Ardie und Dürkopp: Eine Reise durch die Geschichte und Modelle dieser traditionsreichen Motorradmarken

Mit den Motorradmarken Ardie und Dürkopp hat der Autor Thomas Reinwald zwei Firmen in einem Buch vereint, die auf den ersten Blick nicht in einem engen Bezug miteinander stehen.

Dürkopp hat seinen Sitz in Bielefeld, während in Nürnberg die Firma Ardie beheimatet war.

Doch im Laufe der Firmengeschichte gehörten beide Unternehmen zum Barthels-Konzern, so dass durch Synergieeffekte nach dem Zweiten Weltkrieg eine einheitliche Motorradfertigung erarbeitet wurde.

Daher war es doch naheliegend, diese beiden Motorradmarken in einer gemeinsamen Firmenhistorie zu beschreiben.

Das Ardie mit ihren bekannten und erfolgreichen Motorradmodellen der 1920er und 1930er Jahre in dem vorliegenden Buch einen breiten Raum einnehmen, verwundert kaum, entstanden damals doch die interessanten Motorradmodelle, die heute in der Motorradveteranenszene eine große Bedeutung haben.

Thomas Rheinwald beschreibt alle Modelle ausführlich und stellt die für die Ardie-Werke erfolgreichen Sportereignisse besonders heraus.

Seine besonderen Kenntnisse und intensiven Kontakte rund um die Nürnberger Motorradszene ermöglichten ihm, auf interessantes Bildmaterial aus verschiedenen privaten Archiven zurückzugreifen.

Ausführliche Tabellen mit den technischen Daten aller gebauten Serien-Motorräder, -Roller und -Mopeds der Marken Ardie und Dürkopp runden das mit ca. 270 Bildern illustrierte Buch ab.

Ardie: Die älteste Spezialfabrik für Motorräder

Nürnberg war eines der großen Zentren der deutschen Zweiradindustrie.

Eine legendäre Marke aus der Dürerstadt war Ardie, und die erste Serie ab 1919 hatte noch keine Modellbezeichnung.

Ein Motorrad mit Einzylinder-Zweitakter von rund 300 Kubikzentimetern und standfesten drei PS.

ARno DIEtrich lieferte sie in einer auffälligen roten Lackierung mit einem sich konisch nach hinten verjüngenden, damals sehr modernen Tank.

Diese „Spitztüte“ sah allerdings genauso aus wie ein anderes feuerrotes Erfolgsprodukt, das bereits 1904 patentiert worden war: Der Handfeuerlöscher von Wilhelm Graaff aus Neuruppin, längst ein Welterfolg und aller Welt als „Minimax“ ein Begriff.

Die erste Ardie hatte keinen Namen, und der Volksmund kommt da schnell zur Sache.

Das war die Geburtsstunde der Ardie Minimax.

Arno Dietrich war ein Mann vom Fach.

1870 geboren, hatte er früh schon als Obermeister bei den Nürnberger Triumph-Werken gearbeitet und erlebte mit, wie die kleine englische „Triumph Junior“ von der deutschen Schwesterfirma ab 1913 als „Triumph Knirps“ sehr erfolgreich im Kaiserreich verkauft wurde.

Dann kam der Erste Weltkrieg und anschließend versuchte Arno Dietrich sein Glück als Hersteller.

Mit dem Konzept der Triumph Knirps im Hinterkopf entwickelte er 1919 die erste Ardie, die wir heute als „Minimax“ kennen.

Die kleine Firma sorgte schnell in Wettbewerben für Aufsehen, Ardie war bald in aller Munde.

Arno Dietrich kam leider 1922 bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

Sein Geschäftspartner Leo Bendit führte das Unternehmen erfolgreich weiter.

Bald schon wurden immer größere Viertaktmotoren aus England verwendet, bis hin zu dicken V2-JAP mit 1000 Kubikzentimetern.

Anfang der 30er Jahre kam jedoch ein nationalistischer Gedanke auf und das Reichswehrministerium definierte kurzerhand Motorräder mit ausländischen Motoren als keine deutschen Produkte.

Dieser Gedanke wurde natürlich ab 1933 durch die Nazis rigoros forciert, allein schon, um keine Devisen aus dem Land zu lassen.

Auch Ardie verbaute nun keine englischen JAP-Motoren mehr, sondern setzte auf deutsche Aggregate von Bark oder Küchen, die mit bis zu 600 Kubik-Viertaktern auch ordentliche Brummer waren.

Leo Bendit, jüdischer Herkunft, ahnte wohl die finstere Zukunft und verkaufte bereits 1933 das Unternehmen an die Familie Barthel, Besitzer der Motorradfirma Dürkopp in Bielefeld.

Beide Unternehmen gehörten ab da zusammen.

Ab 1936 war die Zeit der Einbau-Viertakter bei Ardie vorbei und es wurden nur noch eigene kleine Zweitakt-Konstruktionen verbaut.

Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte Ardie noch bis 1958 Motorräder, danach entstanden bis 1981 nur noch Hydraulikgeräte.

im Haus, dann breitet sich kein Unheil aus!“ So ein alter Werbespruch.

Modellübersicht

  • Die Anfangsjahre
  • Die Zweitakter
    • Ardie »Minimax«
    • M 25
  • Die Viertaktmotorräder: Eine neue Ära beginnt.
    • 350 cm³: TM 350, Standard, Supersport, DP Rekord
    • 500 cm³: - 500, Sport-Spezial, DP Rekord
    • Thumshirn fährt den größten sportlichen Erfolg für Ardie heraus
    • Die Zweizylinder-Modelle
    • Jubiläumsmodell
    • Werksrennmaschinen
    • Duralaluminiummodelle: Silberfuchs, Silberadler, Silberpfeil, Silberblitz

Die Politik stellt die Weichen für die Zukunft:

  • Viertakter mit Bark-Motor: SS 32, RBU 503/603, RBK/DBK 503
  • Viertakter mit Küchen-Motor: RBU 504/505/605, RBK 504/505
  • 350 cm³: RBU 356/350, RBK 354
  • 200 ui-13/250cm³; RBK 205/200, RBK 250

Die Zweitakter der dreißiger Jahre:

  • 175/200 cm³: Junior, Prinz, Senior, RBZ 204/205/206/200, RZ 204 Spezial/205
  • 100 cm³: RBZ 104/105/100/100-3
  • 125 cm': RBZ 125, MF 125
  • Prototyp mit V-Zweizylinder-Motor
  • Die Seitenwagenproduktion
  • Ardie im Zweiten Weltkrieg:
    • 100/125 cm': S 125/VF 125/MF 125/RBZ 100-3
    • 200/250 cm³: RBZ 250/RZ 200
    • Flugzeugmotoren: Riedel-Anlasser/PB 18/F 6 Lerche
    • Die motorradfremden Wehrmachtsaufträge

Dürkopp: Von den Anfängen bis 1945

  • Die Nachkriegsära:
    • 125 cm³: NE 125/B 125
    • 250 cm³: B 250/B 251/B 252
    • 175/200 cm³: BD 175/BD 176/BD 201
    • Kampf um die deutsche Meisterschaft
    • 350 cm³: BZ 350
    • 50 cm³: Fratz II bis IV/Sportmoped
  • Das Ende der Motorradproduktion: Ardie - Dürkopp
  • Schaltpläne und Typenlisten

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