Die Förderung der Biodiversität in Offenburg: Ein Engagement für unsere Lebensgrundlagen

Klimaschutz und Artenschutz sind die großen Herausforderungen unserer Zeit. Der Zustand der biologischen Vielfalt ist nach Aussagen der Wissenschaft alarmierend. Allein in Deutschland sind ein Drittel der Arten und zwei Drittel der vorkommenden Biotope gefährdet.

Der Biodiversitätsschwund bedroht die Ökosysteme und beeinträchtigt damit langfristig die wirtschaftliche Entwicklung, unsere Gesundheit und unsere Lebensqualität. Sich für die Biodiversität zu engagieren heißt, sich für die Sicherung unserer Lebensgrundlagen einzusetzen. Für unsere Stadt Offenburg ist der Erhalt der Artenvielfalt ein wichtiges Anliegen.

Initiativen zur Steigerung der Biodiversität in Offenburg

Die Schaffung von Blühwiesen ist ein Beitrag um die Biodiversität in der Stadt zu steigern. Die Stadt Offenburg unterstützt deshalb engagierte Bürgerinnen und Bürger in ihrem Beitrag, artenreiches Grün in der Stadt zu fördern. Wir bezuschussen die Entsiegelung von befestigten Flächen wie Innenhöfe, die Umwandlung von grauen Schotterflächen in bunte und biodiverse Vorgärten sowie die Begrünung von Dächern und Fassaden. Jeder kann etwas tun - wir unterstützen Sie dabei!

Es ist Aufgabe der Stadt, nachhaltig die Biodiversität in Offenburg zu fördern. Es geht unter anderem darum, die heimische Pflanzenvielfalt zu erhöhen und damit Lebensraum und Futterquellen für die entsprechenden Tiere zu schaffen. Vegetationsflächen können durch Biotopelemente wie Lesesteinhaufen, Totholz oder offene Bodenstellen bereichert werden.

Zum Leben braucht es aber nicht nur Futter, sondern auch Brut- und Überwinterungsstätten. Die Blauschwarze Holzbiene etwa bevorzugt Pflanzen aus der Familie der Lippenblütler wie Wiesensalbei oder Muskatellersalbei, benötigt aber für ihre Nachkommen morsches Holz, in das sie Nistgänge nagen kann.

Umwandlung von Grünflächen und Magerstandorte

Im Herbst 2024 realisieren die Stadtverwaltung und die Technischen Betriebe Offenburg (TBO) an verschiedenen Standorten die Umwandlung von bestehenden Grünflächen in naturnahe Grünflächen. Hiervon profitiert nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Insektenwelt.

Magerstandorte mit hoher Vielfalt von heimischen Pflanzen von etwa 1.200 Quadratmetern entstehen in der Freiburger Straße auf Höhe des E-Werks Mittelbaden und am Kreisel in der Badstraße. Vor der Einsaat wird der Boden durch Aufbringen und Einarbeiten von Kiessand abgemagert. Stefanie Birk, Projektleiterin Freiraumplanung, erklärt: „Denn umso nährstoffärmer der Standort ist, desto mehr heimische Blütenpflanzen gedeihen dort. Wir können das an unseren gedüngten Wiesen erkennen, die bis auf wenige Blumen wie Löwenzahn und Hahnenfuß vorwiegend aus Gräsern bestehen und nur zur Blütezeit des Löwenzahns Farbe zeigen, ansonsten für die Insekten wenig Nektar und Pollen bieten“.

Am Kreisel Badstraße werden die abgestorbenen Buchshecken samt Kiesrollierung entfernt, da die Buchspflanzen den Befall von Zünsler und Pilz nicht überlebt haben. Im Zuge dessen wurde die auf dem Kreisel befindende Skulptur des Bildhauers CW Loth restauriert.

Über die Wintermonate werden sich die Standorte "eher traurig" präsentieren, befürchtet Birk: "Das Saatgut benötigt jetzt erstmal Zeit zum Keimen und um sich dann zu blühfähigen Pflanzen zu entwickeln." Im Frühjahr zeigen sich vor allem die Einjährigen wie Klatschmohn und die Kornblume in Rot und Blau. „In den Folgejahren entwickeln sich dann die heimischen Trockenkünstler wie Wiesensalbei, Saat-Esparsette und Karthäuser-Nelke“, erklärt Birk.

Auch im Mühlbachaeral bereiteten Mitarbeiter*innen der TBO eine ehemalige Rasenfläche zur Einsaat vor. Mit den Mädchen und Jungen der Kindertagesstätte „Am Ölberg“ wurde zusammen mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord und der Stadtverwaltung anschließend eine Blumenwiese beim Spinnerei-Spielplatz von rund 350 Quadratmetern eingesät.

Naturpark-Projektmanagerin Lilli Wahli zeigte sich sehr erfreut über die Aussaataktion in Offenburg: „Mit unserem Projekt ‚Blühender Naturpark‘ möchten wir den Naturpark blumenbunt machen und die Menschen für die Bedeutung unserer heimischen Insekten sensibilisieren.“ Über fünf Hektar heimische Blumenwiesen sind inzwischen auf Flächen der Kernstadt entstanden.

