Vierzylinder-Reihenmotoren haben die Motorradwelt über Jahrzehnte maßgeblich geprägt. Doch ihr Herbst scheint gekommen, die letzten ihrer Art verschwinden bald. Der Reihenvierzylinder hat wie kein anderes Motorenkonzept die jüngere Geschichte des Motorrads bestimmt.
Die Geschichte des Reihenvierzylinders
Es war der Inline-Four, der Anfang der Siebziger das Motorrad aus der Schmuddelecke hat entwachsen lassen. Als Soichiro Honda 1969 der Welt erstmals die CB 750 Four, jenen bahnbrechenden, epochalen japanischen Vierer präsentierte, galten Motorräder wahlweise als rappelig, ölig, langsam oder zumeist kaputt. Das originale "Superbike" wurde zum Maß der Dinge und zur Blaupause für alle Nachfolger und Nachahmer, die dieses Grundkonzept steigerten und verfeinerten. Japan hat der Welt gezeigt, dass Leistung, Haltbarkeit und Laufkultur unter einen Hut zu bringen sind. Im Vierzylinder. Er trat einen gewaltigen Siegeszug an.
Der Sechsender hat sich nie so richtig durchgesetzt, und die Japaner bedienten die nach Power lechzende Kundschaft dieser Zeit gern mit immer neueren, größeren, immer stärkeren Reihenvierern. Über Jahrzehnte war der Inline-Four der Industriestandard im bezahlbaren Motorradbau, die hubraumstärksten Varianten zugleich dessen Krönung.
Leistung war irgendwann genug da, andere waren leichter und kompakter. Der V2 wurde haltbar und kultiviert. Der Dreizylinder kam zurück und fand viele Freunde. Und heute findet man statt der großen 1200er-, 1300er- und 1400er überall aus den Sportmodellen abgeleitete 1000er-Vierzylinder, auch als V4 oder Pseudo-V4. Die dicken Reihenvierzylinder mit konventioneller Zündfolge und richtig Hubraum sind out. Euro 4 tut sein Übriges. Für die letzten verbleibenden Maschinen am Markt lohnt die technisch durchaus machbare Umrüstung nicht, die meisten laufen aus.
Vorteile des Reihenvierzylinders
- Laufruhe und Drehzahlfestigkeit: Der Reihenvierzylinder bietet beste Voraussetzungen: Kurze (Gas-)Wege und wenige bewegte Bauteile, denn bei ihm wird nur ein Zylinderblock benötigt. Laufruhe und Drehzahlfestigkeit gehören zu seinen Stärken.
- Hohe Leistungsausbeute: Wenn es vor allem um PS geht, führt der Weg beim Serienmotorrad über den Vierzylinder-Reihenmotor.
- Gleichmäßige Kraftentfaltung: Die vier Zylinder sind in einer Reihe angeordnet, was eine gleichmäßige Kraftentfaltung und einen konstanten Motorlauf ermöglicht. Die Synchronisation der Zylinder eliminiert nahezu alle Leerlaufphasen, was eine konstante Leistung ohne Unterbrechungen garantiert.
- Einfache Fahrbarkeit: Die Emotion, die mir ein Motor geben muss, ist Fahrbarkeit. Das kann m.E. ein Vierender sehr gut - ganz ohne große Eingewöhnung.
Nachteile des Reihenvierzylinders
- Baubreite und Masse: Moderne Werkstoffe erlauben, viele Bauteile filigran und trotzdem stabil zu gestalten. Das relativiert seine wesentlichen Nachteile: Baubreite und Masse. Der dämmende und Hitze abführende Wassermantel ist ein Muss bei der Leistungssuche.
- Emotionale Ansprache: Ich komme ja auch vom R4, und der hat mich emotional einfach nicht abgeholt. Ja, meine ZX7R Ninja und auch meine spätere Z750 waren irgendwie schon geil, aber das Herz haben sie nicht so sehr bewegt.
- Gewicht: Das höhere Gewicht im Vergleich zu Einzylinder- oder Zweizylindermotoren kann ebenfalls als Nachteil betrachtet werden.
Beispiele für Motorräder mit Reihenvierzylindermotoren
Es gab und gibt zahlreiche Motorräder, die mit Reihenvierzylindermotoren ausgestattet sind. Einige Beispiele sind:
- BMW K 1300 R
- Honda CB 1300
- Kawasaki ZRX 1200 R
- Suzuki Bandit 1250
- Suzuki B-King
- Yamaha XJR 1300
Diese Modelle zeichnen sich durch ihre Vielseitigkeit und ihre Fähigkeit aus, sowohl im Alltag als auch auf längeren Touren eine gute Figur zu machen.
Alternativen zum Reihenvierzylinder
In den letzten Jahren haben sich andere Motorenkonzepte als interessante Alternativen zum Reihenvierzylinder etabliert:
- V2-Motoren: Sie bieten einen charakterstarken Sound und ein hohes Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen.
- Dreizylinder-Motoren: Sie vereinen die Vorteile von Zwei- und Vierzylindermotoren und bieten eine gute Balance zwischen Leistung und Laufruhe.
- V4-Motoren: Sie bieten eine hohe Leistung und eine kompakte Bauweise.
Die Zukunft des Reihenvierzylinders
Schon komisch, dass dieses bahnbrechende Konzept, gestern noch Industriestandard und Maß der Dinge, heute aus der Mode gekommen scheint. Ein klein wenig sind die Big Bikes wohl Opfer ihres eigenen Erfolgs und des Zeitgeists geworden. Leistung haben heute alle, zunehmend auch Laufkultur und Haltbarkeit. Viele Käufer verlangen aktuell eher nach kernigen, emotionalen Wenig-Zylindern statt introvertierten Wohlfühl-Understatements. Man sollte den großen Vierzylinder wirklich mal wieder ganz neu, ganz frisch denken. Vielleicht hieße es dann auch wieder oberhalb der 1000-Kubik-Schallmauer: Vier gewinnt.
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