Wenn Sie als Familie eine Radtour mit Ihren Kindern planen, gibt es einiges zu beachten, damit die Tour für alle Beteiligten zu einem schönen Erlebnis wird. Am entspanntesten und vergnüglichsten wird Ihr Fahrradausflug, wenn keiner der Beteiligten unnötig über seine Belastbarkeits- oder Geduldsgrenzen gehen muss.
Gehen Sie deshalb von Anfang an realistisch an die Planung heran und schauen Sie genau, was Ihre Kinder überhaupt "schaffen" oder "aushalten" können. Wenn Sie eine Einschätzung gewonnen haben, sollten Sie im Vorwege (Tages-)Routen aussuchen, die dazu passen.
Die richtige Routenwahl
Vermeiden Sie nach Möglichkeit langanhaltende Steigungen oder stupides Geradeausfahren. Achten Sie darauf, dass Sie möglichst viele unbefahrene Radwege und Straßen nutzen, an denen auch mal eine längere Pause möglich ist. Vielleicht können Sie die Strecken so legen, dass in regelmäßigen Abständen tolle Attraktionen auch für die Kinder angefahren werden.
In jedem Fall eignen sich für Pausen besonders Spielplätze, Pferdekoppeln oder Bachläufe. Ruhige, autofreie Radwege findest du z. B. entlang von Flüssen (Elberadweg, Emsradweg, Mainradweg), an der Nord- oder Ostsee oder in Naturparks. Ideal für Einsteiger-Familien sind ruhige, flache Gegenden mit guter Infrastruktur. Städte kannst du als spannende Zwischenstopps einplanen, aber nicht als Hauptstrecke.
Beliebte Radwege für Familien
- Der Isar Radweg: Von der Isarquelle bei Scharnitz bis Deggendorf an der Donaumündung ist er insgesamt 300 Kilometer lang. Er zählt zu den familienfreundlichen Radwegen in Bayern.
- Der Donauradweg: Der Fernradweg ist stolze 2.850 Kilometer lang, er beginnt an der Quelle der Donau und endet an der Mündung ins Schwarze Meer. Die Abschnitte in Deutschland und Österreich eignen sich hervorragend für tageweise Etappen. Der Donauradweg verläuft weitgehend ohne Autoverkehr und durchgehend flach.
- Der Altmühl-Radweg: Der 250 Kilometer lange Altmühl-Radweg verläuft von Rothenburg ob der Tauber nahe der Altmühl-Quelle bis zur Mündung bei Kelheim - größtenteils ohne Verkehr und auf kleinen Straßen, Wald- und Feldwegen.
- Der Main-Radweg: Er schlängelt sich von Bamberg nach Würzburg, auf einer Länge von 600 Kilometern. Bei einer Radtour mit Kindern passieren Sie Wälder, Felder und Weinberge auf ruhigen Straßen.
- Der Elberadweg: Familienfreundliche Streckenabschnitte der insgesamt 1.300 Kilometer liegen in Sachsen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Je südlicher, desto bergiger die Strecke.
- Der Ostseeradweg: Über die gesamte Länge bringt es der Ostseeradweg zwischen Flensburg und der Insel Usedom auf 1.000 Kilometer. Es geht stundenlang übers platte Land. Perfekt, um mit Ihren Minibikern ordentlich Kilometer zu schruppen.
Altersgerechte Etappenplanung
Wie in vielen Bereichen der motorischen Entwicklung von Kindern gibt es keine Standard-Antworten. Jedes Kind ist und wächst anders. Manche schaffen bereits ab einem Alter von sechs Jahren längere Strecken ohne große Hilfe, andere erst mit 10 oder 11 Jahren.
Die Faustregel lautet: Kinder sind ab dem Grundschulalter, mit etwa 10 Jahren, sichere Radfahrer und damit fit für längere Radtouren oder einen kleinen Radurlaub auf dem eigenen Bike. Am schönsten sind Strecken durch Feld, Wald und Wiesen - sofern der Untergrund nicht zu holprig ist. Motivierend wirkt ein schönes Ziel wie zum Beispiel ein Spielplatz oder eine Eisdiele.
Raderprobte und geschickte Kindergartenkinder schaffen bereits Touren von circa 15 Kilometern bis maximal 20 Kilometern. Mehr aber nicht. So richtig loslegen können Sie dann mit einem Grundschulkind. Zehnjährige sind mit einer guten Portion Kondition, einem starken Willen und ausreichend körperlicher Kraft ausgestattet. Sie meistern schon Etappenlängen zwischen 20 und 50 Kilometern - je nach Können und Lust.
