Arten von Fahrradbremsen: Eine umfassende Erklärung

Für die Verzögerung an Fahrrädern sorgen vor allem Felgenbremsen, aber auch Scheiben- und Nabenbremsen sind gebräuchlich. Zu letzteren zählen Trommel- und Rollenbremsen - und die gute alte Rücktrittbremse.

Überblick über verschiedene Fahrradbremsen

Eine allgemeine Übersicht verschiedener Fahrradbremsen - sowohl der unterschiedlichen Typen der aktuell gebräuchlichen Scheiben- und Felgenbremsen, als auch eher ältere oder speziellere Brems-Arten wie Rücktritt- und Rollenbremse.

Felgenbremsen

Felgenbremsen sind weit verbreitet und wartungsfreundlich. Sie sind der Standard an Trekking-, Stadt- und Rennrädern. So funktioniert es: Bei Felgenbremsen drückt eine Bremszange zwei Gummis auf die Bremsflächen der Felge. Die sind meist aus Aluminium, was eine gute Reibung garantiert. Betätigt werden die Bremsen per Seilzug oder hydraulisch. Das funktioniert bestens, auch bei höchsten Geschwindigkeiten bringt man damit ein Fahrrad schnell zum Stehen.

Gute Laufräder haben Verschleißindikatoren auf ihrer Bremsfläche. Daran kann man die Abnutzung der Felge erkennen. Im normalen Alltagsbetrieb hält ein Laufrad nahezu ewig, bei stärkerer Beanspruchung kann es schon mal nach 25 000 bis 30 000 Kilometern „durchgebremst“ sein.

An Carbon-Laufrädern werden spezielle Bremsklötze benötigt. In Härtetest zeigt sich immer wieder, dass die Bremsflächen so heiß werden können, dass sie Blasen bilden und das Rad unffahrbar wird.

Am öftesten kritisiert man an der Felgenbremse, dass sie schneller verschleißt und bei Regen bzw. nasser Felge weniger effektiv sein kann. Je nachdem, wie gut die Felgenbremse eingestellt ist, sinkt die Effektivität bei Nässe umso weniger. Felgenbremsen haben nur bei alten Gebrauchträdern ein wirkliches Problem mit Nässe - oder eben dann, wenn man sein Fahrrad durch Jahre der Vernachlässigung zum „Gebrauchtrad“ macht.

Andererseits haben Felgenbremsen den Vorteil, dass sie leichter sind, und dass sie günstiger sind. Billig muss nicht unbedingt schlecht bedeuten - denn viele Radler argumentieren folgendermaßen: Wenn man eine Felgenbremse und eine Scheibenbremse vergleicht, die beide aus der gleichen Preisklasse kommen, so gewinnt immer die Felgenbremse, was die Qualität der Herstellung und die reine Bremsleistung anbelangt.

Man unterscheidet bei Felgenbremsen zwischen Cantileverbremsen, V-Brakes und Seitenzugbremsen. Zusätzlich zu dieser Unterscheidung wird die Felgenbremse entweder mechanisch oder hydraulisch betätigt.

  • Seitenzugbremsen (Pivot / Dual Pivot): Sie sind klein, leicht und wirkungsvoll und daher die typischen Rennradbremsen. Tipp: Achten Sie darauf, dass die Halterungen für die Bremsgummis („Bremschuhe“) aus Metall sind, das verbessert die Wirkung. Die Bremsgummis lassen sich austauschen.
  • Cantileverbremsen: Hier sind die Bremsarme an den beiden Sitzstreben befestigt, dafür sind spezielle Sockel am Rahmen nötig. Die Bremsarme sind über einen Seilzug miteinander verbunden.
  • V-Bremsen: Ähneln den Cantileverbremsen, haben aber anstelle des verbindenden Seilzugs ein stabiles Metallröhrchen. Dieses gibt beim Bremsen nicht nach, wodurch die Bremswirkung etwas besser ist als bei Cantileverbremsen.
  • Hydraulische Felgenbremsen: Funktionieren über Öldruck und sind damit etwas wirksamer als die per Seilzug betätigten Felgenbremsen.

Sowohl Cantileverbremsen als auch V-Brakes benötigen spezielle „Canti-Sockel“ an der Gabel und den Sitzstreben, an denen die beiden separaten Bremsarme befestigt sind. An Rennrädern hat man keine Canti-Sockel, weil die Gabelscheiden des Rennrads zu dünn dafür sind. Deshalb setzt man hier in der Regel immer noch auf die älteren Seitenzugbremsen. Hier wird die Felge mit einer zangenförmigen Konstruktion abgebremst, die mit einem einzelnen Bolzen am Rahmen bzw. an der Gabel befestigt wird. Diese Bremse wird auch Zangenbremse genannt.

