Aldi E-Bike Test: Angebote, Erfahrungen und Kaufberatung

Immer wieder tauchen im Onlineshop von Aldi E-Bikes auf - bevorzugt in der Zeit vor Ostern. Die Räder kosten oft deutlich weniger als im Fachhandel.

Aktuelle E-Bike Angebote bei Aldi

Stand Sommer 2022 gibt es bei Aldi ein paar reduzierte E-Bike-Angebote der Hersteller Prophete, Llobe und Jeep. Sie sind einen Blick wert, wenn man mit gewissen Einschränkungen leben kann. Hier einige Beispiele:

  • PROPHETE Retro-E-Bike 28 Zoll*: 1.299 € (-18%) (bis 14.08.)
  • JEEP E-Trekking-Bike TMR 7000*: 1.499 € (-34%) (bis 14.08.)

Im Aldi-Onlineshop ist aktuell das Fischer Terra 4.0i für 1.700 Euro erhältlich.

Fischer Terra 4.0i: Ein genauerer Blick

Das SUV-E-Bike besitzt hydraulische Scheibenbremsen von Shimano. Als Motor kommt der M400 des Herstellers Bafang zum Einsatz. Der Mittelmotor bietet eine maximale Unterstützungskraft von 80 Newtonmetern. Mit 630 Wattstunden siedelt sich die Kapazität des E-Bike-Akkus im oberen Mittelfeld an. Die zu erwartende Reichweite gibt der Hersteller mit bis zu 150 Kilometern an. Der Akku findet im Unterrohr des Rahmens Platz. Die Federgabel von SR Suntour bietet einen Federweg von 80 Millimetern.

Der von Aldi aufgerufene Preis von 1.700 Euro ist für das Gebotene sehr fair, zumal andere Händler mitunter deutlich mehr für das E-Bike verlangen. Beachtet jedoch, dass bei Aldi noch knapp 40 Euro Versandkosten für die Spedition hinzukommen.

Alternativen zum Fischer Terra 4.0i

Lidl bietet aktuell noch das Trekking-Rad Fischer Viator 6.0i in der Damenvariante mit 28 Zoll für 1.450 Euro an. Es besitzt einen noch stärkeren Mittelmotor von Brose mit 90 Newtonmetern, dafür einen etwas kleineren Akku mit 504 Wattstunden.

Das Prophete Entdecker 4.3 wäre eine Alternative, wenn man nicht ganz so sportlich auf dem E-Bike sitzen möchte wie beim SUV-Bike. Das Fahrrad gibt es ab dem 13. April bei Aldi für 1.599 Euro. Es erlaubt eine aufrechtere Sitzhaltung sowie einen winkelverstellbaren Vorbau.

Prophete E-SUV Entdecker: Ein Klassiker im Test

Das Prophete E-SUV Bike Entdecker entspricht optisch ganz dem aktuellen E-Bike-Klassiker: Der Akku schön in den Rahmen integriert und damit nahezu unsichtbar, eher aufrechte Sitzposition, ein Mittelmotor und vorne die Federgabel. Es ist zufriedenstellend ausgestattet.

Der AEG ComfortDrive ist ein Exot unter den Motoren, konnte sich im Test aber als leiser Antrieb mit ordentlich Power beweisen. Die Akkukapazität (576 Wh) ist super, Aldi wirbt mit einer Reichweite von bis zu 180 km je nach Fahrweise. Die Continental-Bereifung sowie die Suntour-Federgabel machen Fahrten auf vielen Untergründen angenehm, die Kettenschaltung mit 10 Gängen ist für Touren gut geeignet.

Ein Vorgängermodell des Entdecker, aber sehr ähnlich ausgestattet, wurde bereits getestet. Damals waren wir nur mit dem etwas schmalen Lichtkegel der Prophete-Beleuchtung unzufrieden (die gleiche ist im aktuellen Bike bei Aldi verbaut), auch waren die Schutzbleche eher kurz. Das E-SUV von Prophete hat bei uns die Note „Gut“ erhalten, wir waren in den meisten Punkten sehr zufrieden mit dem Konzept, der Ausstattung und der Fahrweise des E-Bikes. Kleine Details wurden bemängelt, doch ist das in der Preisklasse einfach Standard.

Prophete Stack 1.3 Sport E-SUV Bike: Ein Preiskracher?

Das Prophete Stack 1.3 Sport E-SUV Bike ist im Shop von Aldi aktuell für nur 799 Euro erhältlich. Selten sind E-Bikes mit einem Preis unterhalb der 1.000 Euro schön anzusehen. Das Prophete Stack 1.3 Sport überrascht hier deutlich positiv.

