Der Fahrradreifen ist eines der wichtigsten Fahrradteile am Fahrrad. Ohne ihn lässt sich ein Rad nicht fortbewegen. Reifen für das Fahrrad gibt es in vielen verschiedenen Varianten.
Die Fahrradreifen unterscheiden sich beim Aufbau, Reifenprofil und Material. Oft wird für den Reifen auch der Begriff des Fahrradmantels angewendet. Der Fahrradreifen ist neben der Felge und dem Schlauch ein Bestandteil eines Laufrades.
Bestandteile eines Fahrradreifens
Ein Fahrradreifen besteht aus mehreren Komponenten. Die meisten Bestandteile sind dabei nicht direkt zu sehen, weil sie sich im Innern eines Fahrradreifens befinden.
- Reifenlauffläche: Sie ist im Alltag als Reifenprofil bekannt und hat Kontakt zum Fahrbelag. Das Profil gestaltet sich abhängig vom Reifentyp und der speziellen Verwendung variabel.
- Pannenschutz: Nicht alle Reifen haben einen solchen Schutz integriert. Der Pannenschutz liegt direkt unter dem Profil.
- Reifenwulstkern: Als Reifenwulstkern wird die Reifenkante bezeichnet, die in der Felge sitzt.
- Reifenkarkasse: Ganz im Innern des Fahrradreifens befindet sich die Reifenkarkasse. Sie ist der Unterbau, auf dem die Reifenlauffläche liegt. Die Qualität der Karkasse eines Reifens wird in Fäden pro Zoll oder Threads per Inch (TPI) angegeben.
Materialien und ihre Eigenschaften
Die schwarze Farbe eines Fahrradmantels entsteht durch Ruß, der bei der Vulkanisierung zugemischt wird, um die Performance der Reifen zu verbessern und lästige Plattfüße zu vermeiden.
Die Gummimischung eines Reifens besteht aus mehreren Bestandteilen:
- Natur- und Synthetikkautschuk
- Füllstoffe, z. B. Ruß oder Kieselsäure/Silica
- Weichmacher, z. B. Öle, Fette
- Alterungsschutzmittel
- Vulkanisationsmittel, z. B. Schwefel
- Vulkanisationsbeschleuniger, z. B. Zinkoxid
- Pigmente, Farbstoffe
Dabei hat der Kautschuk je nach Gummimischung einen Anteil von 40-60 %. Die Füllstoffe machen zwischen 15-30% aus und die restlichen Bestandteile ca.
Gummimischungen verschiedener Hersteller
Viele Hersteller verwenden spezielle Gummimischungen, um die Reifenleistung zu optimieren. Hier eine Übersicht einiger bekannter Mischungen:
- Black Chili Compound (Continental): Bietet weniger Rollwiderstand, mehr Laufleistung und mehr Grip im Vergleich zu Serien-Gummimischungen.
- Pure Grip Compound (Continental): Vereint hervorragende Grip- und Laufeigenschaften.
Karkasse
Die Karkasse ist das „Gerüst“ des Reifens. Das textile Gewebe ist beidseitig mit Gummi beschichtet und im 45 Grad Winkel geschnitten. Durch diesen Winkel zur Laufrichtung kann die Karkasse dem zukünftigen Reifen die nötige Stabilität geben. Alle Schwalbe Karkassen sind aus Polyamid (Nylon). Je nach Qualitätsstufe der Reifen sind die Karkassenmaterialien unterschiedlich dicht gewebt.
Die Dichte des Karkassengewebes wird in EPI oder TPI (Ends per Inch, Threads per Inch = Fäden pro Zoll) angegeben. Es gibt z. B. Fahrradreifen mit 20, 24, 37, 50, 67 und 127 EPI Karkassen.
Reifengröße und -breite
Die Größe eines Fahrradreifens bestimmt sich über den Durchmesser der Felge und wird in Zoll angegeben. Bei einem Fahrrad für Erwachsene beträgt die Größe meistens 28 Zoll.
Der in Europa am weitesten verbreitete Standard zur Bestimmung der Reifengröße ist die sogenannte Europäische Reifen- und Felgennorm (ETRTO). Die Angaben zur Größe des Fahrradreifens befinden sich an der Seite des Mantels.
Beispielsweise sagen die Zahlen 40-622 aus, dass der Reifen eine Breite von 40 Millimeter und einen Innendurchmesser von 622 Millimeter aufweist. Alternativ ist auch die Größe in Zoll angegeben.
Mit Hilfe dieser Angaben können Fahrradbesitzer herausfinden, welche Größe ihre aktuelle Bereifung hat. Nachdem die richtige Reifengröße in Zoll ermittelt wurde, folgt die Reifenbreite als nächstes Kriterium für die richtige Kaufentscheidung.
Die Reifenbreite ist das Merkmal mit dem größten Einfluss auf die Performance und das Fahrverhalten auf dem Fahrrad. Unter der Maßgabe, dass Reifen den gleichen Luftdruck haben, laufen breite Reifen besser als schmale Reifen.