Ferner gibt es eine hydraulische Felgenbremse von Magura, mit der man die Vorzüge der Hydraulikbremse genießt, ohne auf Scheibenbremse umsteigen zu müssen.

Scheibenbremsen

Seit einigen Jahren sind Scheibenbremsen an Alltagsrädern auf dem Vormarsch. Hinsichtlich der Wirkung nehmen sich beide System kaum etwas. Die Hydraulik ist eleganter und einen Tick wirkungsvoller. Für die Entlüftung der Öldruckleitungen ist aber etwas Geschick erforderlich, die Bremsbeläge selbst sind einfach zu wechseln. Bei den Bremsbelägen gibt es metallische und organische Varianten. Die metallischen Beläge gelten als härter und langlebiger. So funktioniert es: Ein Bremssattel drückt beidseitig auf eine Scheibe, die sich rund um die Fahrradnabe befindet.

Hier wird eine Scheibe an der Vorder- bzw Hinterradnabe montiert, die sich mit dem Rad dreht. Durch Betätigung des Bremshebels packt ein Kolben an der Scheibe zu und bremst so das Rad ab. Um eine Scheibenbremse zu montieren, benötigt man eine entsprechende Aufnahme an der Gabel bzw. am Rahmen. Aufrüsten ist also schwierig. Beim Vorderrad ist das noch möglich - wenn man sich eine neue Gabel kauft - beim Hinterrad geht das nur, indem man den ganzen Rahmen austauscht.

Die Scheibenbremse hat den entscheidenden Vorteil, dass die Bremsfläche größer ist und somit eine bessere Bremsleistung erbracht wird. Man benötigt weniger Handkraft, um das Fahrrad abzubremsen, und das Bremsen funktioniert auch bei Nässe einwandfrei. Die Felgen verschleißen außerdem nicht mehr und insgesamt benötigt die Scheibenbremse weniger „Pflege“ als die Felgenbremse.

Aber was die Scheibenbremse kommerziell interessant macht für verschiedene Fahrräder, ist die Tatsache, dass das System skalierbar ist. Wenn man mehr Bremsleistung braucht (aufgrund von höherem Gewicht oder höherer Belastung), macht man einfach größere Scheiben an das Fahrrad. Deshalb wird die Scheibenbremse vor allem bei Mountainbikes, Tandemräder und Transporträdern gesehen. Aber auch bei neuen Trekking-, Fitness- und Crossbikes wird die Scheibenbremse langsam aber sicher zum Standard.

Nabenbremsen

Bei Nabenbremsen befindet sich der Bremsmechanismus befindet sich im Inneren der Nabe. Eine Nabenbremse wird entweder durch einen Handhebel (Trommelbremse) oder durch die Pedale (Rücktrittbremse) betätigt. Eine Nabenbremse, wie eine Rücktrittbremse, Trommelbremse oder Innenbandbremse, ist normalerweise an mehreren Stellen am Rahmen befestigt und muss mehrfach eingestellt werden.

Nabenbremsen sind weniger witterungsabhängig. Zudem können die beiden Reibpartner, Bremsbelag und Scheibe oder Trommel, optimal aufeinander abgestimmt werden - besser als bei Felgenbremsen. Dafür sind an Nabenbremsen (wegen des geringeren Bremskreisradius) höhere Reibkräfte erforderlich. Sie greifen - anders als Felgenbremsen - an den Enden des Rahmens an und belasten deshalb Rahmen und Vorderradgabel erheblich mehr. Diese müssen daher entsprechend stärker ausgelegt sein.

Durch die höhere Reibung auf kleinerer Bremsfläche entstehen bei Nabenbremsen auch erheblich höhere Temperaturen, die abgeführt werden müssen.

Rücktrittbremsen

So funktioniert es: Beim Bremsen wird eine Reibefläche aus Metall gegen die Innenwand der Nabe gepresst. Vor allem bei älteren Radlern nach wie vor beliebt.

Der Klassiker unter den Fahrradbremsen, der mittlerweile in Rente gegangen ist. Die Rücktrittbremse befindet sich innerhalb der hinteren Nabe. Das heißt, dass das Vorderrad nicht abgebremst wird, wenn man nicht noch eine zusätzliche Vorderradbremse montiert hat, die unabhängig vom Rücktritt funktioniert. Das sollte in jedem Fall auch gegeben sein. Denn die Rücktrittbremse birgt mehrere technische Nachteile, wodurch die Bremsleistung in verschiedenen Situationen vermindert wird.