Empfohlene Tagesetappen:
- Kindergartenkinder: 15-20 km
- Grundschulkinder (ca. 10 Jahre): 20-50 km
Ausrüstung und Gepäck
Grundsätzlich sollten Sie davon ausgehen, dass Sie für Ihr Kind mindestens genauso viel Stauraum benötigen, wie für sich selbst. Der Ausflug oder die Reise kommt also mal wieder einem Umzug gleich. Für Kinder sind zudem die für uns vermeintlich unwichtigen Dinge häufig die wichtigsten. Planen Sie Ihr Gepäck also sorgfältig und möglichst gemeinsam mit den Kindern.
Auf größeren und wettertechnisch nicht abschätzbaren Radtouren sollten nicht nur Ihre, sondern auch die Packtaschen der Kinder wasserdicht sein. Achten Sie darauf, dass das Gewicht gerecht, d.h. alters- bzw. leistungsgemäß verteilt ist. Eine wesentliche Voraussetzung für die Sicherheit ist ein verkehrstaugliches Fahrrad. Radgröße und Gewicht des Kindes müssen zusammenpassen.
Checkliste für die Ausrüstung:
- Verkehrssicheres Fahrrad
- Passender Helm
- Bequeme Kleidung (MTB-Trikots)
- Regenjacke
- Multifunktionstuch
- Fahrradanhänger (für Kleinkinder)
- Reparaturset
- Erste-Hilfe-Set
Transportmöglichkeiten für müde Kinder
Werden die Kinder quengelig und lustlos, steigt die Sturz- und Unfallgefahr stark an. Überlegen Sie daher vorab, wie Sie ein erschöpftes Kind entlasten könnten. Die Möglichkeiten hängen von Alter, Gewicht und der "Fahrradreife" des Kindes ab.
- Fahrrad-Kindersitz: Dort lassen sich Kinder von ein bis fünf Jahren befördern. Auf einem auf dem Gepäckträger angebrachten Kindersitz sollten maximal 25 kg, auf einem am Lenker montierten Sitz maximal 15 kg lasten.
- Fahrradanhänger: Erheblich teurer, aber sehr beliebt sind Fahrradanhänger für ein bis zwei Kinder bis zu sieben Jahren.
- Tandemsystem/Nachläufer: Praktisch und preiswert ist eine Tandemstange. Mit ihr wird das Kinderfahrrad mit wenigen Handgriffen an das Erwachsenenrad gekoppelt bzw. entkoppelt, falls das Kind wieder selbstständig fahren möchte.
- Trailerbike: Dabei handelt es sich quasi um ein halbes Kinderfahrrad, das fest mit dem Zugfahrrad verbunden ist.
Weitere Tipps für eine gelungene Radtour
- Gemeinsam planen: Gemeinsames Planen fördert die Motivation und den Spaß an der Tour.
- Regelmäßige Pausen: Machen Sie je nach Alter der Kinder alle 30 bis 60 Minuten eine Trink- und Toilettenpause.
- Alternativen einplanen: Anschluss an öffentliche Verkehrsmittel kann einen stressfreien Rückweg ermöglichen, wenn die Stimmung kippt oder die Kraftreserven aufgebraucht sind.
- Flexibel bleiben: Geben Sie dem Zufall dennoch eine Chance: Ärgern Sie sich auf keinen Fall, wenn nicht alles nach Plan läuft. Spontanität bringt Kreativität. Und oft wird aus der Not eine Tugend.
- Den richtigen Zeitpunkt wählen: Die beste Zeit für Familienradreisen liegt zwischen März und September.
- Wasser ist Pflicht: Plane mit 2 bis 6 Litern Wasser pro Tag und Person - je nach Wetter und Anstrengung.
Beispiel Moselradweg
Der Moselradweg, der ziemlich eben, so gut wie ohne jede Steigung, an den Ufern der Mosel entlang durchs Moseltal führt. Von Trier bis Bullay (zwischen Traben-Trarbach und Cochem) fährt im Sommer der „Regio-Radler“ mit der Nummer 333 mehrmals täglich die Dörfer auf diesem Stück des Moselradwegs an. Man kann also jederzeit zusteigen, wenn man nicht mehr alleine weiterkommt, und ein Stück mitfahren, mitsamt seinem Rad.
Plan B für die Route von Trier:
- Übernachtungsstopps in Leiwen
- Traben-Trarbach
- Cochem bis Koblenz
Die Schiffe der Gebrüder Kolb verkehren jeweils zwischen Trier und Bernkastel-Kues, zwischen Bernkastel-Kues und Cochem und dann noch einmal zwischen Cochem und Koblenz. Sie bieten Rundfahrten an, Halbtages- und Tagestouren, aber man kann natürlich auch einfach eine einfache Strecke mitfahren.
Tipp: Ab 9:00 Uhr ist die Mitnahme von Fahrrädern in Regionalzügen in Rheinland-Pfalz umsonst (den benötigten Platz vorausgesetzt).
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