„Jetzt gehst Du über den Sprung und greifst im Flug voll in die Vorderradbremse.“ Fahrtechnikexperte Stefan Schlie muss verrückt geworden sein. Landen mit durchgezogener Bremse, das kann nicht gutgehen. Oder doch? Wir konnten das neue Bosch Antiblockiersystem für E-Bikes ausführlich testen - in der Praxis und auch im EMTB-Testlabor. Und der Ausflug mit Bosch-Experte Stefan Schlie treibt mir erst mal den Angstschweiß aus den Poren.
Also: springen, Bremshebel bis zum Anschlag durchziehen, Landung. Innerhalb von Millisekunden registrieren die ABS-Sensoren das rutschende Vorderrad. Das Regelsystem reagiert, das Vorderrad stottert kaum spürbar, der Reifen greift. Dann kommt mein Bike sicher zum Stehen. Geschafft! Souverän und unauffällig hat das ABS ein Desaster verhindert. Die ganze Technik, die am Auto mehrere Kilo wiegt, passt am E-MTB in ein kleines Kästchen, das an der Federgabel klemmt.
Das Steuergerät wiegt nur 227 Gramm, der Aufpreis bei Neu-Bikes mit ABS soll in der Größenordnung um 500 Euro liegen. Damit ist dieses Antiblockiersystem leicht, unauffällig und günstig genug, um erstmals für eine breite Masse von Bikern interessant zu werden. Ist der Siegeszug also vorprogrammiert?
Die Technik hinter dem Bosch E-Bike ABS
Für die schwäbische Connection Bosch-Magura ist es bereits die zweite Generation eines Antiblockiersystems für E-Bikes. Doch der Vorgänger war klobig und nicht für den Geländeeinsatz gedacht. Mit der neuen Generation soll sich das ändern. Selbst im Trail-Einsatz verspricht das System echte Vorteile. Das Bike-ABS regelt übrigens nur vorne. So bleibt die Technik kompakt, und Verbremser im Heck führen ohnehin viel seltener zu gefährlichen Situationen und Stürzen.
Die ABS-Bremse selbst basiert auf dem bekannten Magura-Vierkolben-Sattel, der auch in der MT5 zum Einsatz kommt. Um ihn ABS-tauglich zu machen, hat Magura einen neuen Bremshebel entworfen, der mit einem größeren Ölvolumen arbeitet. Das ist notwendig, um die korrekte Funktion des ABSs sicherzustellen. Die restlichen Komponenten, von den Sensoren an den Bremsscheiben bis hin zum Regler selbst, kommen von Bosch. Sie sind nahtlos in das Smart-System eingebunden.
Auf dem Nachrüstmarkt wird es das ABS nicht geben - auch nicht für Smart-System-Bikes. Dafür ist das Bosch ABS direkt ab Werk mit dem Antriebssystem verbunden, bezieht aus dem E-Bike-Akku kleinste Strommengen, die für die Funktion benötigt werden und lässt sich auch direkt im Kiox-Menü oder über die Bosch-eigene Flow-App bedienen.
Der Praxistest des Bosch Antiblockiersystems
Auf einem Parkplatz wagen wir die ersten Versuche. Auf Asphalt und Schotter traut man sich bald, voll in den Hebel zu greifen. Selbst auf den Wechsel von griffigem Asphalt zu losem Schotter oder umgekehrt reagiert das Antiblockiersystem zuverlässig und schnell. Der hohen Abtastrate der beiden Sensoren an den Bremsscheiben sei Dank. Das Sicherheitsgefühl ist im sportlichsten ABS-Modus „Trail“ bereits so hoch, dass wir den ABS-Modus „Allroad“ im Geländeeinsatz nicht empfehlen. Er verlängert den Bremsweg nur unnötig.
Und Schreckmomente gibt’s auch im sportlichen Trail-Modus nicht. Auch hier schafft man es erst, das Vorderrad zu überbremsen, wenn man bewusst in einer engen Kurve auf Schotter in die Eisen greift. Eine Kurvenerkennung bietet das ABS für E-Bikes nämlich nicht.
