Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) setzt sich mit seinen mehr als 240.000 Mitgliedern mit Nachdruck für die Verkehrswende in Deutschland ein. Der ADFC hat Qualitätskriterien für durchgehende, sichere und gut ausgebaute nutzerfreundliche Radwegenetze und Verbindungen aufgestellt. Wir sind überzeugt davon, dass eine gute, intuitiv nutzbare Infrastruktur, gut ausgearbeitete Radverkehrsnetze und vor allem Platz für Rad fahrende Menschen auch dazu einlädt, das Fahrrad als Verkehrsmittel zu benutzen.
Grundlegende Rahmenbedingungen für den Radwegeausbau
Als Folge der autogerechten Stadtgestaltung ist der Rad- und Fußverkehr in Deutschland heute im Wesentlichen auf schmalen Restflächen untergebracht. Durchgehende sichere Verbindungen für den Radverkehr und gut ausgebaute nutzerfreundliche Radwegenetze sind selten. Im Wesentlichen erwartet Radfahrende daher, wenn überhaupt, eine bunte Mischung von teils sehr veralteten Radwegen und unterdimensionierten Markierungslösungen auf der Fahrbahn. Häufig sind diese extrem schmal, unklar gestaltet, zwingen zu Umwegen oder enden im Nichts.
Vier Punkte für bessere Radverkehrsnetze
Für die Einrichtung guter systematischer Radverkehrsnetze ist es somit grundlegend,
- dass der öffentliche Straßenraum zugunsten der aktiven Mobilitätsarten zu Fuß und mit dem Fahrrad neu aufgeteilt wird und vorhandene Barrieren für diese Mobilitätsarten abgebaut werden.
- dass Fahrräder und Pedelecs als Alltagsverkehrsmittel bei der Netzplanung ernstgenommen werden, sodass sie mühelos für jede Art der Fortbewegung eingesetzt werden können: zur Arbeit und zur Schule ebenso wie zum Einkauf und in der Freizeit.
- dass Radwegenetze eingerichtet werden, die sicher und komfortabel zu nutzen sind für Menschen unterschiedlichster Couleur, aus allen Altersgruppen und mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten.
- dass flächendeckend Radverkehrsanlagen eingerichtet werden, die sorgfältig auf die spezifischen Anforderungen und Eigenschaften des Radverkehrs ausgerichtet sind (z. B. hohe Zeit- und Umwege-Sensibilität, spezielle Fahrdynamik, hohe Verlässlichkeit).
Voraussetzung dafür ist eine Abkehr vom bisherigen auto-affinen Planungsansatz, hin zu einer Planung von außen nach innen, welche die Bewohnbarkeit und Funktionsfähigkeit der Städte und Gemeinden in den Vordergrund stellt. Dazu wird zunächst den verletztlichsten Verkehrsteilnehmenden, also den Menschen, die zu Fuß und mit Fahrrad unterwegs sind, genügend Platz im Straßenraum eingeräumt, damit sie sicher unterwegs sein können. Ist dies gewährleistet, werden die verbleibenden Flächen für den Kfz-Verkehr justiert. Sie sind so einladend gestaltet, dass Radfahren als Selbstverständlichkeit angesehen wird, die jeder tun kann, einfach und schnell. Voraussetzung dafür ist eine angebotsorientierte Planung, die jede Straße zur fahrradfreundlichen Straße macht.
Hauptanforderungen an ein systematisches Radverkehrsnetz
Die Hauptanforderungen an ein systematsiches Radverkehrsnetz sind die Punkte Sicherheit, Kohärenz, also der Zusammenhang, die Durchgängigkeit und die Qualität des Netzes, die Direktheit der Wege, der Komfort und die Attraktivität des Netzes. Die Punkte werden im folgenden noch verdeutlicht.
Sicherheit
Gute Radwegenetze sind verkehrssicher und werden auch von den Nutzer*innen auch so wahrgenommen. Sie besitzen daher eine hohe Nutzerakzeptanz. Gute Radwegenetze:
- maximieren durch eine fehlerverzeihende Gestaltung im Sinne der Vision Zero (Null Verkehrstote) die Verkehrssicherheit von Radfahrenden und vermeiden dadurch tödliche und schwere Unfälle.
- trennen Radverkehr und Kfz-Verkehr bei hohen Geschwindigkeiten (>30 km/h) und hohem Verkehrsaufkommen.
- verfügen über sichere Kreuzungen.
- bieten Radfahrenden immer eine bequeme Strecke, sind stressarm zu befahren und bieten ein hohes Maß an persönlicher/sozialer Sicherheit. Routen, die nachts befahren werden, sind beleuchtet.
- Bei Bedarf räumen sie dazu dem Radverkehr Vorrang vor dem Kfz-Verkehr ein.
Kohärenz
Gute Radwegenetze sind engmaschig, lückenlos und durchgängig ohne Unterbrechung befahrbar. Gute Radwegenetze:
- verbinden alle Ausgangs- und Zielpunkte des Radverkehrs.
- besitzen eine einheitliche Qualität: Sie sind durch die Verwendung einheitlicher Standards und Designs klar und eindeutig erkennbar und verfügen auf der gesamten Länge über eine konstante Qualität, einschließlich gut gelegener Fahrradabstellanlagen.
- sind gut mit dem öffentlichen Verkehr verknüpft.
- Sie ermöglichen den direkten Zugang zu und innerhalb aller Zentren für Beschäftigung, Bildung, Einzelhandel, von kommunalen Einrichtungen und in den (Wohn-)Quartieren. Sie bieten ein einheitliches durchgehendes Schutzniveau und gewährleisten eine freie Routenwahl.
