Alte Fahrradreifen entsorgen: Ein umfassender Leitfaden

Fast alle Komponenten deines Fahrrads gehen irgendwann kaputt. Auch wenn dein Fahrrad in neuem Glanz erstrahlt und zur ersten Probefahrt lockt, solltest du nicht vergessen, dass die ausgedienten Komponenten auch irgendwo hinmüssen. Wir aus der Bikes.de-Redaktion haben eine große Leidenschaft: Fahrräder. Und diese Leidenschaft wollen wir mit dir teilen.

Daher sind wir immer auf der Suche nach neuen, spannenden und relevanten Themen rund ums Rad, die dir Information und Orientierung bieten - und vor allem jede Menge Lust aufs Radfahren machen sollen. Alte Fahrradreifen werden in Deutschland verbrannt und als Asche deponiert.

Warum die richtige Entsorgung wichtig ist

Ein platter Reifen am Rad landet hierzulande im Restmüll und kommt zur Müllverbrennungsanlage. „Dieses Verfahren ist aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll“, sagt Danka Katrakova-Krüger vom Institut für Allgemeinen Maschinenbau der TH Köln. Gemeinsam mit Partnern hat sie ein Verfahren für Recycling von Fahrrad-Altreifen entwickelt.

Bei der Herstellung von Fahrradreifen kommen mehrere Komponenten zusammen, die eigentlich unterschiedlich entsorgt werden müssten: verschiedene Chemikalien, Gummi, Kautschuk, Kevlar und sogar Metall. Dieser Materialmix macht es auch so schwierig, Fahrradreifen zu recyceln. Es ist also durch die entsprechende Mülltrennung möglich, den schädlichen Einfluss auf die Umwelt zu minimieren.

Wohin mit den alten Reifen?

Irgendwann ist jeder Fahrradreifen durch. Die Reifen und Schläuche gehören in den Restmüll. Gemeint sind hier die Mäntel und Schläuche, die aus Gummi und anderen Beimischungen bestehen. Andere Radteile werden auf dem Mistplatz entsorgt.

Verschiedene Entsorgungswege

  • Restmüll: Abgenutzte Fahrradreifen können im Restmüll entsorgt werden. Dies gilt übrigens auch für Fahrradschläuche. In die Wertstofftonne gehören Fahrradmäntel und -schläuche nicht!
  • Wertstoffhof: Ein klassischer Entsorgungsweg ist der lokale Wertstoffhof. Dort kannst Du Dein Fahrrad problemlos abgeben - für Privatpersonen ist dieser Service häufig kostenlos.
  • Sperrmüll: Wenn die Zeit nicht drängt, ist eine einfache Möglichkeit, das Fahrrad im Rahmen der nächsten Sperrmüllabholung zu entsorgen.
  • Schrotthändler: Zuletzt besteht die Möglichkeit, ein Fahrrad beim Schrotthändler zu entsorgen. Hier sei angemerkt, dass nicht alle Schrotthändler Fahrräder annehmen.
  • Fahrradhändler: Eine weitere, oft nicht bekannte Möglichkeit zur Entsorgung von Fahrradreifen ist die Abgabe bei einem Fahrradhändler.

Kosten der Entsorgung

In vielen Fällen ist die Entsorgung eines Fahrrads kostenlos möglich: ob Wertstoffhof, Sperrmüllabholung oder Schrotthändler, hier wirst Du das Rad mit kleiner Münze los. Bei der Abgabe beim Fahrradhändler, in der Werkstatt oder beim Verkauf an Privatpersonen kannst Du mitunter auch noch etwas Geld bekommen.

Das Schwalbe Recycling System

Als Hersteller übernehmen wir Verantwortung für unsere Produkte - auch über deren Lebenszyklus hinaus. Mit dem Schwalbe Recycling System kümmern wir uns um die Rückführung von Schläuchen und Reifen, um diese anschließend zu recyceln und unnötigen Müll zu vermeiden. Ziel ist es, das wiedergewonnene Material in die Produktion von Neuware einfließen zu lassen und den Recyclinganteil weiter zu erhöhen.

Als erster Fahrradreifenhersteller weltweit kümmern wir uns um die Rückführung und das Recycling von gebrauchten Fahrradreifen aller Marken. Das vollständig geschlossene Kreislaufsystem trägt proaktiv zur Energie- und Ressourcenschonung bei und spart 80% CO2 ein.

Wie funktioniert das Schwalbe Reifen-Recycling?

  1. Kunden können die Fahrradreifen bei allen Händlern, die sich an dem Programm beteiligen, abgeben.
  2. Das Logistikunternehmen Emona bringt die Sammelcontainer zum Reifen-Recycling-Stützpunkt von Pyrum.
  3. Dort werden die Bestandteile der Reifen in einem patentierten, thermischen Verfahren voneinander getrennt.
  4. Danach werden die wiedergewonnenen Rohstoffe für die Produktion neuer Reifen einsetzt.

Knapp 80 Prozent CO2 werden laut Schwalbe so gespart.

