Der gesellschaftliche Wandel macht sich in vielen Bereichen unseres Alltags bemerkbar, einschließlich der Motorradszene. Ein Blick auf die ausgewertete Statistik zeigt: Männer machen bei Motorrädern ca. einen Anteil von 90% aus.
Geschlechterverteilung unter Motorradfahrern
Es gibt jedoch einen Hinweis auf einen Generationenwechsel: In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil der Frauen bei immerhin 14% und damit deutlich höher. Der Gesamtmotorradmarkt 2024, inklusive 125er und Roller, teilte sich in 165.665 Männer (66,8 Prozent) und 30.362 Frauen (12,2 Prozent). Der Rest - 51.940 Fahrzeuge - entfällt auf gewerbliche Neuzulassungen.
Nicht immer ist der Halter der Fahrer, das ist uns bewusst. Diese Unschärfe nehmen wir hin, vor allem weil sie lange nicht so hoch ausfällt wie in den Pkw-Neuzulassungen.
Das Alter des deutschen Durchschnittsbikers
Die zulassungsstärkste Altersgruppe bei den Neuzulassungen der Motorräder über 125 Kubik war erneut die zwischen 50 und 59 Jahren. 34.010 Halter dieses Alters, mehrheitlich männlich, ließen 2024 ein neues Motorrad zu. Das entspricht 29,6 Prozent aller Neuzulassungen.
Die Altersgruppe der 60- bis 69-jährigen Motorradfahrer wächst seit 3 Jahren stark. Von 2023 auf 2024 stieg sie um 27,1 Prozent auf 24.522 Neuzulassungen in dieser Altersgruppe. Das stellt nicht nur das höchste Wachstum dar, sondern auch die zweitstärkste Altersgruppe überhaupt auf zwei Rädern (über 125 Kubik).
Altersgruppen der Motorradfahrer im Vergleich:
- unter 29 Jahre: 21.865 (+16,3 % ggü. Vorjahr)
- 30 - 39 Jahre: 15.557 (+10,8 % ggü. Vorjahr)
- 40 - 49 Jahre: 18.854 (+9,9 % ggü. Vorjahr)
- 50 - 59 Jahre: 34.010 (+3,8 % ggü. Vorjahr)
- 60 Jahre und mehr: 24.522 (+27,1 % ggü. Vorjahr)
Nachwuchs ist aber in Sicht. Die Altersgruppe der unter 29-Jährigen wuchs um starke 16,3 Prozent oder um 21.865 Halter und liegt auf Platz 2 der am stärksten wachsenden Altersgruppe.
Motorradland Bayern wächst enorm
Von 151.085 Einheiten deutschlandweit bekamen 36.521 Exemplare eine Plakette des Freistaats Bayern, ein Plus von 27 Prozent zum Vorjahr. Die Plätze 2 und 3 gehen an Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg mit 28.062 und 23.465 neu zugelassenen Einheiten, mit je gut 19 Prozent Wachstum zum Vorjahr. Wachstumskönig 2024 ist allerdings Hessen mit 30,8 Prozent: Hier steigerten sich die Motorrad-Zulassungen von 9.877 auf 12.920 Stück.
Der deutsche Durchschnittsbiker fährt (Reise-)Enduro
Die stärkste Motorradkategorie nach Neuzulassungen auf Privatpersonen stellen die Naked Bikes mit 45.147 Stück dar, allerdings verteilt auf alle Altersgruppen. Noch dicht gefolgt von den Enduros mit 37.290 Stück. Und die sind wiederum in der stärksten Altersgruppe am häufigsten nachgefragt: 12.953 der 50 - 59-Jährigen haben eine neue (Reise-)Enduro auf sich zugelassen.
Enduros und Naked Bikes sind die beliebtesten Motorradsegmente in Deutschland.
Leistung und Hubraum
Erneut hatten die meisten neu zugelassenen Motorräder in Deutschland eine Leistung von 73 Kilowatt und mehr, also 99 PS und stärker. Von 151.086 neuen Motorrädern hatten 63.793 mindestens 73 kW Leistung.
