Die Sonne lacht und die Kinder wollen mitfahren! Morgens zur Schule, nachmittags zum Sport oder zu Freunden - besonders im urbanen Raum bieten sich Moped, Roller und Motorrad an, um durch die Stadt zu cruisen. Doch was ist erlaubt und was nicht? Gerade bei der Mitnahme von Kindern gibt es klare Regeln.
Viele motorradbegeisterte Eltern bereiten ihre Kinder ab dem Grundschulalter auf das Mitfahren vor. Ein Mindestalter für Kinder als Motorradbeifahrer gibt es nicht. Theoretisch könnte man also auch ein Kleinkind auf dem Motorrad mitnehmen - wenn genügend Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden.
Im Folgenden werden die wichtigsten Aspekte und Voraussetzungen für eine sichere und angenehme Fahrt mit Kindern auf dem Motorrad erläutert.
Gesetzliche Bestimmungen und Voraussetzungen
Der Gesetzgeber schreibt grundsätzlich kein Mindestalter für den Sozius auf dem Motorrad bzw. Roller vor. Die Straßenverkehrsordnung (StVO) gibt kein Mindestalter für Motorradbeifahrer an. Stattdessen ist die körperliche Reife entscheidend.
Konkret bedeutet dies: Das Kind muss bestimmte körperliche Anforderungen erfüllen, um eine gute Sitzposition einnehmen, die Fußrasten erreichen und sich festhalten zu können. Im Allgemeinen gilt, dass Kinder diese Anforderungen ungefähr ab dem fortgeschrittenen Grundschulalter bzw. ab einem Alter von ca. acht Jahren erfüllen.
Wichtige Voraussetzungen sind:
- Körperliche Reife: Das Kind muss in der Lage sein, sich ausreichend festzuhalten. Außerdem müssen die Füße die Fußrasten erreichen.
- Geeignetes Motorrad: Zum einen muss Ihr Motorrad für das Mitnehmen einer weiteren Person geeignet sein: Ein Beifahrersitz, zwei Fußstützen und entsprechende Haltegriffe sind ein Muss.
- Krafträder, auf denen eine zweite Person befördert werden darf, müssen mit einem Soziussitz, Fußstützen sowie mit Festhaltemöglichkeiten ausgestattet sein.
Für kleinere Kinder gibt es Kinder-Soziussitze, die gelegentlich auch als Kindersitze für Motorräder bezeichnet werden. Sie haben eine Rückenlehne für eine bessere Stabilisation.
Für Kinder unter 7 Jahren gilt:
Krafträder, auf denen ein Beifahrer befördert wird, müssen mit einem Sitz für den Beifahrer ausgerüstet sein. Das gilt jedoch „nicht bei der Mitnahme eines Kindes unter sieben Jahren, wenn für das Kind ein besonderer Sitz vorhanden und durch Radverkleidungen oder gleich wirksame Einrichtungen dafür gesorgt ist, dass die Füße des Kindes nicht in die Speichen geraten können“.
Die richtige Schutzausrüstung
Ohne die passende Schutzkleidung sollte Ihr Soziusfahrer keinesfalls aufsteigen. Kinder brauchen unbedingt eine spezielle Schutzausrüstung. Dazu gehören eine extra verstärkte Motorradhose und -jacke sowie robuste, mindestens halbhohe Stiefel und atmungsaktive Motorradhandschuhe.
Zur Grundausstattung gehören:
- Helm: Selbst wenn nur wenige Runden um einen Häuserblock geplant sind, ist das Tragen eines Motorradhelmes auch für das mitgenommene Kind unverzichtbar. Im Fachhandel werden geeignete Kinderhelme angeboten.
- Motorradkleidung: Wie Erwachsene brauchen auch Kinder unbedingt eine spezielle Schutzausrüstung.
- Handschuhe: Kinderhandschuhe mit entsprechendem Schutz werden in vielen Variationen angeboten und sind unbedingt zu empfehlen.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten:
- Motorradhelm: Eltern sollten beim Kauf eines Motorradhelms für Kinder verschiedene Dinge beachten. So sollte dieser beispielsweise speziell für Kinder produziert worden sein, da bei den Kleinen die Nackenmuskulatur noch nicht vollständig ausgereift ist.
- Passform: Eltern sollten unbedingt darauf achten, dass die Motorradbekleidung optimal passt. Ist sie zu klein oder zu groß, ist das Kind nicht ausreichend geschützt.
- Material: Den besten Schutz und eine größere Flexibilität als Lederbekleidung bietet Textilbekleidung mit abriebfesten Fasern wie Cordura.
Achtung bei Funktionskleidung: Vorsicht bei Funktionskleidung aus Polyamid oder Polyester (Ski-Anorak o.ä.): Diese Kleidung ist nicht geeignet, da sie im Fall eines Sturzes rutscht, schnell erhitzt und sich auf der Haut einbrennen kann.
Vorbereitung und Verhaltensregeln
Vor der ersten Ausfahrt sollten Eltern und Kind gemeinsam das richtige Verhalten besprechen und einüben. Dabei ist es wichtig, dem kleinen Mitfahrer bzw. der kleinen Mitfahrerin zu erklären, mit welchen Fahrmanövern sie rechnen müssen, und wie sie sich beispielsweise in Kurven richtig verhalten.
