Das Kürzel ABS steht für Antiblockiersystem, eine technische Feinheit. Doch wann wurde das ABS für Motorräder zur Pflicht?
Was ist ein Antiblockiersystem (ABS)?
Das Antiblockiersystem (ABS) verhindert, dass die Reifen bei einer Vollbremsung blockieren. Außerdem bleibt das Fahrzeug während des Bremsvorgangs lenkbar. Erfüllt das Antiblockiersystem seine Funktion korrekt, blockieren Räder und Lenkung nicht. Das ABS sorgt dafür, dass das Auto auch bei starker Bremskraft noch lenkbar bleibt. Selbst auf geraden Straßen ist es von Vorteil, dass Sie gleichzeitig bremsen und ausweichen können, falls nötig.
Wie funktioniert das ABS?
Am Rad befindet sich ein Sensor, der die Anzahl der Umdrehungen misst und registriert, ob und wie stark Sie bremsen. Das Steuergerät verwertet die Signale, die der Sensor schickt. Es ermittelt sozusagen, ob Bremsdruck aufgebaut, gehalten oder gelöst werden muss. Die Hydraulikeinheit besteht wiederum aus drei Teilen: Pumpe, Niedrigdruckspeicher und elektronisches Steuergerät. Durch das Öffnen und Schließen der Ventile wird der Bremsdruck reguliert.
Wie zu Beginn erwähnt, musste der Fahrer früher noch selbst die Stotterbremsung durchführen, die auch einiges an Übung verlangte. Heute genügt es, die Bremse zu betätigen. Inzwischen gibt es verschiedene Arten des ABS. Vor allem in Kurven erhöht das ABS die Sicherheit, z. B. wenn Sie auf einer kurvigen, nassen Fahrbahn plötzlich bremsen müssen.
ABS-Pflicht für Motorräder
Seit 2004 ist das ABS in Neuwagen Pflicht. Beim Motorrad ist das ABS noch nicht so lange Pflicht. Erst seit 2017 müssen Motorräder mit einer Typzulassung ab 2016 mit einem Antiblockiersystem ausgestattet sein. Für Motorräder gilt diese Pflicht erst seit 2017 und auch längst nicht für alle, sondern nur für solche mit mehr als 125ccm Hubraum (Typzulassung ab 2016).
Das Europäische Parlament hat beschlossen, dass von 2016 an neu zugelassene zwei- und dreirädrige Fahrzeuge über 125 cm3 mit ABS ausgestattet sein müssen; bei leistungsschwächeren genügt ein kombiniertes Bremssystem. Das neue Gesetz gilt auch für leichte und schwere Straßen-Quads und Vierradmobile, die dann neu verkauft werden.
In der am Dienstag (20. November) vom EU-Parlament verabschiedeten Verordnung zur ABS-Pflicht für motorisierte Zweiräder geht es vorrangig um Modelle mit mehr als 125 Kubikzentimeter Hubraum. Ab 2016 müssen die Hersteller alle neuen Modelltypen in diesen Klassen verbindlich mit ABS ausrüsten. Ab 2017 gilt diese Pflicht für alle zugelassenen Neufahrzeuge.
Für die Achtelliter-Klasse sowie kleinere Motorräder und Roller bis einschließlich 50 Kubikzentimeter Hubraum haben die Hersteller die Wahl zwischen ABS und Kombibremsen, bei denen die Bremskraft automatisch auf beide Räder verteilt wird.
ABS für Motorräder bis 48 PS und darüber
Mit L3e-A2 sind Motorräder mit bis zu 35 kW (48 PS) Leistung gemeint. In die A3-Klasse fallen alle, die mehr als 35 kW leisten. Die Verordnung regelt an keiner Stelle, dass diese Motorräder an beiden Rädern mit ABS auszustatten sind. Welches der beiden Räder mit einem Anti-Blockier-System ausgestattet sein muss, konkretisiert die Regelung ebenfalls nicht. Spielraum haben die Hersteller zudem bei Abschalt-Optionen fürs ABS, etwa für Rennstrecke oder Gelände - meist nur das Hinterrad betreffend.
ABS für 125er
Für die 125er-Klasse schreibt die EU Folgendes vor: "Neue Krafträder der Unterklasse L3e-A1, die auf dem Markt bereitgestellt, zugelassen oder in Betrieb genommen werden, sind nach Wahl des Herstellers entweder mit einem Anti-Blockier-System oder mit einem kombinierten Bremssystem oder beiden Typen verbesserter Bremssysteme auszurüsten."
Hier wird ebenfalls nicht erwähnt, dass ein ABS für beide Räder vorhanden sein muss. Auch nicht, ob es - wenn nur an einem Rad - das Vorderrad sein muss.
