Ausgleichsbehälter für Motorrad selber bauen: Eine umfassende Anleitung

Viele Motorradfahrer stehen vor dem Problem eines Kühlmittelverlusts, dessen Ursache schwer zu lokalisieren ist. Oftmals werden Kühlerdeckel, Schläuche und Schlauchschellen ausgetauscht oder nachgezogen, ohne das Problem vollständig zu beheben. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, den Ausgleichsbehälter genauer zu betrachten oder sogar einen eigenen zu bauen.

Problemdiagnose und Lösungsansätze

Ein häufiges Problem ist, dass sich der Kühlmittelstand im Ausgleichsbehälter nicht temperaturbedingt ändert. Um Lecks im Kühlsystem zu finden, kann man Druck auf das kalte Kühlsystem aufbauen und es mit Lecksuchspray absuchen. Hierfür kann man vorsichtig (max. 1 Bar) Druck auf den Schlauch geben, der vom Ausgleichsbehälter kommt. Dieser Druck müsste über den Kühlerdeckel an das gesamte Kühlsystem weitergegeben werden. Allerdings landet man mit dem Druck zwischen den beiden Dichtungen, wodurch der innere Kühlerdeckel geschlossen bleibt.

Eine bessere Möglichkeit ist, über die Kühlerablassschraube Druck aufzubauen. Hierfür kann man einen Schlauchanschluss mit passendem Gewinde verwenden. Mit einer Fußluftpumpe kann man langsam Druck aufbauen, bis das Überdruckventil im Kühlerdeckel öffnet oder der Druck zu hoch wird. Anschließend beobachtet man das Manometer der Luftpumpe, um festzustellen, ob irgendwo Luft verloren geht. Dabei sollte man das Kühlwasser im Ausgleichsbehälter lassen. Blubbert es dort, bis der Druck auf 0 kPa (relativ) ist, ist der Kühlerdeckel nicht dicht.

Alternativen und Inspirationen für den Selbstbau

Wer einen individuellen Ausgleichsbehälter bauen möchte, findet im Internet zahlreiche Inspirationen. Auf US-Car Treffen sieht man oft alte Whiskyflaschen, die als Ausgleichsbehälter dienen. Im Streetfighter-Mopped Bereich werden auch Aluflaschen verwendet, die wie NOS-Flaschen (Lachgas) aussehen.

Es ist wichtig zu klären, ob das Motorrad überhaupt mit einem "permanent-full"-Kühlsystem ausgerüstet ist. Wenn der Wagen original keine Flasche hatte, hat er möglicherweise eine Expansionsvorrichtung woanders im Kühlsystem oder der Kühler wird nicht voll gefüllt.

Beim Befüllen des Kühlers sollte man diesen ganz normal voll machen und den Behälter anschließen. Wenn der Behälter beispielsweise 10 cm hoch ist, sollten maximal 3 cm bei kaltem Motor im Behälter sein. Wird der Motor warm und öffnet das Thermostat, zieht es sich etwas Wasser. Wird er warm/heiss, drückt er es zurück.

Verlegung des Ausgleichsbehälters

Einige Motorradfahrer möchten den Ausgleichsbehälter an eine andere Stelle verlegen, beispielsweise an die Kanzel, und dabei ein größeres Volumen von etwa 200 ml realisieren. Hierbei spielt die Einbauhöhe des Behälters grundsätzlich eine Rolle. Aktuell ist das Niveau oft deutlich unter dem Kopf.

Eine Möglichkeit ist, einen Schlauch von oben bis auf den Grund durchzustecken, wenn der Auslass nicht unbedingt unten sein muss.

Als Behälter eignen sich beispielsweise CO2-Behälter für Paintball, die oft gebraucht erhältlich sind. Eine 500ml Aluflasche kann ebenfalls verwendet werden. In der Regel passt dann oben auch noch der originale Gummi Deckel drauf, wodurch man direkt eine Entlüftung hat.

Bremsflüssigkeitsbehälter: Wechsel und Entlüftung

Ein ähnliches Thema ist der Wechsel des Bremsflüssigkeitsbehälters. Hier stellt sich oft die Frage, ob das System entlüftet werden muss. Grundsätzlich gilt: Wenn der Behälter mit einem Schlauch verbunden etwas oberhalb vom Bremszylinder sitzt und nach dem Absaugen der Bremsflüssigkeit der Behälter vorsichtig vom Schlauch abgezogen wird, sodass möglichst keine Bremsflüssigkeit aus dem Verbindungsschlauch verschüttet wird, kann man den neuen Behälter aufsetzen, Bremsflüssigkeit einfüllen und stehen lassen. Die Luft ist ja nicht im System eingedrungen, sondern "oberhalb". Da Luft die Eigenschaft hat, nach oben zu steigen, "entlüftet" sich diese Aktion praktisch selbst. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass Bremsflüssigkeit hygroskopisch ist und der Luft Feuchtigkeit entzieht, weshalb das Wechselintervall beachtet werden muss.

Wenn der Schlauch zur Bremspumpe nicht entleert wird (also ein separat sitzender Vorratsbehälter), braucht man nicht zu entlüften. Allerdings sollte im Zweifelsfall immer entlüftet werden, um sicherzustellen, dass keine Luft im System ist.

Hilfreiche Werkzeuge und Modifikationen

Für das Entlüften von Bremsflüssigkeit kann man eine 5 l Pflanzenschutzspritze für 7,99 Euro vom Markendiscounter als Basis für ein Bremsenentlüftungsgerät verwenden. Den modifizierten Deckel des Entlüftungsgerätes schraubt man auf den Bremsflüssigkeitsausgleichsbehälter und baut per Handpumpe Druck auf (max. 1 bar). Anschließend stöpselt man den transparenten Schlauch der PE-Flasche auf die Entlüftungsnippel und öffnet die Entlüfter, bis blasenfreie, klare Bremsflüssigkeit austritt. Als Reihenfolge beim Entlüften sollte an der entferntesten Stelle (dem Hauptbremszylinder diagonal gegenüberliegender Radbremszylinder) begonnen werden und dann langsam Richtung Hauptbremszylinder vorarbeiten. Dabei muss immer wieder der Druck von ca. 1 bar sichergestellt werden.

Als Verbesserungsidee könnte man mit Druckminderer (1 bar) direkt vom Werkstattkompressor in die Pflanzenschutzspritze drücken, wodurch das Nachpumpen entfällt.

Weitere Optionen und Zubehör

Es gibt auch diverse Zubehörteile und Alternativen auf dem Markt. Rizoma-Ausgleichsbehälter sind beispielsweise eine beliebte Option. Die aus Aluminium gefertigten Adapter für Rizoma-Ausgleichsbehälter stellen im Fall eines Ersatzes des OEM-Ausgleichsbehälters durch einen von Rizoma die optimale Montagelösung dar.

Fazit

Der Selbstbau eines Ausgleichsbehälters für das Motorrad erfordert etwas Geschick und Fachkenntnis, bietet aber die Möglichkeit, eine individuelle und kostengünstige Lösung zu realisieren. Wichtig ist, die Funktion des Kühlsystems zu verstehen und die richtigen Materialien und Werkzeuge zu verwenden. Bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsen sollte im Zweifelsfall immer eine Fachwerkstatt konsultiert werden.

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