2024 legten die Motoren zwischen 250 und 499 Kubik das stärkste Wachstum hin. Um 39,8 Prozent wuchs der Anteil dieser Gruppe auf 24.469 Stück, was sie gleichzeitig zur viertgrößten Gruppe 2024 kürt. Die meisten Motorräder, die 2024 die Erstzulassung bekamen, hatten zwischen 750 und 999 Kubik. 44.898 Modelle füllen diese Hubraumgruppe, was 29,7 Prozent entspricht. Knapp dahinter ist die beliebte Klasse zwischen 500 und 749 Kubik mit 38.083 Stück oder 25,2 Prozent.
Starkes Wachstum der Hubraumklasse ab 1.250 Kubik. Grund: 6.999 BMW R 1300 GS, die 2024 in die Statistik kamen.
Bestandszahlen
Demnach waren am 1. Januar 2024 insgesamt 4.777.688 Motorräder über 125 Kubik auf Privatpersonen in Deutschland zugelassen. Im Kontext 'Alter der Halter' zeichnet die Statistik kein neues Diagramm. Denn mit 1.533.809 Motorrädern in den Garagen ist die Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen sowohl im Bestand als auch bei den Neuzulassungen die stärkste Gruppe. Gefolgt mit 1.261.054 Motorrädern in der Altersgruppe Ü60.
Wobei die Zahlen des Bestands die Vermutung unterstreichen, das Alter des deutschen Durchschnittsbikers gehe in Richtung 60 Jahre. Denn mit 910.373 Stück waren Anfang 2024 die meisten Motorräder in der Altersgruppe 55 bis 59 angemeldet. Die zweitstärkste Gruppe mit 808.430 stellt die Altersgruppe zwischen 60 und 64 Jahren.
Unfallrisiko und Sicherheit
Motorradfahrer haben ein höheres Risiko als Autofahrende, insbesondere bei Kollisionen mit einem Pkw.
Der ADAC hat eine detaillierte Analyse von Unfällen außerhalb von Ortschaften auf Basis der ADAC Unfalldatenbank durchgeführt. Dafür werteten die Fachleute des Clubs ca. 2500 schwere Verkehrsunfälle aus, die sich außerhalb von Ortschaften (Autobahn, Landstraße etc.) ereigneten und an denen Motorradfahrende beteiligt waren.
Insgesamt sind Kradfahrerinnen und -fahrer bei fast jedem vierten Verkehrsunfall außerorts beteiligt. Bei etwas mehr als einem Drittel handelt es sich um Alleinunfälle, bei knapp zwei Dritteln der Unfälle kollidieren die Motorradfahrenden mit anderen Verkehrsteilnehmern.
Risikofaktoren und Prävention:
- Alleinunfälle: Oftmals Kontrollverlust auf kurvigen Streckenabschnitten aufgrund von Fahrfehlern oder überhöhter Geschwindigkeit.
- Kollisionen: Häufig verursacht durch Fehler beim Überholen, unangepasste Geschwindigkeit oder ungenügenden Abstand.
- Technik: Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Abstandsregeltempomat und Totwinkelassistent könnten Unfälle vermeiden.
- Infrastruktur: Eingeschränkte Einsehbarkeit des Streckenverlaufs, mangelnder Grip auf der Fahrbahn oder fehlende Linksabbiegestreifen sind problematisch.
Durch kostengünstige Maßnahmen wie das Zurückschneiden der Bepflanzung, das Entfernen von Hindernissen neben der Fahrbahn, das Herabsetzen der Höchstgeschwindigkeit oder das Aufstellen von Richtungstafeln in Kurven können Unfallschwerpunkte entschärft werden.
Praktische Tipps für sicheres Motorradfahren:
- Schutzkleidung tragen (ECE-Helm, Motorradhandschuhe, -stiefel, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt).
- Fahrzeug vor jeder Fahrt checken (Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb, Motor).
- Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe einüben.
- Sicherheitscheck durchführen und Reifen "warm" fahren.
- Fahrsicherheitstrainings absolvieren.
- Vorausschauendes, defensives Fahrverhalten.
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