Aero Laufräder: Watt Ersparnis und Test Ergebnisse

Wer seinen Luftwiderstand reduziert, fährt schneller Rad oder spart Körner. RB hat im Windkanal getestet, welche Maßnahmen die Aerodynamik verbessern. Erfreuliche Erkenntnis: Schneller muss nicht teuer sein.

Aerodynamik Grundlagen

Einfache Antwort: Nichts bremst den Rennradfahrer so stark wie der Luftwiderstand. Und der wird größer, je schneller man fährt. Das heißt: Für dauerhaft hohes Tempo ist gute Aerodynamik erheblich wichtiger als weniger Rollwiderstand oder geringeres Gewicht.

Doch welche Maßnahmen machen wirklich schnell, und was darf oder muss gute Aerodynamik kosten? Um solche Fragen zu beantworten, hat RB mit Experten gesprochen - und erstmals Messungen im Windkanal durchgeführt. Die Ergebnisse präsentiert RB in den kommenden Ausgaben in einer Aerodynamik-Serie. Den Auftakt bilden grundlegende Überlegungen zum Thema.

"Bei identischer Leistung ist man schneller bzw. man muss für dieselbe Geschwindigkeit weniger treten", erklärt Jean-Paul Ballard, Ex-Formel-1-Ingenieur und Gründer der Firma Swiss Side, die Triathlon-Profis, WorldTour-Teams und Hersteller berät. "Schneller machen eine Verkleinerung der Angriffsfläche, das Vermeiden von Luftverwirbelungen und ein Ausnutzen des sogenannten Segeleffekts."

Als solchen bezeichnet man das Phänomen, dass Rad und vor allem Laufräder bei Wind schräg von vorn durch Ausnutzung der Luftströme zum Vortrieb beitragen können.

Die Komplexität der Aerodynamik

Pauschale Aussagen lassen sich nur bis zu einem gewissen Grad treffen. Grund: "Der Fahrer mit seiner Haltung auf dem Rad, seinem Helm und der Bekleidung hat den weitaus größten Einfluss auf die Aerodynamik, nämlich satte 75 Prozent", so Swiss-Side-Experte Ballard. Und Körperproportionen und Sitzhaltungen sind nun mal unterschiedlich.

Immerhin geben deren unterschiedliche Geometrien auch unterschiedliche Fahrerhaltungen vor, und die beeinflussen maßgeblich den Gesamtluftwiderstand eines Set-ups - und der ist am Ende der wesentliche Faktor. Mit Fahrer leidet die Messgenauigkeit, ohne Fahrer der Aussagewert.

Realitätsnahe Tests

Entsprechend wurde ein Standard-Set-up, wie es Tausende Rennradfahrer tagtäglich nutzen, Schritt für Schritt aerodynamisch optimiert.

Zwischen dem Ausgangs-Set-up und kompletter Aero-Optimierung liegen 70 Watt bei 45 km/h Messgeschwindigkeit. Aber 45 km/h? Welchen Wert haben solche Messgeschwindigkeiten dann für Hobbysportler?

"Bei hohen Geschwindigkeiten ist die Messgenauigkeit größer, da die Kräfte im Quadrat der Geschwindigkeit zunehmen: doppelte Geschwindigkeit gleich achtfacher Widerstand", erklärt Simon Smart, wie Ballard Aerodynamik-Experte mit Formel-1-Vergangenheit, "aber der ermittelte Widerstandsbeiwert (CdA) bleibt immer gleich. Man profitiert also auch bei geringerem Tempo von besserer Aerodynamik."

RB hat die Ergebnisse der Windkanalmessungen auf ein realitätsnäheres Beispiel umgerechnet: 26 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit dank 200 Watt Tretleistung auf 100 Kilometer Strecke mit 1500 Höhenmetern. Ergebnis: Voll aero-optimiert, fährt man die Strecke über 9 Minuten schneller.

Intelligent Investieren

Erhebliche Verbesserungen von bis zu 40 Watt bzw. über fünf Minuten Zeitvorteil lassen sich schon zum Nulltarif erreichen - oder zumindest für vergleichsweise kleines Geld. Die Kosten-Nutzen-Tabelle bietet Ihnen eine Orientierung, wie Sie ein bestimmtes Budget bestmöglich und sinnvoll investieren können.