Wichtige Punkte für die Vorbereitung:
- Kommunikation: Um den Ausflug möglichst sicher zu gestalten, sollten Eltern mit ihren Kids vorher über das richtige Verhalten während der Fahrt sprechen.
- Zeichen vereinbaren: Sinnvoll ist es auch, vor der Fahrt Klopfzeichen zu vereinbaren, damit das Kind signalisieren kann, wenn es anhalten möchte.
- Gegensprechanlage: Absolut empfehlenswert: eine Gegensprechanlage, damit der Fahrer bzw. die Fahrerin mit dem Nachwuchs während des Trips stets in Kontakt bleiben kann.
Verhaltensregeln für den Sozius:
- Nicht gegenlenken: Gerade als Frischling kann das Mitfahren als Sozius sehr aufregend sein. Trotz möglicher Skepsis sollte sich ein Motorrad-Beifahrer jedoch niemals aus der Kurve lehnen, bzw. sich entgegen der Neigung des Fahrers bewegen.
- Sitzen bleiben: Das Motorradfahren bringt den meisten Bikern ein wunderbares Freiheitsgefühl - unabgesprochenes Aufstehen während der Fahrt ist trotz aller Begeisterung jedoch generell keine gute Idee.
Weitere Tipps für sicheres Fahren:
- Kurze Strecken eignen sich hervorragend, um ein Gefühl für das Miteinander und das Bike zu bekommen.
- Mit einem Motorrad-Beifahrer ändert sich das Fahrverhalten mit dem Bike wesentlich - setzen Sie sich deshalb zuvor mit den entsprechenden Anpassungen von Bremsen, Reifendruck und Dämpfung auseinander.
- Überraschen Sie den Fahrer deshalb nicht mit plötzlichen Bewegungen oder einer ruckartigen Gewichtsverlagerung.
Einheit bilden: Die größte Freude am Fahren haben Sozius und Fahrer als eingeschworenes Team und bei direktem (Körper-)Kontakt.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine Motorradtour mit Kindern sollte gut vorbereitet und eingeübt werden. Neben der Ausstattung mit Schutzkleidung, Gegensprechanlage und ggfls. Motorradkindersitz ist auch die Besprechung der Verhaltensweisen wichtig.
Sicherheitsaspekte und Risiken
Sicherheit ist oberste Priorität! Nicht zuletzt gilt auch für den Beifahrer auf dem Motorrad: Sicherheit ist oberste Priorität!
Wichtige Sicherheitsvorkehrungen:
- Ein Helm ist dabei Vorschrift, selbst, wenn die Strecke noch so kurz ist.
- Ohne die passende Schutzkleidung sollte Ihr Soziusfahrer keinesfalls aufsteigen.
- Mit einem Motorrad-Beifahrer ändert sich das Fahrverhalten mit dem Bike wesentlich - setzen Sie sich deshalb zuvor mit den entsprechenden Anpassungen von Bremsen, Reifendruck und Dämpfung auseinander.
Risiken und wie man sie minimiert:
- Hohe Geschwindigkeiten, eine besondere Schräglage in der Kurve und dann noch ein Wheelie - das mag für Adrenalinfans und eingefleischte Biker vielleicht spannend sein.
- Die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr mit einem Motorrad ist im Vergleich zur Fahrt mit dem Auto an vollkommen andere Risiken gekoppelt.
- Sie verändern als Motorrad-Beifahrer das Fahrverhalten bereits mit Ihrem bloßen Gewicht maßgeblich, plötzliche Bewegungen bedeuten eine erhöhte Unfallgefahr.
Gerade als Frischling kann das Mitfahren als Sozius sehr aufregend sein. Trotz möglicher Skepsis sollte sich ein Motorrad-Beifahrer jedoch niemals aus der Kurve lehnen, bzw. sich entgegen der Neigung des Fahrers bewegen. Auf diese Weise kann dieser nämlich die Kontrolle über das Bike verlieren.
Zeichen vereinbaren: Vor der Fahrt einige Notfallzeichen zu klären, ist sehr hilfreich. „Du fährst mir zu schnell!“ oder „Können wir hier mal anhalten?“ sind Nachrichten, die sich gut in Klopfzeichen an Taille, Arm, Schulter oder Helm klopfen lassen.
Grenzen respektieren: Egal, ob bei der Geschwindigkeit, dem generellen Fahrverhalten oder der Fahrdauer - äußert der Sozius Überforderung, Anstrengung oder Sorge, sind diese ernst zu nehmen.
Versicherungsfragen
Inwieweit Ihr Sozius bei Ihnen im Falle eines Falles mitversichert ist, sollten Sie vor Ihrem Ausflug prüfen. In der Regel greift Ihre Versicherung für Ihren Sozius nur dann, wenn alle Sicherheitsanforderungen erfüllt sind.
Haben Sie Fragen rund um die Versicherungsoptionen für Ihr Motorrad? Von der gesetzlich vorgeschriebenen Kfz-Haftpflicht bis hin zur Teilkaskoversicherung finden Sie bei Verti alles, um Ihr Motorrad gut abzusichern.
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