Anleitung zum Wechseln einer Shimano Kassette

Wenn die Kette durchrutscht oder es zu unsauberen Schaltvorgängen kommt, dann ist es Zeit für eine neue Kassette. Wir zeigen Dir Schritt für Schritt, wie Du an Deinem Rennrad die Kassette wechselst. Auch bei guter Pflege und regelmäßigem Tausch der Kette sind irgendwann die Ritzel der Kassette an Deinem Mountainbike verschlissen.

Benötigte Werkzeuge und Materialien

Was wird für den Kassettenwechsel benötigt?

  • Eine neue passende Kassette
  • Kettenpeitsche
  • Kassettenabzieher oder Drehmomentschlüssel
  • Fett

Vorüberlegungen und Kompatibilität

Als Erstes ist zu überlegen, ob Du Deine alte Kassette einfach durch das gleiche Modell ersetzen willst oder ob Du ein Upgrade auf ein höherwertiges Modell oder eine für Dich geeignetere Übersetzung machen möchtest. Die folgenden Punkte musst Du dabei aber beachten:

  • Die Kassette muss die gleiche Anzahl an Ritzeln haben wie Deine bisherige (also die gleiche Anzahl an Schaltstufen bzw. Gänge). Eine 11fach-Kassette beispielsweise kann nie von einem 10fach-Schaltwerk angesteuert werden.
  • Das Schaltwerk muss die gewünschte Bandbreite der Kassette bedienen können. Dies nennt sich bei Schaltwerken "Kapazität". Die Differenz der Zähnezahl zwischen größtem und kleinstem Ritzel muss innerhalb dieser Kapazität liegen. Sie ist meist beim jeweiligen Schaltwerk in unserer Artikelbeschreibung angegeben.
  • Die Kassette muss auf Deinen Freilauf passen. Es gibt mittlerweile verschiedene Standards.

Es gibt zwar unterschiedliche Standards bei Freiläufen, weshalb Du nicht einfach zwischen Kassetten von Shimano, SRAM und Campagnolo wechseln kannst, aber das Vorgehen beim Austausch der Kassette ist immer gleich. Um herauszufinden, welche Kassette Du brauchst, schau einfach in unseren Artikel zu Mountainbike-Gruppen und Freiläufen, denn dieser muss kompatibel zur Kassette sein. Grundsätzlich machst Du nichts falsch, wenn Du das gleiche Modell Deiner Kassette wieder verbaust.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung und Ausbau des Hinterrads

Wir öffnen hier eine Kette mit Kettenschloss und Kettenverschlussgliedzange. Wenn Du die Kassette tauschst, kann es gut sein, dass die Kette ebenfalls fällig ist. Moderne Ketten sind oft mit einem Kettenschloss versehen. Sie kannst Du mit einer Kettenschlosszange oder einem Kettennieter öffnen. Ist eine Kette ohne Kettenschloss montiert, musst Du sie aufnieten.

Bei klassischen Felgenbremsen musst Du über den Schnellverschluss Platz schaffen, um das Hinterrad ausbauen zu können. Entferne die Achse oder den Schnellspanner und nimm das Hinterrad aus dem Rahmen. Dazu empfiehlt es sich, das Schaltwerk etwas nach hinten zu drücken. Um das Hinterrad auszubauen, schalte zuerst auf das kleinste Ritzel, dann kann die Kassette leichter am Schaltwerk vorbei. Bei Rennrädern mit klassischer Felgenbremse solltest Du jetzt den kleinen Schnellverschluss am Bremskörper öffnen, damit der Reifen zwischen den Bremsbacken durchpasst. Bei Campagnolo-Bremsen befindet sich der Schnellverschluss am Bremsgriff. Entferne den Schnellspanner oder die Steckachse komplett und nimm das Laufrad heraus.

2. Demontage der alten Kassette

Der Kassettenabzieher muss dann an das Ritzelpaket von der Seite her angesetzt werden. Wichtig ist, darauf zu achten, dass der Abzieher zwingend zur Kassette passen muss. Wenn Sie sich nicht sicher sind, schauen Sie in die Fahrradunterlagen - je nach Hersteller benötigen Sie ggf.

Lege die Kettenpeitsche auf eines der größeren Ritzel, dann hast Du einen besseren Hebel zum Gegenhalten. Der Kassettenabzieher steckt auf unseren Fotos auf der Ratsche - Du kannst aber auch einen Ringschlüssel oder einen Rollgabelschlüssel (umgangssprachlich: Engländer) verwenden, um den Abzieher zu fassen. Um den Abschlussring zu lösen, drehe den Abzieher gegen den Uhrzeigersinn, während Du die Kassette mit der Kettenpeitsche (oder Kassettenzange) in die andere Richtung festhältst.