Simon Smart, der für Bekleidungshersteller Endura Zeitfahranzüge und Renneinteiler für das Team Movistar entwickelt, sagt: "Verbesserungen von zehn Watt mit einer einzigen Maßnahme gibt es irgendwann nicht mehr, deshalb muss man versuchen, zehnmal ein oder zwanzig Mal ein halbes Watt einzusparen."

Jean-Paul Ballard von Swiss Side nennt ein Beispiel: "Triathletin Laura Philipp wäre kürzlich bei Windkanal-Messungen bereit gewesen, ihren Zopf abzuschneiden, wenn sie das schneller gemacht hätte."

Wer mit hohen Ansprüchen an sich selbst bei Radmarathons, Amateur- oder Jedermannrennen startet oder gar Zeitfahren und Triathlons absolviert, sollte sinnvollerweise auch das Thema Aerodynamik angehen - sich hier zu verbessern ist oft leichter als sich noch mehr Leistungsvermögen anzutrainieren.

Wer weniger ergebnisorientiert Rennrad fährt, kann es auch in Sachen "Aero" etwas lockerer angehen. Denn hier kommt noch ein weiterer Aspekt zum Tragen: Gute Aerodynamik ist zwar mess-, aber tatsächlich kaum spürbar.

Anders ausgedrückt: Geht es "nur" um die Freude am Fahren, vermittelt ein besonders leichtes Rennrad, dessen Agilität bei jedem Antritt zu spüren ist, oft mehr Fahrspaß als ein aero-optimiertes Set-up - auch wenn man damit wohl schneller wäre. Dass man drei Minuten gespart hat, sieht man eher am Ende der Tour auf dem Tacho, unterwegs wird man sich dessen selten bewusst. "Man muss schon an Zahlen glauben", räumt Simon Smart ein.

So testet Roadbike

Erstmals testete ROADBIKE im Windkanal und wurde dabei von den Aerodynamik-Experten von Swiss Side unterstützt.

ROADBIKE testete im GST-Windkanal in Immenstaad am Bodensee. Es handelt sich um einen offenen Kanal, der die Luft von außen ein- und am Testaufbau vorbeisaugt. Schwankungen bei der Außentemperatur oder Luftfeuchtigkeit lassen sich herausrechnen.

Die Messungen

Die Messgeschwindigkeit betrug jeweils 45 km/h, gemessen wurde jeweils in einem Anströmwinkel von 0 und 10 Grad. Jeder Testaufbau wurde zweimal gemessen, ein Durchlauf umfasst neun Einzelmessungen à zehn Sekunden sowie Nullpunktmessungen jeweils zu Beginn und am Ende. Bei jeder Messung werden pro Sekunde 4000 Daten erfasst. Eine Sechs-Komponenten-Waage misst dabei alle drei Kraftrichtungen (X, Y, Z) und drei Momente (Mx, My, Mz), die Messgenauigkeit liegt bei einem Gramm. Alle Messungen wurden mit demselben Fahrer durchgeführt (1,90 m, 75 kg). Der Prüfstand ist dynamisch: Das Vorderrad wird automatisch, das Hinterrad vom Testfahrer angetrieben. Damit der Fahrer exakt seine Position hält, sieht er sich selbst per Videoübertragung vor sich auf dem Boden. Dort sind seine Konturen aufgezeichnet, die er während der Messung so exakt wie möglich halten muss. Die Messgenauigkeit: 3,5 Watt.

Die Auswertung

RB testete unter Anleitung von Aerodynamik-Experte Jean-Paul Ballard von Swiss Side. Der ermittelte Widerstandsbeiwert (CdA) lässt sich in Simulationen auf bestimmte Strecken, Höhenmeter, Leistungswerte und Durchschnittsgeschwindigkeiten umrechnen.

Die Aussagekraft

Die angegebenen Wattwerte beziehen sich jeweils auf die Set-ups, die von RB getestet wurden. Pauschale Aussagen lassen sich ableiten, da vergleichbare Änderungen der Sitzhaltung bei anderen Fahrerproportionen ähnliche Aero-Vorteile ergeben würden. Gleiches gilt für die Verwendung konstruktiv ähnlicher Produkte. Die genauen Zahlen anderer Set-ups können über oder unter den RB-Messungen liegen und müssten individuell ermittelt werden.