Völlig unbetroffen von Witterung, da die Bremse im Nabengehäuse liegt. Wartungsarm und robust. An alten Rädern funktioniert die Rücktrittbremse daher meistens noch genau wie im Fabrikzustand - auch wenn die Herstellung schon mehrere Jahrzehnte zurückliegt… Zwei voneinander unabhängige Bremsen haben den Vorteil, dass die Chance eines gleichzeitigen Defekts beider Bremsen gegen null beträgt. Die Bremskraft wird durch die Beine gegeben, wodurch die Arme etwas entlastet werden.

Doch trotzdem wird die Rücktrittbremse als unsicher und unberechenbar angesehen: Wenn die Kette abspringt, kann die Rücktrittbremse nicht betätigt werden. Dosierung der Bremskraft sehr schwierig. Denn der Mensch verfügt in den Füßen über weitaus weniger Feinmotorik als an den Händen und Fingern. Das ist eben der Nachteil der Evolution… Die momentane Pedalstellung ist entscheidend für die Effektivität einer Notbremsung. Generell weniger effektiv in unwegsamen Geländer. Bei langen Abfahrten besteht die Gefahr der Überhitzung, wodurch die Bremse beschädigt werden kann.

Deshalb findet man die Rücktrittbremse so gut wie gar nicht mehr an Erwachsenenrädern. Nur an Kinderrädern wird die Rücktrittbremse häufig noch verbaut. Ein großes Sicherheitsrisiko, wie auch bei kinderfahrradfinder.de zu lesen ist: Die Bremsen am Kinderfahrrad: Exkurs - Bitte keinen Rücktritt.

Trommelbremsen

Haben meist spezielle Bremsbeläge. Man findet sie an Hollandrädern und vielen Citybikes. Sie sitzen im Vorderrad und werden über Seilzüge bedient.

Trommelbremsen wie Shimanos Rollerbrake oder die beliebte Rücktrittbremse sind zwar besonders wartungsarm, eignen sich aber wegen der schlechten Wärmeabfuhr kaum für lange Bergabfahrten. Es besteht die Gefahr, dass die Bremse heiß läuft und versagt. Ein hohes Fahrzeuggewicht (Mensch, Fahrrad plus Gepäck) verstärkt den Effekt. Moderne Trommelbremsen haben daher große Kühlscheiben, die optisch an Scheibenbremsen erinnern.

Von der Optik her ähnelt die Rollenbremse der Scheibenbremse, da eine Scheibe an der Bremse befestigt ist. Hier handelt es sich jedoch um eine Kühlscheibe, die den Fahrtwind aufnimmt und die Einzelteile der Rollenbremse abkühlt.

Rollenbremsen

Die Bremsbeläge werden wie bei der Trommelbremse von innen gegen eine Metalltrommel gedrückt. Bei Rollenbremsen reibt Metall auf Metall.

Weitere Bremsentypen

Stempelbremse

Die Stempelbremse ist eine extrem veraltete Fahrradbremse. Hier wird ein Bremsklotz aus Gummi von oben gegen den Vorderreifen gedrückt. Die Bremsleistung ist minimal und abhängig vom Zustand des Reifens (Nässe, Luftdruck). Außerdem entsteht so ein höherer Verschleiß am Reifen.

Diese Bremse stammt noch aus der Zeit der Hochräder, die Vollgummireifen besaßen. Dadurch war der Verschleiß geringer und die Bremsleistung noch etwas zuverlässiger. Außerdem wäre es eh gefährlich gewesen, ein Hochrad zu schnell abzubremsen. Bei modernen Fahrrädern ist diese Technik aber völlig fehl am Platz. Trotzdem wurde sie am Vorderrad eingesetzt, um die Rücktrittbremse am Hinterrad ein wenig zu unterstützen.

Vor allem in der DDR war die Stempelbremse noch bis in die 80er verbreitet.

ABS-Systeme für Fahrräder

Seit 2019 bieten verschiedene Anbieter ABS-Systeme für Scheibenbremsen an Fahrrädern an. Sensoren am Vorder- und Hinterrad reduzieren im Zusammenspiel mit einer elektronischen Steuereinheit am Lenker die Bremskraft, sobald die Räder zu blockieren drohen.

