Ältere Mehrgangfahrräder haben einfache Hinterradnaben mit einem Gewinde auf der rechten Seite des Nabenkörpers. Ein Schraubkranz hat ein passendes Gewinde, das auf dieses Nabengewinde passt.
Das Laufrad unterscheidet sich massiv von der moderneren Kassette (bzw. Freilaufnabe oder Freehub ®), bei der sich der Freilaufmechanismus in der Nabe selbst befindet. Ein Standard-Schraubkranzfreilauf wird auf das Außengewinde einer Nabe geschraubt.
Heutzutage sind viele überlebende Freiläufe allerdings geliebte Antiquitäten. Sie Wiederherzustellen sollte kein verlorenes Handwerk sein. Daher folgt nun eine Anleitung wie man das durchführt.
Werkzeuge und Materialien
Man benötigt:
- Kettenpeitsche (besser zwei, falls man Ritzel demontieren möchte)
- Hammer und einen Körner (oder einen großen 8cm Nagel)
- Ungefähr 100 Stück 1/8 Zoll Lagerkugeln passend für die meisten Freiläufe
- Einen Freilaufabzieher - ersatzweise geht auch ein Schraubstock
- Einen starken Magnet, um alte Lagerkugeln zu entfernen
- Eine Pinzette, um Neue Lagerkugeln einzusetzen
Alte Lagerkugeln wiederzuverwenden ist Sparsamkeit an der falschen Stelle.
Vorbereitung
Belasse den Schraubkranz am Laufrad oder schraube ihn auf ein Laufrad, so dass Du etwas hast, an dem er befestigt ist. Das Lösen des Schraubkranzes mit einem Freilaufabzieher ist eine gute Idee, weil es die Wahrscheinlichkeit reduziert, dass man das Innenleben beschädigt, wenn man den Schraubkranz für den Zusammenbau vom Laufrad abnehmen muss.
Gibt es Spiel in den Lagern? Das kann man testen, indem man versucht, das größte Ritzel zu den Speichen hin und weg von ihnen hin und her zu wackeln.
Demontage der Ritzel
Überlege gut, ob es notwendig ist, die Ritzel und Unterlegscheiben zu entfernen. Um den internen Mechanismus eines Freilaufs wiederaufzubauen, müssen sie nicht entfernt werden. Aber das Reinigen der Ritzel und das Nachschleifen ist einfacher, wenn man die Ritzel einzeln in der Hand hält.
Um Ritzel zu entfernen, benutzt man eine Kettenpeitsche, um das kleinste Ritzel gegen den Uhrzeigersinn abzuschrauben, und eine weitere Kettenpeitsche hält den Freilauf fest, damit dieser nicht rückwärts drehen kann, während das Ritzel abgeschraubt wird.
Bei den meisten Schraubkränzen sind die äußeren zwei oder drei Ritzel geschraubt und lassen sich abschrauben. Die inneren Ritzel sind auf eine Keilverzahnung gesteckt und lassen sich herausnehmen, sobald man die äußeren Ritzel entfernt hat.
Man sollte sich die Reihenfolge der Ritzel und Unterlegscheiben zwischen den Ritzeln merken, während man sie herausnimmt.
Am äußersten Ende des Schraubkranzes sollte man einen Ring mit zwei Löchern zur Aufnahme eines Zapfenschlüssels sehen. Auf diesem Ring ist normalerweise der Markenname des Schraubkranzes aufgedruckt und manchmal findet man einen Pfeil, der in den Uhrzeigersinn weist und evtl. das Wort "Remove" in der einen oder anderen Sprache aufweist.
Wenn man diesen Ring nicht sieht, kann es notwendig sein, zuerst das kleinste Ritzel mit oben beschriebener Methode zu entfernen, damit an diesen Ring herankommt. Das ist allerdings eher üblich bei Schraubkränzen, deren kleinstes Ritzel 13 oder weniger Zähne hat.
Dieser Ring ist tatsächlich ein Lagerkonus mit einem Linksgewinde und nachdem man ihn entfernt hat, kann man einen Ring mit 1/8 Zoll Lagerkugeln und einen Stapel Shims (sehr dünne Unterlegscheiben) sehen, die um das Gewinde herum liegen, aus dem man soeben den Lagerkonus entfernt hat.
Sind die Shims unter den Lagerkugeln gefangen? Wenn das so ist, muss man die Lagerkugeln zuerst herausnehmen, bevor man einen Shim herausnehmen kann. Dann ersetzt man den Shim wieder bevor man die Lagerkugeln einsetzt.
Die Lagerkugeln lassen sich am einfachsten mit einem Magnet einsammeln. Alternativ dreht man den Freilauf so weit um, dass sie herauspurzeln.
Normalerweise wird das Lager durch Entfernen eines Shims in einen besseren Einstellungszustand gebracht, das heißt, kurz vor dem Festlaufen. Man kann die Einstellung testen, indem man den Lagerkonus ersetzt und falls vorher entfernt, die Lagerkugeln tauscht. dann dreht man den Freilauf rückwärts und schaut, ob das Lager festläuft und wackelt an diesem.
Zum weiteren Auseinanderbau nimmt man nun das restliche Ritzelpaket herunter und das Innenleben wird sichtbar. Dabei wird auch ein weiterer Ring 1/8 Zoll Lagerkugeln an der Basis des Freilaufs sichtbar, die nun herunterfallen werden.