Aerodynamischer in sechs Schritten

ROADBIKE optimierte Schritt für Schritt ein alltägliches Set-up aus Fahrer, Bekleidung und Rad. Erklärtes Ziel: prüfen, welche Maßnahmen wie viel bringen (und zu welchem Preis). Die Zahlenwerte beziehen sich ausschließlich auf die hier von ROADBIKE gemessenen Set-ups.

Wer vergleichbare Schritte unternimmt, verbessert seine Aerodynamik signifikant, die exakten Zahlen können allerdings variieren. Sie hängen unter anderem von der Statur des Fahrers, der Geometrie und Aerodynamik des Rades sowie der gewählten Ausrüstung ab. Wer es genau wissen möchte, muss sich individuell aerodynamisch optimieren lassen.

Messung Ausgangssituation

Roadbike geht von einem Set-up aus, das Hobbyradsportler in ähnlicher Form tagtäglich nutzen. ROADBIKE geht bei seiner Ausgangsmessung von einem Set-up aus, das Hobbyradsportler in ähnlicher Form tagtäglich nutzen.

Die erste Messung erfolgte in bequemer, nicht zu gestreckter Bremsgriffhaltung.

Getestet: Unterlenker

75 Prozent des Luftwiderstands verursacht der Fahrer mit Bekleidung und Helm.

Satte 18 Watt brachte bei den ROADBIKE-Messungen allein der Griff in den Unterlenker. „Eine flachere Haltung auf dem Rad bringt viel und kostet nichts. Sie bekommen Rücken- oder Armschmerzen? Regelmäßiges Dehnen und Kräftigen hilft.“

Auch eine gestrecktere Haltung dank eines längeren Vorbaus oder enger zusammengezogene Schultern plus schmalerem Lenker bringen aerodynamische Vorteile. Aber Vorsicht, "Aero" ist nicht alles: Die Sitzposition muss immer so gewählt werden, dass der Fahrer sich wohlfühlt und noch genügend Kraft aufs Pedal bringt.

Vorteil: 18 Watt bei 45 km/h Messgeschwindigkeit und 02:13 Minuten bei 26 km/h auf 100 km, 1500 Hm, 200 W Durchschnittsleistung

Getestet: Aero-Helm

Dessen ungeachtet sparen windschnittige Helme für vergleichsweise wenig Geld einige Watt. Im RB-Test holte der Scott Cadence Plus immerhin 6,5 Watt raus. Wichtig ist jedoch der korrekte Sitz mittig auf dem Kopf - keinesfalls zu weit im Nacken - nicht nur für die Aerodynamik, sondern auch für den Schutz im Fall eines Sturzes.

Alle Aero-Vorteile macht man schnell zunichte, wenn die Riemen im Wind flattern: also festziehen, eng am Kopf führen und überflüssiges Material abschneiden. Vor dem Kauf sollte man prüfen, ob die Belüftung ausreicht.

Getestet: Aero-Einteiler

Der Encapsulator Suit von Endura sparte bereinigt 16 Watt, in einzelnen Messungen sogar bis knapp 20. Solche Vorteile bringen allerdings nur Einteiler. Wer sich da nicht hineinzwängen möchte, sollte zumindest auf eng anliegende Trikots ohne Faltenwurf achten. Stoff ist übrigens schneller als nackte Haut, weitere Watt sparen Zeitfahrüberschuhe und rasierte Beine.

Messung Aero-Laufräder

Fans von Hochprofil-Laufrädern müssen jetzt ganz stark sein: Die von vielen heiß geliebten Hingucker zeigten das schlechteste Kosten-Nutzen-Verhältnis im RB-Test.

Zwar machen auch sie schneller, allerdings brachten die bei den Messungen montierten Zipp 404 NSW "nur" sieben Watt. Mit einem anderen Aero-Modell und ähnlicher Felgenhöhe läge der Vorteil vergleichbar hoch.

Zur Ehrenrettung des Hochprofils sei gesagt, dass der im Ausgangs-Set-up montierte Laufradsatz schon in Ansätzen aerodynamisch war - bei einem weniger windschlüpfigen Referenzmodell könnte der Gewinn über zehn Watt betragen - dennoch zum stolzen Preis.

