Anzugsdrehmoment für Shimano Kettenblätter: Eine detaillierte Anleitung

Das richtige Anzugsdrehmoment ist entscheidend, um die Sicherheit und Langlebigkeit von Fahrradkomponenten zu gewährleisten. Viele sind überrascht, wie sehr ihre Körperhaltung und die Handhabung des Werkzeugs das aufgebrachte Drehmoment beeinflussen. Dieser Artikel behandelt das Thema Anzugsdrehmomente für Kettenblätter, insbesondere bei Shimano-Komponenten, und bietet eine detaillierte Anleitung zur Bestimmung des richtigen Drehmoments.

Die Bedeutung des richtigen Anzugsdrehmoments

Jeder kennt den Spruch: „Nach fest kommt ab“. Die richtig dosierte Kraft schützt Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen. Die meisten händisch angezogenen Schrauben bzw. mit Gefühl angezogenen Schrauben, werden in der Regel zu schwach oder zu stark angezogen. Das kann bei manchen Rahmenmaterialien oder einem kleinen Gewinde schnell zu Beschädigungen führen. Sicherheitshalber einen Drehmomentschlüssel verwenden.

Allgemeine Anzugsdrehmomente für Fahrradteile

Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt.

Hier ist eine Tabelle mit den jeweiligen Anzugsmomenten für Fahrradteile und Schrauben:

BauteilNm (Newtonmeter)Benötigtes Werkzeug
Abdeckkappe in Schaftrohrkralle3-4Ahead-Kralle
Bar Ends15-17Inbusschlüssel 8 mm
Bremshebel (Unterrohrmontage)5-7Inbusschlüssel 4 mm
Bremshebelschelle2.5-3Kreuzschlitzschraubendreher
Bremshebelschelle6-8Inbusschlüssel 4 mm
Bremszuggegenhalter6-8Inbusschlüssel 4 mm
Cantileverbremse - Belagfixierung1-2Kreuzschlitzschraubendreher
Cantileverbremse - Bremsschuh8-9Maulschlüssel 10
Cantileverbremse - Sockel5 - 7Inbusschlüssel 5mm
Cantileverbremse - Zugklemmung6 - 9Inbusschlüssel 5 mm
Cleats (SPD)5 - 8Inbusschlüssel 4 mm
Freilauf - Freilaufkörper35 - 50
Freilauf - Kassette (Konterring HG)30 - 50Spezialwerkzeug
Innenlager Konus60 - 70Konusschlüssel 36 oder 40 mm
Innenlager Patrone50 - 70Spezialwerkzeug
Kettenblattschraube6 - 11Inbusschlüssel 6 mm
Kurbelschraube35 - 50Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter
Nabe - Achsmutter20 - 40Konusschlüssel 15
Nabe - Konus-Kontermutter10 - 25Konusschlüssel 13, 14
Nabe - Schnellspannhebel9 - 12Schnellspannhebel
Pedalachse35 - 40Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13
Sattelklemmung doppelt8 - 14Inbusschlüssel 4 mm
Sattelklemmung einfach14 - 34Inbusschlüssel 5 mm
Sattelstützeklemmung8.5 - 11.5Inbusschlüssel 5 mm oder Schnellspannhebel
Schaltbremshebel - Schelle2.5 - 3Kreuzschlitzschraubendreher
Schaltbremshebel - Schelle6 - 8Inbusschlüssel 5 mm
Schalthebel - Daumenschalter2.5Inbusschlüssel 3 mm
Schalthebel - Drehgriff1.5Inbusschlüssel 3 mm
Schaltwerk - Befestigungsbolzen8 - 10Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Schaltröllchen3 - 4Inbusschlüssel 5 mm
Schaltwerk - Zugklemmung4 - 7Inbusschlüssel 5 mm
Scheibenbremse - Bremsklotz5
Scheibenbremse - Bremssattel5
Scheibenbremse - Nabe (6-Loch-Aufnahme)5
Seitenzugbremse - Bremskörper8 - 10Inbusschlüssel 5 mm, Maulschlüssel 10, 12, 13
Seitenzugbremse - Bremsschuh5 - 9Maulschlüssel 10 mm
Seitenzugbremse - Zugklemmung5 - 8Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - A-Head-Klemmung17 - 20Inbusschlüssel 5 mm
Steuersatz - Klemmschraube Konus20 - 30Inbusschlüssel 6 mm
Steuersatz - Kontermutter34Konusschlüssel 32, 36, 40 mm
Umwerfer - Befestigungsschelle5 - 7Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Lötsockel7Inbusschlüssel 5 mm
Umwerfer - Zugklemmung5 - 7Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Sockel5 - 7Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Bremsschuh6 - 8Inbusschlüssel 5 mm
V-Brake - Zugklemmung6 - 8Inbusschlüssel 5 mm
Vorbau - Lenkerklemmung11 - 30Inbusschlüssel 5 mm

Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers.

