Alpenüberquerung mit dem Fahrrad: Etappenplanung und was zu beachten ist

Die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren, ist ein Traum vieler Radfahrer. Doch die Planung einer solchen Tour erfordert sorgfältige Vorbereitung. Hier finden Sie detaillierte Informationen und Tipps, um Ihre Alpenüberquerung erfolgreich zu gestalten.

Tourenplanung: Der Weg zur erfolgreichen Alpenüberquerung

Die Planung einer Alpenüberquerung beginnt mit der Auswahl der Zielregion, des Start- und Endpunkts. Zuerst wird der Tour-Level festgelegt, ob es eine leichte, mittelschwere oder schwere Tour werden soll.

  • Schwere Touren: Etappenlängen bis 2000 Höhenmeter oder mehr und beinhalten anspruchsvolle Trails.
  • Leichte Touren: Keine fahrtechnischen Schwierigkeiten, aber möglichst auf Offroad-Wegen und mit landschaftlichen Höhepunkten.
  • Mittelschwere Touren: Guter Trailanteil, flowig und für die meisten fahrbar, mit begrenzten Höhenmetern.

Wenn es möglich oder notwendig ist, wird man auch Seilbahnen oder einen Shuttle einbauen, damit sich die Höhenmeter in Grenzen halten. Nicht überall werden die Optimalen Trails vorhanden sein, schnell werden diese für die meisten zu schwer, dann muss ein Kompromiss gefunden werden.

Die Auswahl der Etappenorte ist eine weitere Herausforderung, nicht in jedem Ort gibt es die passenden Unterkünfte. Viele Hoteliers, gerade in bekannten Destinationen nehmen - nur für einen Nacht - keine Gruppen auf.

Mit den vorläufigen GPS-Tracks geht es dann auf Entdeckungstour. Erst beim Abfahren der geplanten Route wird man sehen, ob die ausgesuchten Wege und Trails für den geplanten Tour-Level wirklich geeignet sind. Oft muss man zwischen den Etappenorten mehrere Varianten ausprobieren oder auch mal umplanen. Es ist auch schon vorgekommen, dass man das ganze Projekt wieder beerdigt hat, da es nicht umsetzbar war.

Wenn dann nach einiger Zeit doch alles passt, kann der finale GPS-Track und die Höhenprofile erstellt werden. Der Reisepreis wird kalkuliert, die Termine geplant. Hochalpine Touren können erst ab Ende Juni angeboten werden, oder nicht im August da die Unterkünfte oft nicht zu bekommen sind.

Auch Termine mit Feiertagen können problematisch sein, da warten die Hotels nicht auf uns, die sind dann voll, mit Gästen die mehrere Tage bleiben. Wenn dann alles unter einem Hut gebracht ist, kann die Ausschreibung gemacht und die Tour im Web und Katalog veröffentlicht werden. Jetzt kommt es darauf an, dass die neue Tour auch von unseren Kunden angenommen und gebucht wird.

Planung am Schreibtisch

Steht die grobe Planung geht es ans Finetuning. Mit topografischen Landkarten in verschiedenen Maßstäben verschafft man sich einen Überblick. Am Computer wird die Strecke in einzelnen Etappen aufgeteilt - so hat man schon mal die ungefähre Streckenlänge und einen Überblick über die Höhenmeter.

Auf guten Karten kann man auch auslesen, ob es sich um Straßen, Schotterwege oder Trails handelt. Mittlerweile spielt die Internetrecherche eine immer wichtigere Rolle. So gibt es beispielsweise fast keinen Pass mehr, den nicht schon irgendjemand befahren hat.

Die Etappen

Bei der Einteilung der Etappen gilt es vor allem die Länge, die Höhenmeter und die Wegbeschaffenheit zu beachten. Eine Etappe mit 40 km und 1900 HM fällt sicher nicht unter die Kategorie „Leicht“. Hingegen kann eine Etappe mit 90 km aber nur 600 HM durchaus auch für Einsteiger machbar sein, vorausgesetzt es handelt sich weitgehend um einfachere Radwege, auf denen das Bike gut rollt.

In der Planung legen wir auch schon mal die Orte fest, in denen die Übernachtung geplant ist und recherchieren im Internet, welche Unterkünfte in welcher Qualität zur Verfügung stehen. Kleine Häuser mit einer begrenzten Zimmeranzahl werden uns in der Hauptsaison sicher keine 10 Zimmer für eine Nacht geben. Können wir in den Nachbarort ausweichen?

Der „Live“-Test

Steht die Tour auf dem Papier fest, kommt der wichtigste Punkt: Die Strecke muss mit dem Bike erkundet und auf Herz und Nieren geprüft werden. Dafür laden wir die geplante Route aufs GPS, nehme die Karten in Papierform mit und machen uns mit gepacktem Rucksack auf den Weg.

Manche Etappen passen sofort, bei anderen muss man nachbessern und umplanen. Vielleicht sind manche Trails zu anspruchsvoll oder die Etappe doch zu lang. Manchmal sind in der Karte ausgewiesene Wege nicht vorhanden oder für Radfahrer gesperrt. Dann entdeckt man auch neue Trails, die in der Karte noch nicht eingezeichnet waren.

Unterwegs machen wir Notizen über Wegbeschaffenheit, Gefahrenstellen, Besonderheiten oder Highlights. Wir vermerken Wasserstellen und Plätze, wo man mit der Gruppe die Mittagspause machen kann. Worauf wir auch achten: Im Prinzip sollte es für schwierige Etappen bei Schlechtwetter eine Ausweichstrecke geben.

„Leicht“, „Mittel“ oder „Schwer“?