Gute Ergebnisse liefern dabei Felgenhöhen um 60 Millimeter, Zeitfahrer und Triathleten gehen bis auf 80 Millimeter.

Die „goldene Mitte“ bilden hier in der Regel die Varianten mit Felgenhöhen zwischen 45 und 55 Millimetern.

Bei der alleinigen Betrachtung der beiden Laufräder macht das Vorderrad rund 80 Prozent des gesamten Luftwiderstands aus - das Hinterrad dagegen nur 20 Prozent, da es sich im Windschatten des Sitzrohres dreht.

Windkanal-Test von Aero-Laufrädern

Die beiden Parameter, die im Mittelpunkt standen: Luftwiderstand und Seitenwind-Empfindlichkeit. Deshalb verglichen wir die Test-Modelle auch mit einem „normalen“ Referenzlaufradsatz: den DT Swiss E 1800 Spline mit 23 Millimeter hohen Alufelgen und einem Gewicht von 1697 Gramm.

Die Messungen wurden mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde durchgeführt, wobei die Räder mit der gleichen Geschwindigkeit durch eine Walze angetrieben wurden, um realistische Verhältnisse zu erhalten. Damit auch Seitenwindverhältnisse beurteilt werden können, dreht sich der Prüfstand während der Messung von plus nach minus 20 Grad.

Das Auswertungs-Programm von GST weist zunächst die benötigte Leistung aus, die bei einer reinen Frontal-Anströmung nötig ist, um den Luftwiderstand bei 45 km/h zu überwinden. Die Messwerte lagen hier zwischen 11,5 und 15,7 Watt. Je kleiner die benötigte Leistung ist, desto besser.

Folgend berechnet das Programm die „gewichtete Leistung“ in Abhängigkeit vom Anströmwinkel. Dabei wird jeder einzelne Winkel mit der dazugehörigen Leistung in dem Maße prozentual gewichtet, wie er in Realität draußen auf der Straße vorkommt. Der Referenzlaufradsatz erzielte hier 19,4 Watt, der „Aero-Sieger“ Swiss Side 10,4 Watt - damit zeigte sich ein Leistungsgewinn von ganzen neun Watt bei 45 Kilometern pro Stunde.

Mit dem Aero-Testsieger Swiss Side würde man nun mit 45,43 km/h statt der Basisgeschwindigkeit von 45 km/h fahren.

Je größer dieser Wert ist, desto stärker beeinflusst der Seitenwind das Lenkverhalten.

Die Kurven der Aero-Laufräder verlaufen von links oben nach rechts unten. Lediglich die Kurve des flachen Referenzlaufrades verläuft entgegengesetzt, da hier kein Segeleffekt vorliegt.

Ein wichtiges Ergebnis: Die 65-Mililimeter-Modelle weisen gegenüber den flacheren Felgen mit 50 bis 55 Millimetern Höhe einen rund doppelt so großen Lenkmomentbeiwert auf, was auf der Straße bei böigem Seitenwind sehr deutlich spürbar und bei Stürmen teils kaum noch beherrschbar ist.

Testsieger beim Gewicht wurden die Aero-Laufräder von Newmen mit 1429 Gramm.

Die besten Seitensteifigkeiten lieferten die Modelle von DT Swiss, Edvelo und Swiss Side mit je 24 Speichen - sowie die Newmen mit ihren 21 Carbon-Speichen.

Ein Aero-Laufradsatz kann nicht in allen Technik-Disziplinen „der Beste“ sein. Klarer Aerodynamik-Sieger sind dabei letztlich die Laufräder von Swiss Side. In Sachen Leichtgewicht sind die Newmen-Räder vorn. Beim Kriterium Preis-Leistung steht Edvelo auf dem Siegertreppchen, bei den Allround-Eigenschaften sehen wir Engage vorn - und in der Disziplin Race siegen die Specialized-Roval-Räder.

