Viele Motorradfahrer träumen von mehr Stauraum, besonders auf längeren Touren. Eine Anhängerkupplung und ein passender Anhänger können hier Abhilfe schaffen. Doch wie baut man einen Anhänger für den Motorradtransport um und was ist dabei zu beachten? Dieser Artikel gibt eine detaillierte Anleitung und behandelt alle wichtigen Aspekte, von der Anhängerkupplung bis zur Elektrik und dem TÜV-Segen.
Die Wahl des richtigen Anhängers
Die Herausforderungen beginnen bereits bei der Wahl des richtigen Anhängers. Es gibt nur wenige Motorräder, für die man Anhängerkupplungen fertig kaufen kann, wie Ural/Dnepr und Honda Goldwing. Von Motorrädern dürfen ausschließlich Anhänger mit einer Maximalbreite von 100cm gezogen werden. Alternativ kann man sich einen breiteren Anhänger umbauen, was aber natürlich auch nicht ganz einfach ist. Am Ende müssen Anhängerkupplung und Anhänger natürlich noch den Segen des TÜV-Prüfers bekommen.
Wichtige Aspekte bei der Auswahl:
- Anhängelast: Die zulässige Anhängelast ist begrenzt. Mein MZ-Gespann hat ein eingetragenes Leergewicht von 151 kg, folglich darf ich 113 kg ziehen. Ein Anhänger am Motorrad muss also so leicht wie irgend möglich sein, damit man noch eine brauchbare Zuladung hat.
- Geschwindigkeit: Motorräder mit Anhänger dürfen nicht schneller als 60 km/h fahren.
- Zulassungsfreiheit: Ein Anhänger am Motorrad kann als zulassungsfreier Anhänger genutzt werden. Das bedeutet, er wird einmal vom TÜV geprüft und bekommt dann ein Folgekennzeichen.
Umbau eines Kastenanhängers zum Motorradtransporter
Viele Motorradfahrer haben bereits einen Kastenanhänger zu Hause und überlegen, diesen für den Motorradtransport umzurüsten. Hier sind einige wichtige Punkte:
- Platzbedarf prüfen: Zuerst sollte man prüfen, ob die Motorräder überhaupt in den Anhänger passen.
- Vorderradwippen: Der Einbau von Vorderradwippen ist essenziell, um die Motorräder sicher zu fixieren.
- Zurrschienen: Zurrschienen am Boden ermöglichen eine flexible Abspannung der Motorräder.
- Abstand der Spanngurte: Achten Sie darauf, dass die Winkel der Abspanngurte nicht zu klein sind, um ein seitliches Wandern der Motorräder zu verhindern.
Es ist ratsam, sich vor dem Umbau von einem Fachmann beraten zu lassen. Ein befreundeter Motorradhändler riet davon ab, da die Winkel der Abspanngurte wegen der geringen Breite so klein sind, dass die Motorräder sehr wahrscheinlich seitlich wandern würden. Sie würden dann irgendwie schief stehen oder aneinander scheuern, egal wie fest man sie in die Federung drücken würde.
Die Anhängerkupplung
Die Anhängerkupplung ist ein zentrales Element für den sicheren Betrieb eines Anhängers am Motorrad. Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Neubau: Man baut die Anhängerkupplung von Grund auf neu. Dazu kauft man sich für ein paar Euro einen 50mm-Kugelkopf (Aber bitte einen mit Zulassung, sonst bekommt man ihn nie eingetragen) und befestigt ihn stabil am Fahrzeug.
- Verwendung einer vorhandenen AHK: Die Wahl fiel auf eine Anhängerkupplung vom Trabant, denn diese wird gerne an MZ-Gespannen verwendet und scheint wunderbar zu funktionieren.
AHKs vom Trabant bekommt man bei eBay Kleinanzeigen quasi nachgeschmissen; ich habe für meine in tadellosem Zustand 35 Euro bezahlt. Die AHK darf 300 bzw. gebremst 400 kg ziehen.
Befestigung der AHK
Hauptbefestigungspunkt ist das Querrohr unten am Beiwagenrahmen, an dessen linkem Ende die untere Klemmfaust sitzt. Dieses Rohr befindet sich zentral zwischen Motorrad und Beiwagen, ist exakt waagerecht, quer zur Fahrtrichtung, und ist obendrein sehr stabil. Zusätzlich benötigt sie zwei Streben, die die vertikalen und horizontalen Kräfte aufnehmen. Also die Stützlast bzw. die seitlichen Kräfte beim Kurvenfahren.
Die Stützlaststrebe sollte (wie gesagt) oben am Rohr befestigt werden. Mit einer Schelle oder auch direkt am Befestigungspunkt der Auspuffhaltestrebe. Am Ende habe ich mich deshalb dafür entschieden, sie an der oberen Stoßdämpferaufnahme zu befestigen. Das ist einer der stabilsten Punkte am ganzen Motorradrahmen und deshalb optimal geeignet.
