Ab wann darf man wieder Motorrad fahren nach Winter?

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen und die Sonne lässt sich zum ersten Mal im Jahr wieder für längere Zeit blicken: Der Frühling ist da - und mit ihm auch der Start in die neue Motorradsaison. Jetzt schlägt bei jedem Biker das Herz wieder höher. Voller Vorfreude wird das Motorrad zum Saisonstart aus der Garage geholt, kurz entstaubt und schon geht es los.

Es ist soweit! Die ersten Frühlingstemperaturen stehen am Thermometer und das Motorrad wurde angemeldet. Die Vorfreude sollte aber nicht in Unvernunft ausarten. Es liegen die kalten Wintermonate hinter uns, die nicht gerade zum Motorradfahren einladen. Motorradfahrer mit Saisonkennzeichen, oder welche die ihr Kennzeichen hinterlegen, kamen die letzten Monate sowieso nicht in Versuchung.

Ganz offiziell gibt es kein fixes Startdatum - aber in der Praxis beginnt die Motorradsaison in Deutschland für viele im März oder April, abhängig vom Saisonkennzeichen. Wer sein Bike z. B. auf „03-10“ zugelassen hat, darf ab dem 1. März wieder fahren und muss es erst Ende Oktober wieder verstauen. Außerhalb dieses Zeitraums zu fahren bringt Bußgelder mit sich.

Wer ein Jahreskennzeichen hat, ist natürlich deutlich flexibler. Aber der Start der Motorradsaison, sowie vor allem des sonnigen Frühlingswetters, ist trotzdem ein passender Anlass, die Maschine fit zu machen und sich selbst langsam wieder ans Fahren zu gewöhnen.

Vorbereitung von Motorrad und Fahrer

Bevor man sich also aufs Motorrad schwingt, sollte ein ausführlicher Check von Maschine und Ausrüstung an erster Stelle stehen.Mindestens genauso wichtig wie dieser Check nach der saisonalen Fahrpause sind die gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr sowie die mentale und körperliche Vorbereitung auf die ersten Touren. Denn nicht nur das Motorrad muss aus dem Winterschlaf erwachen. Mensch und Motorrad starten nach der Winterpause neu - da ist die Gefahr groß, dass die Maschine Standschäden und der Mensch das Fahren leicht verlernt hat. Vorm Losfahren muss also die Technik gründlich kontrolliert werden - und der Biker sollte sich einem kleinen Training unterziehen, empfehlen Experten.

Technik-Check des Motorrads

Nach der Winterpause kann man sein Motorrad entweder in einer Werkstatt fit für den Saisonstart machen lassen oder mit ausreichend technischem Know-how selber Hand anlegen. Besonders nach der langen Winterpause empfiehlt es sich, das Motorrad einer technischen Prüfung zu unterziehen. Schließlich stand das Bike einige Zeit unbenutzt herum.

Hat das Motorrad den Winter über in der Garage verbracht? Dann ist mit Beginn der ersten warmen Sonnenstrahlen die perfekte Zeit für einen gründlichen Frühjahrs-Check. Das kann man entweder selbst machen (sofern etwas Erfahrung vorhanden ist) oder bei der Werkstatt des Vertrauens erledigen lassen.

Checkliste für den Saisonstart:

  • Reinigen Sie das Motorrad gründlich und überprüfen Sie es auf Mängel oder Roststellen.
  • Bei der Reinigung können auch Undichtigkeiten an Motor, Vorderradgabel oder Federbein erkannt werden.
  • Checken Sie die Batterie und prüfen Sie, ob diese ausreichend geladen ist. Vor dem ersten Start des Motors sollte sie in jedem Fall voll aufgeladen sein.
  • Prüfen Sie den Stand von Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel und füllen Sie bei Bedarf nach.
  • Wenn Betriebsstoffe in größeren Mengen nachgefüllt werden müssen, sollte auch die mögliche Ursache für den niedrigen Füllstand geprüft werden, etwa verschlissene Bremsbeläge oder Undichtigkeiten am Kühlsystem.
  • Testen Sie bei laufendem Motor sowohl Lichtanlage als auch die elektronische Anlage, z.B. Kupplungs- und Seitenständerschalter.
  • Überprüfen Sie die Antriebskette nicht erst kurz vor dem Start, sondern spätestens am Vorabend, denn nur so kann das aufgetragene Kettenfett richtig einwirken. Ist die Kette richtig gespannt? Für das korrekte Spiel des unteren Kettendurchhangs gelten die Vorgaben in der Bedienungsanleitung. Wenn die Kette zu stark oder sehr unregelmäßig gelängt ist, muss sie ersetzt werden.
  • Überprüfen Sie vor der ersten Fahrt unbedingt die Bremsscheiben und -beläge. Nach längerer Standzeit können sich Staub und schmieriger Schmutz auf den Scheiben ablagern. Deswegen sollten Sie die Bremsscheiben zunächst beidseitig mit einem Bremsenreiniger auf einem Tuch abwischen. Zur Funktionsprüfung der Bremsen gehört auch, den Druckpunkt am Hebel und den Tritt aufs Pedal zu checken. Sind sie deutlich und präzise spürbar? Öffnet sich die Bremse wieder? Sitzen vielleicht die Kolben fest? Dies können Sie schon beim Schieben des Bikes kontrollieren. Auch die Bremsleitungen sind zu überprüfen - sie dürfen weder porös noch undicht sein. Bei Fehlern oder Mängeln an der Bremsanlage sollten Sie die Maschine stehen lassen und von einer Werkstatt prüfen und reparieren lassen.
  • Prüfen Sie Profilzustand, Luftdruck und Alter der Reifen (auch wenn Sie in der letzten Saison wenig gefahren sind). Die Reifen haben weniger als 1,6 Millimeter Profil oder sind älter als sechs Jahre? Dann sind auf jeden Fall neue fällig.
  • Bei Vergaser-Maschinen: Benzinhahn öffnen und gegebenenfalls frischen Kraftstoff in die leere Schwimmerkammer der Vergaser füllen. So können beim Motorstart leichter entzündliche Spritbestandteile in den Brennraum gelangen.
  • Eventuelle Mängel auf jeden Fall vor Fahrtbeginn reparieren oder reparieren lassen.