Einfluss von Reifenbreiten im Windkanal

Zumindest bei einer reinen Frontalanströmung relativieren sich die etwas höheren Leistungen der breiteren Reifen, da sie dem Unterrohr einen größeren Windschatten bieten. Zudem ergeben die 28 und 30 Millimeter breiten Reifen mit ihrem erhöhten Volumen ein Plus an Komfort. Aus rein aerodynamischer Sicht ist ein 25 Millimeter-Modell die beste Wahl.

Dieser entsteht bei Laufrädern, die hinsichtlich der Aerodynamik optimiert wurden und mindestens 30 Millimeter Felgenhöhe aufweisen.

DT Swiss AR 1600 Spline 30

Das Modell AR 1600 Spline 30 hat ROADBIKE bereits getestet.

Laufradhersteller DT Swiss verspricht nun "Aerodynamik für alle" - und bringt eine neue Kollektion an Aero-Laufrädern mit Aluminiumfelgen auf den Markt. Kostenpunkt: maximal 599 Euro.

Die Aerodynamik-Experten von Swiss Side, mit denen DT Swiss seit Jahren bei der aerodynamischen Entwicklung von Produkten - bislang den Carbon-Laufrädern - zusammenarbeitet, waren auch bei den Aluminium-Felgen mit an Bord.

Die Modelle im Überblick:

  • AR 1600 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1703 g (Herstellerangabe)/ 1765 g (ROADBIKE-Messung), Preis: 599 Euro
  • A 1800 Spline 30 mit 20 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 1 ("nur" Straße), maximales Systemgewicht 110 kg, Gewicht: 1766 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro
  • ER 1600 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 350-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1803 g (Herstellerangabe), Preis: 599 Euro
  • E 1800 Spline 30 mit 22 mm Maulweite, DT Swiss 370-Nabe neuester Generation, ASTM-Klasse 2 (Straße und unbefestigter Untergrund, leichte Sprünge bis 15 cm), maximales Systemgewicht 130 kg, Gewicht: 1837 g (Herstellerangabe), Preis: 429 Euro

Erster Test: DT Swiss AR 1600 Spline 30

Im ersten Praxistest über knapp fünfhundert Kilometer zeigen die AR 1600 Spline 30 das Dilemma, das Aero-Laufräder mit Aluminiumfelgen systembedingt mit sich bringen: Den attraktiven Preis erkauft man sich mit Abstrichen beim Gewicht - und dieses zahlt stärker unmittelbar spürbar auf das Fahrerlebnis ein als aerodynamische Gewinne.

Die AR 1600 Spline 30 sind zunächst einmal grundsolide Laufräder für viele zehntausende Kilometer. Die erst Anfang diesen Jahres runderneuerten 350-Naben machen potenziell ohne mit der Wimper zu zucken eine Weltumrundung mit - einfache, werkzeugfreie Wartung, 36-Zähne-Zahnscheibenfreilauf, blitzschnell getauschter Freilauf, bewährte, lang- und leichtlaufende Lager. Sprich: eine sehr gute Basis für haltbare Laufräder.

Der Aufbau des Test-Laufradsatzes ist einwandfrei ohne Seiten- und Höhenschlag, die Laufräder stehen mittig zentriert. Die Speichenspannung ist hoch, die Seitensteifigkeit ebenfalls, entsprechend präzise ist die Lenkung.

Wie angedeutet ist das Gewicht die größte Bürde, die das Set trägt. Zum Vergleich: Beim Test von Alu-Laufradsätzen in ROADBIKE 09/23 riss "nur" ein Kandidat knapp die 1700-Gramm-Marke, alle anderen, obwohl mitunter sogar mit höherer Felge ausgestattet, blieben darunter und erreichten teilweise sogar Set-Gewichte um 1500 Gramm.

Bergauf, aber auch bei Antritten ist es aber nun mal deutlich stärker spürbar, wenn sich Mehrgewicht an der rotierenden Masse der Laufräder versteckt, als wenn etwa der Rahmen oder die Anbauteile etwas mehr wiegen. So ist es auch bei den AR 1600 Spline 30: Sie rollen gut, halten das Tempo und lenken, wie beschrieben, sicher und präzise - allein bei Beschleunigungen und Kletterpartien bremst das Gewicht etwas. Dessen sollte man sich bewusst sein, auch wenn man sich mit der Zeit an alles gewöhnt und/oder nicht ständig zwischen verschiedenen Laufradsätzen hin und herwechselt.

