Die Vielfalt der Zweiräder, die aus deutschen Werkshallen fuhren und fahren, ist ausgesprochen groß. Von Simson bis Kreidler, Zündapp und Co. steht hier alles, was man wissen muss: alle Typen, alle Marken, alle Daten.
Neun Kurzbiografien über deutsche Motorradmarken
BMW und MZ sind in den Schlagzeilen - die Bayern, weil es ihnen gut geht, die Sachsen, weil leider Schluss ist. Aber wie steht es um andere deutsche Marken? Hier eine Historie in neun Kurzbiografien.
Adler
Am Anfang war die Schreibmaschine. Der Übergang zum Motorrad verläuft wie so oft über das Fahrrad. Das erste motorisierte Zweirad mit De Dion-Motor verlässt das Frankfurter Werk 1901, drei Jahre später folgen eigene Konstruktionen. Eine Fahrt von Stuttgart nach Kiel meistern die Adler 1904 mit Bravour, doch in der Rezession 1907 ist schon wieder Schluss mit der Motorradproduktion. Stattdessen konzentriert man sich auf den Automobilbau; 1914 ist jedes fünfte in Deutschland verkaufte Auto ein Adler.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg beginnt man von Neuem mit der Motorradproduktion. Zunächst mit der M 100 mit Einzylinder-Zweitakter. Konsequent erweitern die Frankfurter ihre Palette bis zum Zweizylinder-Zweitakter mit 247 cm³ und 18 PS. Die Adler ist so gut gemacht, dass sich Yamaha von ihr inspirieren lässt. Leider läuft es zu dieser Zeit bei Adler selbst nicht mehr rund. 1958 übernimmt Grundig die Adler-Werke. Bis 1998 werden dort wieder Schreibmaschinen produziert.
- 1886 Gründung der Adler Fahrradwerke als Heinrich Kleyer GmbH
- Ab 1901 Motorradbau
- 1903 eigene Motoren
- 1907 Motorradbau eingestellt
- 1949 Wiederaufnahme der Motorradproduktion: M 100 mit 98, 123, und 147 cm³, dann Zweizylinder-M 200 mit bis zu 250 cm³
- 1956 Produktion der Sportmodelle Sixdays und Moto-Cross, vier Goldmedaillen bei der Sechstagefahrt
- 1957 Verkaufsgemeinschaft mit Hercules und Triumph
- Grundig übernimmt Adler 1958
DKW
Zweitaktmotoren - und sonst nichts. In den 30er-Jahren stand DKW mit einer vielfältigen, preisgünstigen Modellpalette an der Weltspitze der Motorradhersteller. Als die im sächsischen Zschopau ansässige Firma 1932 mit verschiedenen Autobauern zur Auto Union AG zusammengefasst wurde, war sie der wirtschaftlich stärkste Partner des Konsortiums.
DKW baute ausschließlich Motorräder mit Zweitaktmotor, die für ihre Zuverlässigkeit bekannt waren. Rennmaschinen mit Ladepumpen verbreiteten den guten Ruf der Marke auch international. 1938 gewann Ewald Kluge auf einer 250er-DKW als erster Deutscher ein TT-Rennen. Nach dem Krieg trieb der DKW-Stamm in viele Richtungen aus; in Zschopau entstand 1952 das Motorradwerk Zschopau (MZ), im Westen begann die Produktion 1949 in Ingolstadt. Außerdem wurde die 1939 konstruierte RT 125 in vielen Ländern zum meistkopierten Motorrad der Welt. Heute hat Audi die Markenrechte.
