Endlich ist es so weit! Das Wetter passt, die Route ist geplant und der Urlaub genehmigt. Bevor du dich ins Abenteuer stürzt, solltest du sicherstellen, dass du an alles gedacht hast. Für Motorradfahrer gibt es fast nichts Schöneres, als mit dem Bike und ein paar Freunden eine Motorrad-Tour zu machen.
1. Das A und O: Das Motorrad
Das ist offensichtlich, aber du wärst überrascht, wie oft jemand darauf vergisst. Unser geliebtes Zweirad will auf die Reise vorbereitet werden. Das gilt doppelt, wenn auf der Tour Offroad-Strecken oder High-Speed-Passagen geplant sind. Sind die Bremsbeläge in Ordnung? Halten Kette und Ritzel die geplanten Kilometer noch aus? Wann wurden die Flüssigkeiten das letzte Mal getauscht? Es gibt wenig ärgerlicheres, als wenn die Tour durch einen vermeidbaren technischen Defekt unterbrochen werden muss. Starte mit einem Bike in Top-Zustand - unterwegs kann auch so noch genug schiefgehen.
2. Die richtige Kleidung
Eigentlich ein Nobrainer, doch noch immer fahren sehr viele Biker mit unpassender Bekleidung auf die Tour. Egal, ob du in die Berge oder an den Strand fährst, deine Sicherheit sollte an erster Stelle stehen. Helm, Handschuhe, Motorradjacke und -hose sowie geeignetes Schuhwerk sind ein Muss. Außerdem kann die richtige Kleidung deine Tour auch noch deutlich angenehmer machen. Eine gute wasser- und winddichte Kombi gibt dir in kalten Gegenden mehr Widerstandskraft gegen die Elemente und du hast mehr von der Reise. Auch für heiße Temperaturen gibt es passende Kleidung, ohne dass man auf Sicherheit verzichten muss. Selbst Biker-Equipment im Alltagslook gibt es für diejenigen, die den Casual-Look feiern. Wenn du deine Kleidung nicht anziehen möchtest, weil sie dir zu umständlich ist, dann ist es vielleicht Zeit für was Neues.
3. Werkzeug und Ersatzteile
Du weißt nie, wann du eine Panne hast. Ein kleiner Werkzeugsatz und einige Ersatzteile wie Sicherungen, Glühbirnen und Schläuche können den Unterschied zwischen einer kurzen Pause und einer mühsamen Rettungsaktion ausmachen. Gerade bei modernen und größeren Bikes kommt es dabei häufig vor, dass an relevanten Stellen Spezialwerkzeug oder unübliche Dimensionen benötigt werden. Also unbedingt rechtzeitig vor dem Start der Tour einmal überlegen, welche Schrauben und Muttern im Falle einer Panne gelockert werden müssen und ob man dafür auch das richtige Werkzeug besitzt. Passe dein Werkzeug an dein Motorrad und das Risiko-Level deiner Tour an.
4. Das Gepäcksystem
Ein zuverlässiges Gepäcksystem ist unerlässlich, um deine Sachen sicher zu verstauen. Welches Gepäcksystem dabei die beste Wahl ist, hängt stark von der Art der Tour ab und auch dein Reisestil hat großen Einfluss. Fährst du gerne dynamisch? Dann suche nach möglichst leichten Gepäcklösungen. Wirst du mehrere Nächte in einer Unterkunft verbringen? In dem Fall empfehlen sich Gepäcksysteme, welche du flott abmontieren und im Hotel lassen kannst. Auf den folgenden, kurzen Tagestouren bietet sich dann zum Beispiel ein Tankrucksack oder leichter Rucksack an. Geht es eher in wilde Gegenden und du bis ständig in Bewegung, dann sind verschließbare und robuste Koffer dein Freund. Wird es noch abenteuerlustiger, dann wiederum könnten sich die leichteren und enger anliegenden Adventure-Softgepäcksysteme auszahlen. Wenn du die Art deiner Trips immer wieder änderst und vielseitig reist, dann schau dir erweiterbare Gepäcksysteme an. Passe dein Gepäcksystem an deine Reise an.