Wichtige Hinweise zur Sicherheit

Für alle Fahrradbremsen gilt: Sie dürfen weder zu viel noch zu wenig bremsen. Je geringer die Bremswirkung, desto länger der Bremsweg und desto höher das Risiko von Zusammenstößen. Ebenfalls gefährlich: Wenn die Vorderrad-Bremse zu hart zupackt. Dann blockiert das Rad, und Rad wie Fahrer überschlagen sich. Gefahr droht vor allem, wenn plötzlich ein Hindernis auftaucht und der Fahrer den Bremshebel in Panik mit aller Kraft zieht.

Neben den seit Kurzem erhältlichen ABS-Scheibenbremsen gibt es sogenannte Break Booster. Sie enthalten ein Federelement, das übermäßig starke Bremshebelkräfte vermeidet.

Ebenfalls wichtig: Bremsen müssen auch bei Nässe zuverlässig funktionieren. Sonst wirds gefährlich. Vor allem bei Nieselregen drohen böse Überraschungen: So lange die Felge noch feucht ist, muss der Fahrer kräftig bremsen, um die nötige Verzögerung zu erreichen. Ist die Felge trocken­gebremst, nimmt die Verzögerung plötzlich zu. Wenn dann ein Rad blockiert, kann es wegrutschen oder einen Überschlag verursachen.

Hersteller von Fahrradbremsen

Fahrradbremsen sind schon eine recht spezielle Angelegenheit, da es sich um sehr filigrane Bauteile handelt, auf die sich der Fahrer verlassen können muss. Wir stellen die bekanntesten Hersteller von Fahrradbremsen vor.

  • Shimano: Shimano ist immer die erste Wahl, wenn es um technische Fahrradkomponenten wie Schaltungsgruppen und Bremsen geht. An den Fahrradteilen von Shimano orientiert sich die gesamte Fahrrad-Industrie. Dabei richtet sich Shimano an alle möglichen Zielgruppen: Gelegenheitsfahrer wie auch Spitzensportler am Rennrad oder MTB. Dazu setzt sich Shimano durch ausgeklügelte Innovationen immer wieder von den Konkurrenten ab.
  • Magura: Bei Magura handelt es sich um eine Marke eines deutschen Konzerns - der Magenwirth Technologies GmbH. Seit der Gründung 1893 spezialisierte sich das Unternehmen auf Kunststoff, Elektronik und Hydraulik. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Magura nun vor allem für Hydraulikbremsen am Fahrrad bekannt ist.
  • Tektro: Tektro ist ein chinesischer Hersteller, der sich speziell auf Fahrradbremsen fokussiert. Mit Firmengründung 1986 handelt es sich um ein recht junges Unternehmen. Die Bremsen von Tektro zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie preiswert in der Anschaffung sind und trotzdem verlässliche Ergebnisse erbringen. Sie sind jedoch eher für Einsteiger und Alltagsradler geeignet.
  • SRAM und Campagnolo: SRAM und Campagnolo gehören mit zu den wichtigsten Herstellern von Fahrradbremsen.

Zusätzliche Tipps und Informationen

Die Bremsleistung eines Fahrrads ist regelmäßig zu überprüfen. Nur dann ist die Regulierung deiner Fahrtgeschwindigkeit gewährleistet. Das ist besonders wichtig, wenn du schnell unterwegs bist oder auf ungeeignetem Untergrund fährst.

Es wird empfohlen, die Bremsen nur vom Fachhändler einstellen zu lassen.

Wichtig, denn vor allem für Felgen- und Scheibenbremsen gilt: Überprüfe die Schrauben und die Beläge der Bremsen einmal im Monat auf Abnutzung!

  • Felgenbremsen einstellen und Bremsbeläge ersetzen, wenn: Die Einkerbungen auf der Oberfläche weniger als 2 mm tief sind (bei Direktzugbremsen 1 mm).
  • Scheibenbremsen einstellen und Bremsbeläge ersetzen, wenn: weniger als 1 mm dick sind.

Vor- und Nachteile von Felgen- und Scheibenbremsen im Vergleich

Felgenbremsen und Scheibenbremsen sind unterschiedliche Brems-Typen, die zwar jeweils eine gute Bremswirkung aufweisen, aber trotzdem ihre Stärken und Schwächen haben. Dabei gelten Vorteile einer Felgenbremse umgekehrt als Nachteil einer Scheibenbremse, während alle Vorteile der Scheibenbremse einen Nachteil der Felgenbremse darstellen. Exemplarisch ziehen wir die Bremsleistung bei Nässe heran.