In Ermangelung eines eigenen Windkanaltests mit just diesem Produkt können wir das, Stand heute, nicht seriös beurteilen.

DT Swiss nimmt für sich in Anspruch, mit den AR 1600 Spline 30 schneller zu sein als Konkurrenzprodukte (15,2 Watt), nennt allerdings keine weiteren Messwerte.

Wohlwissend, dass es sich nur um eine grobe Orientierung handelt, dürfte die 30-mm-Alu-Felge der neuen AR 1600 Spline 30 dementsprechend gegenüber einer flachen Standard-Felge zwischen zwei und vier Watt Ersparnis bringen, aber um die sieben Watt langsamer sein als ein reinrassiges Aero-Laufrad.

Kernaussagen

  • Die Aerodynamik ist einer der entscheidenden Faktoren für Geschwindigkeit und Effizienz im Radsport.
  • Der Mensch auf dem Rad, sein Helm und seine Kleidung sind für rund 75 Prozent des gesamten Luftwiderstandes verantwortlich - das Rennrad, seine Laufräder und Komponenten für „nur“ rund 25.
  • Das Steuerohr, Unterrohr und die Sattelstütze, die direkt „im Wind stehen“, weisen idealerweise ovale bis tropfenähnliche Querschnitte auf.

Aero-Rennrad-Test im Windkanal

Die gewichteten Leistungen aller getesteten Räder lagen zwischen 63 und 114 Watt. Beispielsweise ermittelten wir für das Canyon Aeroad CF SLX für 45 km/h eine gewichtete Leistung von 70,3 Watt - beim Leichtgewichtsrennrad Canyon Ultimate CFR Di2 jedoch 96,2 Watt - also rund 26 Watt mehr.

Die beiden Aero-Testsieger des Windkanaltests heißen Simplon Pride II und Storck Aerfast.5 Pro: Die Messungen ergaben beim Simplon 63,0 Watt für die gewichtete Leistung, beim Storck 64,8 Watt.

Ein voluminöses Steuerohr geht optisch „nahtlos“ in eine geschwungene, flächige Gabel über.

Empfehlungen

  • Storck Aerfast.5 Pro ist unser Race-Tipp in der Ausgabe 6/2024.
  • Benotti Fuoco Aero SL Special Edition No.1 - unser Race-Tipp aus der RennRad 1-2/2025.

Eine weitere Möglichkeit, bei gleicher Leistung schneller zu werden, ist die Montage von aerodynamisch optimierten Laufrädern.

Im Windkanaltest der RennRad-Ausgabe 11-12/2023 fokussierten wir uns auf Modelle zwischen 55 und 65 Millimetern Felgenhöhe.

Testergebnisse im Überblick

Laufradsatz Felgenhöhe (mm) Leistung bei Frontalanströmung (Watt)
Swiss Side Hadron² Ultimate 625 Disc 62 11,5
DT Swiss E 1800 Spline 23 15,7

Die 62 Millimeter hohen Swiss-Side-Räder punkteten im Test zudem mit einer hohen Seitensteifigkeit und wenig Seitenwindanfälligkeit. Ein Nachteil von Hochprofillaufrädern ist, dass mit der Höhe der Felgen die Seitenwind-Empfindlichkeit zunimmt - auch dies kann gemessen werden.

Aerodynamik: Mehr als nur Aero-Laufräder

Bei 50 km/h benötigt ein Radfahrer fast 90 % seiner Energie, um den Luftwiderstand zu überwinden. Ein geringerer Luftwiderstand bedeutet daher bei gleicher Geschwindigkeit einen geringeren Energieverbrauch.

Das Aero-Fahrrad ist sehr begehrt. Bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h kann ein Fahrer auf einem aktuellen Top-Aero-Rennrad im Vergleich zu einem konventionellen Referenz-Rennrad im Windkanal bis zu 30 Watt einsparen. Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h sind es nur noch 11 Watt.

Bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h konnte allein durch den Einsatz von Aero-Helmen im Vergleich zu herkömmlichen Helmen eine Leistungsersparnis von 11 Watt gemessen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das größte Potenzial zur Watt-Ersparnis in der Sitzposition und der Bekleidung liegt.

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