Der Anlasser einer Harley Davidson Softail kann im Laufe der Zeit verschleißen oder defekt werden. In diesem Fall ist es notwendig, den Anlasser auszubauen und gegebenenfalls zu reparieren oder auszutauschen. Hier finden Sie eine ausführliche Anleitung sowie nützliche Tipps und Informationen rund um den Ausbau und die Reparatur des Anlassers.
Mögliche Ursachen für Anlasserprobleme
- Defekter Freilauf: Dies ist ein häufiges Problem, bei dem der Anlasser zwar dreht, aber den Motor nicht mitnimmt.
- Verschlissene Kohlebürsten: Die Kohlebürsten im Anlassermotor können sich abnutzen und den Kontakt zum Kollektor verlieren.
- Korrosion an den Anschlüssen: Korrosion kann den Stromfluss behindern und zu Startproblemen führen.
- Defekter Magnetschalter: Der Magnetschalter ist dafür zuständig, das Ritzel in den Zahnkranz zu schieben und den Stromkreis zum Anlassermotor zu schließen.
Werkzeug und Material
Für den Ausbau und die Reparatur des Anlassers benötigen Sie folgendes Werkzeug und Material:
- Werkstatthandbuch (empfohlen)
- Inbusschlüssel-Satz
- Schraubenschlüssel-Satz
- Drehmomentschlüssel
- 1/4 Zoll Inbusnuss mit Kugelkopf
- Kunststoffhammer
- Skalpell oder scharfes Messer
- Schleifpapier
- Fett für das Startergetriebe
- Neue Dichtungen (Primärdeckel, Ölablassschraube)
- Auffangbehälter für Öl
- ggf. neuer Anlasser oder Freilauf
Ausbau des Anlassers
Der Ausbau des Anlassers bei Softail Modellen kann etwas aufwendiger sein. Hier ist eine Schritt-für-Schritt Anleitung:
- Batteriekabel abklemmen.
- Batteriekasten ausbauen (2 Schrauben unterm Sitz, eine hinter der Batterie).
- Stecker am Anlasser fotografieren, abziehen und Mutter lösen.
- Zwei Schrauben am Anlasser rausdrehen.
- Anlasser ziehen.
- Primäröl ablassen.
- Primärdeckel vorsichtshalber abnehmen (eigentlich nicht nötig bei der Bob für den Anlasserausbau).
Hinweis: Es gibt Berichte, dass der Anlasserausbau auch ohne Abnahme des Öltanks möglich sei. Wie das gehen soll, ist aber nicht immer klar.
Detaillierte Ausbau-Schritte (am Beispiel TC Heritage Softail, Bj. 2003)
Um an die beiden Anlasserschrauben zu gelangen und diesen herausnehmen zu können, müssen folgende Teile entfernt bzw. gelöst werden:
- Sattel
- Rechte Satteltasche
- Linkes vorderes Trittbrett
- Hinterer Auspuff
- Plastikverkleidung Hinterrad (unterhalb des Schutzbleches)
- Lösen der beiden Schrauben des Sicherungenhalters hinter der Batterie
- Ausbau Batterie
- Primär- u. Motoröl ablassen
- 3 Ölleitungen vom Öltank
- Ölablassschlauch
- Zerstörung von zwei speziellen Schlauchschellen die später durch handelsübliche ersetzt wurden.
- Öltank (befestigt mit 4 Schrauben hinter der Radverkleidung und 2 Schrauben vor der Batterie)
- Äußerer Primärkasten
- Starterritzel (Lederstück und Rohrzange zum Halten)
- Stromzuführungen (3) Starter-Anlasser (2 Inbusschrauben)
- Zündkerzen wegen Test, ob der neue Anlasser funktioniert, ohne den Motor anzuwerfen
Zerlegen des Anlassers
Nach dem Ausbau kann der Anlasser zerlegt werden, um die einzelnen Komponenten zu überprüfen und gegebenenfalls zu reparieren:
- Kabel vom Magnetschalter lösen.
- Den Startermotor vom Gehäuse lösen (Das sind die langen Schrauben). Darauf achten, dass der Anker nicht aus dem Gehäuse rutscht.
- Die beiden Kreuzschrauben vom Startergetriebe lösen.
- Die Starterkupplung mit zwei leichten Schlägen rausnehmen.
Beim Zerlegen auf Kleinteile achten, besonders auf die kleine Kugel, die auf der Feder vom Magnetschalter liegt.
Reparatur des Anlassers
Die häufigste Ursache für einen defekten Anlasser ist der Freilauf. Dieser kann ausgetauscht werden. Es gibt verstärkte Freiläufe mit Lifetime Garantie.