Der Performance auf dem Trail tut das keinen Abbruch. Stattdessen erledigt das Bosch-ABS seine Aufgabe geschmeidig und ermöglicht kräftige Bremsmanöver auch in kniffligen Wurzelpassagen oder direkt nach Sprüngen - Situationen, in denen man sonst höchstens zaghaft verzögern würde. Ruckeln oder Pulsieren im Hebel, wie man es von Auto oder Motorrad kennt, konnten wir übrigens kaum bemerken. Wie souverän das Bosch-ABS in jeglichen Geländesituationen agiert, ist wirklich beeindruckend. Zumal all das nur mit den zwei Rotationssensoren an vorderer und hinterer Bremsscheibe und einem entsprechenden Algorithmus funktioniert. Beschleunigungs- und Neigungssensoren, all das braucht Bosch offenbar nicht.
Hohe Stoppies lässt das ABS aber nicht zu, doch wer aus den Beinen arbeitet, kann in Spitzkehren nach wie vor das Hinterrad umsetzen. Was versierte Biker überhaupt auf E-MTBs mit ABS zu suchen haben? Diese Frage gehört sicher zu den spannendsten. Kurzum: Auch sehr gute Biker profitieren vom Sicherheitsgefühl, gerade auf unübersichtlichen und steilen Trails mit wechselnden Untergründen.
Warum? Weil das Bremsen keine Aufmerksamkeit mehr erfordert. EMTB-Testleiter und Fahrtechniktrainer Florentin Vesenbeckh formuliert es nach intensiven Testfahrten auf anspruchsvollen Trails so: „Die Synapsen sind frei, man kann sich voll aufs Gelände und die Körperposition beim Fahren konzentrieren.“ Und die weniger guten Fahrerinnen und Fahrer? Die gaben nach dem Trail-Einsatz zu Protokoll, dass sie weniger Angst vor dem Bremsen mit der Vorderradbremse hatten, besonders auf rutschigem Untergrund. So trauten sich alle Testfahrer leichter in eine aktive Fahrposition mit viel Druck auf der Front. Traktion und Kontrolle verbessern sich.
Hart anbremsen, lange schnell sein. Das ABS übernimmt die Aufgabe des sensiblen Bremsfingers. So konzentriert man sich ganz auf den Trail und eine aktive Fahrposition.
ABS fürs E-Bike hat auch Nachteile
Das Bosch-ABS hat aber auch seine Tücken - zum Beispiel, wenn man auf rutschigem Untergrund das Gewicht zu weit nach hinten verlagert. Freilich kann einem in solchen Manövern ohne ABS das Vorderrad wegrutschen. Fakt ist aber: Mit ABS ist der Bremsweg dann viel länger. Wer das Antiblockiersystem effektiv nutzen will, muss also lernen, das Vorderrad aktiv zu belasten. In der Praxis kann das gerade in unvorhersehbar auftretenden Schreckmomenten, wenn das Gewicht zu weit nach hinten wandert, kritisch werden.
Ebenfalls auffällig: In unseren ersten Tests blockierte das Hinterrad verhältnismäßig oft. Der Körper gewöhnt sich wohl nur schwer daran, voll in die vordere, aber nur dosiert in die hintere Bremse zu greifen. Für die Trail-Etikette nicht optimal. In langen Abfahrten tendiert man außerdem dazu, für die maximale Bremskraft mit ABS oft zu stark in den Hebel zu greifen. Bei viel Handkraft verpufft diese einfach im Regelsystem, sorgt aber auf Dauer für schmerzende Unterarme.
Dass ein kurzer Bremsweg ohnehin nicht die Stärke des Systems ist, zeigte ein kleiner Feldtest. Drei Biker von der Anfängerin bis zum EMTB Tester versuchten, aus 25 km/h das Bike auf losem Untergrund möglichst schnell zum Stehen zu bringen. Trotz Variablen, wie dem ungleichmäßigen Reibwert auf Schotter, ist die Tendenz klar: Ohne ABS steht das Rad schneller. Alle Probanden meldeten jedoch auch zurück, dass sie sich bei der Vollbremsung mit Bosch ABS sicherer gefühlt haben. Ausweichmanöver wären hier noch denkbar, ohne dagegen nicht. Abschließend traute sich Testerin Alisa, dank ABS, auch in einen kniffligen Trail. Steil und mit rutschigem Untergrund. Neuland für die Gelegenheits-Bikerin. „Ohne ABS wäre ich das nicht gefahren“, gab sie zu Protokoll.
