Anika Schwinn Lauer Lebenslauf und Engagement in der Stiftung kreuznacher diakonie

Die Stiftung kreuznacher diakonie engagiert sich in verschiedenen sozialen Bereichen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. Im Folgenden werden einige Projekte und Initiativen der Stiftung vorgestellt.

Städtische Förderung ambulanter Angebote in Idar-Oberstein

Ende März stand im Stadtrat Idar-Oberstein die Abstimmung über die Fortführung des Kooperationsvertrages mit der Stiftung kreuznacher diakonie/Wohnungslosenhilfe Obere Nahe (WLH) auf der Tagesordnung. Die WLH hatte die Fortführung des Kooperationsvertrages beantragt, in dem die Mitfinanzierung durch die Stadt geregelt ist. Der Hauptausschuss hatte dem Antrag bereits zugestimmt und dem Stadtrat die Verabschiedung empfohlen.

Der Kooperationsvertrag umfasst die ambulanten Hilfeangebote:

  • Fachberatungsstelle zur Wohnraumsicherung
  • Tagesaufenthalt Horizont
  • Straßensozialdienst

Die Stadtratsmitglieder sprachen ihren Dank für die geleistete Arbeit aus und beschlossen die Förderung der vorgestellten ambulanten Hilfen der Wohnungslosenhilfe.

Diakon Dieter Groh-Woike, Leiter der Einrichtung, ist erleichtert über die Beschlussfassung: „Bislang waren die Förderzeiträume auf jeweils drei Jahre, bei der Fachberatung auf zwei Jahre gedeckelt. Die dauerhafte Förderung erlaubt uns nun, unbefristete Arbeitsverträge zu schließen und dadurch hoffentlich einfacher qualifiziertes Fachpersonal zu rekrutieren.“

Fachberatungsstelle zur Wohnraumsicherung

Die Fachberatungsstelle zur Wohnraumsicherung (FBS Wohnraumsicherung) ist eine präventive Hilfe, um Obdach- und Wohnungslosigkeit zu vermeiden. Sie arbeitet ambulant und nachhaltig, um einen drohenden Wohnungsverlust zu verhindern. Die FBS Wohnraumsicherung wird vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Rheinland-Pfalz gefördert. Die Stadt Idar-Oberstein trägt ein Viertel der Fördersumme bei, das sind 16.250 Euro von insgesamt 65.000 Euro. In 2024 wurden 575 Beratungen durchgeführt.

Die Klienten kommen überwiegend aus eigener Motivation. Vermittlungen erfolgen zudem von Ordnungsamt, Jobcenter, anderen sozialen Diensten oder über Bekannte. Im Unterschied zu Klienten der Wohnungslosenhilfe suchen auch Familien die Beratungsstelle auf. Etwas mehr als die Hälfte der Klienten hat noch einen Mietvertrag. Ein weiterer Teil lebt in einer Wohnung ohne Mietvertrag, im Fachjargon „Couch Hopping“ genannt. Diese Gruppe verfügt über keinen eigenen Mietvertrag und ist auf Freunde und Bekannte angewiesen, bei denen sie zeitweise unterkommen. Neben Miet- oder Energieschulden bestehen in der Regel weitere Problemlagen, die mit den Klienten zusammen bearbeitet werden. Aufgrund der vielfältigen Probleme, die zu einem drohenden Wohnungsverlust geführt haben, sind die Unterstützungsleistungen durch die FBS sehr vielfältig.

Tagesaufenthalt Horizont

Der Tagesaufenthalt ist Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 13 Uhr geöffnet. Da sich arme Menschen in der Regel zurückziehen und in Gefahr sind, zu vereinsamen, ist der Tagesaufenthalt ein wichtiger Ort, um Menschen zu treffen, miteinander zu reden, nicht alleine zu sein. Besuchern bietet er einen niedrigschwelligen Zugang zur FBS Wohnraumsicherung. Täglich gibt es Frühstück und ein warmes Mittagessen gegen einen freiwilligen Kostenbeitrag. Eine Dusche, Waschmaschine und Trockner stehen zur Verfügung. Für die digitale Teilhabe stehen ein PC mit Drucker und die Tageszeitung bereit. Etwa 30 Besucherinnen und Besucher sind täglich im Tagesaufenthalt. Zwei Mitarbeitende im Tagesaufenthalt werden durch das Jobcenter Kreis Birkenfeld gefördert. Die WLH freut sich, wie in der Tafel, auch im Tagesaufenthalt auf ehrenamtliche Mitarbeit.

