können. Ein 69,5 Grad steiler Lenkwinkel, neun straff übersetzte Gänge und schnell rollende Kenda-Reifen passen zum sportiven Charakter des Kinder-Hardtails. Entgegen aktueller Standards setzt Roko.Bike vorne wie hinten auf dünne Schnellspann-Achsen. Im Alltag dürfte deren Steifigkeit in gemäßigtem Gelände für Kinder problemlos ausreichen. Eltern erleichtert es den Ein- und Ausbau der Laufräder, wenn das Kinder-Bike zum Beispiel im Auto verstaut werden soll.
Für 280 Euro mehr ist das Roko.Bike 24 auch mit einer minimalistischen 60-Millimeter-Federgabel erhältlich. Obwohl deren Krone aus leichter Kohlefaser konstruiert ist, bringt der Weichmacher immerhin rund 900 Gramm Mehrgewicht mit sich.
Das Roko.Bike 24 im Detail:
- Preis: 699 Euro
- Gewicht: 8,28 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 24“
- Verfügbare Rahmengrößen: One Size
- Größenempfehlung: 120 - 145 cm
- Federweg vorne: Starrgabel
- Einsatzbereich: Hardtail
- Schaltung / Kassette: 1 x 9 / 11-42 Zähne
- Highlights: geringes Gewicht, günstiger Preis, junges Unternehmen
BIKE Schnell-Check: Getreu dem Motto “Keep It Simple” stellt Roko.Bike ein unkompliziertes Kinderbike auf die zahm profilierten Reifen. Schön ist das leichte Gewicht und der faire Preis. Trotz nur neun Schaltstufen schafft es der Microshift-Antrieb mit der Übersetzungsbandbreite teurer Elffach-Schaltungen gleichzuziehen. Auf Touren über Schotter und Waldwege sollte auch die Starrgabel ausreichen. Für Familien-Touren und den Weg zur Schule braucht es ohnehin nicht mehr. Der sportliche Charakter besitzt das Potential Kinder für schnelle Fahrräder zu begeistern.
3. Scott Scale RC 400
Dank Fahrern, wie Nino Schurter und Kate Courtney, dürfte Scott-Sram-MTB-Racing eines der berühmtesten Crosscountry-Worldcup-Teams überhaupt sein. Der Modellname Scale ist deshalb kein unbekannter, sondern zieht sich vom Profi-Sportgerät bis zum Kinder-MTB durch die Hardtail-Produktpalette von Scott. Am 24-Zoll-Modell bleibt die Waage dank Alu-Starrgabel schon bei knapp über 9 Kilo stehen. Um Kindern viel Bewegungsfreiheit über dem Rad zu geben, hat Scott auf einen extra kompakten Rahmen mit niedriger Überstandshöhe geachtet.
Bei den wichtigsten Komponenten vertraut Scott auf Produkte von Shimano. So stammt nicht nur die Schaltung mit elf Gängen, sondern auch die Bremsanlage mit 160 Millimeter kleinen Scheiben von den Japanern. Fein profilierte und gut rollende Schwalbe Rocket Ron Reifen sollen dafür sorgen, dass Kindern kein Watt verloren geht. Insgesamt hat das Scott Scale RC 400 so das Potential zu einem pfeilschnellen Hardtail für ambitionierte Nachwuchs-Racer - ganz ähnlich dem großen Vorbild auf 29 Zoll.
Auch im Alltagseinsatz soll der Silberpfeil dank Aufnahme für Flaschenhalter, Gepäckträger und Schutzblech Kinderherzen höher schlagen lassen.
Das Scott Scale RC 400 im Detail:
- Preis: 899 Euro
- Gewicht: 9,15 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
- Laufradgröße: 24“
- Verfügbare Rahmengrößen: One Size
- Größenempfehlung: 125 - 135 cm
- Federweg vorne: Starrgabel
- Einsatzbereich: Hardtail
- Schaltung / Kassette: 1 x 11 / 11-42 Zähne
- Highlights: Elffach-Schaltung, Shimano-Scheibenbremsen, niedrige Überstandshöhe
BIKE Schnell-Check: Mit dem Scott Scale RC 400 können Nachwuchs-Mountainbiker ihren Race-Vorbildern nacheifern und Freude an Geschwindigkeit entwickeln. Einen kleinen Aufpreis muss man für das Image zwar einrechnen, dafür ist das Scale ein seit vielen Jahren bewährtes Kinder-Bike. Für Trails mit Wurzeln und Steinen sind die Starrgabel und die schmalen Reifen nicht unbedingt ausgelegt. Im Scale schlummert eher ein unkomplizierter Freund für Touren und Ausflüge. Genau das suchen viele Eltern für ihre Kinder.
Zusammenfassung der getesteten Modelle
Hier ist eine tabellarische Zusammenfassung der drei getesteten 24-Zoll-Mountainbikes:
| Modell | Preis | Gewicht | Federweg vorne | Schaltung | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|---|
| Marin San Quentin 24 | 1099 Euro | 13,62 kg | 100 mm | 1 x 9 | Trail-Geometrie, 2,6” breite Reifen |
| Roko.Bike 24 | 699 Euro | 8,28 kg | Starrgabel | 1 x 9 | Geringes Gewicht, günstiger Preis |
| Scott Scale RC 400 | 899 Euro | 9,15 kg | Starrgabel | 1 x 11 | Elffach-Schaltung, Shimano-Scheibenbremsen |
Die Welt entdecken - und zwar auf zwei Rädern. Für Kinder beginnt dieses Abenteuer mit dem ersten eigenen Fahrrad. Plötzlich sind die Touren mit Mama und Papa nicht mehr auf den Spielplatz oder ein paar Straßen begrenzt. Mit dem Rad verändert sich etwas: Kinder fühlen sich größer, mutiger, unabhängiger. Bevor es losgeht, braucht es allerdings das richtige Bike. Und das will gut gewählt sein. Denn Sicherheit, Handling und Verarbeitung spielen eine große Rolle - vor allem, wenn die kleinen Abenteurer nicht nur langsam durch die Gegend rollen, sondern richtig Gas geben wollen. Rahmen, Bremsen, Tretlager, Reifen: Alles muss sitzen.
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