Fast nichts ist für die Sicherheit beim Fahrradfahren so wichtig wie funktionierende Bremsen. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Bremse und ihre Verschleißteile im Auge zu behalten - und insbesondere abgefahrene Bremsbeläge zu erkennen.
Der Bremsbelag ist ein Teil am Bremssattel, welches dafür zuständig ist, Bewegungsenergie in Wärmeenergie umzuwandeln. Während des Bremsvorgangs werden sie gegen die Bremsscheibe gedrückt und durch die Reibung entsteht Wärme und das Fahrrad wird langsamer. Kurz gesagt: Die Bremsbeläge sind essenziell, damit das Fahrrad abbremsen und zum Stehen kommen kann.
Bei Bremsbelägen handelt es sich um Verschleißteile. Das bedeutet, sie sind so konzipiert, dass von vorneherein klar ist, dass du sie früher oder später auswechseln musst. Doch wie lange bleiben dir die Bremsbeläge erhalten? Leider lässt sich das nicht genau sagen, denn verschiedene Faktoren haben Einfluss auf ihren Verschleiß.
Zum einen macht dein Fahrstil einiges aus sowie ob dein Fahrrad eher Kurzstrecken in der Stadt oder lange Strecken auf dem Land fährt. Wer eher langsam und vorausschauend fährt, kann es vielleicht mit einem Satz Bremsbelägen bis zu 5000 Kilometer weit schaffen. Weiterhin können auch externe Faktoren den Verschleiß der Bremsbeläge vorantreiben.
Spätestens wenn der übrige Belag nur noch einen Millimeter oder weniger dick ist, müssen deine Bremsbeläge gewechselt werden. Viele Fahrräder verfügen heute über eine Anzeige, die aufleuchtet und dich alarmiert, dass es Zeit ist, in die Werkstatt zu fahren. Wer darüber nicht verfügt oder sich gern einen Eindruck machen möchte, wie es um den Verschleiß steht, kann die Bremsbeläge prüfen.
Wenn während der Fahrradtour schon ein leichtes Kratzen zu hören ist, ist das ein eindeutiges Zeichen, dass die Scheibenbremse dringend neue Bremsbeläge benötigt. Aber egal, ob Scheibenbremse oder Felgenbremse - vor jeder größeren Tour sollten Radfahrende die Bremsen und auch die Bremsbeläge überprüfen.
Es lohnt sich die Stärke der Bremsbeläge alle paar Monate zu kontrollieren, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Am besten kann man den Verschleißzustand im ausgebauten Zustand beurteilen, aber auch mit einem groben Blick von oben in den Bremssattel kann man den Verschleißzustand der Beläge erkennen. Die Haltbarkeit von Bremsbelägen ist - wie bei allen Bauteilen - stark von der Nutzung und Pflege abhängig.
So erkennst du den Bremsbelagverschleiß
Hier sind einige Methoden, wie du abgefahrene Bremsbeläge erkennen kannst:
- Geräusche beim Bremsen: Mehrere Gründe können dafür sorgen, dass sich eine Scheibenbremse akustisch bemerkbar macht. Sollte deine Bremse auch im trockenen Zustand quietschen oder auf eine andere Art Probleme machen, liegt höchstwahrscheinlich einer der drei folgenden Fälle vor:
- Die Scheibenbremse quietscht oder vibriert am neuen (E-)Bike
- Die Scheibenbremse schleift teilweise oder dauerhaft
- Die Scheibenbremse quietscht beim Bremsen und/oder hat eine schlechte Bremsleistung
- Optische Prüfung: Um zu sehen, wie viel von deinen Bremsbelägen noch übrig ist, kannst du von oben in den Bremskörper schauen, eventuell kannst du hierzu eine Taschenlampe zur Hilfe nehmen. Ziehst du nun am Bremshebel, erkennst du am Abstand zwischen Bremsscheibe und Feder, wie dick der Belag noch ist.
- Indikatorlinie: Um zu sehen, wann die Beläge einer Felgenbremse verschlissen sind, haben die meisten dieser Bremsbeläge eine Indikatorlinie, die dir anzeigt, wann es an der Zeit ist, die Beläge zu wechseln.
