Airbag-Weste Fahrrad Test: Sicherheit und Innovation für Radfahrer

Der Helm schützt Ihren Kopf - doch wie ist Ihr Thorax mit der Wirbelsäule im Falle eines Unfalls geschützt? Hier kommt die Airbag-Weste ins Spiel, die optimale Ergänzung zum Fahrradhelm darstellt. Wir empfehlen, den Airbag immer zusammen mit einem Helm zu tragen, um die Sicherheit zu maximieren.

Was ist eine Airbag-Weste?

Eine Airbag-Weste ist eine innovative Sicherheitslösung für Radfahrer, die bei einem Sturz automatisch einen Airbag auslöst, um Kopf und Oberkörper zu schützen. Die Airbag-Weste gibt es in zweierlei farblichen Ausführungen.

Sie hat einen hohen Tragekomfort, da sie leicht und atmungsaktiv ist. Reflektoren bieten weiteren Schutz bei Dunkelheit.

Der Airbag-Rucksack von Minerva Airbag Systems (MASE)

TV-Moderator Kai Pflaume erregte Aufmerksamkeit, als er nach einem Sturz auf nasser Straße ein Video auf Instagram postete. Um seinen Hals trug er einen mysteriösen grauen Airbag. Dieser Airbag-Rucksack stammt von der Firma Minerva Airbag Systems aus Bayern, kurz MASE.

Bei Pflaumes Rucksack handelt es sich um das Modell AirRide. Das soll besonders Schultern, Schlüsselbein und Gesicht schützen. Der Minerva AirRide wiegt etwa 1,2 Kilo und ist in nicht aufgeblähtem Zustand kaum von einem normalen Radrucksack zu unterscheiden. Das Gadget ist frei erhältlich und kostet 799 Euro.

Der Airbag-Rucksack soll für mehr Schutz am Hals und Oberkörper sorgen - zusätzlich zum Helm.

Wie funktioniert der AirRide-Rucksack?

Der AirRide ist ein tragbarer Airbag, der im Falle eines Unfalls automatisch aktiviert wird. Auf den ersten Blick wirkt der Rucksack wie ein klassischer Trinkrucksack - flach, schmal, mit Reflektionsstreifen. Im Inneren verbirgt sich aber ein aufblasbarer Protektor und viel Technik, für die auch ein Akku benötigt wird.

Sensoren am AirRide messen 300 Mal pro Sekunde die Bewegungen, Position und Beschleunigung. Ein spezieller Algorithmus wertet diese Daten kontinuierlich aus und löst den Airbag aus, wenn ein Sturz erkannt wird.

Innerhalb von nur 150 Millisekunden füllt sich der Airbag und schützt Kopf und Oberkörper, sodass der Fahrer oder die Fahrerin bei einem Unfall nicht ungeschützt auf den Asphalt stürzt.

Für wen ist der AirRide geeignet?

Pflaume, der seit zwei Jahren leidenschaftlich Rennrad fährt, ist das perfekte Beispiel für die Zielgruppe des AirRide. Gerade auf anspruchsvollen Straßen oder bei schlechten Wetterbedingungen kann dieser zusätzliche Schutz den entscheidenden Unterschied machen, wie in seinem Fall. Der Rucksack ist als Ergänzung zum Helm gedacht und ist besonders für Rennradfahrer geeignet, die Wert auf zusätzlichen Schulterschutz legen.

Auch Mountainbiker in Disziplinen wie Cross-Country oder All-Mountain können von dem zusätzlichen Schutz profitieren. Der AirRide kann sowohl im Stadtverkehr als auch auf längeren Radtouren oder beim Triathlon getragen werden. Im Prinzip kann also jeder Radfahrer den AirRide tragen.

Nach einer Auslösung kann der Airbag zusammengefaltet und der Inflator ausgetauscht werden, wie Pflaume im Video anmerkt. Das heißt, der Airbag ist wiederverwendbar. Die Airbag-Kartusche muss nach der Auslösung getauscht werden.

Kai Pflaumes Sturz zeigt, wie schnell ein Radunfall passieren kann - besonders bei widrigen Wetterbedingungen. Der AirRide Airbag-Rucksack bietet eine innovative Sicherheitslösung, die gerade in solchen Momenten lebensrettend sein kann.

Alternativen und Ergänzungen

Neben dem Airbag-Rucksack gibt es auch Airbag-Westen, die zusätzlichen Schutz bieten. Eine dieser Firmen ist Helite aus Nümbrecht in Nordrhein-Westfalen.

Der Helite-Fahrrad-Airbag sieht aus wie eine Weste und kann beim Radfahren einfach über der normalen Kleidung getragen werden. Über Sensoren registriert die Weste eine plötzliche Lageänderung - wie es bei einem Sturz der Fall ist. Außerdem kann sie erkennen, wenn es einen Zusammenstoß gibt.

Im Sturztest löste der Airbag dann relativ spät aus. Laut Hersteller ist dies nachvollziehbar, da der fingierte Sturz relativ langsam war. Bei einem „echten“ Ereignis würde das Auslösen schneller passieren.

