Alte Bundeswehr Motorräder: Modelle und Entwicklung

Im Kaiserreich erstmals für den militärischen Einsatz erprobt, gewannen Krafträder während des Ersten Weltkriegs allmählich an militärischer Bedeutung. In der Weimarer Republik stellte die Reichswehr zunehmend Kradschützen-Einheiten auf schweren Motorrädern in Dienst.

Erst 1938 begannen BMW und Zündapp mit der Entwicklung sogenannter überschwerer Kräder mit Geländeuntersetzung, Rückwärtsgang und Beiwagenantrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Ära dieser »Kriegselefanten« vorbei, doch in der Bundeswehr und der NVA fanden Motorräder nach wie vor Verwendung - bis hin zu den heutigen Eskorte-Maschinen der Feldjäger.

Aktuelle Modelle und ihre Aufgaben

Zu den Militärfahrzeugen der Bundeswehr gehören auch Motorräder wie die BMW R 1200 RT. Die Feldjägertruppe verfügt insgesamt über 148 dieser Maschinen. Die BMW R 1200 RT ist der Feldjägertruppe vorbehalten.

Genutzt werden diese bei Eskortenfahrten und für den protokollarischen Dienst beim Empfang hochrangiger Gäste. Das Motorrad wird in erster Linie zum Eskortendienst eingesetzt. Fahrerinnen und Fahrer absolvieren dazu ein spezielles Fahrtraining und eine protokollarische Weiterbildung. Die Soldaten schätzen die BMW R 1200 RT wegen ihrer hervorragenden Fahreigenschaften und ihrer Wendigkeit.

Diese Eigenschaften des Krads sind für den Eskorteneinsatz besonders wichtig, weil die Fahrzeuge dabei in Formation sehr nah bei einander fahren. Leistungsstarker Antrieb mit Kraft aus den unteren Drehzahlen sind ein besonderes Merkmal dieses Motorrades. Insbesondere die Eskortenfahrer der Bundeswehr nutzen dieses Motorrad.

Die BMW R 1200 RT als Bundeswehrmodell weist neben den serienmäßigen Instrumenten und Bedienelementen eine Steuereinheit für das Funkgerät auf. Dem Eskortendienst kommt die serienmäßige, elektronisch verstellbare Windschutzscheibe zugute. Zur weiteren Ausstattung gehören zwei Einsatzhörner und insgesamt drei Blaulichter - eines am Heck (höhenverstellbar) und zwei an der Verkleidung.

Aus Sicht der Fahrerin oder des Fahrers: Übersichtlich angeordnete Instrumente und ein ergonomisch positionierter Lenker. Die BMW der Bundeswehr entspricht weitestgehend einem hochwertigen Serienmotorrad.

Hü - Handelsüblich, so nennt die Bundeswehr ihre seriennahen Kraftfahrzeuge. Wie zum Beispiel das Eskortenmotorrad, das lediglich eine Sondersignalanlage und Kommunikationsgeräte zusätzlich mitführt.

Technische Details der BMW R 1200 RT

Hier sind einige technische Details der BMW R 1200 RT:

  • Hersteller: BMW
  • Antrieb: 1.170 ccm Luft-/Flüssigkeitsgekühlter 2-Viertakt-Boxermotor
  • Leistung: 125 PS / 92 kW

Die Wiedereinführung der Kradmelder

Für die Very High Readiness Joint Task Force (Land) 2019, VJTF (L) führt das Heer jetzt den Kradmelder wieder ein. Dazu erhielt die Panzerlehrbrigade 9 in Munster bereits Ende März neue geländegängige Motorräder (kurz Kräder) und die dazugehörige Ausstattung zur Reparatur im Gelände.

Die neuen Maschinen vom Typ BMW 850 GS sind für den Einsatz der sogenannten Kradmelder vorgesehen. Bei der offiziellen Übergabe wurden 29 Kräder sowie die „Werkstattausstattung Bedarfsfall zur feldmäßigen Instandsetzung“ durch die BwFuhrparkService GmbH (BwFPS GmbH) an die Panzerlehrbrigade 9 - die den Kern der multinationalen VJTF (L) bildet - übergeben.

Mit weiteren Lieferungen wird die Anzahl auf 84 steigen. Bis in die 90er Jahre nutzte die Bundeswehr die Hercules K 125 für ihre Kradmelder. Im Anschluss aber nur als Zwischenlösung (auf absoluter Sparflamme) standen zwischenzeitlich die KTM LS 400 und die BMW G650GS als geländegängige Kräder zur Verfügung.

Jetzt setzt man auf modernere Fahrzeuge aus dem Hause BMW mit der Typenbezeichnung des Herstellers BMW F 850 GS (GS für Gelände/Straße). Der Abteilungsleiter Ausrüstung im BMVg, Vizeadmiral Carsten Stawitzki ist mehr als stolz auf die Beschaffung und stellt vor allem auch die schnelle und reibungslose Beschaffung immer wieder gerne heraus.