Halteplatte
Vorne am Querrohr (Durchmesser ca. 38 mm) befinden sich zwei sehr massive Schellen mit M12-Schrauben. Daran bzw. Die Platte ist 6 mm stark. Warum 6 mm? Weil der TÜV mir folgenden Tipp gegeben hat: Alles, was ich anfertige, muss stärker sein als die vorhandenen Teile. Dann ist gewährleistet, dass “meine” Teile nicht vor den originalen Teilen nachgeben. Und die wurden dafür ausgelegt und geprüft, insofern sollten sie ausreichend dimensioniert sein.
Die AHK befindet sich übrigens unter dem Stabi, was meines Erachtens ganz wichtig ist. Laut StVZO muss der Kugelkopf 350 bis 420 Millimeter vom Boden entfernt sein.
Elektrik
Die Elektrik ist ein weiterer wichtiger Aspekt beim Umbau. Was braucht man denn überhaupt für Kabel bzw. Anschlüsse? Masse, die beiden Rückleuchten und den rechten Blinker konnte ich unter der Sitzbank abgreifen, wo die Kabel zum Beiwagen abgehen. Für den linken Blinker musste ich eine zusätzliche Leitung vom Lampentopf nach hinten ziehen.
Eine Nebelschlussleuchte wird (wegen des Baujahrs des Anhängers) nicht benötigt und würde an einem Motorradanhänger ohnehin keinen Sinn ergeben. Fehlt nur noch die Bremsleuchte. Und die hat es in sich. Denn das Bremslicht ist an der MZ (genau wie die Hupe) über Masse geschaltet.
Um das Problem zu lösen, kann man ein Relais verwenden. Ein Relais ist im Prinzip ein Schalter. Nur dass der nicht von Hand geschaltet wird, sondern elektrisch. Dazu hat das Relais vier Anschlüsse. Fließt zwischen Anschluss 1 und 2 Strom, schließt das Relais den Kontakt zwischen den Anschlüssen 3 und 4, so dass dort ebenfalls Strom fließen kann. Fließt kein Strom mehr zwischen 1 und 2, wird auch der Kontakt zwischen 3 und 4 getrennt.
TÜV und Sicherheit
Nachdem Anhänger und Anhängerkupplung fertig sind und alles wie gewünscht funktioniert, fehlt nur noch der Segen des TÜVs. Zu beachten ist natürlich, dass die Spanngurte eine gute Qualität aufweisen und immer in der Reihenfolge erst vorn- dann hinten angezogen werden. Der Preis eines Gurtes liegt bei ca. 10 Euro. Bauhausgurte gibt es für die Hälfte - bei deutlich schlechterer Qualität und geringerer Zugfestigkeit.
Der TÜV verlangt nämlich auch einen Bremstest: Mit beladenem Anhänger muss das Motorrad eine Verzögerung (“Negativ-Beschleunigung”) von mindestens 2,5 m/s² erreichen.
Zusätzliche Tipps für den sicheren Transport:
- Motorräder sollten in aller Regel auf den Rädern stehen, nicht auf Haupt- oder Seitenständer.
- Verwenden Sie Spanngurte mit guter Qualität.
- Sichern Sie die Ladung immer sorgfältig.
Professionelle Umbauservices
Wenn Sie den Umbau nicht selbst durchführen möchten, können Sie auf professionelle Umbauservices zurückgreifen. Anbieter wie Stellfeld und Ernst bieten maßgeschneiderte Umbauten für Kofferanhänger und Kastenanhänger an, um sie in robuste Transportmittel für Ihre Motorräder zu verwandeln. Diese Dienstleistungen umfassen maßgeschneiderte Lösungen, professionelle Ausführung und eine hohe Kundenzufriedenheit.
Vorteile eines professionellen Umbaus:
- Maßgeschneiderte Lösungen
- Sicherheit
- Zeitersparnis
Ablauf eines professionellen Umbaus:
- Kontaktaufnahme und Beratung
- Erstellung eines Umbauplans und Angebots
- Umbau in der Werkstatt
- Qualitätskontrolle
- Übergabe und Erklärung
Fazit
Der Umbau eines Anhängers für den Motorradtransport ist ein anspruchsvolles Projekt, das sorgfältige Planung und Ausführung erfordert. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Komponenten kann man jedoch einen sicheren und zuverlässigen Anhänger für sein Motorrad realisieren. Ob man den Umbau selbst durchführt oder auf professionelle Hilfe zurückgreift, hängt von den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen ab.
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Anhängelast | Begrenzt, abhängig vom Leergewicht des Motorrads |
| Geschwindigkeit | Maximal 60 km/h |
| Zulassung | Kann als zulassungsfreier Anhänger genutzt werden |
| Sicherheit | Hochwertige Spanngurte, korrekte Ladungssicherung |
| TÜV | Bremstest erforderlich |
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