Vorteile eines Antiblockiersystems
Die beschlossene ABS-Pflicht gilt ab dem 1. Januar 2016 - und zwar ausschließlich für Motorräder, die ab diesem Zeitpunkt neu auf den Markt kommen. Die Hersteller sind hierüber längst informiert und verfügen sogar über mehr als drei Jahre Zeit, um ihre neuen Modelle entsprechend zu entwickeln. Für Bestandsmodelle gilt eine Schonfrist, hier wird den Herstellern ein zusätzliches Jahr eingeräumt, um die Produktionsprozesse anzupassen.
Umfassende Studien belegen, dass das ABS dabei hilft, die Sicherheit maßgeblich zu steigern. In Gefahrensituationen bleibt Bikern nämlich oft keine andere Wahl, als mit maximaler Kraft zu bremsen. Hierbei besteht die Gefahr, dass sie die Kontrolle über ihre Fahrzeuge verlieren bzw. diese nicht mehr präzise lenken können. Das ABS hilft dabei, die Lenkfähigkeit aufrechtzuerhalten, sodass Biker im Ernstfall besser ausweichen können.
Eine Untersuchung des ADAC von mehr als 1500 Verkehrsunfällen mit Motorradbeteiligung hat ergeben, dass mit Hilfe von ABS fast jeder fünfte Crash (21 Prozent) verhinderbar wäre oder glimpflicher ausgehen könnte.
Nachteile und Einschränkungen
Einen Nachteil hat das ABS aber auch: Wie gut und schnell ein Auto zum Stillstand kommt, hängt nicht zuletzt auch vom Untergrund, also dem Material der Fahrbahn, ab. Von den Vorteilen haben Sie als Fahrer jedoch nur etwas, wenn das Antiblockiersystem nicht defekt ist. Jedes Auto sollte inkl. Software regelmäßig durchgecheckt werden. Blinkt eines der Symbole neben dem Tacho, fahren Sie am besten zeitnah in die Werkstatt und warten nicht erst bis zum TÜV-Termin. Dass Ihr ABS defekt ist, erkennen Sie in der Regel an der aufblinkenden Kontrollleuchte.
Nachrüstung eines ABS
Theoretisch ist es möglich, Ihr Auto oder Motorrad nachträglich mit einem ABS auszustatten. Allerdings ist dies mit einem hohen Kosten- und Zeitaufwand verbunden. Es gibt aber Firmen, die sich auf das Nachrüsten von Old- und Youngtimern spezialisiert haben, sodass Sie auch bei älteren Fahrzeugen manche Zusatzfunktion genießen können, die Ihre Verkehrssicherheit erhöht. Beim Motorrad gestaltet sich der nachträgliche Einbau eines ABS schon schwieriger. Nicht alle Nachrüstsätze halten auch, was sie versprechen.
Sicherheitssysteme für Motorräder
Viele der modernen, direkt eingreifenden Assistenzsysteme nutzen ausgefeilte Sensoren zur Bestimmung der räumlichen Lage der Maschine und der Kräfte, die auf das Motorrad einwirken.
Gesetzlich ist das herkömmliche und vorrangig für Geradeaus-Fahrt ausgelegte ABS bei neuen Maschinen seit 2017 Pflicht. Doch die Hersteller statten ihre Modelle längst mit weiteren, teils hocheffektiven Assistenzsystemen aus.