Harte Test-Fakten: Messungen der Bremswege und Handkraft mit ABS
Wie verändert sich der Bremsweg auf losem Untergrund durch den Einsatz vom ABS? Steigt durch das Antiblockiersystem und den neu konstruierten Bremshebel die Handkraft?
Mit drei Testerinnen und Testern rückten wir zum Feldversuch auf einem Schotterparkplatz aus. Überraschend: Alle - von der Anfängerin (Tester 1) bis zum EMTB-Testprofi (Tester 3) - erreichten sowohl den absolut kürzesten Bremsweg als auch den deutlich besseren Schnitt (zehn Messungen) mit abgeschaltetem Regelsystem. Trotz des variablen Reibwerts auf Schotter ist damit klar: Ohne ABS steht man schneller.
| Tester | Bremsweg mit ABS (Durchschnitt) | Bremsweg ohne ABS (Durchschnitt) |
|---|---|---|
| Anfängerin (Tester 1) | X Meter | Y Meter |
| EMTB-Testprofi (Tester 3) | A Meter | B Meter |
Damit das ABS funktioniert, muss die zugrunde liegende Magura-MTC-Bremse mehr Öl bewegen und ist dafür auf einen größeren Geberkolben angewiesen. Eine clevere Umlenkung soll verhindern, dass dadurch die Handkraft stark ansteigt. In unserem Laborvergleich mit der MT5 fällt auf, dass die MTC vor allem bei mittleren Handkräften etwas weniger Bremsleistung liefert. Die Maximalleistung bei einer echten Vollbremsung ist dagegen tadellos.
Damit das ABS funktioniert, muss die Bremse mehr Öl bewegen: Die Handkraft steigt.
Das sagen die Tester
Adrian Kaether, EMTB-Redakteur: „Auch erfahrene Biker profitieren vom ABS, gerade in unübersichtlichen Passagen. In einer besonders steilen Abfahrt konnte ich ohne ABS aber stärker bremsen und wiederholt eine andere Linie fahren. Vor solchen Passagen mit wenig Auslauf würde ich das ABS abschalten.“
Alisa Rathke, Gasttesterin: „Im Gelände habe ich mit dem ABS mehr Sicherheit verspürt. Das kam mir als unerfahrene Bikerin auf den Trails zugute. Ich hatte die Sicherheit und das Eingreifen des ABS im Kopf und traute mich am Ende in rutschige Abfahrten, die ich ohne ABS nicht gefahren wäre.“
Florentin Vesenbeckh, stellvertretender EMTB-Chefredakteur: „Als ich das erste Mal vom ABS für E-MTBs gehört habe, konnte ich mir kaum vorstellen, dass das je im Trail-Einsatz relevant wird. Die ersten Tests haben mich extrem positiv überrascht. Die Technologie hat enormes Potenzial, auch für top-versierte Biker.“
Interview mit Claus Fleischer, CEO Bosch eBike Systems
EMTB: Für welche Biker wurde das Antiblockiersystem entwickelt?
Claus Fleischer: Aufgrund unserer Erfahrung und des vorhandenen Knowhows - über 20 Jahre ABS beim Motorrad, vier Jahre eBike ABS beim Trekkingbike - haben wir uns entschieden, das eBike-ABS auf weitere Nutzergruppen auszudehnen. Im sportiven Bereich vom SUV-Mountainbiker mit Alltagsausstattung, über den Touren-Fahrer bis hin zum Supersportler, der ein Strava-Segment knacken will.
Wird das ABS auch in Rennen zum Einsatz kommen?
Das kann ich mir vorstellen. Wir haben das ABS ausgiebig mit Rennfahrern und professionellen Athleten getestet und konnten so die Performance nochmals verbessern. Später, härter bremsen, länger schnell sein. Das ist die Idee.
Wird es dann noch sportlichere ABS-Modi geben?