Das heißt also, je höher der Luftdruck im Reifen ist, desto weniger verformt er sich und desto geringer ist die Aufstandsfläche. Für gewöhnlich verfügen schmale Fahrradreifen aber über einen höheren Luftdruck.
Trekkingräder oder Mountainbikes haben standardmäßig sehr häufig einen Reifen mit einer Breite von 37 Millimetern. Sie bieten im Gegensatz zu schmalen Reifen wesentlich mehr Fläche und damit Grip, der sich vor allem im Gelände oder Off-Road-Bereich bezahlbar macht.
Wer mit dem Rennrad oder City-Bike eher auf asphaltierten Wegen fährt, setzt lieber auf schmale Reifen.
Reifenprofil und Fahrverhalten
Das Reifenprofil ist ein weiteres Attribut mit einem relevanten Einfluss auf das Fahrverhalten. Grundsätzlich wirken sich die Breite und das Profil auf den Grip aus. Je mehr davon vorhanden ist, desto größer ist die Griffigkeit der Bereifung. Allerdings erhöht sich dadurch die Reibung und der Rollwiderstand.
Ein Rennrad-Reifen ist schmal und besitzt meistens eine sehr glatte Außenfläche. Die profillosen Reifen werden auch Slicks gekannt.
Welcher Fahrradreifen sich für welchen Bodengrund eignet, hängt von der Fahrstrecke ab, die überwiegend mit dem Fahrrad zurückgelegt wird. Rennrad-Reifen gelten als schmalster Reifentyp.
Durch die minimale Auflagefläche entsteht kaum Reibung, so dass damit ein sehr geringer Rollwiderstand auf dem Asphalt entsteht. Dagegen haben Mountainbike-Reifen eine breite Auflagefläche und häufig auch Stollen.
Passend für den Alltag sind eher Crossbike-Reifen oder Trekkingbike-Reifen. Sie sind schmal, haben ein glattes Profil und rollen dadurch auf einem ebenen Untergrund besonders komfortabel.
Stollen an den Seiten oder ein etwas gröberes Reifenprofil bieten in Kurven oder auf Schotterwegen die nötige Stabilität. Wer nur auf befestigten und ebenen Wegen unterwegs ist, fährt mit Citybike-Reifen bestens.
Besonders im Winter sind manche Radler abseits der Straßen und Wege mit Spike-Reifen unterwegs. Diese Reifen haben in ihre groben Stollen kleine Metallnadeln integriert, mit denen das Fahrradfahren auch bei Eis und Schnee möglich ist, ohne dabei sofort ins Rutschen zu kommen.
Reifenarten: Drahtreifen, Faltreifen, Schlauchreifen und Tubeless-Reifen
Fahrradreifen lassen sich nicht nur über Typen klassifizieren, die in bestimmten Anwendungsbereiche ihre Vorteile ausspielen. Eine weitere Möglichkeit, Fahrradreifen zu unterscheiden, besteht darin, sie nach der Art ihrer Architektur und Beschaffenheit einzuordnen.
Drahtreifen
Ob MTB oder City-Fahrrad: Der Drahtreifen ist die meistverbaute Variante unter den Fahrradreifen. Der Name beruht darauf, dass am unteren Ende des Reifens ein steifer Draht zu finden ist.
Faltreifen
Beim Faltreifen handelt es sich um eine spezielle Variante des Drahtreifens. Statt des Drahtes halten Fasern aus Kunststoff den Reifen stabil. Die Fasern bestehen meist aus Aramid oder Kevlar und sorgen dafür, dass Faltreifen ein geringeres Gewicht aufweisen.
Durch das geringere Gewicht können sie gefaltet und beispielsweise im Rucksack verstaut werden. Dafür sind herkömmliche Drahtreifen wesentlich günstiger im Preis.
Schlauchreifen
Eine weitere Reifenart ist der Schlauchreifen, bei dem der Fahrradschlauch direkt an den Reifenmantel festgenäht und komplett auf die passende Felge geklebt wird. Weltweit sind Schlauchreifen als Tubular-Reifen bekannt.
Ein guter Pluspunkt bei Schlauchreifen ist, dass keine stabilen Hakenflanken benötigt werden; denn sie werden direkt mit der Felge verbunden. So können diese Laufräder einfach konstruiert werden und noch dazu wird am Laufrad an Gewicht gespart.
Ebenso von Vorteil ist es, dass sie aufgrund ihrer Beschaffenheit bei einem Platten nicht von der Felge rutschen und Sie quasi auf dem Reifenmantel weiterrollen müssen. Im Rennrad-Sport wird schon seit längerem auf Schlauchreifen gesetzt.
Ein großer Nachteil ist, dass Sie für die Schlauchreifen-Montage auf die Laufräder und auch beim Reifenwechsel im Falle einer Panne einiges an Erfahrung und Geduld mitbringen müssen.
