Auspuff für Motorrad: Ein umfassender Ratgeber

Ein gelungener Auspuff ist Augen- und Ohrenschmaus zugleich. Kein Wunder also, dass Zubehörschalldämpfer zu den beliebtesten Umbauteilen bei Motorrädern gehören. Doch was gilt es beim Umrüsten zu beachten, wo könnte Ärger drohen? Dieser Ratgeber klärt auf.

Warum ein Zubehör-Auspuff?

Nicht alle Serien-Auspuffanlagen sind so attraktiv. Je nach Motorradmodell wiegen die angebotenen schlanken Nachrüsttöpfe nicht einmal halb so viel wie die oft klobigen Serienteile. Außerdem erhöhen edle Hüllen aus Titan, Karbon oder anderen Werkstoffen die Attraktivität. Dafür sorgen auch unterschiedlichste Dämpferformen - beispielsweise rund, oval, trioval, hexagonal oder rhombisch, um nur einige zu nennen. Auch kerniger Sound ist ein Kaufkriterium, wobei sich die Nachrüstdämpfer selbstverständlich ebenso an die gesetzlichen Vorgaben halten müssen.

Auspuff-Bauarten: Reflexionsdämpfer vs. Absorptionsdämpfer

Beim eigentlichen Dämpfer unterscheidet man zwei Bauarten:

  • Reflexionsdämpfer: Nur wenige Nachrüstdämpfer, jedoch die meisten serienmäßigen Auspuffanlagen arbeiten nach diesem Prinzip. Der Schall wird durch verschiedene Kammern, die untereinander mit Röhrchen verbunden sind, mehrfach reflektiert und umgeleitet. In diesen so genannten Resonanzkammern löscht sich der Schall durch Phasenumkehr selbst aus.
    • Vorteile: Die Dämpfung bleibt konstant.
    • Nachteile: teuer und schwer.
  • Absorptionsdämpfer: Nach diesem Prinzip arbeiten etwa 95 Prozent aller Nachrüstdämpfer. Im Dämpferinneren sitzt ein zentrales Siebrohr, das von Dämmmaterial (meist Stahl- oder Mineralwolle) umgeben ist. Dieser Dämmstoff verwandelt Schallenergie in Wärme.
    • Vorteile: kostengünstige Fertigung, geringes Gewicht.
    • Nachteile: Die Dämmwolle altert, wodurch die Dämpfung mit der Zeit nachlässt.

Standgeräusch und Fahrgeräusch: Was ist erlaubt?

Die gesetzlichen Vorgaben bezüglich Lautstärke sind streng. Hier ein Überblick:

  • Standgeräusch: Gemessen wird bei halber Nenndrehzahl. Das Mikrophon wird in Höhe der Auspuffmündung in einem Winkel von 45 Grad zur Fahrzeuglängsachse und in einem Abstand von 0,5 Metern positioniert. Als Ergebnis zählt der höchste von drei Messwerten, gerundet auf volle dB (A).
  • Fahrgeräusch: Als Messstrecke dient eine große Fläche mit Normasphalt, die im Umkreis von 50 Metern keine schallreflektierenden Gegenstände aufweisen darf. Das Motorrad fährt im zweiten und dritten Gang mit exakt 50 km/h (+/- ein km/h Toleranz) an die 20 Meter lange Messstrecke heran. Der Fahrer zieht am Anfang der Strecke das Gas voll auf und beschleunigt bis zum Ende der Strecke durch.

Als Toleranzgrenze für Überprüfungen in Verkehrskontrollen durch die Polizei darf der in den Papieren eingetragene Wert um bis zu 5 dB (A) überschritten werden.

EG-Betriebserlaubnis (EG-BE): Ausweispapiere notwendig?

Benötigt man für einen Nachrüst-Schalldämpfer mit EG-Betriebserlaubnis (EG-BE) Ausweispapiere? Nein. Als Legitimation gilt eine am Dämpfer gut sichtbar angebrachte Plakette oder Prägung. Anhand derer kann die Polizei beim KBA die ordnungsgemäße Verwendung ermitteln. Die von einigen Auspuffherstellern mitgelieferten Scheckkarten mit dem Verwendungsbereich können daher in Kontrollen durchaus hilfreich sein.

Katalysator: Pflicht bei Nachrüstanlagen?