- 1904 von Jørgen Skafte Rasmussen und Carl Ernst gegründet
- 1919 erste Hilfsmotoren für Fahrräder
- 1921 „Reichsfahrtmodell“ mit 145er- und 173er-Motoren
- 1933 Einführung der „Schnürle-Umkehrspülung“
- 1939 1 000 000 DKW-Motoren
- 1953 werden in Ingolstadt DKW mit 123, 173, 192, 244 und 346 cm³ gebaut
- 1954 348er-Dreizylinder-Rennmaschine „Singende Säge“
- 1958 DKW kommt zur Zweirad Union
Hercules
Nürnberg war die Wiege der deutschen Motorradindustrie. Hercules war von Anfang an dabei. Viele Jahre lang produziert man auf diese Weise hervorragende Motorräder - in den 70er-Jahren vor allem 50er. Doch Mitte der 90er-Jahre enden die Spuren des glorreichen Nürnberger Motorradherstellers, der seit 1956 kreuz und quer durch die Industrielandschaft verkauft worden war.
Eigenproduktion, wozu? Wenn es um Motoren geht, verlässt sich die Nürnberger Mannschaft des anfänglichen Fahrradherstellers Hercules auf die Künste von Spezialisten wie JAP, Ilo, Villiers und natürlich Fichtel & Sachs.
- 1887 Carl Marschütz gründet in Nürnberg die Nürnberger Velozipedfabrik Hercules
- 1904 bis 1907 Motorradproduktion
- Erst 1928 Wiederaufnahme der Kradproduktion
- 1938 Hercules wird zwangsweise „arisiert“
- Ab 1942 weitgehende Zerstörung der Werke
- 1949 erneut Herstellung von Krädern
- 1956 Übernahme durch Grundig
- 1958 Fichtel & Sachs übernimmt Hercules
- 1965 Eingliederung in die Zweirad Union
Horex
Vergangene Horex-Modelle genießen Kultstatus. Aber was bringt die Zukunft? In der Realität der 50er-Jahre galten die 350er-Regina und die 400er Imperator (später 450er) als schnelle, edle Motorräder. Ab den 60ern bis in die 2000er werden die Rechte an der Marke herumgereicht wie ein Wanderpokal.
2009 kaufte sie Clemens Neese, der die Marke mit einer ambitionierten Sechszylindermaschine wiederbelebt hat und profitabel machen möchte. In diesem Frühjahr wurde die VR6 Roadster an die Händler ausgeliefert, und mit einer dieser Maschinen rückte MOTORRAD-Testchef Gert Thöle inkognito zu einer recht erfreulichen Probefahrt aus (siehe Fahrbericht MOTORRAD 11/2013).
- 1923 Gründung der Horex-Fahrzeugbau AG
- 1936-1938 Entwicklung SB 35
- 1950 Produktion Regina
- 1956 Ende der Motorradfertigung
- 1960 übernimmt Daimler-Benz Horex, Schließung des Bad Homburger Werks
- Namensrechte über -Familie Kleemann an Friedel Münch
- Bis 1998 baut die Bajaj-Motorfahrzeuge Vertriebsgesellschaft die Kleinserie MZ-B Horex
- 2010 Neugründung Horex GmbH
- 2012/2013 Produktion einer Horex mit VR6-Motor im Augsburger Werk
Kreidler
Im Rennsport vorneweg, dann von den Japanern überrollt. Die Expedition glückt, nach 14 Monaten auf großer Fahrt ist die Weltumrundung 1955 vollbracht. Zehn Jahre später fährt Kreidler mit 210,63 km/h den Geschwindigkeitsrekord für 50er-Motorräder ein.
Der Pilot wird weiterhin von sich reden machen, 1976 gewinnt Rudolf Kunz zum vierten Mal die Deutsche Meisterschaft auf einer 50er-Kreidler. Die Basis für den Rennsport legen Kleinkrafträder, Mokicks, Mopeds und Mofas, die vor allem bei Jugendlichen höchst begehrt sind. 1977 knackt die Stuttgarter Firma die magische Grenze von einer Million produzierten 50ern. Die Pleite Kreidlers 1982 kam daher überraschend. 2008 inszeniert sich Kreidler auf der Intermot mit neun neuen Modellen; gebaut werden die 50er und 125er in China. Die historischen Wurzeln von Kreidler sind freilich längst Geschichte.