Direktheit
Gute Radwegenetze basieren auf einer direkten Routenführung. Sie sind umwegefrei und logisch geführt. Gute Radwegenetze:
- machen den Radverkehr durch direkte Routenführungen und die Erteilung von Vorrang konkurrenzfähig zum Kfz-Verkehr.
- orientieren sich an Wunschlinien, also möglichst direkten Verbindungen von Tür zu Tür.
- So wird Radfahren zwischen Wohngebieten und zu wichtigen Zielen zur angenehmsten und einfachsten Art der Fortbewegung. Sie beschränken Umwege und Zeitverzögerungen (an Kreuzungen) für den Radverkehr auf ein Minimum.
Komfort
Gute Radwegenetze sind einfach und sicher befahrbar und gewährleisten einen schnellen Ablauf des Radverkehrs. Gute Radwegenetze:
- verfügen über gut ausgebaute Breiten und Kurvenradien.
- besitzen eine glatte, rutschfeste Oberfläche und sind frei von Hindernissen.
- sind in einem guten Unterhaltungszustand, werden entwässert, freigehalten von Verschmutzungen und Ablagerungen (einschließlich Winterdienst) und verhindern durch Grünschnitt das Zuwachsen.
- sind unterbrechungsfrei und vermeiden enge Flächen, die mit dem Fußverkehr geteilt werden müssen. Sie vermeiden komplizierte Fahrmanöver und anspruchsvolle Steigungen.
Attraktivität
Gute Radwegenetze sind attraktiv, interessant und gut gepflegt. Sie laden zum Radfahren ein. Gute Radwegenetze:
- sind so geplant und gestaltet, dass sie für Radfahrende zu jeder Tages- und Nachtzeit und wetterunabhängig attraktiv sind.
- sind gut in ihre Umgebung integriert und komplettieren diese.
ADFC-Qualitätsradrouten
Seit 2006 ist die Auszeichnung von ADFC-Qualitätsradrouten eine Orientierungshilfe für den Radfahrer, wo es denn besonders gute Radwege gibt. Bei den Radfernwegen vergibt der ADFC je nach erreichter Punktzahl bis zu fünf Sterne.
Kriterien für ADFC Qualitätsradrouten
Die wichtigsten Qualitätskriterien im Überblick:
- Qualität der Befahrbarkeit: Breite, Umlaufschranken, Poller oder Gefahrenstellen
- Qualität Oberfläche: Material, Schiebestrecken, Querrillen, große Löcher
- Zustand der Wegweisung: u. a. Schildergröße, Ort- und Kilometerangaben auf den Schildern
- Qualität der Routenführung & Kfz-Verkehrsbelastung: u.a. Lärmbelastung, Geruchs- und Staubbelästigung
- Touristische Infrastruktur: Zahl der Campingplätze, Gastronomie, Bett+Bike-Betriebe, Tourist-Informationen, Infotafeln, Abstellanlagen, Fahrradboxen/Radstationen, Spielplätze, Schutzhütten, Rastplätze
- Anbindung der Route an öffentliche Verkehrsmittel
Ablauf der Klassifizierung
- Erstinformation: Einen ersten Überblick über den Ablauf der Klassifizierung, die Bewertungskriterien und die zu erwartenden Kosten liefern die Informationen und Dokumente auf dieser Seite.
- Telefonische Erstberatung: Bei Interesse an einer Klassifizierung nimmt der Routenbetreiber Kontakt mit dem ADFC (vertreten durch IGS - Büro Radschlag) auf.
- Schulung eines Qualitätsbeauftragten: Für den gesamten Radfernweg muss eine vom ADFC geschulte Person als Qualitätsbeauftragte*r bereitstehen.
- Vor-Ort-Erhebung: Im Anschluss an die Schulung des Qualitätsbeauftragten erfolgt die Zustandserfassung des Radfernweges durch eine Befahrung.
- Auszeichnung als ADFC-Qualitätsradroute: Im Nachgang der Befahrung wird das Gesamtergebnis von bis zu 5 Sternen ermittelt.
Vorteile der Klassifizierung
Die Klassifizierung zur “ADFC Qualitätsradroute” ist ein bundesweit anerkanntes Qualitätsmanagementsystem mit einheitlichen Qualitätskriterien- und Standards. Die Radrouten werden professionell erfasst und bewertet. Zusätzlich erhalten Sie ein Tool für das eigene radtouristische Qualitätsmanagement an die Hand.
ADFC-RadReiseRegionen
Neben den ADFC-Qualitätsradrouten gibt es auch die ADFC-RadReiseRegionen. Hier ist eine komplette Region aus Sicht eines Radtouristen zertifiziert.
ADFC-RadReiseRegionen müssen neben diesen Anforderungen mindestens zehn regionale Tagestouren haben. Die Auszeichnungen gelten jeweils für drei Jahre und können danach auf Wunsch des Betreibers erneut beantragt werden.
ADFC-Tourismusexpertin Janine Starke
ADFC-Tourismusexpertin Janine Starke sagt: „Radurlaub ist klimafreundlich, wenn man mit der Bahn anreist, macht glücklich und liegt im Trend - und Tagesausflüge auf dem Rad sind besonders seit der Pandemie unglaublich beliebt. Wir freuen uns deshalb sehr, dass wir auch in diesem Jahr zahlreiche ADFC-Sterne für geprüfte Radreisequalität vergeben können. Die ADFC-Qualitätsradrouten eignen sich besonders für sogenannte Streckenradler, also für Radurlaube mit wechselnden Unterkünften. ADFC-RadReiseRegionen bieten ein abwechslungsreiches Angebot sowohl für Tagesausflügler als auch für Radreisende, die von einer festen Unterkunft aus eine ganze Region mit dem Rad erkunden wollen. Egal, wofür man sich entscheidet: Wo ADFC drauf steht ist radtouristische Qualität drin.“
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