Altes Benzin im Tank: Probleme und Lösungen für Motorräder

Immer mehr ältere Motorräder springen schlecht oder gar nicht an, oder laufen nicht auf allen Zylindern, weil ein oder mehrere Vergaser verdreckt sind. Die ersten Anzeichen dafür sind meistens, dass das Motorrad immer länger mit Choke gefahren werden muss, weil es ohne Choke ausgehen würde. Der Grund sind verdreckte Leerlaufdüsen, die zu wenig oder kein Benzin mehr durchlassen. Der Motor bekommt dann im unteren Drehzahlbereich nur noch Benzin, welches über den Choke zugeführt wird. Seitdem wir den Biosprit haben, ist das alles noch schlimmer geworden. Manche Vergaser, die ich aufmache, sehen von innen aus wie ein Feuchtbiotop.

Die Auswirkungen von altem Benzin auf Motorräder

Benzin altert im Tank recht schnell und verliert seine Zündwilligkeit beim Kaltstart. Das ist seit Erfindung des Verbrennungsmotors ein Problem. Es dürfte die meisten Motorradfahrer betreffen: Nach langer Standpause startet das Krad nicht richtig, sprotzelt herum oder springt im schlimmsten Falle gar nicht mehr an. Gerade alte Vergaser-Modelle stehen regelmäßig im Frühjahr still. Doch eigentlich ist jede Art der Gemischaufbereitung betroffen. Der Grund: alterndes Benzin.

Bei einer langen Standzeit ist dies ein wesentlicher Alterungsfaktor, Benzin wird spezifisch schwerer (weniger leichte Bestandteile), die Zündwilligkeit sinkt. Die Alterung setzt ein, sobald es die Raffinerie und somit seinen Entstehungsort verlässt. Grundsätzlich ist Benzin ein Produkt mit begrenzter Haltbarkeit.

Die Auswirkungen von altem Benzin können vielfältig sein:

  • Startschwierigkeiten
  • Unruhiger Motorlauf
  • Leistungsverlust
  • Verstopfte Vergaser oder Einspritzdüsen
  • Korrosion im Tank und Kraftstoffsystem

Warum altert Benzin?

Mehrere Monate haltbar. Zwischen zwei bis drei Monaten oder bis zu einem Jahr sind Experten der Industrie sich sicher, sei Benzin grundsätzlich haltbar ohne messbaren Qualitätsverlust. Hauptfaktoren beim Altern sind: Wie viel Licht und Umgebungsluft an das Benzin kommen und ob hohe Temperaturschwankungen dem Kraftstoff zusetzen. Im offenen Kanister wird das Benzin schneller altern als im gefüllten und geschlossenen Kanister. Der Kraftstofftank auf dem Motorrad liegt irgendwo zwischen diesen beiden Lagermethoden, und besonders wichtig ist: Wie viel Luft, also wie wenig Benzin ist im Tank. Aber was genau passiert da eigentlich?

Verdunstung

Benzin im Gemisch mit Luft zündet sehr gut, weil es sehr viele flüchtige Kohlenwasserstoffe enthält. Zwischen 30 und 200 Grad Celsius verdunsten diese Kohlenwasserstoffe, vor allem die für den Kaltstart wichtigen, leicht flüchtigen Bestandteile des Benzins. Diese sind ebenfalls der Grund für das schnelle Altern, denn über einen längeren Zeitraum flüchten eben diese gasförmige Moleküle nach und nach aus dem im Tank stehenden Benzin. Das wird so spezifisch schwerer, und die Zündwilligkeit lässt nach, was man meist erst nach der Winterpause merkt. Das Sieden selbst kann im Grunde nur durch kühle Parkplätze unterbunden und durch einen vollen Tank verlangsamt werden.

Oxidation

Alterungsprozess Oxidation. Ein Grund, warum während der Winterpause der Tank randvoll mit Benzin sein sollte, ist der längerfristige Prozess der Oxidation. Olefine, ungesättigte Verbindungen im Kraftstoff, können mit dem Luftsauerstoff reagieren. Zum einen können dabei geringe Mengen korrosiver Essigsäure entstehen, zum anderen bilden sich Polymere - langkettige Verbindungen - die im Kraftstoff nicht mehr löslich sind. Dieser harzige Schmodder kann Pumpen, Leitungen oder Einspritzdüsen verstopfen. Vergaser-Fahrer können von dem dunkelgelben Lack ein Lied singen, und Restaurateure kennen dieses lästige Phänomen als Gum-Bildung. Merke: Je mehr Luft im Tank ist, desto höher das Risiko einer Oxidation.