Airbag-Westen im Vergleich

Hier ist ein Überblick über verschiedene Airbag-Westen und ihre Eigenschaften:

ModellSchutzbereicheSchutzqualitätVorteileNachteile
Dainese Smart D-Air V2 Airbag-WesteRückenBesonders guter SchutzSicherheitsüberwachung durch Sensortechnik und GPS, 26 h Betriebszeit, wiederverwendbarOhne Reflektoren
Helite AirjacketHalswirbelBesonders guter SchutzGröße nur für Kinder, wiederverwendbar, große ArmausschnitteOhne zusätzlichen Rückenpanzer
Held eVest Clip-in AirbagRückenBesonders guter SchutzKomfortabel, große BewegungsfreiheitOhne Reflektoren, kein zusätzlicher Rückenpanzer
Freejump F02255--Funktioniert mechanisch, schnelle Reaktionszeit-
Dainese Smart D-Air Airbag-Weste (Small)RückenBesonders guter SchutzÜber oder unter der Motorradkleidung tragbarOhne Reflektoren
Bluezy Racing Airbag WesteBrustBesonders guter SchutzSehr robustes Material, atmungsaktiv, mit RückenprotektorCO2 Flasche nicht im Lieferumfang
Held eVestRückenGuter SchutzÜber oder unter der Motorradkleidung tragbarOhne Reflektoren
Yxyeceipeno Motorrad Airbag WesteBrustBesonders guter SchutzMit reflektierenden Applikationen, große Bewegungsfreiheit, sehr robustes MaterialVergleichsweise hohe Reaktionszeit
Sunweii Airbag WesteBrustBesonders guter SchutzSehr robustes Material, mit reflektierenden Applikationen, mit PE-RückenprotektorVergleichsweise hohe Reaktionszeit

Airbag-Helm Hövding 3

Der Albtraum eines jeden Radfahrers: Ein Autofahrer reißt plötzlich seine Tür auf, der Radfahrer knallt rein oder wird auf die Fahrbahn geschleudert. Solche Dooring-Unfälle sind sehr gefährlich und kommen immer häufiger vor.

In der Crashanlage des ADAC Technik Zentrums Landsberg wurde 2021 dieses Szenario nachgestellt, um den Airbag-Helm Hövding 3 zu testen.

Mit 18 km/h fährt Stuntman Paul Wilk auf die geöffnete Autotür zu, prallt mit seinem Fahrrad gegen die Tür, hechtet drüber und landet nach einer Rolle vorwärts auf dicken blauen Gymnastikmatten.

Im Flug hat mit einem lauten Knall der Hövding ausgelöst, umschließt und schützt seinen Kopf - optisch erinnert der entfaltete Airbag an eine Trockenhaube für den privaten Gebrauch.

Auf den Aufnahmen der Spezialkamera erkennt man im Zeitraffer, dass sich der Airbag komplett geöffnet hat, als Stuntman Wilk etwa drei Viertel seines Saltos hinter sich hat.

"Der Airbag hat sich innerhalb kürzester Zeit, nach 80 Millisekunden, voll entfaltet", sagt Michael Peuckert, ADAC Projektleiter für Produkttests.

Eine Untersuchung der Universität Straßburg bescheinigt dem Hövding einen sehr guten Schutz vor Kopfverletzungen. Das kann ADAC Experte Peuckert bestätigen: "Wenn ich nach vorn oder zur Seite falle, ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auslöst und schützt, sehr hoch."

Gut sei auch, dass der Hövding sich sehr schnell entfaltet.

"Allerdings schützt er nicht in allen Unfallszenarien so gut wie ein Helm", schränkt Peuckert ein, "zum Beispiel beim Crash mit einer Lkw-Tür oder einem Lkw-Spiegel."

Hier seien herkömmliche Fahrradhelme eindeutig besser als ein Airbag, der sich ja erst entfalten muss.

Peuckert: "Der Helm ist immer da, bietet sozusagen ab Millisekunde 0 vollen Schutz."

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Airbag-Weste fürs Reiten

Eine Airbag-Weste sorgt beim Reiten für zusätzliche Sicherheit. Airbag-Westen füllen sich bei einem Sturz automatisch mit Luft und schützen so den Oberkörper vor schwerem Aufprallen: Halswirbelsäule, Rippen und Rückenwirbelsäule, aber auch innere Organe.

Hier ist eine Checkliste, worauf man bei einer Airbag-Weste achten muss:

  • Schutzklasse: Im Gegensatz zu Sicherheitswesten sind Airbag-Westen fürs Reiten nicht bis Schutzklasse 3 verfügbar.
  • Größe & Gewicht: Die Airbag-Weste darf nicht zu groß sein, um nicht am Sattel hängen zu bleiben und den Oberkörper optimal zu schützen.
  • Auslösezeit & Aufblaszeit: Um den Reiter rechtzeitig vor dem Aufprall zu schützen, muss die Auslösezeit sowie die Aufblaszeit der Airbag-Weste möglichst kurz sein.
  • Volumen: Nur eine Weste mit ausreichendem Volumen kann im Bedarfsfall gut schützen.
  • Reißleine: An einer Airbag-Weste muss eine Art Reißleine angebracht sein.
  • CO₂-Kartuschen: müssen nach einem Sturz oder Auslösen immer durch neue Ersatzkartuschen ersetzt werden.

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