Mahdtermine und Pflege

Wiesen müssen in der Regel ein bis zwei Mal jährlich gemäht werden. Die Mahdtermine sind zur Heuernte und zur Öhmdernte, also etwa im Juni und im September. Bei besonders fetten Standorten, also nährstoffreichen Wiesen, kann ein dritter Schnitt notwendig sein. An geeigneten Flächen bleibt ein Teil stehen und wird erst bei der Folgemahd gemäht. So haben die Insekten weiterhin Futter und einen Rückzugsort.

Da Wiesenflächen für manche Betrachter*innen wild und ungepflegt aussehen, werden die Ränder regelmäßig mit dem Rasenmäher bearbeitet. Die sogenannten Akzeptanzstreifen sorgen dafür, dass Wege- und Straßen nicht durch überhängende Pflanzen beengt werden.

Bedeutung der Bienenvielfalt

In Deutschland gibt es über 560 Arten von Bienen. Die Honigbiene ist nur eine davon. Alle anderen sind Wildbienen, darunter rund 30 Hummelarten. Über die Hälfte zählen zu den gefährdeten Arten. Etwa 150 Arten ernähren sich nur von einer einzigen Blütenart. Schon deshalb ist die Artenvielfalt auch bei den Wildblumen wichtig.

Bienen brauchen eine gesunde, durchmischte Natur - dann sind sie selbst gesund. Vielerorts ist die Artenvielfalt bei den Wildblumen durch intensive Landwirtschaft und intensive Pflege von Grünflächen stark zurückgegangen. Dies wirkt sich auch auf die Vielfalt von wilden Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Faltern, Schmetterlingen und sogar Feldvögeln aus.

Förderung von Grünräumen und Lebensqualität

Naturnahe und vernetzte Grünräume sorgen für ein besseres Stadtklima und steigern die Lebensqualität. Die Stadtverwaltung arbeitet intensiv daran, weitere grüne Lebensräume zu schaffen. Um auch nicht-öffentliche Flächen für artenreiches Grün zu gewinnen, fördert die Stadt seit Anfang Oktober 2020 die Entsiegelung von befestigten Flächen für Eigentümer*innen und Eigentümergemeinschaften der Stadt Offenburg. Bezuschusst wird die Entsiegelung von befestigten Flächen wie Innenhöfen, die Umwandlung von grauen Schotterflächen in bunte biodiverse Vorgärten, sowie die Begrünung von Dächern und Fassaden. Unterstützt wird auch beim Anlegen einer Blumenwiese.

Die "Krautschau"-Aktion: Mehr Bewusstsein für Wildpflanzen

Viele Menschen nehmen Pflanzen, wenn überhaupt, nur als grünen Hintergrund wahr. Die Stadtbotanik-Aktion Krautschau - 95 Pflanzen erkennen“.

Den Teilnehmenden hat die Aktion so viel Freude bereitet, dass weitere Treffen zum Betrachten und Bestimmen von Pflanzen geplant sind.

Auszeichnung als "StadtGrün naturnah"

Offenburg gehört zu den neun Kommunen, die erstmals das Label "StadtGrün naturnah" erhielten. Abteilungsleiter Grünflächen und Umweltschutz, Philip Denkinger, und die Projektleiterin Grünflächen und Umweltschutz, Stefanie Birk, reisten Ende September nach Dortmund, um die Auszeichnung entgegen zu nehmen.

"Wir sind auf dem richtigen Weg", sagt Stefanie Birk freudestrahlend - und mit ihr Bürgermeister Oliver Martini und Fachbereichsleiter Andreas Kollefrath. Die Zertifizierung sei zum einen Lohn für die bisherige Arbeit und zugleich Motivation weiterzumachen. Die Stadt habe Vorbildfunktion: "Es ist unsere Aufgabe, einen Beitrag gegen das Artensterben zu leisten."

Ihr Dank gilt auch den Technischen Betrieben Offenburg für die gute und enge Zusammenarbeit: "Harald Möschle und sein Team haben hier einen wichtigen Beitrag geleistet."

Offenburg sitzt jetzt mit Städten wie Bad Saulgau und Bad Dürkheim, Trier und Bonn, Bremerhaven und Dortmund in einem Boot. Die Bewertungskommission hob für die Kinzigstadt besonders hervor, dass in den vergangenen Jahren sehr viele Flächen naturnah aufgeblüht seien. Wo auf dem Ölberg früher noch eintöniger Vielschnittrasen sein Dasein fristete, blühen nun Margeriten und Wiesensalbei um die Wette.

Berücksichtigt wird auch die Öffentlichkeitsarbeit, also Umweltbildung und Aufklärung. So wurden bei der Einsaat von Wiesenflächen auch Schulen und Kitas einbezogen; ebenso haben sich Unternehmen an den Aktionen beteiligt.

Mit dem Label „StadtGrün naturnah“ honoriert das Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt e.V.“ das Engagement von Städten und Gemeinden für ein ökologisches Grünflächenmanagement. Das Label wurde im Rahmen des geförderten Projektes „Stadtgrün - Artenreich und Vielfältig“ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt mit einer Förderung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) von 2016 bis 2021 entwickelt. Seit Ende 2021 wird es vom Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ weitergeführt.

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