Beschaffung und Anforderungen

Die in der Bundeswehr betriebenen Motorräder sind dienstleistungsfähig eingestuft. Alle derzeit in Nutzung befindlichen Kräder werden durch die BwFPS GmbH gestellt. Der Antrag für die ersten 29 Kräder gl für VJTF 2019 gingen Anfang 2018 beim BAAINBw ein und wurden an BAAINBw Abt. E3.2 (Projektleiter BwFPS) weitergeleitet.

Leider mussten prozessual einige Klippen bereinigt werden, bevor in die Beschaffung eingestiegen werden konnte. In der Bundeswehr gab es zu der Zeit kein Krad, welches die Anforderungen der Leistungsbeschreibung erfüllte. Zum Schluss erfüllte die BMW F 850 GS die meisten Forderungen und wurde als zeitlich beschaffbar eingestuft.

Wie bei allen militärischen Projekten wurden auch hier die bestimmten Fähigkeitsforderungen in einer Leistungsbeschreibung (LB) abgebildet. Die Kräder werden gerade in die Klasse handelsübliche Fahrzeuge mit militärischer Sonderausstattung (hümS) eingestuft. Ausplanung erfolgt über die Stärke- und Ausrüstungsnachweisung (STAN) der Truppenteile. Die Kräder werden handelsüblich (hü) als BMW F 850 GS beschafft und durch die Firma INTAX in Oldenburg oliv foliert und glänzende Teile schwarz matt lackiert. Außerdem wurden noch Koffer (links und rechts) angebracht.

Technische Details der BMW F 850 GS

Die BMW F 850 GS wird von einem wassergekühlten Zwei-Zylinder-Benzinmotor mit 70 kW angetrieben. Der Kraftstoff wird elektronisch eingespritzt und das Abgas über einen Katalysator nach Euro 4 gereinigt. Von den 445 kg zulässigem Gesamtgewicht können 216 kg für Zuladung genutzt werden.

ABS, Antischlupfregelung und Stabilitätskontrolle erhöhen die Fahrsicherheit. Aufgrund der Ausführung von Fahrwerk, Bereifung und Bodenfreiheit ist das Motorrad für Straßen- wie für Geländefahrten geeignet. Die Höchstgeschwindigkeit der Serienmaschine beträgt 200 km/h. Der Tankinhalt von 15 Litern ermöglicht (je nach Fahrweise) eine Reichweite von rund 300 km. Der Preis pro Maschine liegt bei rund 15.000 €.

In Deutschland werden die Kräder beim nächsten BMW-Händler instandgesetzt bzw. die Wartungen durchgeführt. Für den Einsatz wird derzeit ein Instandhaltungskonzept vorbereitet. Es sollen im Einsatz aber nur Kleinstschäden behoben werden, resultierend aus Geländefahrten und dort stattfindenden Stürzen. Ansonsten wird eine Reserve mitgeführt. Größere Schäden werden bei Vertragshändlern im In- und Ausland durchgeführt.

Kradmelder im Einsatz

Motorräder werden vom Militär als so genannte Kradmelder genutzt, um im Gefecht taktische Anweisungen oder Befehle zu übermitteln. Besonders in unwegsamem Gelände tragen sie dazu bei, den Informationsfluss aufrechtzuerhalten - selbst dann, wenn Datenfunk, Netzwerke oder das Internet ausfallen.

Die Rolle der Kradmelder in der Bundeswehr gewinnt aktuell im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung immer mehr an Bedeutung. Neben der Übermittlung von Informationen dienen die Militär- Motorräder auch der Absicherung von Marschkolonnen. Zudem setzen Feldjäger sie für militärpolizeiliche Aufgaben ein, beispielsweise bei Eskorten für Politiker und Staatsgäste.

Yamaha als Alternative

Bei der Bundeswehr gibt es nicht nur Panzer, Geländewagen oder LKW, sondern auch Motorräder. Bei ihren „Krads“ wechselt die deutsche Armee jetzt die Marke.

Die Kradmelder und Feldjäger der Bundeswehr steigen nach und nach von der BMW F 850 GS auf die leichtere Yamaha Ténéré 700 um. Der Importeur aus Neuss lieferte jetzt die ersten 30 von insgesamt 250 Maschinen aus. Sie kommen zunächst im BW-Kraftfahrausbildungszentrum im bayrischen Kümmersbruck zum Einsatz.

Die Zwei-Zylinder-Enduro wird bei Yamaha in Frankreich gebaut und für den speziellen Einsatz bei der Bundeswehr in der deutschen Niederlassung umfassend an deren Bedürfnisse angepasst. Neben einer umfangreichen Schutzausstattung, einer Sonderlackierung in Oliv und speziellen Heizgriffen für den Wintereinsatz wurde auch eine „Blackout“-Schaltung eingebaut. Für den Einsatz des Motorrads bei den Feldjägern wurde zusätzlich eine Sondersignalanlage integriert.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0