Airbagjacken sollen Motorradfahrer bei einem Sturz oder Unfall vor schweren Verletzungen schützen. Die speziellen Schutzjacken und -westen gelten mittlerweile als ausgereift und sind ein sinnvoller zusätzlicher Schutz für Motorradfahrer.
Wie funktionieren Motorrad-Airbagjacken?
Airbag Jacken und Westen sind in zwei unterschiedlichen Ausführungen erhältlich. Seit den 1990er-Jahren sind Jacken mit einer Reißleine erhältlich. Die Reißleine ist am Auslöser der CO2-Kartusche und mit dem Motorrad verbunden. Trennt sich der Fahrer bei einem Unfall ruckartig vom Motorrad, aktiviert diese eine CO2-Patrone, die den Airbag blitzartig aufbläst.
Moderne Airbag Jacken sind mit einer empfindlichen Elektronik ausgestattet. Mehrere Sensoren registrieren rund eintausend Mal in der Sekunde die Körperhaltung des Fahrers und andere Daten. Bei Abweichungen von festgelegten Werten löst die Elektronik das Aufblasen der Jacke aus.
Schutzwirkung und ADAC-Tests
Ein wichtiges Kriterium für die Schutzwirkung einer Airbagjacke beim ADAC Test war die Zeit bis zum Auslösen. Der ADAC empfiehlt eine sogenannte Interventionszeit von maximal 120 Millisekunden (0,12 Sekunden). Laut ADAC Testergebnis bieten Airbagwesten und -jacken bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h einen erhöhten Schutz für die Trägerinnen und Träger. Mit dieser Geschwindigkeit wurden die 1,7 bis 2,2 Kilogramm schweren Jacken bei einer seitlichen Kollision mit einem stehenden Pkw getestet. Alle konnten eine deutlich verbesserte Schutzwirkung erzielen.
Ein Vorteil ist, so der ADAC, dass heute im Unterschied zu den ersten elektronischen Modellen die Elektronik für die Auslösung der Airbags vollständig in die Jacke integriert ist. Es muss daher keine weitere Installation am Motorrad selbst vorgenommen werden. Die Jacken können unabhängig vom Motorrad verwendet werden.
Funktionsweise im Detail
Die Airbag-Weste schützt kritische Körperbereiche wie den Rücken, Brust, Nacken und je nach Modell auch die Hüften. Eine Airbagweste oder Airbag Jacke schützt je nach Ausführung mehrere Körperpartien bei einem Sturz oder Aufprall. Durch die prallen aufgeblasenen Luftpolster rund um den Hals soll die Stabilität des Helms wie bei einem Formel 1 Fahrer erhöht und eine Überdehnung der Halswirbelsäule bei einem Aufprall verhindert werden.
Zudem schützen die Jacken den Rücken und insbesondere die Wirbelsäule. Je nach Modell bis hinunter zum Steißbein. Diese Schutzfunktion wird jedoch nicht nur durch aufblasbare Polster, sondern durch einen in die Jacke eingearbeiteten harten Rückenprotektor erreicht.
Vorstellung verschiedener Airbag-Jacken und -Westen
Erlebe maximale Sicherheit mit den Airbag-Westen der neuesten Generation von den führenden Anbietern Dainese und Held. Unsere Airbag-Westen kannst du sowohl über als auch unter deiner Kleidung tragen. So bleibst du flexibel, egal ob bei deiner nächsten Ausfahrt oder auf der Rennstrecke. Moderne Airbag-Westen sind mit hochsensiblen Sensoren ausgestattet, die kontinuierlich die Bewegungen des Fahrers überwachen. Das Herzstück der Airbag-Weste ist das Aufblassystem.
Für unterschiedliche Fahrbedingungen bieten viele Airbag-Westen die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Modi zu wählen, z.B. für Straße, Rennstrecke oder Offroad.
