Motorradfahren ist für viele ein schönes Hobby, besonders im Frühling. Doch die Wahl des richtigen Helms kann angesichts der großen Auswahl schwierig sein. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die verschiedenen Arten von Motorradhelmen kennenzulernen und die beste Entscheidung für Ihre Bedürfnisse zu treffen.
Die verschiedenen Helmtypen im Überblick
Motorradhelme werden in verschiedenen Bauarten angeboten. Hier ist ein Überblick über die gängigsten Formen:
- Integralhelm (Full Face Helmet): Klassische Bauform mit festem Kinnbügel, Kopf immer vollständig umschlossen.
- Klapphelm (Flip Up Helmet): Wie ein Integralhelm, aber mit hochklappbarem Kinnbügel, Kopf nur mit heruntergeklapptem Kinnteil vollständig umschlossen.
- Crosshelm (Off Road Helmet): Geschlossen wie ein Integralhelm, meistens ohne Visier, alternativ Crossbrille erforderlich, mit Helmschirm.
- Jethelm (Open Face Helmet): Helm ohne Gesichtsschutz, Kopf nicht vollständig umschlossen, Gesicht frei.
- Modularer Helm (Crossover Helmet): Bauform kann den Anforderungen entsprechend variiert werden, Kopf wird entweder vollständig oder nur teilweise umschlossen.
- Brain-Caps: Einfache Kunststoffschale mit Kinnriemen, ohne ECE-Prüfung, niedriges Schutzpotenzial, einige Bereiche des Kopfes unbedeckt.
Integralhelm
Der Integralhelm ist die wohl am weitesten verbreitete Helmart und gilt seit den 1970er Jahren als Standardhelm. Mit ihrer festen Kinnpartie und verschließbarem Visier bieten sie aufgrund ihrer Bauart den bestmöglichen Schutz für Motorradfahrer. Ihr Kopf- und Kinnschutz fühlt sich an, als wäre er aus einem Guss. Nicht nur aus diesem Grund werden die Integralhelme auch als Vollvisierhelme bezeichnet. Die Helmart der Wahl für Tourenfahrer und besonders sicherheitsbewußte Motorradfahrer ist der Integralhelm. Breites Einsatzspektrum von Alltagsfahrten bis hin zur Rennstrecke.
Klapphelm
Der Typus Klapphelm ist eine Variation des Integralhelmes. Bei ihnen lässt sich die Kinnpartie hochklappen. Universell einsetzbar und besonders passend für Brillenträger. Tourenfahrer schwören auf diesen Helmtypen.
Jethelm
Jethelme sind offene Helme ohne Kinnteil. Lange Zeit galten sie als unmodern und wurden aufgrund des stetig steigenden Sicherheitsbewusstseins mehr und mehr von anderen Helmtypen verdrängt. Doch in den letzten Jahren ließen besonders Retro-Fans diesen Helm-Klassiker wiederaufleben. Stilecht werden die Halbschalenhelme mit (Retro-)Brille getragen, oft praktischer ist allerdings ein angebrachtes Visier. Beliebt bei Besitzern von City-Rollern und im Sommer.
Jethelme umschließen Deine obere, seitliche und hintere Kopfpartie. Auf diese Weise bieten sie Dir beim Motorradfahren einen guten Kopfschutz. Beim Kauf Deines Jethelms solltest Du in jedem Fall auf eine ECE-Kennzeichnung (Europa) oder DOT-Kennzeichnung (USA) Wert legen. Denn diese garantiert Dir, dass Dein Helm entsprechend der höchsten Sicherheitsstandards gefertigt wurde. Einige Halbschalenhelme verfügen jedoch auch über zusätzliche Sicherheitsfeatures.
Vorteile von Jethelmen:
- Retro-Design
- Einfaches Auf- und Absetzen
- Wenig Gewicht
- Freie Sicht
Crosshelm und Endurohelm
Wer öfters im Gelände unterwegs ist, braucht etwas Sportlicheres. Crosshelme und Endurohelme eignen sich hierfür besonders gut. Mit ihrer leichten Bauweise und dem fehlenden Visier zur besseren Belüftung sind sie wie gemacht für den sportlichen Einsatz abseits der Straße. Aufgrund des fehlenden Visiers sollten Enduristen bei der Fahrt eine Schutzbrille tragen. Enduro- oder Crosshelme mit Visier sind eher eine Seltenheit. Für sportliche Fahrer mit Ambitionen im Gelände.