Nach dem Abnehmen des Abschlussrings solltest Du die Kassette einfach mit den Fingern vom Freilauf abziehen können. Wenn Du die Kassette schon lange gefahren hast, kann es sein, dass sie sich etwas in den Freilauf "eingearbeitet" hat und sehr fest sitzt bzw. verklemmt ist. In diesem Fall hilft es, kräftig an dem größten Ritzel zu wackeln oder mit einem Schlitzschraubendreher etwas an den Ritzeln zu "hebeln" - dann löst sich die Kassette meist gefügig.

Je nach Naben-Modell kann es passieren, dass sich mitsamt der Kassette gleich der ganze Freilauf von der Nabe löst. In diesem Fall muss das ganze Paket wieder auf die Nabe gesteckt werden und erneut versucht werden, die Kassette vom Freilauf zu trennen.

3. Reinigung und Vorbereitung des Freilaufkörpers

Säubere den Freilaufkörper gründlich, um einen optimalen Sitz der neuen Kassette zu garantieren. Zunächst wird der Freilauf gereinigt. Dabei kannst Du gleich die Speichenkreuzungen und den Nabenflansch dahinter säubern, da Du bei montierter Kassette dort nie wirklich dran kommst. Das geht am Besten mit einer alten Zahnbürste.

Um das oben erwähnte "Festfressen" der Kassette auf dem Freilauf zu reduzieren und die metallischen Bauteile vor Korrosion zu schützen, solltest Du den Freilaufkörper vor dem Aufschieben der neuen Kassette an der Kontaktfläche zur Kassette rundherum fetten.

4. Montage der neuen Kassette

Achte beim Aufschieben der Kassette auf das "Muster" der Aussparungen. Besteht die Kassette aus einzelnen Ritzeln und Abstandsringen, müssen diese nacheinander aufgeschoben werden. Hier hilft der Transport-Zylinder, auf den die Ritzel gesteckt sind. Hast Du eine klassische Kassette mit Abschlussring, kannst Du ihn zunächst einmal handfest anziehen. Ziehe die Kassette anschließend mit dem vom Hersteller empfohlenen Drehmoment fest (meist 40Nm).

Da die Ritzel durch ihre Steighilfen für die Schaltvorgänge optimiert sind, müssen die einzelnen Ritzel eine fest vorgegebene Position einnehmen. Um das zu gewährleisten, kannst Du sie nur in einer vorgegebenen Position aufstecken. Dafür sorgen unterschiedlich breite Nuten an verschiedenen Stellen des Freilaufkörpers. An der Kassette findest Du zu diesen Nuten dann passenden Überstände - das funktioniert wie 2 Puzzleteile zueinander.

Orientiere Dich am breitesten Überstand der Kassette und an der breitesten Nut am Freilauf, dann ist es am Einfachsten. Wenn alle Ritzel und die zugehörigen Abstandsringe aufgesteckt sind, kannst Du den Verschlussring montieren und festschrauben. Hier schadet es nicht, etwas Montagepaste an sein Gewinde zu geben.

5. Besonderheiten bei SRAM Kassetten

Rennrad-Kassetten von SRAM mit zwölf Gängen benötigen einen sogenannten XDR-Freilauf, der einen kleineren Außendurchmesser als gewöhnlich hat. Dadurch kann SRAM bei dem kleinsten Ritzel von bisher 11 Zähnen auf 10 Zähne reduzieren und so die Bandbreite der Kassette erhöhen. Der XDR-Freilauf unterscheidet sich deutlich von Shimano- und Campagnolo-Pendants: Die Kassette wird aufgeschoben, greift dann in einem Gewinde, das auf dem Freilauf sitzt und wird dann aufgeschraubt.

6. Abschließende Arbeiten

Auch Dein Schnellspanner freut sich beim Wiedereinbau über etwas frisches Fett. Bevor Du dein Hinterrad wieder einsetzt, schraube den sauberen und gefetteten Schnellspanner am Besten schon mal lose in die Nabe - beziehungsweise lege Dir die saubere und gefettete Steckachse zurecht. Anschließend kannst Du die neue Kette montieren und Dich wieder aufs Rad schwingen. Mit frischem Antrieb kann´s dann ja wieder losgehen!

Zusammenfassung der Arbeitsschritte

  1. Hinterrad ausbauen und Schnellspanner herausziehen.
  2. Kettenpeitsche um das größte Ritzel wickeln und festhalten.
  3. Abzieher in Kassette stecken und drehe ihn mit dem Maulschlüssel gegen den Uhrzeigersinn.
  4. Ziehe als letztes die Ritzel ab.
  5. Reinige als erstes den Freilauf und schenke einige Tropfen Öl. Danach stecke den unbenutzten Zahnkranz drauf. Die Schrift der Ritzel zeigt nach außen. Ziehe die Abschlusskappe mit einem Drehmomentschlüssel auf ca. 40 NM fest.
  6. Zum Schluss baue das Rad ein und kontrolliere die Schaltung.

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