Weiterhin werden nun zwei oder drei federvorgespannte Sperrklinken sichtbar, die den Sperrklinkemechanismus bedienen.
Reinigung
Nun putzt man sehr gründlich alle Einzelteile des Freilaufmechanismus. John Allen benutzt dazu gerne Lösungsmittel gefolgt von einer Spülmaschinenmittellösung und gründlichem Nachspülen mit Wasser.
Zusammenbau
Für den Zusammenbau kann man dickes fett nehmen, damit die Lagerkugeln am Platz bleiben, während man die Einheit zusammensteckt. Man legt den äußeren Teil des Freilaufs mit der großen Seite nach oben hin und legt die Lagerkugeln auf den Lagerring. Den Lagerring sollte man nicht komplett auffüllen und Platz für zwei bis drei Kugeln lassen.
Der knifflige Teil der Aufgabe sind die Sperrklinken. Manchmal ist es möglich die Sperrklinken durch vorsichtiges Drehen des inneren gegen den äußeren Körper in Freilaufrichtung richtig zu setzen. Das funktioniert bei dem hier als Beispiel genutzten SunTour Freilauf, weil die Sperrklinkenfedern die Sperrklinken am Platz halten.
Bei anderen Freiläufen kann der Zusammenbau schwieriger sein. Dermaleinst gab es spezielle haarklammerartige Klemmen, die die Sperrklinken gegen ihre Federn drücken konnten, während man den Freilauf wieder zusammensetzte.
Statt der speziellen Klemmen kann man ein Gummiband mit einem Stück Faden verbinden. Man muss den Freilauf vom Laufrad entfernen, damit man an seine Rückseite herankommt, wenn er zusammengebaut wird.
Baue die Sperrklinken in de Freilaufkern ein und spanne das Gummiband um die Sperrklinken, damit sie gegen die Federn eingedrückt werden. Falls Du kein passendes Gummiband zur Hand hast, kannst Du auch den Faden in mehrfachen Schlingen herumführen.
Nachdem die Sperrklinken richtig gesetzt sind, horcht man während man den äußeren Körper langsam rückwärts dreht. Man sollte "klick, klack, klick, klack" hören, wenn der Sperrklinkenmechanismus außen eine ungerade Zahl an Zähnen aber zwei Sperrklinken hat, und immer eine Sperrklinke greift.
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, Öl in die Lücke zwischen innerem und äußerem Körper zu träufeln. Dünnes Öl ist leichter zu reinigen ohne den Freilauf ohne Auseinanderbauen zu müssen. Phil Wood Öl ist dick genug, den Mechanismus leiser zu bekommen, ohne die Sperrklinken zu verkleben.
Falls Du nur Shims entfernt hast oder sich das Öl den falschen Weg gebahnt hat, kannst Du nun das Gewinde des äußeren Lagerrings und das passende Gewinde des inneren Freilaufkörpers reinigen, damit der Gewindekleber wirken kann. Das kann man mit Q-Tips und Lösungsmittel ohne weitere Demontage machen.
Danach setzt man die Shims wieder ein. Nach dem Reinigen kann man die Lagerkugeln einfüllen und gleichmäßig verteilen. Dabei kann man eine dünne Fettschicht auftragen, damit die Kugeln am Platz bleiben. Das Fett sollte keinesfalls auf die Gewinde geraten.
Träufele nun ein paar Tropfen auf das Gewinde das Lagerrings, bevor Du ihn einsetzt - wirklich nur ein paar Tropfen des blauen Gewindeklebers, so dass die Lager oder Sperrklinken nicht verkleben.
Trage nun etwas Fett auf die Lagerfläche des Lagerrings auf. Der äußere Lagerring wird gegen den Uhrzeigersinn festgeschraubt. Während des Festschraubens kann sich also der Freilauf vom Laufrad lösen.
Schraube den Lagerring so weit auf, ohne dass er fest wird. Schraube den Freilauf mit Hilfe eins Ritzels und einer Kettenpeitsche (oder einem Freilaufabzieher) so fest, dass er genügend Halt hat, wenn die äußere Lagerringplatte festgezogen wird.
Es ist normalerweise möglich, den Verschlussring wieder anzuschrauben (entgegen dem Uhrzeigersinn) und nach Hause zu fahren, solange man nicht im Leerlauf rollt.
Zusätzliche Informationen
- Schraubkranzgewinde: Sind ungewöhnlich fein für ihren Durchmesser und die Aluminiumgewindegänge auf der Nabe sind weich und werden sehr leicht beschädigt, wenn der Schraubkranz verkanten aufgeschraubt wird.
- Schmierung: Schraubkränze sollten von Zeit zu Zeit mit einem mittelschweren Öl geschmiert werden.
- Austauschbarkeit der Ritzel: Die meisten Mehrfachschraubkränze haben ersetzbare, austauschbare Ritzel.
- Demontage der Ritzel: Um die Ritzel von einem Schraubkranz zu entfernen, verwendet man normalerweise zwei Kettenpeitschen: eine, um das Ritzel abzuschrauben, die zweite, um den Freilauf daran zu hindern, sich zu drehen.
Hinweis: Außer in dringenden Fällen (Wiederherstellung eines liebgewonnenen, antiken Schraubkranzes oder um mit einem defekten Schraubkranz...).
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