- 1903 Gründung Metallwerk Anton Kreidler in Stuttgart
- 1957 49-cm³-Florett
- 1959 jedes dritte zugelassene Moped in der BRD ist eine Florett
- 1977 Produktion der 1 000 000. Kreidler
- 1971-1982 sieben WM Titel
- 1982 Konkurs
- 1995 Rechte bei Prophete GmbH
- 2007 Gründung der Kreidler Europe Motor GmbH
Maico
Legendäre Erfolge im Geländesport, aber die Verkaufszahlen blieben überschaubar. Die Motorräder wissen auch ohne Galionsfigur zu gefallen. Zu den prominenten Liebhabern gehört der Geländesportfahrer und spätere Motorradausstatter Heino Büse, der seine Maicos als die schönsten Maschinen seines Fuhrparks bezeichnet.
Die Schwäbinnen schrecken auch nicht davor zurück, wenn es ans Eingemachte geht: Maico verdankt seinen Ruf hauptsächlich den Offroad-Siegen aus den Siebzigern. Leider konnte die Marke weder ihre Erfolge noch Großaufträge der Bundeswehr in eine solide finanzielle Situation ummünzen. Nach dem zweiten Konkurs 1983 folgt eine Odyssee an Besitzerwechseln. Seit 2000 verwalten die Gebrüder Koestler in Leverkusen den Bestand und sind die wichtigste Anlaufstelle für Instandhaltung und Restaurierung.
- 1926 Gründung Maisch und Compagnons in Poltringen
- Ab 1933 Kradproduktion
- 1958 fast Konkurs
- 1971 Geländemeister bis 250 cm³, 350 cm³ und 500 cm³
- 1972 und 1973 Gesamtsieg der amerikanischen Crossserie Trans-AMA
- 1983 Konkurs, Gründung der Gebrüder Maisch Zweiradhandel- und Produktions GmbH
- 1987 Merkle übernimmt Maico, Verkauf an Familie Demmer
- 1999 Konkurs, Zweirad Koestler produziert Maico-Kleinserie
NSU
Mitte der Fünfziger floriert das Werk in Neckarsulm. Doch dann geht es bergab. Mit 126 km/h war sie die schnellste Serien-250er in jenen Jahren, in denen NSU der größte Motorradhersteller der Welt war.
Flott sind die NSU-Maschinen auch auf der Rennstrecke. Zu den größten Erfolgen zählen die Doppelsiege in der 125er- und 250er-Straßen-WM, jeweils in den Jahren 1953 und 1954. Offroad läuft es ebenfalls wie am Schnürchen: In den 50er- und 60er-Jahren stehen 23 NSU-Fahrer am Ende der Saison ganz oben. Schöne Erinnerungen, aber das wars dann auch schon. Zumindest was die Marke NSU betrifft. Vor einem halben Jahrhundert verließen die letzten NSU das Neckarsulmer Werk. Heute rollen dort Audis vom Band, die Rechte an NSU ruhen bei Audi in der Schublade.
- 1873 Gründung Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen
- 1880 Umzug nach Neckarsulm
- Ab 1901 Kradproduktion
- 1932 Deutsche Industriewerke AG und NSU
- Bis 1938 NSU-Zweiräder unter D-Rad-Logo
- 1956 Wilhelm Herz auf NSU schneller als 300 km/h
- 1960 NSU Motorenwerke AG
- 1964 Ende der Zweiradfertigung
- 1969 Audi NSU Auto Union AG
- 1985 „NSU GmbH - die Traditionsgesellschaft der Audi AG“
Victoria
Ein Vertreter der Nürnberger Motorradkultur, der für kreative Konstruktionen und ungewöhnliche Technik stand. Ab 1904 scheint es zu einer nennenswerten Serienproduktion gekommen zu sein. Die KR VI gewann 1932 die Bergrenn-Europameisterschaft in der 600er-Gespannklasse und wurde die erste „Bergmeister“.