Prophete hat das E-Bike mit einer Shimano Acera 8-Gang-Schaltung ausgestattet, das ist in der unteren Preisklasse keine Überraschung, aber immerhin eine gute Wahl um den Preis niedrig und die Qualität solide zu halten. Hier setzt Prophete nicht nur auf Scheibenbremsen, sondern sogar auf ein hydraulisches System. Selbst auf eine Federgabel verzichtet Prophete an seinem „SUV-E-Bike“ nicht - und diese kommt sogar vom Hersteller Suntour, der für gute Qualität in der unteren und mittleren Preisklasse bekannt ist.

Angetrieben wird das stylische E-Bike von Prophete über einen Heckmotor mit 40 Newtonmetern Drehmoment und fünf Unterstützungsstufen, die über das Display am Lenker ausgewählt werden können. Gerade mit Blick auf den 418 Wattstunden starken Akku, der laut Hersteller bis zu 120 Kilometer Reichweite liefert, kann man auch an dem Antriebssystem des E-Bikes wenig Schlechtes finden. Insgesamt ist das Prophete Stack 1.3 Sport für aktuell nur 799 Euro im Shop von Aldi ein absoluter Preiskracher, den Schnäppchenjäger auf der Suche nach einem günstigen E-Bike mit guter Ausstattung sich definitiv genauer ansehen sollten.

Erfahrungen mit Aldi E-Bikes aus der Praxis

Ein freundliches Paar aus meiner Nachbarschaft hatte sich 2016 bei ALDI Nord zwei für knapp 900 Euro angebotene Tiefeinsteiger City-E-Bikes “Prophete Hansa Alu-City mit Mittelmotor“ nach Süddeutschland bringen lassen. Die Geschichte ist ganz interessant: Sie stellt häufige Licht- und Schattenseiten von Aldi- und auch Discounter E-Bikes gut heraus.

Die beiden Tiefeinsteiger „Hansa Alu-City“ kamen recht schick in graphitgrau glänzend. StVZO-gemäße Ausstattung mit Licht und reflektieren Reifen, ein Motor, der auf den ca. 150 Höhenmetern vom Einkaufen oder Schwimmbad hinauf zur Wohnstraße ordentlich unterstützt, ein solider Gepäckträger waren vorhanden.

Der etwas schwache 30-Lux-LED-Scheinwerfer von AXA hat eine Standlichtfunktion. Dazu das LED-Rücklicht „Spark” am Gepäckträger. Es leuchtet auch dann, wenn das E-Bike zum Stand kommt - beispielsweise an einer Ampel. Das Licht schaltet sich nach etwa zwei Minuten ab.

Der 374 Wattstunden große Samsung-Akku sitzt zwischen Sattelrohr und Hinterrad. Er ist zum Laden seitlich entnehmbar und mit einem Schlüssel gesichert. Der Akku bringt je nach Gelände und Unterstützungsstufe bis zu 80 Kilometer Reichweite.

Der e-novation Motor wirkt optisch wie am Tretlager angepropft. Er ist ein umgelabelter, ansonsten in vielen Stückzahlen bewährter Bafang BBS01 E-Bike Mittelmotor mit 36 V und Pedelec-typischer 250W Dauerleistung. Positiv überrascht war ich vom recht schnellen Ansprechverhalten am Berg. Das Anfahren an einer Steigung wird durch den Motor fast zeitgleich mit dem Druck aufs Pedal unterstützt. Dieses gute Ansprechen auf den Pedaldruck ist ein Unterschied zur Anfahrunterstützung bei Hinterrad-Nabenmotoren. Diese benötigen häufig erst eine viertel bis halbe Drehung des Hinterrads, um Eure Beinkraft zu unterstützen.

Allerdings war bergauf doch ein gewisser Kraftaufwand und eine der beiden höchsten Unterstützungsstufen nötig - die Steigung betrug da etwa 10%. Der erforderliche Kraftaufwand ist den nur etwa 50 Nm Drehmoment des e-novation Motors geschuldet. Wer den „Schub“ oder „Flow“ eines Bosch CX oder Yamaha-PW gewöhnt ist, wird den hier vermissen. Auch die Art der Kraftentfaltung ist bei den günstigeren Motoren weniger natürlich. Ihnen fehlt vor allem der Drehmomentsensor, der bei Bosch, Brose, Shimano, Yamaha, TQ, Sachs … Standard ist.

Der komfortable Tiefeinstieg heißt anderswo heute „Easy Entry“ und diese Rahmenform ist auch nicht mehr als reiner „Damenrahmen“ zu sehen. Gerade im Stadtverkehr, bei Beladung und bei etwas älteren Fahrer:innen ist diese Rahmenform ein Sicherheits-Plus. Der Alu-Rahmen kommt übrigens auch bei diesem Modell wie bei Prophete üblich in einer einzigen Rahmenhöhe von 46 cm.