- Bremshebelweg: Wenn die Bremsbeläge einer Felgenbremse verschleißen, merkst du dies als erstes daran, dass du den Bremshebel weiter an den Lenker ziehen musst, um Kontakt zwischen Bremsbelag und Felge herzustellen.
Problemlösungen bei Bremsenproblemen
Hier sind einige Problemlösungen, wenn deine Bremse Probleme macht:
- Scheibenbremse quietscht oder vibriert am neuen (E-)Bike: Das sogenannte „Einbremsen“ passiert zwar normalerweise von selbst, muss aber hin und wieder etwas forciert werden. Viele Bremsenhersteller wie Shimano oder Magura sprechen hier von etwa 20 bis 30 stärkeren Bremsungen - beispielsweise bergab - bis die Bremsbeläge eingebremst sind.
- Scheibenbremse schleift teilweise oder dauerhaft: Wenn die Bremse bei deinem Fahrrad bzw. E-Bike auch ohne Betätigung des Bremshebel Geräusche macht, ist der Abstand zwischen Bremssattel bzw. -belag und Bremsscheibe zu gering. Überprüfe, ob der Bremssattel mittig ausgerichtet ist oder ob die Bremsscheibe einen Schlag hat.
- Scheibenbremse quietscht beim Bremsen und hat eine schlechte Bremsleistung: Wenn deine Bremse auch nach einem wiederholten Einbremsen quietschen oder nicht richtig bremsen sollte, solltest du die Bremsbeläge prüfen und ggf. reinigen.
Verschiedene Bremsbelagtypen
Für beide Bremstypen sind unterschiedliche Bremsbeläge erhältlich, die sich aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften für ebenso unterschiedliche Einsatzzwecke und Anforderungen eignen.
Bremsbelagverschleiß - Organische Bremsbeläge
Organische Bremsbeläge zeichnen sich durch ihre von Beginn an hohen Bremskräften aus. Sie entwickeln weniger hohe Temperaturen als dies bei Sintermetallbelägen der Fall ist und neigen dazu, auch bei Nässe nicht zum Quietschen. Allerdings verschleißen organische Bremsbeläge schneller als solche aus Sintermetall.
- hohe Bremskraft von Anfang an
- geringe Hitzeentwicklung - jedoch auch weniger Hitzebeständigkeit
- kaum Quietschanfälligkeit
- höherer Verschleiß
Bremsbelagverschleiß - Sintermetallbeläge
Die Stärke von Sintermetallbelägen ist ihre lange Haltbarkeit und ihre Unempfindlichkeit gegenüber hohen Temperaturen. Ihre Bremskraft liegt etwas unter der von organischen Belägen, weiterhin neigen sie dazu, bei Nässe zu quietschen.
- höhere Hitzeentwicklung als organische Beläge
- neigen zum Quietschen
- halten länger als organische Beläge
Bremsbelagverschleiß - Semimetallbeläge
Semi-metallische Bremsbeläge verbinden die Vorteile der beiden zuvor genannten Bremsbelag-Typen. Sie verbinden eine hohe Bremskraft mit einer hohen Lebensdauer und einer sehr guten Resistenz gegenüber hohen Temperaturen. Ihr einziger Nachteil: Sie neigen dazu, laut zu quietschen.
- geringster Verschleiß der drei Beläge
- hohe Bremskraft
- sehr Hitzebeständig
- Quietschen
Bremsbelagverschleiß - Gummibremsbeläge
Gummibremsbeläge sind der Standard bei Felgenbremsen. Sie werden aus unterschiedlichen Gummimischungen hergestellt und haben damit unterschiedliche Eigenschaften. Im Allgemeinen sind Bremsbeläge aus Gummi recht langlebig und haben eine gute Bremskraftentwicklung. Sie eignen sich gut für die Nutzung in Verbindung mit Alufelgen.
Bremsbelagverschleiß - Korkbremsbeläge
Korkbremsbeläge haben den entscheidenden Vorteil, dass sie weniger Hitze entwickeln als Gummibremsbeläge. Sie sind daher für Carbonfelgen geeignet. Diese sind empfindlicher gegenüber Hitze als Alufelgen und haben andere Oberflächeneigenschaften. Korkbeläge verschleißen in der Regel deutlich schneller als solche aus Gummi.