Ethanol

Alterungsprozess: Ethanol. Benzin mit einem Anteil Ethanol - E5, E10, E85 - altert nicht schneller, je mehr Ethanol enthalten ist. Tatsächlich laufen die bereits genannten Prozesse sogar etwas langsamer ab. Der Alkohol im Benzin sorgt für eine andere Qualitätsminderung des Kraftstoffs, da er der Umgebungsluft Feuchtigkeit entzieht. Sobald der Alkohol mit Wasser gesättigt ist, trennen sich Benzin, Alkohol und Wasser, was je nach Tankaufbau zu Schäden an Metallen und Leitungen führen kann. Ebenfalls bei Ethanol-Kraftstoffen gilt: Je weniger Luft im Tank, desto weniger Wasser kann der Alkohol binden. Zum einen durch zu große Volumenunterschiede, zum anderen durch die kleine Oberfläche, auf der Luft und Benzin in Kontakt kommen.

Was tun bei Problemen mit altem Benzin?

Wenn Ihr Motorrad Probleme mit altem Benzin hat, gibt es verschiedene Maßnahmen, die Sie ergreifen können:

  1. Benzin ablassen und ersetzen: Dies ist die einfachste und effektivste Lösung. Lassen Sie das alte Benzin ab und füllen Sie frisches Benzin ein.
  2. Vergaser reinigen: Wenn der Vergaser durch Ablagerungen verstopft ist, muss er gereinigt werden.
  3. Kraftstoffsystem spülen: Spülen Sie das gesamte Kraftstoffsystem, um Ablagerungen zu entfernen.
  4. Additive verwenden: Additive können helfen, das Benzin zu stabilisieren und Ablagerungen zu verhindern.

Vergaserreinigung im Detail

Das Prinzip der Ultraschallreinigung basiert auf der aus der Physik bekannten „Kavitation“. Bedingt durch sich ständig ändernde Druck- und Unterdruckzustände im flüssigen Medium platzen an den Werkstücken anhaftende Gasblasen und setzen dabei ein hohes Maß an Energie frei. Man kann auch nur mit destilliertem Wasser reinigen, was aber nur bei sehr leichter Verschmutzung den gewünschten Effekt erzielt. Bei stark verschmutzten Vergasern gibt man spezielle Reiniger dazu, die den Dreck besser lösen, das Material aber nicht angreifen. Gute Ultraschallgeräte kann man bis 80 °C aufheizen, was die Reinigung noch mal verbessert. Einige reinigen mit Geschirrspülmittel als Zusatz, weil es preisgünstiger ist, was aber nach hinten losgeht, wenn man den Reiniger nicht wieder komplett aus den Vergasern gespült bekommt. Ein Motorrad, bei dem die Vergaser zerlegt, im Ultraschallbad gereinigt und anschließend synchronisiert wurden, springt sofort an und läuft viel besser.

Das Reinigen eines Vergasers, der zerlegt gebracht wird, kostet ca. 30 Euro. Bei einem 4-Zylinder Motorrad kostet der Ausbau, zerlegen, reinigen, zusammenbauen und synchronisieren ca. 250 bis 350 Euro plus evtl. neue Dichtungen oder Teile für die Vergaser. Aber es lohnt sich!

Vorbeugung ist besser als Nachsorge

Um Probleme mit altem Benzin zu vermeiden, sollten Sie folgende Tipps beachten:

  • Tank vor längeren Standzeiten füllen: Ein voller Tank minimiert die Luftmenge und reduziert die Kondenswasserbildung.
  • Ethanolfreies Benzin verwenden: Ethanolfreies Benzin ist weniger anfällig für Wasseraufnahme.
  • Benzin-Stabilisator verwenden: Ein Benzin-Stabilisator kann die Lagerfähigkeit des Benzins verlängern.
  • Motorrad regelmäßig bewegen: Wenn möglich, bewegen Sie Ihr Motorrad regelmäßig, um das Benzin frisch zu halten.

Empfehlungen der Hersteller

Was also rein in den Tank, wenn es in die Winterpause oder in eine andere Pause geht? Am besten ist geraten, den Tank immer voll zu haben, um die Luft vom Benzin wegzuhalten. Weiterhin wären Kraftstoffe komplett ohne Ethanol die beste Wahl, um das Binden von Wasser vorzubeugen, also die Premium-Kraftstoffe. Wer das nicht möchte, dem raten Experten, E5 zu tanken. E10 bindet zwar mehr Wasser bei langer Lagerung vor der Entmischung, das Wasser soll jedoch, so weit es geht, aus dem Tank gehalten werden. Unterm Strich: Benzin in einem vollen Tank altert langsamer als wenig Benzin. Ein komplett entleerter Kraftstofftank kann ebenfalls eine Lösung sein.