Dainese Smart Jacket
Die Smart Jacket bietet denselben Schutz in einer vielseitigen Weste, die sich über oder unter jeder Jacke tragen lässt. Sie benötigt keine Verbindung zum Motorrad, ist belüftet und leicht faltbar. Sie bietet höchsten Schutz ohne Einschränkungen beim Einsatz auf der Straße. Mit einer Batterielaufzeit von 26 Stunden ist die Smart Jacket sofort einsatzbereit. Im Fall einer Aktivierung kann dein innerer Shield schnell von uns ausgetauscht werden. Das Dainese D-air®-System schützt deinen Rücken und die Organe mit einem speziellen, patentierten Luftsack mit Mikrofilamenten. Das Steuergerät des D-air®-Systems analysiert 1000 Mal pro Sekunde die Umgebung und reagiert auf Rutschen, Abwurf und Zusammenstöße, selbst im Stillstand. Die Technologie basiert auf Millionen von Daten aus über 25 Jahren Forschung. Leicht, belüftet, faltbar und wasserfest bietet die Smart Jacket maximale Sicherheit und Komfort.
Held eVest
Die eVest ist eine fortschrittliche Airbag-Weste, die sich bequem unter jeder gängigen Motorradjacke tragen lässt. Sie wird einfach mit einem Frontreißverschluss geschlossen und bietet dir einen umfassenden Schutz. Mit der Intelligent Protection System (IPS) Technologie von In&motion müssen weder Sensoren am Motorrad installiert noch eine Verbindung zwischen Weste und Motorrad hergestellt werden.
Die eVest besteht aus leichtem, elastischem Sensitiv-Mesh Außenmaterial und verfügt über seitliche Mesh-Einsätze sowie ein 3D Air-Mesh Futter am Rücken für optimale Atmungsaktivität. Der Airbag wird durch die im Rückenprotektor integrierte Gaspatrone befüllt. Das Herzstück der eVest, die In&box, wird in das Hartschalenelement am Rückenteil der Weste eingesetzt. Die In&box analysiert 1000-mal pro Sekunde die Beschleunigung und Position des Fahrers und löst in einer Unfallsituation den Airbag in Sekundenbruchteilen aus. Dank der von der In&box gesammelten Daten kann In&motion das System und die Erkennungsstrategie regelmäßig verbessern.
Helite Airbag Kollektion
Die Helite Airbag Kollektion bietet noch mehr Sicherheit beim Motorradfahren. Helite Airnest und Turtle Airbag Jacken und Westen bieten maximalen Schutz bei Motorradunfällen und Stürzen. Verschiedene Jacken und Westen passen sich Ihren Bedürfnissen perfekt an. Sommer-, Winter- und Ganzjahresjacken sowie Westen, die nicht nur für das Motoradfahren gemacht sind, bilden das Helite Airbag Sortiment. Bei Scooter- und Quadfahrern ist die Technologie genauso beliebt wie bei Rennfahrern.
Die Airbagweste passt über jede gängige Motorradjacke und bietet viel Komfort. Sogar die Helite Airbag Warnweste finden Sie in unserem Sortiment, um beim Motorradfahren besser gesehen zu werden. Alle Helite Turtle Airbag Jacken und die Helite Airbag Weste werden so geliefert, dass sie sofort einsatzfähig sind. Der Airbag stabilisiert im Falle eines Sturzes die Halswirbelsäule und den Helm. Der Brustbereich, der komplette Rücken bis zum Steißbein wird mit größtem Komfort geschützt. Die neuste Helite Turtle Airbag Technologie schützt noch besser, gerade bei Stürzen auf spitze und scharfkantige Gegenstände, wie z.B. die Leitplanke.
Das schnelle Auslösen des Helite Airbags durch die Reißleine, die am Motorrad und an der Jacke befestigt wird, bietet optimalen Schutz. Der Fahrer wird in seiner Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt. Der Kopf wird gestützt und eine Überdehnung der Nackenwirbel verhindert. Prodoziert werden die Helite Airbag Produkte in Frankreich und die Technologie wird ständig erneuert und verbessert und ist immer auf dem neusten Stand.
Tipps für den Kauf einer Motorrad-Airbag-Jacke
- Den eigenen Bedarf klären: Lieber eine Airbag-Weste über der vorhandenen Motorradschutzkleidung oder eine Airbag-Weste unter neu zu beschaffender Jacke?
- Die Hersteller sehen meist zusätzlich zum Airbag-Schutz eine Ergänzung durch feste Protektoren vor.
- Soweit möglich Bedienungsanleitungen der Produkte im Internet beschaffen und vorab studieren. Mit diesem Wissen können beim Beratungsgespräch vor dem Kauf die relevanten Fragen gestellt werden.