Bei solchen Traktionsregelungen gibt es einen Zielkonflikt: Es gilt, die Balance zu finden zwischen Seitenstabilität und Bremsleistung. Der Trail-Modus ist klar performance-orientiert und lässt sehr harte Bremsungen zu - dies geht etwas zulasten der Seitenstabilität. Aber sportliche Biker beherrschen das. Trotzdem ist es denkbar, dass es in Zukunft noch sportlicher ausgelegte Modi geben wird.
In die andere Richtung gedacht: Für weniger versierte Biker sind ja schon kurvige Schotterabfahrten ein Problem. Dort, in der Kurve, kann das ABS aber nicht helfen, oder?
Gehen wir noch vor die Kurve: Gerade aus den Alpen vermelden Bike-Verleiher, dass sie hintere Bremsbeläge viel häufiger tauschen als vordere. Offenbar wird zu wenig am Vorderrad gebremst. Wir wollen, dass die Leute dank ABS immer beide Bremsen nutzen. Allein das würde bei weniger geübten Fahrern schon einen großen Unterschied machen.
Wäre dann nicht auch ein Antiblockiersystem am Hinterrad konsequent?
Zwei Argumente sprechen dagegen: Zum einen kommt beim Bremsen die wesentliche Bremsleistung ohnehin von vorne. Und zum anderen ist ein blockierendes Hinterrad viel leichter zu kontrollieren.
Wird das ABS bald Standard sein an E-MTBs?
In den letzten 30 Jahren haben einige Innovationen das Mountainbiken maßgeblich verändert. Federgabeln, Scheibenbremsen, die Dropper-Post. Und jetzt kommt das ABS. Gerade auch weil es erlaubt, aktiv die Position des Bikers über das Vorderrad zu verlagern, bringt es echte Vorteile. Eine anfängliche Skepsis gegenüber neuen Produkten ist nicht außergewöhnlich, doch diese weicht, wenn der Nutzen erkannt wird. Das haben wir beim Auto gesehen, auch beim Motorrad.
Für die Entwicklung des ABS-Systems für E-Bikes konnte Fleischer nicht nur auf die Expertise der Reutlinger Ingenieure und der Bosch-Athleten zurückgreifen. Dank Konzernmacht soll auch das Knowhow aus Yokohama mit eingeflossen sein. Dort hat Bosch vor einiger Zeit sogar ein ABS für die Moto GP entwickelt.
Bosch E-Bike ABS Pro: Der Überblick
- Regelt nur am Vorderrad (Ein-Kanal-System)
- Fahr-Modi: Trail Pro und Race
- An- und Abschaltbar
- Keine Kurven-Erkennung
- Regelt ab 6 km/h Geschwindigkeit
- Gewicht Regeleinheit: 227 Gramm (Herstellerangabe)
- Nur in Neurädern erhältlich, keine Nachrüst-Option
- Nur für E-Bikes verfügbar
Bekannte Technik, neuer Algorithmus: So funktioniert das Bosch E-Bike-ABS
Technisch gesehen funktioniert das neue E-Bike-ABS Pro ganz ähnlich wie das bekannte Trail-ABS. Mit zwei Lochscheiben an den Vorder- und Hinterradbremsen überwacht das ABS die Änderung der Geschwindigkeit beim Bremsen. Das Regelsystem selbst fährt Huckepack an der Gabel mit, das Zusatzgewicht durch das ABS-System liegt nur etwas über 200 Gramm. Wenn das ABS eingreift, lässt es etwas Öl aus der Bremsleitung in den kleinen Ausgleichsbehälter ab und verringert so den Bremsdruck. Die notwendige Rechenleistung zapft das Bosch-ABS direkt beim Antriebssystem ab, weswegen das ABS nur mit Bosch E-Bikes neuerer Generationen (Smartes System) funktioniert.
Der entscheidende Unterschied zwischen Bosch Trail ABS und dem neuen ABS Pro liegt im Algorithmus. Das klassische E-Bike ABS, das es natürlich weiterhin geben wird, regelt eher konservativ. Es greift früh ein um Kontrollverlust durch zu starkes Bremsen oder ein rutschendes Vorderrad im Keim zu ersticken. Selbst im sportlicheren Trail-Modus bleibt das Hinterrad auch bei einer Vollbremsung nah am Boden.