Straßensozialdienst

Der Straßensozialdienst (Streetworker) sucht Menschen auf den Straßen und Plätzen in der Stadt auf. Notwendig ist ein Vertrauensaufbau zu Menschen, die sich im öffentlichen Raum aufhalten, um die notwendige Unterstützung anbieten zu können. Häufige Hilfen sind die Begleitung zu Behörden, um die existenziellen Lebensgrundlagen sicher zu stellen. Die Menschen, die auf der Straße leben, zu motivieren, medizinische Hilfen anzunehmen, ist eine wichtige Aufgabe. In Zusammenarbeit mit dem Ordnungsamt versucht der Straßensozialdienst, Kontakt zu Menschen aufzubauen, gegen die eine Zwangsräumung ausgesprochen wurde. Leider ist die Zeitspanne vom Bekanntwerden einer Zwangsräumung oft zu kurz, um eine Wohnungslosigkeit zu verhindern. In 2024 wurden 16 Zwangsräumungen begleitet. Oft bleibt hier nur eine ordnungsrechtliche Unterbringung, bei denen der Straßensozialdienst das Ordnungsamt unterstützt.

Autismus-Forum in Bad Kreuznach

Am Welt-Autismustag hatte das Kompetenzzentrum Autismus mit einem Forum in den Luthersaal der Stiftung kreuznacher diakonie eingeladen. Vor mehr als vollem Haus wurde über die bunte Welt der Betroffenen informiert. Die Teamleiter Jana Schäfer-Bunde und Christian Raimund zeigten sich begeistert von der Resonanz.

Christian Raimund plädierte in seinem Fachvortrag dafür, die Stärken und Perspektiven der Menschen mit Autismus als Bereicherung wahrzunehmen: „Es gibt nicht nur ein Bild von dieser Welt. Es gibt alles und jeder hat das Recht unterschiedliche Dinge in dieser Welt wahrzunehmen.“ Sowohl sein Vortrag als auch die Mit-mach- und Info-Stationen hatten die fünf Farben des Autismus zum Thema: Wahrnehmung, Kommunikation, Emotionen, Stärken und Begabungen sowie Struktur.

Jana Schäfer-Bunde zieht nach dem großen Andrang eine positive Bilanz: „Unser Ziel war es, die Aufmerksamkeit auf das Thema Autismus zu lenken. Es war schön zu sehen, wie viele Menschen interessiert daran sind, sich offen und wertschätzend den Perspektiven der Menschen mit Autismus zu nähern.“

Das Kompetenzzentrum ist die einzige Einrichtung dieser Art in ganz Rheinland-Pfalz. Nicht nur Hilfesuchende aus dem Kreis Bad Kreuznach finden hier Rat und Unterstützung, sondern auch aus den Kreisen Birkenfeld, Kusel, Mainz-Bingen, dem Rhein-Hunsrück-Kreis, der Südlichen Weinstraße, Alzey-Worms, den Städten Wiesbaden, Worms, Mainz sowie aus dem Donnersbergkreis. Vom Kleinkinderalter bis zu Jugendlichen und Erwachsenen werden hier Menschen beraten, gefördert, betreut und begleitet. Zugleich bietet das Kompetenzzentrum, das mit Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz aufgebaut wurde, regelmäßig Fortbildungen für Fachkräfte, Betreuerinnen und Betreuer sowie für Angehörige an. Auf dem Campus der Stiftung kreuznacher diakonie befindet sich auch das Haus Rogate, eine der wenigen Wohneinrichtungen in Rheinland-Pfalz, die darauf spezialisiert sind, Menschen mit Autismus aufzunehmen. Das Haus feiert in diesem Jahr sein 20jähriges Bestehen.

40 Jahre Dienst für Pfarrer Wolfgang Baumann

Am Palmsonntag verabschiedete sich Pfarrer Wolfgang Baumann von den Diakonie Kliniken Bad Kreuznach und den rheinland-pfälzischen Hospizen der Stiftung kreuznacher diakonie in den Ruhestand. Schon in der Schulzeit stand für Wolfgang Baumann fest: „Ich möchte Gemeindepfarrer werden.“ An seiner Begeisterung, der Menschenfreundlichkeit Gottes nachzuspüren und diese weiterzugeben, hat sich bis heute nichts geändert. So hielt Wolfgang Baumann an seinem Berufswunsch fest, studierte Evangelische Theologie und wurde vor 40 Jahren Pfarrer.

In der Vorbereitung der Gottesdienste haben wir uns so lange mit den Texten beschäftigt, bis sie sich uns öffneten und berührten“, erzählt er. Weil er ein naturwissenschaftliches Gymnasium besucht hatte, musste er sich Latein, Hebräisch und Griechisch im Studium erarbeiten, war weiterhin in der Kirchengemeinde aktiv und organisierte Kinder- und Jugendfreizeiten nach Holland und Frankreich. Gemeinsam mit großen Gruppen ging es zu den Evangelischen Kirchentagen in ganz Deutschland.