Insgesamt geht der Trend ohnehin weg von der Felgenbremse hin zur Scheibenbremse. Das Interesse an Scheibenbremsen ist vor allem bei neuen Fahrrädern sehr hoch.

Wahl der richtigen Fahrradbremse

Wenn du dich damit beschäftigst, welche Fahrradbremse für dich und dein Rad nun die beste Fahrradbremse ist, spielt eine Frage die entscheidende Rolle. Wofür nutzt du dein Fahrrad? Davon abhängig wählst du die für dich richtige Fahrradbremse aus.

Die hydraulische Scheibenbremse bietet die beste Bremsleistung. Das ist insbesondere für Rennräder und Mountainbikes wichtig, wo es auf eine gute Bremskraft und Bremswirkung ankommt. Auch bei schweren E-Bikes bieten sich hydraulische Scheiben- oder Felgenbremsen an.

Bei Fahrrädern, die im Stadtverkehr genutzt werden, ist eine Scheibenbremse eher nicht sinnvoll. Da genügt eine Felgenbremse, die durch ihr geringes Gewicht und einen niedrigeren Preis punktet.

Hinweis zur Montage

Wenn du an deinem Fahrrad die Fahrradbremse wechseln willst, musst du darauf achten, dass sich die neue Bremse auch montieren lässt.

Vorteile der Scheibenbremse

Im Gegensatz zur herkömmlichen Seilzugbremse braucht die Scheibenbremse sehr wenig Wartung. Die Scheibenbremse ist selbstnachstellend, es muss nichts geölt werden, selten müssen die Beläge erneuert werden. Sie ist gut dosierbar und mit wenig Kraftaufwand zu betätigen.

Korrektes Einbremsen neuer Bremsbeläge

Egal ob Schnee, Regen oder Trockenheit - Wer neue Beläge richtig einbremst, kann sich immer auf volle Bremskraft verlassen. Die Einführung der Scheibenbremse am Fahrrad war ein Quantensprung in Puncto Sicherheit und Fahrspaß. Warum? Weil man sich nun endlich auf eine stets gleichbleibende und kraftvolle Bremsleistung verlassen konnte. Denn bei einer Scheibenbremse handelt es sich um ein geschlossenes System mit aufeinander abgestimmten Komponenten. Außerdem sitzt eine Scheibenbremse im Zentrum des Laufrades, wo Nässe und Schmutz weniger Einfluss auf die Bremswirkung nehmen können, als außen an der Felge.

Aber es gibt auch Nachteile: Die Hebelverhältnisse in der Laufradmitte sind nicht optimal. Dadurch muss eine Scheibenbremse sehr stark zubeißen können, um das Rad zum Stillstand zu bringen. Dabei entsteht viel Wärme, die abgeleitet werden muss. Und es gibt verschiedene Arten von Belägen im Handel, die das System beeinflussen. Umso wichtiger ist das richtige Einbremsen, sobald man neue Beläge eingesetzt hat.

Drei gute Gründe für richtiges Einbremsen

  • Maximale Bremswirkung erzielen: Rauhe Oberflächen auf Belag und Scheibe werden beim Einbremsen geglättet. Erst dann liegen beide Reibpartner plan und großflächig aufeinander.
  • Bremsbeläge widerstandsfähig machen: Ab Werk besitzt ein Bremsbelag noch nicht die größtmögliche Härte. Er enthält Stoffe, zum Beispiel Bindemittel, die durch Hitze herausgelöst werden müssen, damit sich eine optimale Reibschicht bildet. Diese Hitze muss beim Einbremsen erzeugt werden.
  • Geld sparen: Das Einbremsen macht die Beläge lange haltbar. Deshalb sparst du unterm Strich bares Geld.

Basiswissen - Organische vs. Gesinterte Bremsbeläge

Im Handel findet man im Wesentlichen zwei Arten von Bremsbelägen: Organische Beläge, gefertigt aus mehrheitlich organischen Stoffen. Und gesinterte Beläge, bestehend aus gepressten Metall- und Keramikteilen. Eher selten sieht man Semi-Metall-Beläge, eine Mischform aus organisch und gesintert.

Generell kann man sagen: Organische Beläge neigen weniger zu Quietschgeräuschen als gesinterte Beläge. Sie haben eine etwas höhere Bremsleistung, verschleißen aber unterm Strich schneller. Die Metall-Kollegen vertragen höhere Temperaturen, erzeugen aber auch mehr Hitze im Bremssystem. Die Beläge selbst sind standfest, aber sie verschleißen die Scheiben schneller als organische Beläge.