Victoria kam früh vom Fahrradbau zur Motorradproduktion. Ab 1920 bauten die Nürnberger die KR I, die vom gleichen BMW-Boxermotor angetrieben wurde, der ab 1923 in der BMW R 32 Dienst tat - hier aber mit den Zylindern nicht längs, sondern quer zur Fahrtrichtung. Bis zum Zweiten Weltkrieg profilierte sich Victoria durch eine enorme technische Vielfalt, die durch Eigenkonstruktionen und den Zukauf von Einbaumotoren entstand.
- 1886 Gründung der Firma Frankenburger und Ottenstein Nürnberg
- 1899 Victoria Werke AG
- 1901 erste motorisierte Zweiräder
- Ab 1920 Produktion der KR I mit 7 PS starkem Boxermotor von BMW, später folgten die KR II und die KR III mit eigenem 12-PS-ohv-Boxer
- 1925 erster Kompressor-Motor in Deutschland
- 1958 fusionieren Victoria, Express und die DKW-Zweiradsparte zur Zweirad -Union AG; sie wird 1966 von Hercules übernommen
- 1995 gehören die Victoria-Markenrechte der Hermann Hartje KG
Zündapp
Sie wollten nur Motorräder bauen. Und trotz Pleite ist die Firma bis heute in der Szene präsent. Im Gegensatz zur Konkurrenz sind Motorräder das Kerngeschäft während der gesamten Unternehmensgeschichte.
Das Motorrad als Gebrauchsgegenstand. Robust und zuverlässig ist das „Bauernmotorrad“, 1927 von Zündapp entwickelt. Damit nährt es die Bedürfnisse der Kundschaft - zwei Jahre nach Markteinführung sind 75 000 sogenannte Einheitsmodelle verkauft. Zahlen dieser Größenordnung katapultieren die Nürnberger in kürzester Zeit in die Riege der bedeutendsten Zweiradhersteller jener Zeit.
- 1917 Gründung der Zünder- und Apparatebaugesellschaft in Nürnberg
- 1921 Beginn der Motorradproduktion
- 1950 KS 601
- 1954 Produktion der 500 000.
Die letzten wilden 50er: Ein Vergleich
Die 1970er-Jahre waren die letzten Jahre der schnellen 50er, bevor die 80er kamen. MOTORRAD Classic drehte die Uhr zurück und erlebte am eigenen Leib, wie gestandene Männer im Kleinkraftrad-Sattel wieder zu 16-Jährigen werden.
Heute rücken wir mit sechs Vertretern der letzten wilden 50er-Generation aus (vier davon schon mit wassergekühlten Motoren), bevor uns die Behörden damals mit Beginn der 1980er die vermeintlich vernünftigeren, ungefährlicheren (was haben wir gelacht) 80-Kubik-Derivate beschert haben. Die wichtigsten Vertreter aus Deutschland, Österreich und aus Japan haben wir zusammengetrommelt. Ja, auch Yamaha hatte schon eine ernst zu nehmende Konkurrentin auf den Kleinkraftradmarkt geschickt, die mit schmuckem Äußeren und unschlagbarem Kampfpreis punktete.
Die Ernüchterung folgte so schnell, wie der Zweitakter beim Anfahren mit zu wenig Gas abgewürgt war. Die begehrten Mädels unserer Klasse himmelten längst die zwei Jahre älteren Jungs an, die schon Auto oder Motorrad fuhren. Mist. Dennoch: Mit dem Moped war das Tor zur Freiheit und Unabhängigkeit geöffnet worden.
KTM 50 RSW
Dabei hatte doch eine KTM damals in der Clique stets den Ruf, die rassige Sportlerin zu sein, teuer, laut und schnell. Kumpel Chris hatte so eine, schon ein bisschen runtergeritten. Was feixte der Rest der Clique, wenn er mal wieder mit wild schleifender Kupplung am Berg anfahren wollte und die Kiste zum dritten Mal abwürgte. Ohne Drehzahlen nix los.
Klar, anfahren mit weniger als 4000 bis 5000/min geht gar nicht, selbst mitschwimmen im Verkehr funktioniert so kaum, ab 6000/min setzt die Leistung ein, der rote Bereich ab knapp über 8000/min muss ignoriert werden, erst bei knapp 9000/min schalten, so geht‘s voran. Schon allein um den Anschluss im nächsten Gang zu garantieren, sonst verhungert man auf der Österreicherin.