Wechsel zur Stiftung kreuznacher diakonie

1989 lud ihn der damalige Theologische Vorstand der Stiftung kreuznacher diakonie, Pfarrer Dietrich Humrich ein: „Kommen Sie vorübergehend in die Diakonie. Sie können sich ja später noch von dort aus in eine Gemeinde bewerben.“ Aus diesem „vorübergehend“ wurden 36 Dienstjahre. Damals liefen die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Stiftung. „Das war eine meiner ersten Aufgaben. Zusammen mit Diakonissen, Mitarbeitenden, Menschen mit Behinderung und vielen Gästen haben wir einen Sommer lang gefeiert“, erinnert sich Baumann.

Aktiv in vielen Geschäftsbereichen

Anschließend war er in der Wohnungslosenhilfe tätig, feierte Gottesdienste auf der Eremitage in Bretzenheim und dem Niederreidenbacher Hof, begleitete die Bewohnerinnen, Bewohner und die Mitarbeitenden seelsorglich. Im Rehabilitationszentrum Bethesda, in dem Wolfgang Baumann ab 2000 als Pfarrer in der Geschäftsführung tätig war, gab es wie in der Wohnungslosenhilfe viele Neukonzeptionen: Die Ambulantisierung, die Arbeit mit Frauen in Not, die Mobile Reha, die Beratungsstelle Unterstützte Kommunikation sowie den Rehasport. Das Aufarbeiten von Gottesdienstinhalten für Kinder und Jugendliche im Konfirmandenunterricht in der Bethesda-Schule sowie in den inklusiven sonntäglichen Gottesdiensten der Morgensternkirche für Menschen mit Behinderung waren Wolfgang Baumann besonders wichtig. Alle zwei Jahre gehörte für ihn die Teilnahme am Deutschen Evangelischen Kirchentag zu seinen Lieblingsaufgaben: Mit mehr als 100 Menschen aus der Stiftung fuhren sie nach München, Köln, Leipzig, Hamburg… Zu Baumanns Job gehörte das Finden von Begleitpersonen und er trug dafür Sorge, dass in die Gemeinschaftsquartiere das nötige Equipment für die jeweiligen Bedürfnisse geschafft wurde.

Herausfordernde Leitungsfunktion

2007 übernahm Wolfgang Baumann das Amt des stellvertretenden Theologischen Vorstandes, fünf Jahre später wurde er in den Vorstand berufen. „Bedarfsgerechte Ausweitung und Differenzierung der Angebote der Stiftung kreuznacher diakonie, um auch in Zukunft nahe bei den Menschen zu sein,“ so beschreibt er die damalige Vorstandsarbeit. „Die Arbeit war herausfordernd, da manche Bereiche in wirtschaftliche Schieflage gerieten und die Zinsen für unser Stiftungsvermögen in den Keller rauschten.“ Als 2015 die Seelsorge-Stelle im Eugenie Michels Hospiz in Bad Kreuznach und dem Aenne Wimmers Hospiz frei wurde, übernahm Baumann gerne diese Aufgabe.

„Es ist eine wichtige und sinnerfüllende Aufgabe, sterbende Menschen und ihre Angehörigen zu begleiten. An den Sterbebetten bin ich oft der Lernende, der mit Dankbarkeit und Zufriedenheit zurückbleibt.“ Die Arbeit im Arbeitskreis christlicher Kirchen (ACK) und die Begegnung mit Musliminnen und Muslimen, mit Jüdinnen und Juden im Interreligiösen Gesprächskreis liegt Baumann besonders am Herzen. Das gemeinsame Friedensgebet und den Dialog mit den anderen Religionen wertet er als wichtigen Beitrag für ein gutes Miteinander in Bad Kreuznach.

10 Jahre Leben in Gemeinschaft in Birkenfeld

Die Stiftung kreuznacher diakonie eröffnete vor zehn Jahren eine Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen in Birkenfeld. „Wir sind hier in Birkenfeld sehr gut angekommen und integriert!“ Diese positive Bilanz ziehen die beiden Teamleitungen Ulrike Braun und Detlef Kamzela über die Wohnreinrichtung der Behindertenhilfe in Birkenfeld. Damals schloss der größte Träger sozialer Einrichtungen an der Nahe einen weißen Fleck in der Versorgungslandschaft. Denn eine Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen gab es damals in der Kreisstadt noch nicht.

Der Bungalow-Bau am Stadtrand bietet Platz für 24 Bewohnerinnen und Bewohner, die in drei Wohngruppen zusammenleben. Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, das er individuell gestalten kann. Die Wohngruppen verfügen über Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Küche und Esszimmer, die zum gemeinsamen Kochen, Essen und Verweilen einladen. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden von einem Team aus pädagogischen Fachkräften betreut, das sie in ihrem Alltag unterstützt und ihnen hilft, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Die Stiftung kreuznacher diakonie leistet durch ihre vielfältigen Angebote einen wertvollen Beitrag zur sozialen Integration und Unterstützung von Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen.

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