Das Bosch ABS Pro geht hier einen anderen Weg. Im neuen Modus “Trail Pro” bleibt die Hinterrad-Abhebe-Regelung aktiv. Das ABS Pro lässt aber auch hier schon deutlich mehr Schlupf zu und ermöglicht damit kürzere Bremswege. Im Modus “Race” ist die Hinterrad-Abhebe-Regelung ganz deaktiviert. Das ABS greift ausschließlich ein, um ein übermäßig blockiertes Vorderrad zu verhindern. Das ABS Pro regelt dadurch deutlich weniger, im Vergleich mit der konservativeren Trail-Variante.
Bremsen wie die Weltmeister? Das Bosch ABS Pro im Praxistest
Wer das neue Bosch ABS explizit auf die Probe stellt, erlebt Beeindruckendes. Spielereien wie im Sprung die vordere Bremse voll durchzuziehen und trotzdem sicher zu landen, oder Vollbremsungen mit schnellen Wechseln von griffigem zu rutschigem Untergrund meistert das System mit Bravour. Auf dem Launch-Event des neuen Motors musste sich das ABS sogar mit einer Vollbremsung mit Rollschotter auf einer glatten Metallplatte beweisen. Auch für versierte Fahrer sind das schwierige Bedingungen, für’s ABS war das kein Problem. Allerdings: Auch das erste Trail ABS war auf schnell wechselnden Untergründen schon beeindruckend gut. Bosch ABS Pro ist hier sogar eher etwas im Nachteil, da der Bremshebel wegen der Bremsen mit normalem Ölvolumen bei explizit provozierten Regelvorgängen deutlicher zum Lenker durchfällt.
Die spannendere Frage: Wie steht’s um die schiere Bremspower und das Fahren auf dem Trail? Stahlplatten mit Rollschotter sind hier schließlich selten zu finden, das ABS gibt sich gerade deswegen unauffällig und angenehm. Auf unbekannten Strecken empfanden selbst versierte Tester sogar den konservativeren “Trail Pro”-Modus als unauffällig. Das System regelt zwar hin und wieder, als Fahrer merkt man davon aber kaum etwas. Hinterrad-Versetzen klappt auch mit eingeschalteter Abhebe-Regelung im Trail-Pro-Modus gut. Keine große Überraschung, schließlich ging das mit dem Trail-Modus des klassischen E-Bike ABS auch schon.
Also erhöhen wir den Schwierigkeitsgrad. Vollbremsung auf Asphalt und Schotter lautet die nächste Aufgabe. Bei identischer Ausgangsgeschwindigkeit steht das Rad hier mit ausgeschaltetem System und dem “Race” Modus deutlich schneller, als im Modus “Trail Pro”, einen versierten Fahrer vorausgesetzt. Da das Hinterrad dabei deutlich Luft unter den Reifen bekommt, dürfte allein die Abheberegelung im Modus “Trail Pro” der entscheidende Grund sein. Zwischen “Race” und abgeschaltetem System können wir kaum Unterschiede feststellen. Nur dass “Race” plötzliche Rutscher oder Verbremser auffängt, während man mit abgeschaltetem System bei Fahrfehlern vermutlich auf die Klappe fallen würde. Da bei “Race” die Abhebe-Regelung nicht aktiv ist, muss man aber auch hier Acht geben, dass man nicht über den Lenker fliegt. Für die Zukunft wäre hier noch eine Mittelstellung wünschenswert.