Tubeless-Reifen
Tubeless-Reifen sind das Gegenteil der Schlauchreifen. Sie kommen gänzlich ohne Schlauch aus.
Der Name sagt schon aus, dass diese Reifen ohne Schlauch auskommen. Die Nutzer dieser Variante fahren vor allem ein MTB oder üben Radsport aus. Vorteile ergeben sich aber auch für Fahrer eines City-Bikes oder beim Trekking.
Das Flicken eines Schlauches nach einem Defekt gehört damit der Vergangenheit an. Reifen und Felge sollten dieselbe Größe in Zoll vorweisen. Außerdem müssen die Felgen das Prädikat Tubeless-Ready (TL-Ready) erfüllen. Das passende Felgenband ist ebenfalls notwendig, falls die Felgen nicht luftdicht sind.
Der wohl größte Vorteil eines Tubeless-Reifen ist sicherlich die Pannensicherheit: Wie der Name ja bereits sagt, gibt es hier keine Schläuche - somit kann auch kein Schlauch platzen. Lediglich ein wirklich großer Riss im Mantel könnte einen Platten verursachen. Damit dies nicht einfach passiert, wird im Tubeless-Reifen eine Pannenschutzflüssigkeit eingefüllt.
Ein weiterer Vorteil ist, dass zwischen Fahrradreifen und -schlauch keine Reibung entstehen kann (da ja kein Schlauch vorhanden ist) und der Rollwiderstand verringert werden könnte.
Auswahl des richtigen Reifens
Wer Fahrradreifen kaufen möchte, hat die Wahl zwischen Falt- oder Drahtreifen. Grundsätzlich handelt es sich bei diesen Reifenvarianten jeweils um Drahtreifen. Beide Reifenarten werden durch Drähte im Fahrradmantel stabil zusammengehalten. Die Drähte geben den Reifen erst ihre runde Form.
Der richtige Reifen für das Rennrad ist essenziell. Bei diesen Fahrradreifen kommt es darauf an, ein gutes Mittelmaß zwischen geringem Rollwiderstand, Handling, Grip und Preis zu finden.
Wichtig ist, dass die Reifen immer mit den Felgen harmonieren. Bei dünnen Reifen für das Rennrad ist eine dünne Felge nötig. Bei den Reifen für Mountainbikes bestehen große Unterschiede bei der Reifenbreite und der Reifengröße. Sie reicht von 26 Zoll über 27,5 Zoll bis hin zu 29 Zoll.
Pedelecs oder E-Bikes mit einem Kennzeichen benötigen Fahrradreifen, die eine bestimmte Norm erfüllen und für eine Geschwindigkeit bis zu 50 km/h zugelassen sind. Sie haben eine spezielle Gummimischung, die für einen besseren Halt in der Kurve, vor allem bei hohen Geschwindigkeiten, und eine längere Haltbarkeit sorgt.
Diese Art der Fahrradbereifung ist jedoch auch für normale Fahrräder verwendbar.
Pannenschutz und Reparatur
Beim Kauf von neuen Fahrradreifen stellt sich daher vor allem auch die Frage, wie anfällig der Fahrradmantel ist. Mittlerweile sind sogenannte unplattbare Reifen erhältlich.
Nicht selten passiert es, dass plötzlich eine Scherbe aus Glas, ein Nagel oder andere Fremdkörper im Reifen stecken. Dann ist bestenfalls nur der Reifenmantel, oft aber auch der Fahrradschlauch defekt.
Bevor Radfahrer jedoch den kompletten Wechsel des Fahrradreifens in Angriff nehmen oder den Fahrradschlauch wechseln müssen, besteht die Chance, dass sich mit einer kleinen Reparatur der Schaden beheben lässt.
Häufige Schäden wie ein platter Reifen können selbst repariert werden, ohne eine Werkstatt aufzusuchen. Wer sich für fähig hält, im Fall einer Panne den Schaden selbst zu beheben, sollte immer passendes Werkzeug und Ersatzteile mitführen.
Ein Reifen ist permanent äußeren Einflüssen ausgesetzt. Dazu zählen unter anderem die Belastung durch das Fahren auf nicht asphaltierten oder unebenen Strecken, die Wetterbedingungen und die Bedingungen beim Lagern des Bikes.
Beim Fahren besteht immer die Gefahr, dass ein Fremdkörper in den Mantel eindringt und er dadurch aufreißt oder brüchig wird. Im Normalfall sind kleinere Risse am Mantel leicht zu beheben, doch wenn das zu oft nötig ist, verliert der Reifen den Grip und bietet keinen ausreichenden Schutz mehr für den darunter liegenden Schlauch.
Dann ist es empfehlenswert, den Fahrradreifen zu tauschen. Alte Reifen können auf dem Wertstoffhof oder bei einem Fahrradhändler zurückgegeben werden.
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