Yamaha RD 50 DX
Die Yamaha verkörpert wohl am krassesten das Klischee vom mit höchsten Drehzahlen schreienden Fuffie. Zum Fahren kommt nur die Spanne zwischen 8000 und 10 000/min infrage, ehrlicherweise beginnt auch dort erst der rote Bereich. Zum Glück erweist sich das Getriebe als passend gestuft und gut bedienbar, zum flotten Vorankommen muss präzise und rechtzeitig geschaltet werden.
Ungemein schmal und zierlich tritt die RD auf, die Knie stoßen am schmalen Tank schon fast zusammen, die schmale, harte Sitzbank vermittelt ebenso wenig Komfort wie die Federung, alles über 60 Kilogramm scheint auf der Yamaha deplatziert, ein Moped für Renn-Jockeys. Ihrem Auftritt entsprechend fährt sich die RD denn auch so flink wie das sprichwörtliche Fahrrad, wird allerdings bei höherem Tempo etwas stur beim Einlenken, so als rolle sie plötzlich auf einem 19-Zoll- statt des 17-Zoll-Vorderrads.
Kreidler Florett RS-GS
Die nahezu neuwertige Kreidler steht für das unbeirrt verfolgte eigenständige Konzept der Firma aus dem schwäbischen Kornwestheim. Ein luftgekühlter, liegender Zweitakter mit Nikasil-beschichteter Laufbahn, eingebaut in einen Pressstahlrahmen. Eine Kreidler erkennt man stets sofort, und Erfolge im Rennsport machten die Marke schon früh weltbekannt.
Ich throne gefühlt sehr hoch oben auf dem Moped, auf der eher harten, kantigen Bank über den verchromten 13,2-Liter-Tank gebeugt sitzend, recht nah am angenehm gekröpften M-Lenker und stelle schnell fest, dass das erwartet breite nutzbare Drehzahlband wohl Wunschdenken war.
Zündapp KS 50 WC TT
Zündapp-Fahrer mussten sich damals die blödesten Sprüche anhören: Wenn se nicht zündet, dann dappste. Oder mussten zusehen, wenn Klassenkameraden mit debilem Grinsen bei jedem Schritt das linke Bein affig anhoben - wegen des berüchtigten Ziehkeilgetriebes mit den elend langen Schaltwegen. Zündapp-Besitzer Robert Bauer lässt das sicher kalt - er ist damals erst Mofa und dann Honda CB 50 gefahren und steht heute einfach drüber.
Angenehm unspektakulär lässt es sich mit der KS 50 anfahren - ja, 4000 Touren können tatsächlich genügen. Man muss die Zündapp nicht nur nicht drehen, man kann es gewissermaßen gar nicht, denn spätestens im Bereich um 8500/min sackt die Leistung in den Keller. Bis dahin allerdings hat der wassergekühlte Motor, der übrigens im Gegensatz zum Sachs-Triebwerk ohne Wasserpumpe, sondern nach dem Thermosiphon-Prinzip arbeitet, die Nase vorn.
So souverän der KS 50-Motor auftritt, so erhaben präsentiert sich auch die Ausstattung und die Verarbeitung der Münchnerin. Die noblen Markenembleme am Tank, die Gestaltung der Sitzbank und das eigens von VDO für die Zündapp kreierte Cockpit machen die KS 50 zum erwachsensten Motorrad unter den 50ern. Kein Kauern überm Tank, auf der Zündapp sitzt man erhaben hinterm breiten Lenker, fast schon in Herrenfahrer-Haltung.
Diese endet 1984. Eine chinesische Firma kauft und verschifft die Produktionsanlagen nach China und produziert Zündapp-Motorräder für den heimischen Markt. Für die deutsche Wirtschaftsgeschichte ist das Kapitel Zündapp damit abgeschlossen. Nicht aber in der Motorradszene. Zündapp lebt - etwa beim Elefantentreffen, das im Winter Jahr für Jahr Motorradfahrer aus ganz Europa anlockt.