Müssen Nachrüstanlagen einen Katalysator aufweisen, wenn das Serienmodell einen besitzt? Alle ab 2006 nach Euro 3 homologierten Kat-Motorräder dürfen nur auf einen Nachrüstdämpfer mit Kat umgerüstet werden - andernfalls werden sie wahrscheinlich Probleme haben, die Abgasuntersuchung für Krafträder (AUK) zu bestehen. Bei älteren, beispielsweise nach Euro 2 zugelassenen Motorrädern gilt: Selbst wenn sie serienmäßig mit Kat ausgestattet sind, dürfen Nachrüstanlagen ohne Kat angebaut werden. Allerdings nur, wenn diese Anlagen vor dem 18. Mai 2006 ihre EG-BE erhalten haben.

Komplette Auspuffanlage oder Slip-on-Lösung?

Beim Auspuff-Tuning hast du im Grunde 2 Möglichkeiten:

  • Komplette Auspuffanlage: Hierbei wird die gesamte Anlage von den Auslässen am Zylinderkopf bis zur Schalldämpfer-Endkappe ausgetauscht. Diese Option verspricht die größte Leistungssteigerung.
  • Slip-on-Lösung: Hierbei wird der serienmäßige Endschalldämpfer gegen einen neuen Sportschalldämpfer ausgetauscht. Nach dem Ausbau des Seriendämpfers, wird der neue Dämpfer einfach über das jetzt offen liegende Endrohr geschoben. Mit dieser Lösung kannst du in der Regel keine große Leistungszunahme erwarten.

Modelle, die mit einer E-Zulassung versehen sind, bilden hier die Ausnahme. Mit denen kannst du nach dem Einbau direkt losfahren.

Komplettanlagen sind für die Straße schon allein wegen der hohen Kosten eher unüblich, denn letztendlich geht es hier dann um echtes Leistungsplus.

Schraubertipp Auspuffanlage

Obwohl eine Auspuffanlage eigentlich wartungsfrei ist, gibt es einiges zu beachten, um teure Reparaturen zu vermeiden und lange Freude daran zu haben.

Bei den Bauarten unterscheidet man zwischen einer einteiligen und einer mehrteiligen Bauweise, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Einteilige Auspuff-Anlagen lassen sich meist nur sehr aufwendig demontieren und bei Wartungsarbeiten - zum Beispiel am Hinterrad beziehungsweise beim Kettespannen - sind die Endtöpfe oft im Weg. Mehrteilige Auspuff-Anlagen lassen sich zwar leichter entfernen, haben dafür aber häufiger Probleme mit den Dichtungen an den Verbindungsstellen.

Wie bei fast allen Schraubverbindungen, die heiß werden können, empfiehlt es sich, das Gewinde der Stehbolzen/Schrauben dünn mit Kupferpaste einzustreichen und die Muttern regelmäßig auf festen Sitz zu überprüfen.

Falls im Bereich der Übergänge/Befestigungen Dichtungen verwendet werden, müssen diese, je nach verwendetem Material, gegebenenfalls erneuert werden.

Pflege der Auspuffanlage

Das eigentliche Problem bei der Pflege der Auspuffanlage liegt aber fast immer im Außenbereich, unabhängig von der Qualität der verwendeten Materialien. Während die gut sichtbaren Bereiche oft und gern gereinigt und geputzt werden, sind die Rück- und Unterseiten sowie die Teile, die direkt unter dem Motorblock sitzen, meist schlecht zu erreichen und leiden deshalb häufig unter Korrosion. Selbst Edelstahlanlagen können dann anfangen zu rosten. Eine regelmäßige Reinigung und Pflege ist deshalb im Hinblick auf Optik und Langlebigkeit sinnvoll, zumal es mittlerweile gute Pflegeprodukte gibt, um der Korrosion entgegenzuwirken.

Komplett demontieren und reinigen

Die beste Methode eine Auspuffanlage zu überholen, ist die komplette Demontage, das Reinigen, Entrosten und Nachlackieren. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, denn der Ab- und Anbau vor allem einer doch relativ schweren einteiligen Auspuffanlage ist eine ziemliche Plackerei, alleine kaum zu bewältigen, und man muss höllisch aufpassen, um Kratzer und Beschädigungen zu vermeiden.

Hitzeschutz-Aufkleber und Hitzeschutzband

Ebenso effizient wie einfach zu montieren sind in diesem Fall Hitzeschutz-Aufkleber, die man an die gefährdeten Bereiche der Koffer kleben kann. Günstige Abhilfe schafft hier Hitzeschutzband, das man um den Krümmer wickeln kann. Beim Wickeln sollte man darauf achten, das Band immer kräftig in Wickelrichtung auf dem Krümmer nachzudrehen.