5. Navigation
Ob GPS-Gerät, Smartphone-Halterung oder klassische Straßenkarten, du möchtest nicht in der Pampa verloren gehen. Stell sicher, dass du weißt, wo du hinwillst. Aber stelle auch sicher, dass du weißt, wie du hinnavigierst. Denn heutzutage kann man sowohl mit 500 € teuren Navis, als auch nur mit dem Smartphone quer durch die Welt navigieren. Selbst wenn du sogar lieber auf Papierkarten vertraust, das wichtigste ist, dass du sattelfest mit deinem Navigationssystem bist. Teure Navigationsgeräte sind nutzlos, wenn man mit der Fülle an Funktionen heillos überfordert ist. Smartphone Apps sind toll, solange man mit ihnen umgehen kann und ihre Limits kennt. Vor allem vor Abenteuer-Touren in menschenverlassene Gegenden sollte man lieber das System austesten und sichergehen, dass man zurechtkommt. Beim Smartphone kommt noch das Problem der Akkulaufzeit und Überhitzung hinzu, dafür kosten professionelle Navis viel Geld. Egal ob Smartphone oder High-Tech-Navi - Hauptsache, man kennt sich mit seiner Navigation zu 100% aus.
6. Weniger ist mehr
Durch den westlichen Wohlstand sind wir allgegenwärtigen Luxus gewöhnt, doch zu viel Gepäck kann durch übermäßiges Gewicht am Bike und mühsames Dauersuchen nach dem richtigen Gegenstand die Reisefreude trüben. Aus Erfahrung weiß ich, dass man selbst bei zurückhaltender Packweise noch immer mehr mitnimmt, als man eigentlich braucht. Was mir geholfen hat, sind erstens multifunktionale Kleidungsstücke. Zum Beispiel Hosen mit abzippbaren Hosenbeinen, die sowohl lang als auch kurz getragen werden können. Mag nicht besonders modisch sein, aber zumindest bei meinen Motorradtrips stehen keine Galas oder Abendessen im Hauben-Lokal am Programm. Als warme Kleidungsstücke empfehle ich dünne Daunenjacken, die sich sehr klein zusammenpressen lassen, statt dicker Pullover oder Westen. Was mir noch geholfen hat mein Reisegepäck wesentlich zu verringern, ist das bekannte Rei in der Tube. Dieses Waschkonzentrat ist perfekt für schnelle Waschvorgänge unterwegs. Ein Waschbecken und 10 Minuten reichen aus, und schon ist die Kleidung nach dem Trocknen wieder frisch. Dadurch war es mir möglich, teils auch für längere Touren nur 3 Sets an Kleidung mitzunehmen.
7. Hygieneartikel
Mag ein kontroverserer Punkt sein und sicherlich auch stark abhängig von der Art der Tour. Doch wenn man in der Zivilisation unterwegs ist, dort bleibt und dementprechend seine Mitmenschen nicht geruchlich belästigen möchte, dann ist die Chance auch recht hoch, dass abends sowieso eine feste Unterkunft mit bereitgestellten Handtüchern, Duschgel und Seife wartet. Also kann man sich einige Hygieneartikel auch gleich sparen. Sobald es aber abenteuerlich wird, man auf solchen Luxus verzichten muss und vielleicht auch das Gepäck knapp wird, dann ist mein Motto: Ein bisschen stinken hat noch niemanden umgebracht. Wenn es hart auf hart kommt, dann spare ich eher bei Seife und Co., nehme mir meist nur ein Duschgel in der kleinen Reisedimension (oft in Hotels verfügbar) mit und fertig. Wartet am Abend ein Luxushotel, oder nur ein rudimentärer Schlafplatz auf dich?