Zu guter Letzt wagen wir uns noch auf eine unserer Standard-Teststrecken: Den “Fichtenschreck”-Downhill im Bikepark Oberammergau. Kann sich das Bosch ABS Pro auch dann noch behaupten, wenn man bei der Geschwindigkeits-Hatz bergab auf bekannten Kursen ordentlich stehen lässt? Zum Modus “Trail Pro” fällt das Urteil eindeutig aus. In diesem speziellen Szenario liefert “Trail Pro” einfach zu wenig Bremskraft und greift für unsere Begriffe zu deutlich ein. “Race” lieferte dagegen Bremsleistung auf einem sehr hohen Niveau. Aber auch hier verzeichnet der Logger erstaunlich viele Regelvorgänge, ohne dass uns größere Fahrfehler oder Verbremser bewusst gewesen wären. Regelt das ABS auch bei “Race” immer noch zu viel? Oder überreißt man in solchen Situationen den Grip doch stärker, als einem beim Fahren bewusst wird? Fakt ist: Einer der Testfahrer empfand ABS als klaren Mehrwert, dem anderen war zumindest in diesem Extrem-Szenario auch der Eingriff des Race-ABS noch zu viel der Bevormundung. Fast überall sonst dürfte ABS Pro aber auch richtig anspruchsvolle Profis glücklich machen. Für unbekannte und besonders rutschige Bedingungen gilt das vermutlich in besonderem Maße.
BIKE-Fazit zum Bosch ABS Pro
Schon das erste Trail-ABS von 2022 hat uns beeindruckt. Mit dem ABS Pro kann Bosch sich beim wesentlichen Kritikpunkt deutlich verbessern: ABS Pro liefert jetzt Bremsleistung en masse und macht damit auch sehr anspruchsvolle Fahrer glücklich. Dazu funktioniert das System auch mit normalen MTB-Bremsen mit sportlicher Ergonomie und fängt Verbremser nach wie vor zuverlässig ab. Klare Empfehlung!
Schneller dank ABS? Interview mit Bosch CEO Claus Fleischer
BIKE: Was ist das Ziel des ABS Pro? Geht's hier noch um Sicherheit?
CLAUS FLEISCHER: Das Ziel ist die optimale Balance zwischen Fahrstabilität und maximaler Bremsperformance auf dem Trail: Mit dem ABS Pro ist es möglich, später und stärker zu bremsen, und so länger schnell zu fahren und sich dabei optimal auf seine Linie konzentrieren zu können.
Wie unterscheiden sich die ABS-Modi „Trail Pro“ und „Race“ vom bisherigen Trail-Modus?
Das ABS Pro ist optimal für alle, die gerne schnell und sportlich unterwegs sind. Der Modus „Trail Pro“ ermöglicht effizienteres und stabileres Bremsen und kann zugleich ein übermäßiges Abheben des Hinterrades verhindern. „Race“ ist der Modus für E-MTB Profis. Hier ist die Hinterradabheberegelung deaktiviert - und der Fokus liegt noch mehr auf der maximalen Trail-Performance.
Ihr vermarktet ABS Pro auch mit Profi-Athleten. In welchen Situationen macht das ABS Pro tatsächlich schneller?
Im Wettkampfeinsatz haben Athleten damit bereits Enduro-Siege sowie Weltmeistertitel erzielt.
ADAC: ABS für E-Bikes und Pedelecs sinnvoll
Die Bremstests mit dem BOSCH-ABS haben auch unter ungünstigen Bedingungen wie beispielsweise auf rutschigem Untergrund mit niedrigem Reibwert eine Radblockade zuverlässig verhindert. Auch die Bremsstabilität war überwiegend gut. Nur bei einer von 50 ABS-Bremsungen hob das Hinterrad bei niedriger Geschwindigkeit so weit ab, dass sich der Fahrer mit einem seitlichen Ausfallschritt in Sicherheit bringen musste.
Der ADAC empfiehlt ABS grundsätzlich für Radfahrer, die viel auf unbefestigten, verschmutzten und damit rutschigen Strecken sowie bei allen Witterungen unterwegs sind. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Reifen beim Bremsen ohne ABS zu wenig Haftung haben.
Gut geeignet ist das ABS auch für E-Lastenräder, die ein höheres Gewicht, einen relativ niedrigen Schwerpunkt und einen langen Radstand haben. Das ABS ist hier besonders gut geeignet, um plötzliches Abbremsen zu stabilisieren und Stürze zu verhindern
Wer sich für ein Pedelec-ABS entscheidet, sollte sich das System vom Händler erklären lassen und eine ausgiebige Probefahrt mit Bremsversuchen unternehmen.
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