Original-Schalldämpfer vs. Zubehör-Schalldämpfer

Allerdings ist die Abstimmung einer Auspuffanlage eine Kunst für sich, und nur wenige Zubehöranlagen namhafter Hersteller kommen an das Niveau des Originals heran oder übertreffen es sogar. Vor dem Kauf empfiehlt sich deshalb eine gründliche Recherche - zum Beispiel in entsprechenden MOTORRAD-Tests.

Zubehör-Auspuffanlagen haben in der Regel eine eingestanzte E-Nummer. Allerdings ist nicht jeder Auspuff mit dieser Nummer auch für jedes Motorrad zugelassen, sondern nur für bestimmte, homologierte Modelle. Eine Montage an einer nicht homologierten Maschine ist trotz E-Nummer illegal.

Materialien von Auspuffanlagen

Bei der Auswahl einer Motorrad Auspuffanlage spielt das Material eine wesentliche Rolle. Jedes Material bringt spezifische Eigenschaften mit, die Leistung, Gewicht und Klang beeinflussen.

  • Edelstahl: Bietet hervorragende Korrosionsbeständigkeit und ist extrem langlebig.
  • Aluminium: Bekannt für sein niedriges Gewicht, was sich direkt auf die Handhabung und Beschleunigung auswirkt.
  • Titan: Bietet eine außergewöhnliche Kombination aus leichtem Gewicht und hoher Festigkeit.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Wahl des Materials für die Motorrad Auspuffanlage von den individuellen Bedürfnissen abhängt. Edelstahl bietet eine gute Balance zwischen Leistung und Langlebigkeit, während Aluminium für Leichtgewichte und Titan für Extremisten geeignet ist.

Installation und Wartung

Ein gut installierter und gewarteter Motorrad Auspuff trägt maßgeblich zur Leistungsfähigkeit und Langlebigkeit des Fahrzeugs bei.

  1. Vorbereitung: Ich beginne mit der Vorbereitung meines Arbeitsplatzes und stelle sicher, dass alle notwendigen Werkzeuge vorhanden sind, wie Schraubenschlüssel, Ratsche und eine Drehmomentschlüssel.
  2. Alte Auspuffanlage entfernen: Ich lasse den Motor abkühlen und entferne dann die alte Auspuffanlage. Zuerst lockere ich die Verbindungsschrauben, die den Auspuff am Motor befestigen, und ziehe vorsichtig die Halterungen ab.
  3. Neuen Auspuff anbringen: Ich platziere den Akrapovic Auspuff an der vorgesehenen Stelle und wickle die Dichtungen um die passenden Verbindungsstellen. Danach ziehe ich die Schrauben handfest, bevor ich sie mit dem Drehmomentschlüssel auf die vom Hersteller empfohlenen Werte anziehe.
  4. Feinjustierung: Ich überprüfe während der Montage die Ausrichtung des Auspuffs und stelle sicher, dass er nicht mit anderen Bauteilen in Berührung kommt.
  5. Abschlusskontrolle: Nach der Installation starte ich das Motorrad und höre auf mögliche ungewöhnliche Geräusche, die auf falsche Montagen hindeuten könnten.

Regelmäßige Wartung

Die regelmäßige Wartung eines Auspuffs ist entscheidend für einen langfristigen Erhalt der Performance.

  • Regelmäßige Sichtprüfung: Ich führe alle paar Monate eine Sichtprüfung des Auspuffs durch. Dabei achte ich auf Risse, Rost oder andere Beschädigungen.
  • Reinigung: Bei Schmutz oder Verunreinigungen reinige ich den Auspuff mit mildem Reinigungsmittel und Wasser. Für hartnäckigere Ablagerungen nutze ich spezielle Reiniger für Motorrad Auspuffanlagen.
  • Dichtungen und Verbindungen: Ich kontrolliere regelmäßig die Dichtungen und Verbindungen. Wenn ich Anzeichen einer Undichtigkeit bemerke, wechsle ich umgehend die benötigten Teile.

Tabelle: Vergleich von Auspuff-Materialien

Material Vorteile Nachteile
Edelstahl Hohe Korrosionsbeständigkeit, Langlebigkeit Höheres Gewicht
Aluminium Niedriges Gewicht Weniger robust, anfälliger für Dellen
Titan Leichtgewicht, hohe Festigkeit Hohe Kosten

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