8. Erste Hilfe und Reiseapotheke
Unfälle passieren, also sei vorbereitet. Ein einfaches Erste-Hilfe-Set kann in Notfällen Leben retten, weshalb diese hierzulande sowieso verpflichtend mitzuführen sind. Aber selbst wenn es nicht gleich um Leben und Tod geht, lohnt es sich eine durchdachte Reiseapotheke mitzunehmen. Es braucht nur ein bisschen Pech und schon passiert ein Missgeschick, die Maschine kippt um und auf den Fuß. Selbst ohne Bruch kann so ein Hoppala recht schmerzhaft ausfallen und die nächsten Urlaubstage vermiesen. Zum Glück gibt es moderne Medizin, also her mit den Schmerzmitteln. Voll zudröhnen ist auch nicht Sinn der Übung, aber so ein Ibuprofen oder Parkemed können Wunder wirken und das lästige Wehwehchen in den Hintergrund schieben. Auf solche Vorfälle, genauso wie auf mögliche Darmbeschwerden, Übelkeit, Kopfweh oder leichte Entzündungen, sollte man vorbereitet sein. Die notwendigen Medikamente nehmen nicht viel Platz ein, können einem die Tour im Fall des Falles aber sogar retten. Und passend dazu: Auch eine Rolle Klopapier ist meiner Meinung nach essentiell.
9. Essen und Trinken
Noch so ein vermeintlicher No-Brainer. Doch erst kürzlich haben Kollege Schaaf und ich bei unserer letzten privaten Tour im Norden Griechenlands auf die essentielle Versorgung vergessen bzw. ihr nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und schon gab es nach einer aus dem Ruder gelaufenen Panne, inklusive Motorräder zurücklassen, in einer Ruine schlafen, Euro-Notruf und Rettungsaktion, ganze 30 Stunden lang nichts zu futtern. Selbst wenn man eigentlich nur eine kurze Tagestour machen möchte, zahlt es sich aus zumindest ein paar Müsli-Riegel oder Snacks einzupacken. Es muss ja nicht gleich so eskalieren wie auf unserer Tour, schon ein paar Stunden mit knurrendem Magen sind lästig genug, um sich ein paar Riegel sehnlichst herbeizuwünschen. Noch wichtiger ist ausreichend Trinkwasser mitzuführen, vor allem im Hochsommer wenn man unter der Motorradkombi ausrinnt und viel Flüssigkeit verliert.
10. Flexibilität
Viele unserer Tipps sollen dir beim Planen helfen, nicht so jedoch dieser letzte. Wir tendieren dazu, wie im Arbeitsleben auch unsere Freizeitgestaltung minutiös durchzuplanen. Für die Tour wird die Route genauestens vorgeplant und jeder Tagesstopp wie ein einzuhaltender Termin behandelt. Dabei geht aber die Freiheit verloren, auf der Motorradtour einfach mal seinem Bauchgefühl zu folgen und interessante Straßen oder Orte zu erkunden, denen man zufällig begegnet. Deshalb mein persönlicher Tipp: Lieber in der Planung etwas Raum für Ungeplantes lassen. So kann man bleiben, wo es einem gefällt und mehr die Tour selbst genießen, anstatt einem selbstauferlegten Zeitplan nachzuhetzen. In Zeiten des Internets ist es zumindest laut meinen Erfahrungen für Einzelpersonen und kleinere Gruppen kein Problem, auch spontan und rasch eine Bleibe für die Nacht zu organisieren.
Mit dieser Checkliste bist du bereit, die Straße zu erobern. Denk daran, dass die Freiheit auf zwei Rädern mit der richtigen Vorbereitung und etwas Wiggle-Room im Zeitplan noch viel mehr Spaß macht.
Weitere Tipps für die Planung
Doch bevor es losgeht, müssen ein paar Dinge geplant und erledigt werden. Eines gleich vorweg: Natürlich gibt es viele Wege, um eine Motorradtour zu planen und durchzuführen. Einige planen wenig bis gar nichts und fahren für eine Woche einfach los Richtung Süden. Andere planen ein Jahr lang und fahren mit jeder Menge Technik und Gepäck rund um den Globus. Es gibt daher unterschiedliche Ansätze, wie man eine Motorradtour plant.