KTM empfiehlt im Handbuch der aktuellen 790 Duke: "Beim letzten Auftanken vor der Stilllegung des Motorrads Kraftstoffzusatz beimengen." Ebenso hält es Yamaha wie bei der aktuellen MT-09: "Den Kraftstofftank befüllen und Kraftstoff-Stabilisator hinzufügen." Zwar wird die jeweilige Kooperationsmarke empfohlen, andere werden jedoch nicht per se ausgeschlossen, sondern nur auf hohe Qualität der Mittel hingewiesen. Vor Gebrauch also unbedingt das Handbuch des Motorrads genau lesen, um nicht durch eventuelles Verbot dieser Additive Garantieverlust zu riskieren!

Aral Ultimate 102

Aral Ultimate 102 ist ein unverbleiter, schwefelfreier Ottokraftstoff, entsprechend den Anforderungen der DIN EN 228, bei dessen Herstellung auf die Zugaben von Bioethanol verzichtet wird. Der Basiskraftstoff wird aus besonders reinen Produktströmen und nach einer völlig eigenständigen Rezeptur exklusiv für Aral produziert. Die Verwendung unseres Premiumproduktes Aral Ultimate 102 empfiehlt sich nicht nur für die letzte Tankfüllung sondern für den ständigen Betrieb des Fahrzeuges. Da der Kraftstoff kein Ethanol enthält ist die Wasseraufnahmefähigkeit begrenzt. Aral Ultimate 102 ist jedoch mit einer leistungsstarken Wirkstoffkombination ausgestattet.

Wie bereits angeführt enthält Aral Ultimate 102 weniger leichtsiedende Komponenten, darüber hinaus ist das Siedeende auf max. 190 °C begrenzt (erlaubt ist laut der DIN EN 228 eine maximales Siedeende von 210 °C). Hierdurch werden relativ schwerflüchtige Kraftstoffkomponenten, die bei einer unvollständigen Verbrennung Ablagerungen bilden können vermieden.

Zudem empfiehlt Aral bei der Überwinterung von Fahrzeugen den Kraftstofftank nicht komplett zu entleeren, da hierdurch kraftstoffführende Bauteile und Dichtungen austrocknen und ggf. porös bzw. undicht werden können.

Lagerbedingungen für Ottokraftstoffe

Die Eigenschaften von Ottokraftstoffen sind in den Mindestanforderungen der deutschen Fassung der europäischen Kraftstoffnorm DIN EN 228 festgelegt. Diese berücksichtigt auch die Oxidationsbeständigkeit und damit die Lagerbeständigkeit von Kraftstoffen. Einen ganz wesentlichen Einfluss auf die Alterung von Kraftstoffen haben die Lagerbedingungen und auch die im Kraftstoffsystem von Fahrzeugen verwendeten Materialien. Häufiger Temperaturwechsel, hoher Luft- (Sauerstoff-) Anteil, Wasser und Kupfer oder Messing beschleunigen die Kraftstoffalterung ganz erheblich.

Bei diesem Alterungsprozess bilden sich zum Teil kraftstoffunlösliche Reaktionsprodukte mit klebriger Konsistenz, die Düsen verstopfen und Membranen in Vergasern verkleben können. Unter guten Lagerbedingungen sind Ottokraftstoffe mindestens 1 Jahr ohne Qualitätseinbußen einsetzbar.

Bei der Verwendung ist allerdings zu berücksichtigen, dass Kraftstoffe jahreszeitlich angepasst werden um im Winter (16.11 bis 15.03) als auch im Sommer (01.04 bis 30.09) ein optimales Kalt- bzw. Warmstartverhalten zu gewährleisten.

Empfehlungen für die Lagerung:

  • Den Lagertank möglichst vollständig füllen, so hat nur wenig Luftsauerstoff zutritt.
  • Hohe und häufig wechselnde Temperaturen vermeiden.
  • Die jahreszeitliche Eignung des Kraftstoffs ist bei seiner Verwendung zu beachten.
  • Regelmäßige optische Überprüfung des Kraftstoffes auf Trübung, ggf. Wasserabscheidung.

Tabelle: Vor- und Nachteile verschiedener Kraftstoffarten für die Überwinterung

Kraftstoffart Vorteile Nachteile
Ethanolfreies Benzin (z.B. Aral Ultimate 102) Geringe Wasseraufnahme, gute Lagerstabilität Höherer Preis, nicht überall verfügbar
E5 Benzin Geringere Wasseraufnahme als E10, weit verbreitet Enthält Ethanol, das Wasser anziehen kann
E10 Benzin Günstiger Preis, weit verbreitet Höhere Wasseraufnahme, kann zu Korrosion führen

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