Auch das übersichtliche E-Novation Display und die 7-Gang-Nexus Nabenschaltung von Shimano machen einen guten Eindruck. Die sieben Gänge lassen sich über einen Drehschalter am Griff inklusive Ganganzeige bequem einstellen. Mit der Nexus lässst sich an Steigungen im kleinen Gang mit nicht zu langsamer Trittfrequenz recht gut aufwärtskommen. Bei schnelleren Passagen lässt sich bis ca. 30 km/h im höchsten Gang noch gut mittreten. Die Trittfrequenz spielt bei der Kraftentfaltung eine wichtige Rolle bei diesem Motor. Er gibt bei höherer Trittfrequenz mehr Kraft ab als bei niedriger.

Für die Verzögerung sorgen günstige mechanische Seilzug-Felgenbremsen, auch V-Brakes genannt. Am gefahrenen E-Bike quietschten die recht ordentlich - Klingeln für die Aufmerksamkeit anderer Verkehrsteilnehmer war hier nicht nötig. Für die Seilzüge und die Funktion der Bremsen ist jedenfalls ein waches Auge und regelmäßige Prüfung und Nachjustierung nötig. Die Bremsen waren auch Ursache für einen offiziellen Rückruf des E-Bikes seitens Aldi nach drei/vier Jahren - das Hansa Alu-City sollte von den Besitzern nicht mehr bewegt werden!

À propos Service: Auf den Rahmen gewährt der Prophete zehn Jahre Garantie, auf Kleinteile - außer Verschleißteile - drei Jahre. Sollte das Elektrofahrrad einen Schaden haben und die Gewährleistung des Herstellers greifen, setzt Aldi bzw. Prophete auf ein mobiles Servicekonzept, das sich Vor-Ort-Service nennt.

Ein Ersatzdisplay kam dann recht schnell per Post und konnte von den Besitzern selbst ausgetauscht werden.

Beim ADAC Elektrorad-Test erhielt das Modell 2016 übrigens nur die Note 5: Die „mangelhaften Seilzug-Bremsen“ führten im Test zur Abwertung. Die meisten aktuellen Prophete E-Bikes werden inzwischen mit Scheibenbremsen ausgestattet.

Worauf sollte man beim Kauf eines E-Bikes bei Aldi achten?

Einen Haken hat die Sache jedoch: Wer Räder beim Lebensmittel-Discounter kauft, kann nicht so richtig Probe fahren. Für Ihre Sicherheit und Ihren Komfort ist es jedoch wichtig, dass E-Bike genau zu Ihnen passt und Sie gut darauf sitzen. Das 90-tägige Rückgaberecht sollte man also unbedingt nutzen, wenn man nach ein paar Kilometern schon merkt: Das ist nichts für mich. Auch die Einstellungen von Lenker und Sattel müssen zuhause selbst erledigt werden.

Wer sich das zutraut und schon eine gewisse Routine hat, ist somit gut bedient. Wer dabei Unterstützung braucht, für den ist der Weg in den Fachhandel dann doch die bessere Wahl. Auch später braucht ein solches Rad ab und zu Service, beim Prophete E-SUV Entdecker wird man sich beispielsweise um die hydraulische Scheibenbremse kümmern müssen.

Wir empfehlen Einsteigern beim E-Bike eigentlich immer eine Probefahrt und eine ausführliche Beratung, die man bei Aldi nicht bekommt. Abgesehen davon ist das Prophete SUV-Bike von Aldi aber ein gutes Angebot, bei dem man tatsächlich ordentlich Geld sparen kann.

Fazit

Die Aldi- und Discounter E-Bikes sind so etwas wie die Dacias unter den E-Bikes. Nicht aufregend aber durchaus solide. Vorsicht nur bei vereinzelten Schwachstellen wie den Bremsen oder dem feuchtigkeitsempfindlichen Display. Eine Rolle als Auto- oder Zweitwagenersatz werden diese E-Bikes m.E. nicht spielen.

Der Nachteil der fehlenden Probefahrt-Möglichkeit wird vielleicht dadurch etwas ausgeglichen, dass der Marke Aldi im Allgemeinen vertraut wird. Und auch dadurch, dass ein E-Bike Einsteiger bei der ersten Probefahrt eines Discounter E-Bikes meist noch wenig Fahrerfahrung hat. Unmittelbare Spaßmobile sind solche Discounter-E-Bikes bis auf den Preis also eher nicht.

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