Schritt 1: Teilnehmer
Die erste Frage, die es zu klären gilt, ist die der Teilnehmer. Fahre ich allein oder mit Freunden? Faustregel: Je mehr Personen mitfahren, desto komplizierter wird die ganze Angelegenheit. Je länger die Reise werden soll, desto mehr fällt die Frage nach den Eigenarten der Teilnehmer ins Gewicht. Sind z.B. Raucher dabei, die alle halbe Stunde eine Pause für mindestens drei Zigaretten benötigen? Gibt es unterschiedliche Vorstellungen für die Art der Unterkünfte? Kann sich der eine vielleicht nur B&B leisten, während der andere am liebsten in 5-Sterne Hotels nächtigt? Diese Liste könnte man unendlich fortführen und oft merkt man erst während einer Reise, dass die Teilnehmer doch stark unterschiedliche Vorstellungen von deren Durchführung hatten. Da hilft nur eins: VOR der Reise alles Nötige be- bzw. absprechen. Damit sind jetzt weniger die Strecke und die Unterkünfte gemeint, sondern eher die Vorlieben der Teilnehmer. Gibt es jemanden, der so stark schnarcht, dass Einzelzimmer unvermeidlich sind? Muss jemand unterwegs Medikamente besorgen oder kann nur bestimmte Restaurants ansteuern, weil er Lebensmittel-Allergien hat? Möchte der eine Teilnehmer gerne möglichst viel Strecke machen, während der andere lieber oft anhält, um sich Sehenswürdigkeiten anzusehen? Solange man diese Dinge vor der Reise angesprochen hat, weiß jeder, worauf er sich einlässt. Zu guter Letzt sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass unterschiedliche Fahrstile zum Problem werden können. Erfahrene Biker wollen vielleicht einen Pass nach dem anderen unter die Räder nehmen - und zwar möglichst schnell. Anfänger hingegen sind vielleicht froh, wenn nicht gerade am ersten Tag der Stelvio bezwungen werden muss. Glaubt uns: Man kann im Vorfeld eigentlich gar nicht genug besprechen, um für alle eine schöne Reise zu ermöglichen.
Schritt 2: Aufgaben verteilen
Nachdem nun klar ist, wer an der Tour teilnimmt, kommt die erste unangenehme Aufgabe auf Euch zu: Die Verteilung von Aufgaben. Die unten folgenden Schritte sind teilweise nervig oder mindestens zeitaufwendig - warum also sollte das alles einer alleine machen müssen? Gemeinsam macht das viel mehr Spaß und vielleicht bucht der eine supergerne Hotels und der andere hat bereits Erfahrungen mit der Streckenplanung. Wie immer im Leben wird sich herausstellen, dass es Kümmerer und reine Mitfahrer gibt.
Schritt 3: Reisezeit
Sofern möglich, solltet Ihr Eure Motorrad-Tour außerhalb der Ferienzeit unternehmen. Auf Schulferien.org könnt ihr sehen, welches Bundesland wann Ferien hat. Das wird umso sinnvoller, je beliebter das Reiseziel ist.
Schritt 4: Reiseziel
Beim Reiseziel sollte man ebenfalls bedenken, ob bzw. wie man dort mit dem Motorrad hinkommt. Es ist natürlich eine schöne Idee, statt in die Alpen mal in die Pyrenäen zu fahren, aber der Weg dahin ist schon recht beschwerlich.