- Eine ausgiebige Probefahrt mit der Airbag-Weste und der passenden Jacke durchführen. Hierbei besonders auf die Bewegungsfreiheit und das Gewicht der Kleidung achten.
- Je nach Hersteller-Vorgabe: Produkt und Nutzer registrieren und System aktiv schalten (lassen). Wenn möglich, passende App auf Smartphone oder Tablet laden.
- Regelmäßiges und rechtzeitiges Laden des Akkus nicht vergessen, ggf. Powerbank für das Aufladen unterwegs mitnehmen. Nicht während der Fahrt aufladen!
ADAC Crashtest Ergebnisse (2020)
Der ADAC hat 2020 die neueste Generation von Airbag-Jacken für Motorradfahrer im Crashtest überprüft. Im Ergebnis überzeugen alle Systeme - doch Wirkung hängt von der gefahrenen Geschwindigkeit ab.
- Alle Produkte bieten zusätzlichen Schutz im Brust- und Rückenbereich
- Erhöhtes Schutzpotenzial wirkt vorrangig nur bei Unfällen bis 50 km/h
Im Test: Airbag-Jacken und Airbag-Westen für Biker. Um zu überprüfen, wie leistungsfähig moderne Airbag-Bekleidungssysteme sind, hat der ADAC drei Produkte einem Crashtest unterzogen: Das Tech-Air Street-e System von Alpinestars, die Smart Jacket von Dainese und die eVest von HELD. Entscheidend beim Crashtest war die so genannte Interventionszeit (Dauer vom ersten Anstoß bis zum vollständigen Aufblasen des Airbags), die im Idealfall unter 120 Millisekunden betragen sollte. Dadurch ist die schützende Wirkung der integrierten Airbags bei allen Produkten bereits vor dem Anprall des Motorradfahrers am Auto gegeben.
Im ADAC Vergleich betrug die Interventionszeit bei allen drei Fabrikaten ca. So kann die Weste von HELD nach dem Auslösen vom Nutzer selbst wieder in Stand gesetzt werden. Bei den Produkten von Dainese und Alpinestars muss dazu der Händler beziehungsweise der Hersteller bemüht werden.
Wünsche und Verbesserungsvorschläge
- Die Abdeckungsbereiche des Airbags sollten größer gewählt werden, der Airbag sollte im Kragenbereich zum Schutz der Halswirbelsäule eine noch bessere Stabilisierung des Helmes sicherstellen
- Wünschenswert wäre mehr Fokus auf den Brustbereich, denn hier zeigt sich bei Betrachtung der Motorradunfälle aus der ADAC Unfallforschung mehr Bedarf
- Die Batterielaufzeit pro Ladung sollte verlängert werden
- Die Interventionszeit könnte bei Unfällen mit Fahrzeuganstoß noch verkürzt werden, wenn zusätzlich zu den Sensoren in der Kleidung auch Sensoren am Fahrzeug (z.B. an der Gabel) die Unfallsituation früher erkennen. Empfehlenswert sind ca. 40 bis 50 Millisekunden
Testparameter des ADAC Crashtests
- Basierend auf ISO 13232
- Klassifikation: 313
- Geschwindigkeit Motorrad: 50 km/h
- Geschwindigkeit Fahrzeug: 0 km/h
- Anprallwinkel: 90°
- Überdeckung: 100%
- Motorrad: Suzuki Bandit GSF 600
- Messwerte: Geschwindigkeit des Motorrades, optische Bestimmung der Interventionszeit des Airbags (Video-Auswertung)
Die drei Crashtests wurden mittels High-Speed-Kameras mit 1000 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet. Die Auswertung erfolgte beginnend mit der ersten Berührung fortlaufend in Schritten zu einer Millisekunde. Mit Hilfe eines Schlittengestells wurden Motorrad und Dummy positioniert und auf 50 km/h beschleunigt. Wenige Meter vor dem Kollisionspunkt wurde das vom ADAC eigens entwickelte Gestell abgebremst und das Motorrad fuhr die letzten Meter frei.
Ausgewählt wurden Motorrad-Airbag-Systeme für den Einsatz auf öffentlichen Straßen, die in kompatiblen Motorrad-Textil-Jacken getragen werden können. Von jedem Hersteller bzw. Anbieter wurde ein System ausgewählt. Der Motorradtyp Suzuki Bandit GSF 600 wurde als durchschnittliches und weit verbreitetes Modell gewählt.
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