Nach einigen Monaten Pause sollte man zum Saisonstart auch sich selbst ein kleines „Warm-Up“ gönnen und es die ersten Touren eher langsam angehen lassen - nicht gleich zu Anfang schon in die Serpentinen stürzen oder den Trip in die Dolomiten buchen. Beginnen Sie nicht gleich mit einer großen Runde, sondern starten Sie mit einigen kürzeren Eingewöhnungstouren. So geben Sie Körper und Geist die Chance, sich schrittweise wieder an die Herausforderungen des Motorradfahrens zu gewöhnen.

Vor der ersten echten Ausfahrt eine kurze Probefahrt machen. Dabei auf den ersten Metern beachten, dass die Kontrollleuchten für ABS und Traktionskontrolle ausgehen. Wenn es die Verkehrssituation erlaubt, Vorder- und Hinterradbremsen prüfen. Am Hinterrad sollte deutlich das ABS ansprechen.

Ausrüstungs-Check

Nicht nur das Motorrad braucht einen Check - auch die Ausrüstung muss fit sein, um im Fall der Fälle das Schlimmste verhindern zu können. Auf Helm und Co. muss immer Verlass sein, besonders jedoch beim Wiedereinstieg ist das Risiko vor allem bei unerfahrenen Fahrern nicht zu unterschätzen.

  • Helm: Wann war der letzte Tausch? Spätestens nach fünf bis acht Jahren ist also ein neuer Helm fällig. Sein Visier muss sauber und Kratzer-frei sein. Reinigung unmöglich? Austauschen! Sind Sie schon einmal damit gestürzt, muss ein neuer her. Alte Helme gehören ebenfalls in den Müll.
  • Protektorenjacke & Hose: Sitzt alles noch gut und auch die Reißverschlüsse machen keine Probleme?
  • Handschuhe & Stiefel: Beides muss sicher sitzen und darf keinen unsicheren Halt oder Grip verursachen.

Die richtige Kleidung erhöht nicht nur den Fahrkomfort, sie kann auch die passive Sicherheit beim Motorradfahren deutlich verbessern. Neben Helm, Handschuhen und Schutzkleidung sind vor allem in den manchmal noch erstaunlich kühlen Frühlingstagen eine warme Funktionsunterbekleidung sowie ein Nierengurt bzw. Rückenprotektor zu empfehlen. Mit kontrastreicher Kleidung sind Sie als Motorradfahrer bzw. Motorradfahrerin für andere Verkehrsteilnehmer und -teilnehmerinnen besser sichtbar. Ihr Haupt- und Anti-Beschlag-Visier sollten Sie auf Kratzer untersuchen und gegebenenfalls austauschen.

Fahrer-Check

Nun haben sich aber nicht nur Staub auf dem Bike und der Ausrüstung gesammelt, sondern auch auf den Knochen. Es mag vielleicht auf der Hand liegen, aber es sollte nicht unerwähnt bleiben.