Enduro-Helme sind Integralhelme mit den Merkmalen von Motocross-Helmen, die jedoch nicht auf den Sporteinsatz, sondern auf Tourentauglichkeit abgestimmt sind. Was neben einem kleineren und damit weniger windanfälligen Schirm (meist abnehmbar), auch eine regulierbare Belüftung bedeutet sowie die Möglichkeit, sie wahlweise mit Visier oder Crossbrille zu fahren. Desweiteren bieten die heutigen Endurohelme auch herausnehmbare Innenfutter.
Modularhelm
Die Multihelme werden auch Modularhelme oder Hybridhelme genannt. Sie verfügen über verschiedene Umbaumöglichkeiten, wodurch sie auch als Integralhelme oder Jethelme verwendet werden können. Modularhelme sind transformierbar indem das Kinnteil und das Visier an- und abklickbar sind. Durch die Wahlfreiheit bzw. Umbauvariante lassen sich die Helme flexibel für verschiedene Fahrsituationen anpassen. Für alle, die flexibel sein möchten und neben Stadtfahrten auch längere Ausfahrten mit höheren Geschwindigkeiten planen.
Weitere Helmtypen
- Streetfighter Helm: Die coole Ausgabe des Integralhelms mit ausgefallenen Designs, oft mit eingeschränktem Sichtfeld.
- Chopper Helm: Oft als "Braincap" bezeichnet, bedeckt nur die obere Hälfte des Kopfes.
- Braincap: In erster Linie ein Styleobjekt, bietet wenig Schutz und entspricht oft nicht der STVO.
Wichtige Aspekte beim Helmkauf
Die einzelnen Helmtypen haben ihre individuellen Vor- und Nachteile sowie ihre ganz besonderen Charakteristika, welche jeder Fahrer entsprechend seinen Fahrgewohnheiten in die Kaufentscheidung miteinbeziehen sollte. Zudem gibt es eine ganze Reihe von weiteren Faktoren, die man beim Kauf eines Motorradhelmes beachten sollte.
- Passform: Ihr Helm muss am ganzen Kopf fest sitzen, ohne zu drücken. Sie erkennen den richtigen Sitz daran, dass sich die Kopfhaut an der Stirn beim Drehen des Helms mitverschiebt.
- Helmgröße ermitteln: Die ungefähr passende Helmgröße ermitteln Sie, indem Sie Ihren Kopfumfang im Bereich der Stirn, über den Ohren und am Hinterkopf messen. Der Kopfumfang in Zentimetern entspricht üblicherweise der numerischen Helmgröße.
- Material: Moderne Motorradhelme werden aus Thermoplasten oder Duroplasten hergestellt. Duroplaste weisen eine enorme Stabilität auf und entsprechen so den höchsten Sicherheitsstandards.
- Prüfnorm: Damit der Motorradhelm auch den Sicherheitsstandards für den Straßenverkehr genügt, muss seine Zulassung der jeweils aktuellen ECE-Norm entsprechen.
Helmpflicht und ECE-Norm
In Deutschland besteht seit 1976 Helmpflicht für Motorradfahrer. Seit 2006 steht im Paragraph 21a der Straßenverkehrsordnung (StVO), dass Fahrer und Mitfahrer von Krafträdern mit Höchstgeschwindigkeit über 20 km/h einen "geeigneten Schutzhelm" tragen müssen. Die aktuelle Version ist die Norm ECE-R 22.06, mit der seit Juni 2022 geprüft wird. Seit Juni 2023 dürfen keine Helme mehr mit der früheren Norm ECE 22.05 produziert werden. Nach ECE 22.05 geprüfte Helme dürfen natürlich weiterverwendet werden. Hier gibt es keine Austauschpflicht. Bei einer Neuanschaffung sollte man aber auf die aktuellste Prüfnorm achten.
Materialien der Helmschalen
Zur Helmschalen-Herstellung werden zwei Werkstoff-Gruppen genutzt: thermoplastische Kunststoffe und Duroplaste. Thermoplaste wie Acrylnitril-Butadien-Styrolt (ABS), Polycarbonat oder Polyamid sind unter Hitze leicht formbar. Sie eignen sich deshalb fürs Spritzguss-Verfahren, weil sich damit leicht große Helmmengen kostengünstig herstellen lassen. Duroplaste und Verbundwerkstoffe (z.B. Aramidfasern, Glasfaserverstärkter Kunststoff, Carbon) erfordern dagegen ein aufwendiges Laminat-Verfahren. Schalen dieser Materialien sind besonders hart und bruchfest, aber teurer.