Schritt 5: Autoreisezug
In unserem Falle ist der Autoreisezug stets die beste Alternative, weil wir Nordlichter sonst den gesamten Hin- und Rückweg auf der A7 verbringen würden. Langweiliger geht es kaum und wenn man nach 8 Stunden Autobahnfahrt irgendwo ankommt, ist man sowieso erst einmal für zwei Tage out of order. Das größte Problem beim Autoreisezug ist die überschaubare Anzahl an Anbietern, die nach dem Autoreisezug-Aus der Deutschen Bahn Ende 2016 solche Verbindungen noch anbieten. Einen Zahn müssen wir Euch bereits an dieser Stelle ziehen: Ein Autoreisezug ist nicht gerade billig! Hin- und Zurück von Hamburg nach München oder Innsbruck kosten pro Nase inkl. Motorrad ca. 650 Euro. Die Preise variieren dabei stark je nach Termin und Anbieter. Ein Tipp ist die ÖBB, die etwa 30 Prozent günstiger ist als die anderen Anbieter. Daher ist die ÖBB leider auch immer recht schnell ausgebucht, deshalb gilt der gute, alte Grundsatz: Der frühe Vogel fängt den Wurm! Bei fast allen Anbietern kann man einzelne Plätze, Liegewagen oder Schlafwagen buchen. Außerdem gibt es oft die Wahl zwischen 6er-, 4er- oder eigenem Abteil. Sofern ihr zu Dritt oder zu Viert fahrt, können wir Euch nur das eigene Abteil empfehlen und auf gar keinen Fall ein 6er Abteil. Diese sind so eng, dass man seine Motorradklamotten plus Helm kaum in das Abteil reinbekommt. Die Qualität der Züge ist übrigens durchweg miserabel, damit muss man leben. Manchmal hilft auch das eine oder andere Bier, um über diesen Mangel hinwegzusehen. Noch ein Tipp für den Autoreisezug für Beginner: Beim Auffahren auf den Zug unbedingt den Kopf so stark einziehen, wie es nur geht. Die Autoreisezüge sind derartig flach, dass man sich sofort den Helm stößt, sobald man nur 5 cm nach oben lugt. Also - Kopf runter und langsam und vorsichtig auf den Zug rauffahren. Eigentlich sollten Taschen während der nächtlichen Fahrt mit dem Autoreisezug vom Bike genommen werden, aber es hängt ein wenig vom Personal ab, ob darauf bestanden wird oder nicht. Sofern keiner meckert, lassen wir unsere Taschen immer am Bike, weil es sonst ein irrsinniges Geschleppe gibt. Was sich von selbst versteht: Die Taschen müssen wirklich fest verzurrt sein, sonst überstehen sie die nächtliche Fahrt nicht und fallen vom Motorrad herunter - herzlichen Glückwunsch! Der Könner hat natürlich verschließbare Koffer, denn diese dürfen auch am Bike bleiben. Nicht vergessen: Ein paar Dinge wird man wohl mit ins Zugabteil nehmen wollen, insofern ist ein kleiner Rucksack sicherlich eine gute Idee. Ein weiterer Gedanke spricht für den Autoreisezug: Da diese fast ausnahmslos nachts fahren, spart man sich zweimal die Übernachtungskosten für eine Unterkunft. Das relativiert die Kosten ein wenig und wir hatten bislang auch nie Probleme mit starker Müdigkeit beim Ankommen. Im Gegenteil: Es ist ein absoluter Traum, wenn man gegen 7.00 Uhr mit einem kleinen Frühstück (kostet natürlich extra) geweckt wird und die letzte halbe Stunde bereits durch die Berge fährt. Mehr Vorfreude geht eigentlich nicht! Einen weiteren Vorteil bietet der Transport per Autoreisezug: Man weiß schon einmal, wo es losgeht und wo die Reise aufhört. Für eine Alpentour empfiehlt sich eine Tour von Innsbruck nach Lörrach. Wenn man von Innsbruck aus nach Süden und dann nach Westen fährt, kann man eine schöne Tour von 3 bis 5 Tagen planen. Wer mehr Zeit hat, fährt von Innsbruck (oder München) aus erst einmal Richtung Salzburg und dann über Slowenien (unbedingt den Vršič-Pass mitnehmen!) und erst dann Richtung Westen und durch die Dolomiten und dann Richtung Lörrach. Eine solche Tour schafft man immer noch in 7 Tagen, durch ein paar Schleifen kann man es aber auch auf 10 Tage ausbauen. Generell gilt: Die Alpen sind eigentlich überall schön! Wer gerne hoch fährt, der sollte sich am Alpenkamm entlang arbeiten. Wer es gerne warm hat, der fährt eher in den südlichen Alpen. Unterhalb von Südtirol (Ecke Bergamo) wird es allerdings schnell flach und im Sommer entsprechend sehr, sehr warm. Wir würden Euch daher raten, die vier großen Oberitalienischen Seen höchstens an deren nördlichen Punkten anzufahren.