Hier eine Übersicht über verschiedene Sicherheitssysteme:
| Bezeichnung | Wirkung | Sicherheitspotenzial |
|---|---|---|
| Standard-ABS (vorrangig für Geradeausbremsung) | Seit 2017 Pflicht, verhindert vor allem bei Geradeausfahrt einen Sturz durch Notbremsung mit blockierten Rädern | Sehr hoch |
| Kurventaugliches ABS | Wie Standard-ABS, zusätzlich anwendbar in starker Schräglage, verhindert das Aufrichten der Maschine inkl. Verlassen der Fahrlinie und ein Wegrutschen der Räder (im Rahmen der physikalischen Grenzen) | Sehr hoch |
| Hinterrad-Abhebe-Kontrolle (Stoppie-Kontrolle) | Verhindert beim starken Bremsen das Abheben des Hinterrades, im Extremfall einen Fahrzeugüberschlag, besonders bei starken Bergabbremsungen. Funktion ist in guten ABS teilweise integriert | Hoch |
| Kombi- oder Integral-Bremssystem | Bremskreise für Vorder- und Hinterrad sind ganz oder teilweise verknüpft, Bremshebel wirkt auch auf die Bremse des anderen Rades. Sorgt für bessere Bremsstabilität und schnelleren Bremseinsatz | Hoch |
| Wheelie-Kontrolle | Verhindert das Abheben des Vorderrades beim zu heftigen Beschleunigen. Motorkraft wird ggf. begrenzt | Hoch |
| Kurventaugliche Schlupfkontrolle | Sichert bei Kurvenfahrt den Grip des Hinterrades durch etwaige Begrenzung der Motorkraft, besonders bei sportlicher Fahrweise, kann sogenannte Highsider verhindern | Hoch |
| Standard-Schlupfkontrolle | Sichert Grip und Führung des Hinterrades bei Geradeausfahrt, "Durchdrehen" wird verhindert | Mittel |
| Anti-Hopping-Kupplung, Motorbremsmoment-Kontrolle | Verhindert beim Runterschalten oder Gaswegnehmen ein kurzzeitiges Blockieren des Hinterrades, sichert damit Grip und Führung des Hinterrads vor allem beim Anbremsen vor engen Kurven | Mittel |
| Automatische, dynamische Anpassung des Feder-Dämpfer-Systems | Verbessert den Kontakt der Räder auf unebenem Untergrund bei sportlicher Fahrweise, erhöht Fahrstabilität bei sehr dynamischen Fahrmanövern (z.B. starkes Beschleunigen und Bremsen) | Mittel |
| Abstandsradar (z.B. Adaptive Cruise Control) | Überwacht fortlaufend den Abstand zu anderen Fahrzeugen, vorrangig nach vorne gerichtet. Funktion ähnlich wie bei Pkw, Steuerung der Motorleistung, autonome Bremsung bis 0,5 g | Mittel, dient vorrangig dem Komfort |
| Totwinkel-Assistent / Side-View-Assistent (Radargestützt, ähnlich wie Abstandsradar) | Warnt vor seitlich fahrendem Fahrzeug, das man beim Spurwechsel übersehen könnte | Mäßig |
| Verschiedene Fahrmodi | Motorcharakteristik kann den Witterungs- und Straßenverhältnissen angepasst werden, auch Off-Road-Modus möglich. Umfasst oft auch Einstellungen von Bremse und Fahrwerk. Sicherheitsgewinn hängt von den Fahrgewohnheiten ab | Unterschiedlich |
| Blinkendes Bremslicht | Bei Vollbremsung blinkt das Bremslicht, um den nachfolgenden Verkehr zu warnen | Mäßig |
| Reifendruckkontrollsystem | Warnt bei Druckverlust im Reifen, kann bei korrekter Fahrerreaktion das Unfallrisiko verringern | Mäßig |
| Berg-Anfahr-Hilfe | Klemmt an starken Steigungen die Hinterradbremse bis zum Anfahren fest, um eine Rückwärtsrollen zu verhindern, reduziert Stress | Mäßig |
| (Adaptives) Kurvenlicht | Leuchtet die Straße bei Kurvenfahrt besser aus als Standardlicht. Sicherheitsgewinn bei Nachtfahrten | Mäßig |
| Warnblinkanlage | Wie Pkw, sinnvoll z.B. bei Pannen oder an Stauenden. | /. |
| Notruf-System / eCall | Vergleichbar Pkw, automatischer Notruf bei Ereignissen, die das System als Unfall interpretiert. | /. |
Umgang mit ABS
Wichtig ist, sich intensiv mit der Wirkung, Funktionsweise und den Einstellmöglichkeiten von Assistenzsystemen und Sicherheitsausstattungen Ihrer Maschine vertraut zu machen. Das bedeutet: Die Bedienungsanleitung ist Pflichtlektüre. Mit ABS - und ganz besonders mit modernem Kurven-ABS - muss man im Notfall richtig umgehen können, um den Sicherheitsgewinn auch wirklich nutzen zu können. Die ADAC Experten empfehlen: Machen Sie in regelmäßigen Abständen ein passendes Sicherheitstraining.
Bedenken Sie jedoch, dass abrupte Ausweichmanöver in der Regel nicht ratsam sind. Gerade bei Wildwechsel ist die Gefahr groß, in den Gegenverkehr oder den Straßengraben zu steuern.
Verwandte Beiträge:
- Blinkerpflicht Motorrad: Regeln & Bußgelder in Deutschland
- Polo Motorradbekleidung: Test, Kollektion & Kaufberatung
- Motorrad Kostüm für Erwachsene: Die besten Outfits für Biker
- Angststreifen Motorrad entfernen: Tipps & Tricks
- Shimano XT Bremshebel Wartung: Ultimative Tipps für maximale Bremsleistung
- BMW Motorrad Service Intervall Zurücksetzen – So Einfach Geht's!
Kommentar schreiben