Wann solltest du die Bremsbeläge tauschen?
Von allen Verschleißteilen an einem Fahrrad ist der rechtzeitige Austausch der Bremsbeläge am wichtigsten. Wie schnell die Bremsbeläge verschleißen, ist von zahlreichen Faktoren abhängig. Die mit dem Rad zurückgelegte Distanz ist nur einer davon. Ebenfalls von Bedeutung sind das Wetter, Fahrstil, Gewicht des Fahrers und das Material der Beläge. Daher ist es wichtig, regelmäßig zu kontrollieren, ob noch genug Material vorhanden ist.
Fährst du mit verschlissenen Belägen weiter, wirst du im besten Fall dein Material, sprich Felgen oder Bremsscheiben unnötig stark verschleißen. Es besteht darüber hinaus die Gefahr, dass die Bremsen unberechenbar reagieren und im schlimmsten Fall komplett versagen.
Bremsbeläge selbst wechseln: Kosten
Wer das passende Werkzeug inklusive passendem Montageständer parat hat und handwerklich geschickt ist, kann Bremsbeläge am Fahrrad mit Hilfe der Anleitung in fünf Schritten selbst wechseln. Kosten entstehen dann lediglich durch das Material. Neue Bremsbeläge liegen preislich meist zwischen 10 bis 20 Euro pro Bremse, je nachdem ob es sich um eine Felgenbremse oder Scheibenbremse handelt.
In einer Fachwerkstatt kommen die Arbeitskosten hinzu. Manche Werkstätten bieten auch Komplettpreise für den Wechsel an - abhängig vom Fahrradmodell. Bei Scheibenbremsen kann das Entlüften der Bremsen sinnvoll sein, dafür fallen in der Werkstatt zusätzliche Kosten von rund 40 bis 60 Euro pro Bremse an.
Wie oft sind Bremsbeläge zu tauschen?
Um eine sichere Bremsleistung beim Fahrrad oder besonders beim MTB durchgängig zu gewährleisten, ist es wichtig, die Bremsbeläge regelmäßig zu überprüfen und bei Abnutzungserscheinungen rechtzeitig zu wechseln. Wie oft Bremsbeläge beim Fahrrad gewechselt werden sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Fahrstil, Fahrbedingungen, Art der Bremsen wie Felgen- oder Scheibenbremse.
Bei Felgenbremsen ist ein Wechsel nach etwa 1000 gefahrenen Kilometern normal, während Scheibenbremsen eine Laufleistung von bis zu 5000 Kilometern haben können. Neben der Kilometerleistung sollten auch Anzeichen wie eine verminderte Bremsleistung, quietschende Geräusche beim Bremsen oder ein schleifendes Geräusch beim Fahren beachtet werden.
Ein Fahrstil mit häufigem und starkem Bremsen, Fahrten in bergigem Gelände oder bei schlechtem Wetter können zu einem schnelleren Verschleiß der Bremsbeläge führen.
Zudem zeigen E-Bikes aufgrund ihres höheren Gewichts und der höheren Geschwindigkeiten oft einen höheren Verschleiß der Bremsbeläge. Daher ist es ratsam, die Bremsbeläge bei E-Bikes auch häufiger zu überprüfen und gegebenenfalls früher zu wechseln.
Wer sich einen selbstständigen Wechsel der Bremsbeläge nicht zutraut, sollte eine Fachwerkstatt kontaktieren.
Tabelle: Übersicht über Bremsbelagtypen und ihre Eigenschaften
| Bremsbelagtyp | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Organisch | Hohe Bremskraft von Anfang an, geringe Hitzeentwicklung, kaum Quietschanfälligkeit | Höherer Verschleiß, weniger Hitzebeständigkeit |
| Sintermetall | Lange Haltbarkeit, Unempfindlichkeit gegenüber hohen Temperaturen | Geringere Bremskraft, Neigung zum Quietschen |
| Semimetallisch | Hohe Bremskraft, lange Haltbarkeit, sehr gute Hitzebeständigkeit | Neigung zum Quietschen |
| Gummi | Langlebig, gute Bremskraftentwicklung | Weniger geeignet für Carbonfelgen |
| Kork | Geringe Hitzeentwicklung, geeignet für Carbonfelgen | Schneller Verschleiß |
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