Das Pyrolyse-Verfahren

Zu den Partnern der Technischen Hochschule Köln gehören im Projekt „Innovatives rohstoffliches Verwertungskonzept für Fahrrad-Altreifen im Sinne einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft“ die Ralf Bohle GmbH und Pyrum Innovations AG. Zu Ralf Bohle gehört unter anderem die Fahrradreifen-Marke „Schwalbe“.

Mittels Pyrolyse werden chemische Verbindungen durch Hitzebehandlung unter Luftausschluss gespalten. Da hohe Temperaturen zum Einsatz kommen, werden die Bindungen innerhalb der Moleküle gespalten. Aufgrund des Sauerstoffausschlusses bedarf es keiner Verbrennung mehr.

Das Projektteam behandelt in einer Pyrolyse-Anlage Altreifen bei Temperaturen zwischen 550 und 750 Grad unter Sauerstoffabschluss thermisch. Das Ergebnis: Der Fahrradreifen zersetzt sich in drei Teile - und zwar Pyrolysegas, -öl und -koks.

Die drei Bestandteile der Pyrolyse

  • Pyrolysegas: Pyrolysegas ist brennbares Gas, das in erster Linie durch Pyrolyse von Biomasse bei Temperaturen von unter 500 bis zu 1.500 °C aus den flüchtigen Bestandteilen gewonnen wird.
  • Pyrolyseöl: Pyrolyseöl wird auch „Bio-Öl“ genannt und besteht aus einer dunkelbraunen Flüssigkeit. Es lässt sich zu wertvollen Feinchemikalien für die chemische Industrie weiterverarbeiten.
  • Pyrolysekoks: Das Pyrolysekoks nennt sich auch Recycling-Ruß und soll wieder in die neuen Fahrradreifenmischungen eingebracht werden.

Das Verfahren ist so umweltschonend, da sich die Anlage vollkommen energieautark betreiben lässt.

Alternativen zur Entsorgung

Nicht unbedingt müssen Sie alte Reifen auch entsorgen. Nur weil diese am Fahrrad keine Verwendung mehr finden, heißt dies nicht, dass sie nicht noch anders genutzt werden können. Alte Reifen können noch zu vielerlei Zwecken dienen. Zum Beispiel können Reifenstücke als Transportsicherung für empfindliche Gegenstände verwendet werden.

In kleine Stücke geschnitten, können sie auch als Gummipuffer für Schraubverbindungen dienen. Das sogenannte „Upcycling“, also die Zuführung einer neuen Verwendung, kann eine interessante Alternative zur Entsorgung darstellen.

Weitere Aspekte der Fahrradentsorgung

Neben den Reifen gibt es noch weitere Fahrradkomponenten, die einer fachgerechten Entsorgung bedürfen:

  • Fahrradschlauch: Ein kleines Loch ist schnell geflickt, aber früher oder später führt kein Weg an einem Schlauchwechsel vorbei. Grundsätzlich können alte Schläuche einfach in den Hausmüll wandern.
  • Fahrradkette: Eine verschlissene Kette kann zum Problem werden, wenn sie über die Ritzel rutscht, abspringt oder im schlimmsten Fall reißt. Fahrradketten bestehen aus Stahl und man kann sie nicht mehr aufbereiten.
  • Akku: Einen defekten Akku musst du in den meisten Fällen austauschen lassen. Ist das Gerät tatsächlich defekt, kümmert sich dein Händler unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften um die fachgerechte Entsorgung des Akkus.
  • Sattel: Ein kleines Loch im Oberflächenmaterial reicht schon aus, damit sich dein Sattel mit Regenwasser vollsaugt und es beim Aufsitzen fröhlich wieder an deinen Hosenboden abgibt.
  • Schutzblech: Hat sich dein Schutzblech nach einem Sturz verformt, kannst du es schnell und einfach austauschen. In welcher Tonne dein altes Schutzblech landen sollte, hängt vom Material ab.
  • Fahrradcomputer: Fahrradcomputer zählen zum Elektroschrott. Du solltest sie über die entsprechenden Sammelstellen entsorgen.
  • Smarte Helme: In diesem Fall solltest du den Helm in den Sondermüll werfen.
  • E-Bikes: Im Gegensatz zu herkömmlichen Fahrrädern sind E-Bikes mit Motoren ausgestattet, weshalb sie bei der Entsorgung als Elektroschrott zählen.

Die Rolle der Kreislaufwirtschaft

Im Optimalfall sind Komponenten zu 100 Prozent recycelbar und fließen in die Neuproduktion der gleichen oder anderer Produkte ein. Das gelingt nicht immer. Downcycling bedeutet, dass man zum Beispiel dein Kunststoffschutzblech thermisch verwertet und dass daraus Parkbänke, Blumenkübel oder Lärmschutzwände entstehen können.

Nachhaltigkeit beim Biken

Schwalbe ist der erste Fahrradreifenhersteller weltweit mit einem Recycling-System. Unser Projekt hat inzwischen Modellcharakter und wird tatsächlich als Blaupause für Kreislaufwirtschaft in der Reifen- und Gummiindustrie angeführt. Es macht uns schon stolz, dass wir es als Mittelständler geschafft haben, innerhalb von nur zwei, drei Jahren ein Vorzeigeprojekt zu etablieren.

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