Spezifische Überlegungen für Kettenblattschrauben

Die FC-T8000 hat Kettenblattschrauben aus Stahl (vermutlich V2A) die in Aluminium (wahrscheinlich 6061) geschraubt werden. Die Gewindegröße ist M8. Gemäß der Normtabelle gilt je nach Festigkeitsklasse der verwendeten Schraube ein unterschiedlicher Wert für das zulässige Anzugsdrehmoment.

Für M8 liegen die bei:

  • Festigkeitsklasse 5.6 = 11,69Nm
  • Festigkeitsklasse 6.8 = 18,70Nm
  • Festigkeitsklasse 8.8 = 24,93Nm

Nun ist aber das Material der Gewinde wichtig und entscheidend ist der niedrigere Wert. Für Stahlschrauben einfacher Güte und Titan gilt 8.8, für Edelstahl gilt 6.8 und für Aluminium gilt 5.6. Dabei ist sowohl das Gewinde im Material als auch das der Schraube zu berücksichtigen. Für eine Schraube aus Edelstahl in Aluminium gilt also Klasse 5.6 und damit 11,69Nm.

Schmierung und Anzugsdrehmoment

Bei Verwendung von Keramikpaste oder Fett (Keramikpaste sollte es bei Alu sein), vermindert sich der Reibwert im Gewinde. Bei gleichem Anzugsmoment wirkt mit Schmierung also mehr Kraft auf das Gewinde. Mit Schmierung sollte man daher 10% vom gewünschten Anzugsmoment abziehen. Das bedeutet für die Kettenblattschraube mit Schmierung also "rund" 10Nm.

Eine ungeschmierte Gewindeverbindung verliert etwa 50 % an Kopfreibung und 40 % an Gewindereibung. Dieser Prozentsatz kann durch die Verwendung eines reibungsarmen Schmiermittels erhöht werden.

Montagepaste: Keramikpaste vs. Carbon-Montagepaste

Es ist wichtig, zwischen verschiedenen Arten von Montagepasten zu unterscheiden.

Als "Montagepaste" bezeichnet man ein Langzeittrennmittel mit Feststoffbestandteilen zur Schmierung. Diese sind zudem Hochtemperaturfest, so das sie zum Beispiel an Teilen einer KFZ-Bremsanlage verwendet werden können. Die gängigsten Montagepasten sind Kupferpaste und Keramikpaste. Für Aluminiumteile ist Kupferpaste nicht geeignet, sie wird daher nur für Stahl genutzt. Keramikpaste ist hingegen für alle Materialien geeignet, so das Kupferpaste kaum noch verwendet wird.

Im Fahrradhandel nennt man das Mittel schlicht "Montagepaste" oder etwas eindeutiger mit der englischen Bezeichnung "Anti-Seize" (zu Deutsch "Anti-Klemmen").

Was dann aber im Fahrradhandel als "Carbon-Montagepaste" verkauft wird, ist zumindest teilweise etwas völlig anderes. Im Englischen als "Gripping-Paste" bezeichnet, ist es kein Schmiermittel sondern das komplette Gegenteil, eine reibungserhöhende Paste. Diese basiert oft auf Keramikpaste oder einem Syntetikfett, aber enthält ein festes Granulat (ähnlich wie Quarzsand) das dafür sorgt, das Flächen unter Anpressdruck stärker aneinander reiben. So etwas nimmt man für Sattelstützen oder Vorbauten, keinesfalls aber für Gewinde.

Weitere Tipps und Hinweise

  • Tipp: Am besten vor einer längeren Tour alle Schrauben checken und gegebenenfalls nachziehen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein Universaltool im Gepäck hilft dabei, Schrauben auch unterwegs nachziehen zu können.
  • Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden. Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug und sollte auch dementsprechend behandelt werden.
  • Ein Drehmomentschlüssel sollte bei eingestellten 0 Nm gelagert werden.
  • An Carbon-Rahmen ist besondere Vorsicht geboten.
  • Mit einer Schraubensicherung (z. B. Loctite) können Schrauben z. B. an Lenker- und Vorbauklemmungen gesichert werden.
  • Carbon- oder Titan-Bauteile dürfen nicht geschmiert oder gefettet werden.
  • Erfahrungsgemäß lässt sich eine geschmierte Schraube fester anziehen als eine trockene. Deshalb werden Anzugsmomente für einen trockenen Zustand angegeben.

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