  • Kondition aufbauen: „Gute Kondition lässt sich durch Joggen, Wandern oder Radfahren aufbauen und erhalten“, sagt Michael Lenzen vom Bundesverband der Motorradfahrer (BVdM). Bei schlechtem Wetter geht das mit Crosstrainer, Laufband oder Stepper zu Hause oder im Fitnessstudio. Lenzen empfiehlt auch, sich vor der ersten Ausfahrt auf das Motorrad zu setzen und im Geiste die Tour abzufahren.
  • Start-Tour: Beginnen Sie mit einer Spazierfahrt. „Direkt nach der Winterpause eine 300-Kilometer-Tour abzureißen, ist nicht ratsam“, sagt Lenzen. Einen besonnenen Biker mache aus, dass er Reserven für sich und seine Maschine einplant, für Verkehrsteilnehmer mitdenkt und defensiv fährt. Dazu zähle auch, dass er die Straße richtig „lesen“ kann und damit rechnet, dass manche Stellen noch glatt sind.
  • Trocken-Training: „Bis die Automatismen wieder richtig funktionieren, dauert es eine Weile“, sagt Lenzen. Absolvieren Sie daher vor der ersten Tour ein paar Fahrübungen auf dem Parkplatz, um wieder das richtige Gefühl für Gewicht und Fahrverhalten der Maschine zu bekommen. Noch besser: Ein professionelles Motorrad-Training, bei dem Fahrer an ihrer Technik feilen.

Gerade zum Saisonstart müssen Sie sich gedanklich und auch körperlich darauf vorbereiten, um Risiken zu minimieren.Die Teilnahme an einem Motorrad-Training ist ein idealer Start in die neue Saison. Die Programme werden bundesweit auf ADAC Trainingsanlagen angeboten.

Versicherungsfragen klären

Für Motorräder ist nämlich eine Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben und Voraussetzung für das amtliche Kennzeichen. Und ohne dieses ist das Touren verständlicherweise nicht möglich. Zusätzlich zu der Haftpflicht kann eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen werden, diese greift meist bei Diebstahl, Wildunfällen oder auch Glasbruch.

Mit der Wahl eines Saisonkennzeichens kann man nicht nur den Zeitraum des erlaubten Fahrens frei wählen, sondern auch der Versicherungsschutz richtet sich nach eben jenem Zeitraum. Bedeutet im Klartext: Man zahlt nur für die Monate, in denen auch gefahren werden darf. Wenn das Motorrad nicht das ganze Jahr über genutzt werden soll, kann man sich beim Anmelden für ein Saisonkennzeichen entscheiden - mindestens zwei zusammenhängende Monate im Jahr müssen es mindestens sein, bis zu elf Monate ist maximal erlaubt. Meist entscheiden sich Biker für einen Zeitraum von März/April bis Ende Oktober, dies ergibt aufgrund der Jahreszeiten und dem damit verbundenen Wetter auch Sinn.

Sicherheitshinweise für den Saisonstart

Nach der kalten Jahreszeit muss man mit großen und tiefen Schlaglöchern rechnen, die durch Frostschäden verursacht wurden. Deswegen ist eine aufmerksame und vorausschauende Fahrweise unabdingbar. In höheren Lagen, stößt man nach dem Winter auf Streusplitt auf der Straße oder sogar Schnee seitlich von der Fahrbahn, was das Motorrad bei zu hoher Geschwindigkeit zum Schleudern bringen kann. Darüber sollten sich Biker also im Klaren sein, wenn sie eine Tour in die Berge planen.

Auch Kreuzungen sind nicht ganz ungefährlich für Motorradfahrer, da sie hier übersehen oder zu spät gesehen werden können: wie schnell verschwindet die schmale Silhouette eines Motorrads hinter einem PKW, einem Verkehrszeichen oder einer Werbetafel! Hier also besser nicht überholen!Biker sollten zu Beginn der Motorradsaison nicht vergessen, dass sich auch die Autofahrer erst wieder an die zunehmende Zahl an Motorrädern im Straßenverkehr gewöhnen müssen. Die Devise lautet also „für die Autofahrer mitdenken“.

Die häufigsten Unfallursachen bei Motorradfahrern sind zu hohe Geschwindigkeit, Überschätzung der eigenen Fähigkeiten, mangelnde Fahr-, Brems- und Blicktechnik. Dabei überwiegen vor allem Alleinunfälle in Kurven. Anfang Mai - zu Beginn der Motorradsaison - ereignen sich viele Unfälle. Die Kurve erreicht jedoch ihren Höhepunkt im Sommer: Zu diesem Zeitpunkt fühlen sich die Motorradfahrer wieder sicherer, werden mutiger und im ungünstigsten Fall unaufmerksamer. Als Biker hat man also die eigene Sicherheit zum größten Teil selbst in der Hand und kann das Schlimmste verhindern, wenn man aufmerksam und vorausschauend fährt.

Volle Innenstädte bieten nie den großen Fahrspaß und werden dementsprechend sowieso meist von Bikern gemieden, aber besonders zum Saisonstart sollte man einen Bogen um diese machen und erst einmal über ruhige Landstraßen cruisen, um wieder „eins“ mit seiner Maschine zu werden. Und auch andere Verkehrsteilnehmer müssen sich wieder an vermehrt Motorräder auf den Straßen gewöhnen, sind Autofahrer den ganzen Winter über doch eher wenigen Bikern begegnet.

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