Wie Langzeit-Materialtests beweisen, altern Duroplaste weniger schnell. Bei guter Pflege währt ihre Lebensdauer mindestens acht Jahre. Helme aus Thermoplasten, die keine zusätzliche Lackschicht besitzen, können bei starker Ultraviolett-Strahlung und durch andere Einflüsse (Lösungsmittel, Benzin) früher verspröden. Die ADAC Fachleute raten dringend, wegen nachlassender Schutzwirkung solche Helme nach rund fünf Jahren auszutauschen.
Praktische Tipps zur Helmpflege
Moderne, hochwertige Helme altern deutlich langsamer als Helme früherer Baujahre. Deswegen und wegen der Anpassung der aktuellen Prüfnormen sollten Sie keine Motorradhelme mehr verwenden, die nicht mindestens nach ECE-R 22.05, besser ECE-R 22.06 zugelassen wurden. Bei regelmäßiger Verwendung des Helms gelten im Allgemeinen fünf Jahre als angemessene Nutzungsdauer.
Das Innenpolster von Helmen setzt sich bei regelmäßiger Verwendung des Helmes. Dadurch kann der ursprünglich straffe und sichere Sitz des Helmes am Oberkopf beeinträchtigt sein. Wenn möglich und vom Hersteller laut Gebrauchsanleitung so vorgesehen, sollten Sie dann das Innenfutter herausnehmen und reinigen. Unbedingt die Herstelleranweisungen beachten und im Zweifelsfall den Händler mit diesen Arbeiten betrauen. Nach der Reinigung und der richtigen Montage des Futters sitzt der Helm im günstigsten Fall so straff wie beim Kauf.
Visiere: Alles, was man wissen muss
Die Angebotspalette an Visieren ist groß, und der technische Fortschritt für Motorradfahrer oftmals verwirrend. Die meisten dieser Scheiben bestehen aus Polycarbonaten, die namhaftesten Markennamen sind Makrolon und Lexan. Für einen durchsichtigen Kunststoff sind sie sehr hart, schlag- und splitterfest. Laut der europäischen Norm für Motorradhelme (ECE-22-06) wird neben Größe, optischer Qualität, Größe des Gesichtsfeldes und Oberflächengüte auch die Kratzfestigkeit von Visieren geprüft.
Verspiegelte und stark getönte Visiere müssen für den Straßenverkehr ein E-Prüfzeichen besitzen und dürfen nur bei Tageslicht und guten Wetterbedingungen genutzt werden. Schon auf Dämmerungsfahrten und natürlich bei Dunkelheit sind sie verboten, in einigen (Urlaubs-)Ländern sogar generell. Da Visiere nicht nur bei Regen leicht beschlagen, sollten Sie beim Helmkauf Modelle mit Doppelscheiben-Visieren mit permanenter Antibeschlag-Beschichtung wählen. Gegebenenfalls sollten Sie Ihren Helm mit einem derartigen Visier nachrüsten, auch wenn das zusätzliche Kosten verursacht. Diese Investition in Ihre Sicherheit ist gut angelegtes Geld.
Zusammenfassung
Die Auswahl des richtigen Motorradhelms ist entscheidend für Ihre Sicherheit. Berücksichtigen Sie die verschiedenen Helmtypen, Materialien, Passform und Sicherheitsstandards, um die beste Wahl für Ihre Bedürfnisse zu treffen. Achten Sie auf die ECE-Norm und pflegen Sie Ihren Helm regelmäßig, um seine Schutzfunktion zu erhalten.
Tabelle: Übersicht der Helmtypen und Eigenschaften
| Helmtyp | Eigenschaften | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|
| Integralhelm | Feste Kinnpartie, verschließbares Visier | Bester Schutz, vielseitig einsetzbar | Weniger Belüftung |
| Klapphelm | Hochklappbare Kinnpartie | Flexibel, gut für Brillenträger | Etwas weniger Schutz als Integralhelm |
| Jethelm | Offen, ohne Kinnteil | Freies Fahrgefühl, leicht | Weniger Schutz |
| Crosshelm | Mit Helmschirm, ohne Visier (mit Crossbrille) | Gute Belüftung, leicht | Nicht für hohe Geschwindigkeiten geeignet |
| Endurohelm | Hybrid aus Integral- und Crosshelm | Vielseitig, guter Kompromiss | Kann teuer sein |
| Braincap | Halbschale | Stylisch | Kaum Schutz |
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