Wie wichtig es ist, jede (neue) Tour selbst zu „erfahren“, zeigt sich bei der Vergabe des Levels. Dass eine Etappe mit 2000 HM oder mehr, gepaart mit anspruchsvollen Trails, als „Schwer“ bezeichnet wird, ist relativ einfach zu verstehen.

Schwieriger wird die Planung von mittelschweren oder leichten Touren, da hier jeder eine andere Vorstellung hat, wie diese aussehen soll. Leichte Touren dürfen keine fahrtechnischen Schwierigkeiten haben, aber möglichst auf Offroad-Wegen verlaufen und landschaftliche Höhenpunkte aufweisen. Mittelschwere Touren sollten möglichst viele Trails enthalten, die flowig und für die meisten fahrbar sind.

Um auch die Höhenmeter in Grenzen zu halten, wird man auch Seilbahnen oder einen Shuttle einbauen. Aber nicht überall werden die optimalen Trails vorhanden sein, schnell können diese für viele zu schwer werden.

E-MTB Touren

Kompliziert kann die Tagesplanung von E-MTB Touren werden. Nach ca. 1.000 HM muss ein Gasthaus oder eine Berghütte mit der Möglichkeit zum Nachladen der Akkus kommen. Nicht auf jeder Berghütte ist das möglich.

Es muss ausreichend Strom mit den entsprechend ausgelegten Leitungen und Sicherungen zur Verfügung stehen, um die Akkus für eine ganze Gruppe laden zu können. Gerade der Boom des E-Mountainbikes zeigt, dass sich die Anforderungen an die Ausgestaltung der Etappen in den letzten Jahren deutlich verändert hat.

Die richtige Ausrüstung für Ihre Alpenüberquerung

Die Wahl des richtigen Fahrrads hängt von der geplanten Route und Ihrem Fitnesslevel ab.

  • Trekkingrad: Komfortabel für lange Tage, gut auf Asphalt- und Schotterstraßen.
  • Gravelbike: Leichter als Trekkingräder, ideal für lange und steile Anstiege.
  • Mountainbike: Bergtüchtig, geeignet für schwere Trails.
  • E-Bike: Ermöglicht mehr Strecke pro Tag, Routen sollten ohne Schiebestrecken geplant werden.

Routenvorschläge für Ihre Alpenüberquerung

Hier sind einige beliebte Routen für Alpenüberquerungen mit dem Fahrrad:

  • Ciclovia Alpe Adria Radweg: Von Salzburg nach Grado, ca. 500 km, 3000 Höhenmeter.
  • Via Claudia Augusta: Von Donauwörth nach Venedig, ca. 700 km, 2500-4500 Höhenmeter.
  • Transalp Adria: Von Kärnten ins slowenische Sistiana, ca. 340 km, 5000 Höhenmeter.
  • Von Sterzing ins Veneto: Ca. 400 km, 4000 Höhenmeter.
  • Von der Zugspitze zum Comer See: Ca. 400 km, 4300 Höhenmeter.
  • Von Süddeutschland zum Gardasee: Ca. 400-500 km, 8000-9000 Höhenmeter.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über einige der schönsten Fahrradrouten über die Alpen:

Radweg Besonderheit Länge
Transalp-Rhone Radweg Anspruchsvolle Tour durch Bergwelten Ca. 350 km
Via Claudia Augusta Mittelschwere historische Strecke Ca. 740 km
Transalp München - Venedig Mittelschwere Tour durch die Dolomiten Ca. 580 km
Ciclovia Alpe Adria Radweg Mittelschwere Tour durch Tunnel Ca. 410 km
Der Innradweg Mittelschwere Tour durch Altstädte Ca. 520 km
Der Etschradweg Mittelschwere Tour mit Ausblicken Ca. 315 km

Packliste für die Alpenüberquerung

Eine sorgfältig zusammengestellte Packliste ist entscheidend für den Komfort und die Sicherheit während Ihrer Alpenüberquerung. Maximal acht Kilo sollte der Rucksack (25-30 Liter reichen) für eine Transalp wiegen. Hier sind einige wichtige Punkte:

  • Atmungsaktive Funktionskleidung
  • Wasserdichte Regenkleidung
  • Reparaturset
  • Kartenmaterial
  • Erste-Hilfe-Set
  • Ausweisdokumente
  • Bargeld & EC-Karte
  • Verpflegung

Training für die Alpenüberquerung

Eine gute Vorbereitung ist das A und O für eine erfolgreiche Alpenüberquerung. Hier sind einige Tipps:

  • Beginnen Sie mindestens drei Monate vor der Reise mit längeren Radtouren.
  • Integrieren Sie Kraftübungen für Beine und Rumpf in Ihr Trainingsprogramm.
  • Üben Sie das Tragen des Fahrrads in anspruchsvollem Gelände.

Sicherheitshinweise für Ihre Alpenüberquerung

Beachten Sie die folgenden Sicherheitshinweise, um Risiken zu minimieren:

  • Informieren Sie sich über das Wetter und passen Sie Ihre Route gegebenenfalls an.
  • Nehmen Sie ein Mobiltelefon mit und speichern Sie Notfallnummern ein.
  • Fahren Sie defensiv und achten Sie auf andere Verkehrsteilnehmer.
  • Tragen Sie einen Helm und gegebenenfalls Schutzkleidung.

Rückreise planen

Schon bevor ihr die Anreise antretet, solltet ihr euch über die Rückreise Gedanken machen. Hier sind drei Möglichkeiten:

  • Ihr könnt die Strecke wieder mit dem Rad bewältigen.
  • Die zweite Option ist eine Mischung aus Zug- und Radstrecke - auch Trainpacking genannt.
  • Das gleiche gilt für eine reine Rückfahrt mit Zug oder Flixbus.

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