Schritt 6: Routenplanung
Zur groben Streckenplanung nutzen wir in der Regel Google Maps. Leider kann man pro Tour hiermit aber nur maximal 10 Streckenpunkte definieren, insofern kann man pro Maps-Karte maximal einen Tag definieren. Diese Tour kann man von Google Maps aus dann auf sein Smartphone übertragen. Das ist natürlich sehr praktisch, wenn man sowieso mit seinem Handy navigieren möchte. Wenn ihr beispielsweise einen kleinen Ort als Wegpunkt ausgewählt habt, führt Euch Google Maps während der Tour stets zum Dorfmittelpunkt, also i.d.R. zur Kirche - auch wenn ihr da gar nicht hinwollt. Wer jetzt denkt: "Ist doch egal, dann fahren wir einfach weiter.", der ist auf dem Holzweg, denn Google Maps lässt sich hier nicht so leicht beirren und führt Euch immer wieder zurück zu diesem elenden Kirchplatz. Den müsst ihr dann unterwegs schon aktiv löschen, damit es zum nächsten Punkt weitergeht - und das bedeutet anhalten, Handschuhe ausziehen, am Smartphone rumfummeln usw. Könner nutzen Google Maps natürlich sowieso nicht, da es z.B. mit Calimoto deutlich bessere Navisysteme für Motorradfahrer gibt. Zwar sind diese i.d.R. nicht kostenlos, aber ein Blick auf Calimoto lohnt sich allemal: 1. kostet es jährlich nur 49 Euro und 2. kann man ähnlich wie mit Google Maps seine Tour zunächst kostenlos am PC auf der Webseite von Calimoto planen. Das geht hier richtig gut, weil man z.B. Mit Calimoto kann man auch GPX-Dateien exportieren und diese dann auf seinem Navigerät nutzen. Wer das einmal gemacht hat, weiß aber, dass das alles andere als einfach ist. Wer ein TomTom Navi hat, der wird wahrscheinlich die ebenfalls kostenlose Tourenplanung "TomTom mydrive" am Rechner nutzen wollen. Bei TomTom kann man die Route auch recht einfach an sein Navigerät übertragen, ohne den GPX-Umweg gehen zu müssen. Während der Tour sollte das TomTom dann allerdings mit dem Smartphone gekoppelt werden, damit Staus und vor allem gesperrte Straßen und Pässe berücksichtigt werden können. Vermutlich sitzt Ihr jetzt vor dem Rechner und habt z.B. Google Maps aufgerufen und als Startpunkt Euren Ankunfts-Bahnhof eingegeben. Und nu? Naja, nun gehts los mit der Routenplanung. Sucht Euch am besten die Pässe und Städte bzw. Sehenswürdigkeiten raus, die ihr gerne mitnehmen wollt. Pro Tag solltet ihr Euch je nach Fahrkönnen nicht mehr als 250 km vornehmen. In den Alpen sind 250 Kilometer nämlich etwas anderes als auf dem platten Land! Natürlich gibt es auch die Sport-Fahrer, denen es vor allem auf "Strecke-machen" ankommt und mit weniger als fünf Pässen pro Tag nicht einkehren wollen. Die Vorlieben sind da halt sehr unterschiedlich, letztendlich müsst Ihr selbst entscheiden, ob Reisen oder Rasen auf Eurer Agenda steht. Es gibt im Internet auch zahlreiche Streckenvorschläge und natürlich auch reichlich Print-Literatur hierzu.