Egal für welchen Typ man sich letztlich entscheidet - Das richtige Einbremsen muss sein!

Erst nach 30 Vollbremsungen sind neue Beläge bereit für seriösen Einsatz.

Das Einbrems-Prozedere in der Praxis

Oberflächen glätten

Lasse dazu die Bremsen auf einer Straße mit geringem Gefälle leicht schleifen. Also wirklich nur leicht schleifen lassen, aber das über eine Strecke von mehreren Hundert Metern.

Reibschicht bilden

Dieser Vorgang muss für jede Bremse, also vorne und hinten separat durchgeführt werden - und das je etwa 30 Mal! Bremse dazu das Bike aus einer Geschwindigkeit von etwa 25 km/h heraus beherzt bis fast zum Stillstand ab. Achte darauf, dass das Rad nicht blockiert. Du wirst feststellen, dass die Bremsleistung bei den ersten Versuchen eher schwach ist, aber bald darauf mit jedem weiteren Versuch ansteigt.

Lösungsmittel ausgasen

Dieser Schritt ist vor allem bei organischen Belägen essentiell wichtig. Dazu die Bremse auf einer längeren und/oder steilen Abfahrt einmal richtig heiß bremsen. Auch hierbei wirst du feststellen, dass die Bremsleistung nach einer Weile abnimmt - das so genannte Fading hat eingesetzt. Jetzt aber den Bremsvorgang noch etwas länger fortsetzen. Erst dann kannst du das Einbremsen beenden.

Tipps zur Vermeidung von Problemen mit Scheibenbremsen

Scheibenbremsen neigen dazu Geräusche zu verursachen. Das kann kommen und gehen. Sie können manchmal schleifen (z.B. Kurvenlage) oder auch quietschen. Dies ist bis zu einem gewissen Grad völlig normal und bauartbedingt. Durch leichtes langanhaltendes Bremsen können die Bremsbeläge sehr heiss werden und dadurch die Beläge verglasen. Das führt zu schlechter Bremswirkung und Geräuschentwicklung. Deshalb ist es besser kräftig intervallmäßig zu bremsen. Sollten die Bremsbeläge verglast sein, ist es möglich, den verglasten Teilbelag, bei hoher Geschwindigkeit durch langes mehrfaches kräftiges Bremsen (am besten Bergab) wieder wegzuschleifen.

Fett oder Öl auf den Bremsbelägen schränkt die Funktion der Bremse stark ein und in der Regel müssen dann die Beläge getauscht werden. Um dies zu vermeiden sollte man darauf achten dass beim Ölen der Federgabel und schmieren der Kette kein Öl auf die Bremse kommt.

Die Scheibenbremsanlage ist ein sogenanntes offenes System (ähnlich dem Motorrad). Wenn Sie das Fahrrad auf den Kopf stellen, kann es sein, dass Luft vom Bremshebel- /Ausgleichsbehälter in die Leitung steigt. Ist das der Fall, haben sie einen weichen Druckpunkt, ein „schwammiges“ Gefühl und eine schlechte, bis gar keine Bremswirkung. Um dies zu vermeiden, sollten Sie daher, wenn Sie das Fahrrad auf den Kopf stellen, oder im liegend transportieren möchten, die Bremsleitungen verschließen. Das heißt, ganz einfach mit einem Gummiband (um den Hebel und Griff) den Hebel fixieren. Möchten Sie das vordere oder hintere Rad ausbauen um das Rad auf den Kopf zu stellen oder liegend zu transportieren, legen Sie bitte unbedingt den Kunststoff Abstandhalter (orange) zwischen die Bremsbeläge. Anschließend wie oben beschrieben, den Bremshebel fixieren.

Allgemeine Tipps zum Bremsen mit dem Fahrrad

  • Auf mittlere Geschwindigkeit beschleunigen und gleichmäßig auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen (nicht vollständig Stoppen).
  • Auf etwas höherer Geschwindigkeit beschleunigen und auf Schrittgeschwindigkeit abbremsen (nicht vollständig Stoppen).
  • Bei einem neuen Fahrrad die Bremsen vorsichtig abseits des Verkehrs ausprobieren.
  • Immer mit beiden Bremsen bremsen. Dabei mit der Vorderradbremse stärker bremsen, da sie wegen der Gewichtsverlagerung beim Bremsen die größere Bremswirkung bietet.
  • Abgefahrene und alte Bremsklötze rechtzeitig austauschen.

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