Puch Cobra 6 GTL
Die Puch Cobra 6 GTL reihte sich hier nahtlos ein, die Österreicherin markierte aber eindeutig die Exotin. Zumindest kann die Puch für sich ins Feld führen, bei Porsche designt worden zu sein, und protzt mit einem Sechsganggetriebe. Eigenständigkeit beweist die Puch ja auch in Sachen Antrieb - natürlich kommt hier kein Sachs-Motor zum Einsatz, sondern ein selbst entwickelter wassergekühlter 50er, der ebenso wie der Zündapp-50er auf eine Wasserpumpe verzichtet.
Moped Oldtimer: Eine Definition
Bei einem Auto ist es relativ einfach, es als Oldtimer zu definieren. Man spricht dann von einem Oldtimer, wenn das Auto mindestens 30 Jahre alt ist. Ebenso kann man ein Moped als Moped Oldtimer einstufen, wenn es mindestens 30 Jahre alt ist. Solche alten Mopeds kann man noch gebraucht kaufen.
Das Wort Moped setzt sich aus Motor und Pedal zusammen und wurde im Januar 1953 vom Verband der Fahrrad- und Motorrad-Industrie festgelegt, um die kleinen Krafträder vom Fahrrad mit Hilfsmotor abzugrenzen. Gegenwärtig ist auf dem deutschen Markt nur die Peugeot Vogue als echtes Moped verfügbar.
Ein echter Moped Oldtimer ist ein Modell von Kreidler, das aufgrund der Neuregelung der StVZO entwickelt wurde, nachdem die Vorgaben für Fahrräder mit Hilfsmotor untauglich waren. Dieses Moped von Kreidler hielt die Bestimmungen ein. Der Gesetzgeber schuf im August 1953 die Klasse der Mopeds, für die eine Fahrerlaubnis erforderlich war.
Weitere Hersteller von Zweirädern
Neben den bekannten Marken wie Piaggio, Hercules, Honda oder Yamaha gab es viele weitere Hersteller von Zweirädern:
- Aprilia
- Cimatti
- Express-Werke
- Garelli
- Gilera
- Halleiner Motorenwerke Hinterberger, Schreitl & Co.
- Jawa
- Keeway
- Malaguti
- M.B.K. Industrie
- Mota
- Mobylette
- Moto Guzzi
- Rieju
- Solex
- Triumph Werke Nürnberg AG
Mopeds in der DDR
Bis heute gibt es viele Fans der alten Maschinen von MZ und Simson. Die Faszination hat sich auch auf die Gen Z übertragen und man sieht noch alte Simson-Motorräder und Schwalben herumfahren.
Die Motorradfahrer*innen waren in der DDR zahlreich. Vielleicht auch, weil das Fahren eine besondere Art von Freiheit bedeutete und Jugendlichen ein Stück Unabhängigkeit gab. Sobald man seine "Fleppen" (Fahrerlaubnis) hatte, war man stolz wie Bolle.
Im Jahre 1955 wurde mit dem Simson SR1 das erste Moped hergestellt. Es hatte einen in den Rahmen integrierten Tank und große Speichenräder, es erinnerte noch stark an ein Damenfahrrad.
Tabelle: Vergleich ausgewählter 50er Mopeds
| Marke | Modell | Kühlung | Getriebe | Besonderheiten |
|---|---|---|---|---|
| KTM | 50 RSW | Wassergekühlt | Manuell | Sportlich, teuer |
| Yamaha | RD 50 DX | Luftgekühlt | Manuell | Drehzahlfreudig, schmal |
| Kreidler | Florett RS-GS | Luftgekühlt | Manuell | Pressstahlrahmen |
| Zündapp | KS 50 WC TT | Wassergekühlt | Manuell | Komfortabel, erwachsen |
| Puch | Cobra 6 GTL | Wassergekühlt | 6-Gang Manuell | Exotisch, von Porsche designt |
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