Schritt 7: Unterkünfte buchen
Beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Wer keine Hotels bucht, ist unterwegs maximal flexibel und kann einfach drauf losfahren. Der Nachteil: Spätestens ab 15.00 Uhr werdet Ihr nervös auf Euer Smartphone schauen um festzustellen, dass im Umkreis von 100 km kein Bett mehr frei ist. Natürlich kann man auch ganz ohne Stress und Smartphone ab Zeitpunkt X einfach die Augen offen halten und nach den "Unterkunft frei" Schildern Ausschau halten. Hört sich cool an, oder? IST ABER GAR NICHT COOL! Ich versichere Euch, Ihr werdet diese Schilder genau dann, wenn Ihr sie braucht, entweder gar nicht mehr zu sehen bekommen oder sie sind umgedreht und Ihr lest ständig nur "Unterkunft belegt". Wir raten Euch deshalb, die Hotels/Pensionen und B&Bs im Voraus zu buchen. Die hierzu üblichen Buchungsportale sollten bekannt sein. Nicht vergessen, den Filter auf "Frühstück inbegriffen" zu setzen! Niemand will ohne Frühstück aufs Bike oder morgens erst einmal eine Bäckerei aufsuchen müssen. Viele Unterkünfte kann man bis kurz vor Reise (je nach genutztem Reiseportal) auch wieder stornieren - gar nicht mal so unwichtig, falls die Reise ausfallen muss. Im Sommer muss man in den Alpen mit etwa 75 Euro pro Nacht und Person rechnen. Ausnahme: Schweiz. Hier ist alles etwa doppelt so teuer! Man kann aber trotzdem durch die Schweiz fahren und abends wieder in Italien, Österreich oder Frankreich einkehren, um dort günstiger zu übernachten. Die Schweiz ist aber - das sollte fairerweise auch gesagt werden - unglaublich schön und aufgrund der Preise auch nicht so voll, eine Nacht sollte also mindestens drin sein. Ihr werdet nach der Buchung der Unterkünfte vermutlich Eure Route noch ein wenig anpassen müssen, denn oft ist im eigentlich geplanten Zielort kein schönes Hotel mehr verfügbar. Das macht nichts, schaut einfach im nächsten Ort nach und bucht dort.
Schritt 8: Packliste
Bevor es bald losgeht, stellt sich nun die Frage nach der Packliste. Auch die hängt sehr von Reisezeit und Reiseziel ab. Für unser Beispiel einer Alpentour im Sommer braucht man weniger Klamotten, als man denkt. Eine Motorradjacke- und Hose sowie ein Paar Motorradstiefel sollten eigentlich reichen. Allerdings muss ein wärmender Pulli ebenfalls mit, denn auf den Pässen in luftiger Höhe kann es auch schon mal kühl werden. Da freut man sich, wenn man sich bei einem kurzen Stopp noch etwas unterziehen kann. : Ohropax (für die Nacht mit den Schnarch-Genossen und für die Fahrt), Sonnenbrille, Motorrad-Schloss, Auslandskrankenversicherung, Badehose, Handy-Ladegerät, gelbe Sicherheitsweste, FlipFlops fürs Hotel, Kettenspray, Schmerzmittel bzw.
Schritt 9: Unterwegs
Hurra, Ihr seid unterwegs - Glückwunsch! Nun heißt es nur noch aufeinander Acht geben. Was soll das bedeuten? Nun ja, jetzt werdet Ihr sehr schnell feststellen, dass nicht alle gleich schnell fahren oder zur gleichen Zeit Hunger bekommen. Also: Kompromissbereitschaft ist auf Reisen in Gruppen gefragt, das ist auch bei Motorradtouren nicht anders. Hoffentlich habt Ihr Euch Schritt 1 nicht nur durchgelesen, sondern auch beherzigt, also vor der Reise miteinander über den Ablauf und Eure Eigenarten gesprochen. Das habt Ihr natürlich nicht gemacht, deshalb müsst Ihr nun auch besonders kompromissbereit sein. Zum Beispiel kommt urplötzlich die Frage auf, wer eigentlich vorfährt und die Navigation übernimmt. Egal, Ihr werdet schon eine gute Zeit haben und irgendwie klappt es am Ende dann ja doch immer ganz gut. Jedenfalls wünschen wir Euch eine gute Zeit.
Empfohlene Streckenlängen pro Fahrtag
Die folgende Tabelle zeigt die Faustregel der ADAC Motorradexperten für die richtige Streckenlänge pro Fahrtag:
| Streckentyp | Maximale Kilometer |
|---|---|
| Autobahnen | 700 km |
| Bundesstraßen | 450 km |
| Landstraßen | 350 km |
| Gebirge mit Pässen | 250 km |
| Enduro-Strecken mit viel Schotter | 200 km |
Diese Faustregel gilt auch nur für gutes Motorrad-Wetter: Besonders große Hitze, niedrige Temperaturen oder extreme Temperaturschwankungen sowie Dauerregen erfordern eine Reduzierung der Teilstücke. Gleiches gilt für Fahrten auf Routen mit erheblicher Verkehrsbelastung. Bei hohen Temperaturen ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr sehr wichtig, um die Thermoregulation des Körpers zu gewährleisten.
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