Weitere mögliche Reparaturen:
- Reinigung der Kontakte mit Schleifpapier.
- Ersetzen verschlissener Kohlebürsten.
- Fetten des Startergetriebes.
Einbau des Anlassers
Der Einbau erfolgt in umgekehrter Reihenfolge des Ausbaus.
- Neuen Freilauf rein, alles noch bissel gefettet und Kontakte mit Schleifpapier gereinigt.
- Wieder zusammengebaut und mit der Motorradbatterie den Freilauf vor dem Einbau in das Moped getestet.
- Die originale Starterwelle mit Ritzel passte und ich führte einen "Trockenstart" durch, um zu sehen ob das Ritzel in den Zahnkranz einrastet. (Zündkerzen nicht eingebaut, nur auf Zylinder gelegt).
Die Schrauben wurden mit den im Handbuch angegebenen Drehmomenten festgezogen und dann das Öl eingefüllt.
Zusätzliche Tipps
- Investieren Sie in ein Werkstatthandbuch.
- Fotografieren Sie die Stecker und Anschlüsse vor dem Abziehen.
- Achten Sie auf Sauberkeit beim Zusammenbau.
- Verwenden Sie neue Dichtungen, wenn die alten beschädigt sind.
Kosten
Die Kosten für die Reparatur oder den Austausch des Anlassers können variieren, abhängig von den benötigten Teilen und der Arbeitszeit. Ein neuer Freilauf kostet zwischen 70 und 160 Euro. Ein neuer Anlasser kann zwischen 200 und 400 Euro kosten. In der Werkstatt können die Kosten für den Austausch inklusive Material auf etwa 200 Euro plus Material geschätzt werden.
Fallbeispiel: Anlasser TC Heritage Softail 2003
Ein Anwender berichtet von seinen Erfahrungen beim Wechsel des Anlassers an seiner TC Heritage Softail, Bj. 2003:
Symptome: Summen des Starters vor dem Anspringen, später nur noch ein "Föngeräusch".
Diagnose: Das Ritzel blieb in seiner Ruhestellung und rückte nicht vor auf den Starterzahnkranz an der Kupplung.
Lösung: Austausch des Anlassers.
Aufwand: Ca. 6 Stunden Zeit und 216 Euro Materialkosten.
Ergebnis: Der neue Anlasser zog besser durch als das alte Teil vor dem Defekt.
Anlasserfreilauf Diagnose
Ein defekter Anlasserfreilauf kann wie folgt diagnostiziert werden:
Ein funktionierender Freilauf sorgt dafür, dass sich das große Zahnrad in einer Drehrichtung kraftlos auf der Hohlwelle drehen kann, in der anderen Drehrichtung aber eine feste Verbindung zur Welle hat. Bei einem defekten Freilauf lassen sich Zahnrad und Welle ohne jeglichen Kraftaufwand und ohne Reibgeräusche in beide Richtungen gegeneinander verdrehen.
Beim Zerlegen des Freilaufs können angegriffene Oberflächen, Abrieb und Vernarbungen an den Klemmkörpern festgestellt werden.
Anlasser Aufbau
Im Gegensatz zum klassischen Anlasserkonzept sind der Antriebsmotor und die Abtriebswelle nicht koaxial, sondern mit einem Zwischengetriebe verbunden. Der Anlassermotor hat eine Leistungsaufnahme von 1,4kW und bringt die Motoren mit rund 1 PS an der Welle zum Drehen.
Der Magnetschalter hat zwei Aufgaben: Mit dem Stößel schiebt er beim Startvorgang das Starterritzel ins Primärgehäuse über den Anlasserzahnkranz. Außerdem verbindet er die beiden großen Muttern elektrisch miteinander und schließt damit den Stromkreislauf von der Starterbatterie zum Anlassermotor.
Tabelle: Mögliche Probleme und Lösungen
| Problem | Mögliche Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Anlasser dreht nicht | Batterie leer, Korrosion an Anschlüssen, defekter Magnetschalter | Batterie laden/ersetzen, Anschlüsse reinigen, Magnetschalter prüfen/ersetzen |
| Anlasser dreht, Motor springt nicht an | Defekter Freilauf | Freilauf ersetzen |
| Anlasser macht Geräusche | Verschlissene Kohlebürsten, defektes Getriebe | Kohlebürsten ersetzen, Getriebe prüfen/reparieren |
| Schwerfälliges Drehen des Anlassers | Ungünstige Kolbenstellung | Zündkerzen rausschrauben und am Hinterrad drehen |
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