Eigentlich sind Bikepacking und Minimalismus ja so ein bisschen das Gleiche, denn ohne eine gewisse Reduktion aufs Wesentliche würde man seine Ausrüstung für eine Radtour mit Camping in den paar Taschen gar nicht unterbringen können, selbst wenn man Weltmeister*in im Quetschen ist.
Letztendlich sind die Grenzen zwischen Bikepacking und dem klassischen Radreise-Setup fließend - und das ist auch gut so. So kann man sich das herauspicken, was für einen am besten funktioniert, ganz ohne sich in irgendeine Schublade stecken zu müssen. Denn Fakt ist doch: Es gibt sie nicht, die eine und richtige Art, ein Fahrrad zu bepacken.
Und so ist auch diese Packliste nur eine von vielen Möglichkeiten, eine mehrtägige oder gar mehrwöchige Tour mit dem Rad zu bestreiten. In diesem Sinne: Nehmt euch hier mit, was für euch nützlich ist und packt euer Rad dann einfach so, dass ihr damit klar kommt und zufrieden seid.
Die folgende Ausrüstungsliste ist im Prinzip eine abgespeckte Variante meiner Bikepacking-Packliste für meine 2-monatige Radtour durch Schweden, die so vor allem für sommerliche Touren in Zivilisationsnähe geeignet ist.
Der Wunsch, möglichst minimalistisch und ohne seitliche Anbauten unterwegs zu sein, ist allerdings geblieben. Ich mag einfach (manchmal ;-) ) diese Reduzierung aufs Wesentliche und die Tatsache, dass man so auch mal (einfachere) Trails fahren oder das Fahrrad ein Stück tragen kann. Deswegen habe ich den Lowrider dieses Mal einfach weggelassen, und das Setup stattdessen mit einer Rahmentasche ergänzt. Die Trinkflaschen sind dafür an die Gabel gewandert.
Das Allernötigste für die Radreparatur und -pflege ist natürlich immer dabei, der Rest richtet sich nach dem Reiseziel und der Länge der Tour. Die kleinen Leuchten sind eher eine Art Notfallbeleuchtung, da man im Sommer in der Regel ja nicht bei Dunkelheit fährt. Das Schloss ist eher eine Wegtragesperre als eine sichere Art, Diebstähle zu verhindern.
Kleidung
So ist sicher gestellt, dass man immer warm und trocken bleibt. Alles weitere fällt schon unter Luxus, auch wenn es auf längeren Touren natürlich schon sehr angenehm sein, wenn man zum Beispiel ein weiteres Shirt dabei hat, das weder Schlaf- noch Sportshirt ist, wenn man zum Beispiel mal einen Pausentag einlegt oder abends in ein Restaurant geht.
Meine Radkleidung hab ich unterwegs möglichst alle ein bis zwei Tage in einem Waschbecken durchgewaschen. Ich fahre auf längeren Strecken immer mit gepolsterter Radhose. Dieses Jahr hatte ich dabei fast ausschließlich die W Bike Shorts Comfort CSL von Löffler, eine Allround-Radshorts mit gepolsterter Innenhose, im Einsatz. Die ist (fast) genauso bequem wie eine enganliegende Radhose, hat aber den großen Vorteil, dass man die Shorts auch abseits des Fahrrads als kurze Hose verwenden kann.
Zudem trage ich meistens ein Radtrikot, weil die Rückentaschen einfach viel zu praktisch sind. Außerdem haben durch meine Zusammenarbeit mit Löffler dieses Jahr auch eine Regenhose und Regenjacke, die speziell fürs Radfahren gemacht sind, ihren Weg in meinen Kleiderschrank gefunden.
Zelt und Schlafsack
Das Hubba NX von MSR ist das leichteste, „richtige“ Zelt, das ich besitze und ich hab es schon seit Jahren im Einsatz. Solange nicht allzu ungemütliches Wetter zu erwarten ist, bringt dieses Zelt für mich die ziemlich perfekte Balance aus Gewicht, Packmaß, Robustheit und Platzangebot mit.
Neu in meinem Ausrüstungsschrank ist seit diesem Jahr die NeoAir UberLite von Therm-a-Rest, eine sehr erstaunlich kleine und leistungsfähige Matte, die allerdings (wie so ziemlich alle ultraleichten Ausrüstungsgegenstände) mit etwas Vorsicht zu behandeln ist. Der Space Cowboy von Therm-a-Rest ist leichter Synthetik-Sommerschlafsack, mit dem ich (in Kombination mit der UberLite-Matte) bei Temperaturen bis 10 Grad klarkomme. Als Kissen nutze ich übrigens einfach einen mit Kleidung gefüllten Drybag.
Technik
Ach, die liebe Technik! Für mich als selbstständige Bloggerin immer noch einer der größten Gewichtsfaktoren auf vielen meiner Touren. So habe ich neben Kamera, Smartphone & Co. oft auch einen kleinen Laptop dabei, damit ich von unterwegs arbeiten kann (natürlich nicht jeden Tag und schon gar nicht vom Zelt aus, aber zum Beispiel an Pausentagen oder während der An- und Abreise).
In meiner minimalistischen Bikepacking-Packliste ist dafür allerdings kein Platz, allein schon weil ich einen Gegenstand in Laptopformat und -größe gar nicht im klassischen Bikepacking-Setup unterbringen könnte. Auf meine Kamera würde ich allerdings nicht verzichten wollen, wenn es nicht unbedingt notwendig wäre. Allein schon weil ich viel zu gern fotografiere. Glücklicherweise findet die im Handlebar-Pack von Ortlieb Platz und ist dort immer schnell zur Hand. Besonders gepolstert hab ich sie darin übrigens nicht, aber bisher hat sie das ohne Probleme mitgemacht. Für die Navigation habe ich seit zwei Jahren meinen Elemnt Roam von Wahoo im Einsatz, mit dem ich nach wie vor zufrieden bin.
Kochen und Verpflegung
Minimalismus hin oder her: Der heiße Kaffee morgens im Schlafsack oder der dampfende Tee nach einem langen Tag auf dem Rad muss bei mir einfach sein. Stichwort Lebensqualität! Das Zubehör dafür nimmt zwar ein wenig Platz weg, hält sich aber in Sachen Gewicht sehr in Grenzen. Und die 100-Gramm-Kartusche reicht bei sparsamer Nutzung easy für eine einwöchige Tour. Gekocht habe ich übrigens nicht groß, von der ein oder anderen Asianudelsuppe mal abgesehen. Stattdessen hab ich mich einfach tagesaktuell in Supermärkten, Bäckereien usw. versorgt.
Die Reiseapotheke richtet sich primär nach dem Reiseziel und der Zivilisationsnähe. Einfache Wunden sollte man natürlich immer erstversorgen können, Schmerzmittel und ggf. Antiallergikum dürfen nicht fehlen.
Gewicht der Ausrüstung
Das Gesamtgewicht meiner Ausrüstung - inkl. Taschen und dem Plus an Technik, exkl. dem Minimum an Kleidung, die ich tagsüber am Körper trage - liegt bei rund 9 kg. Hinzu kommen durchschnittlich nochmal 1,5-2,5 kg für etwas Verpflegung und Wasser.
Packtipps
- Handlebar-Pack (= die kleinere Tasche auf der Lenkerrolle): Kamera, ggf. Navi und ggf. Digicam.
- Satteltasche (Arschrakete): Zelt (in Drybag) inkl. Isomatte (inkl. Reparatur-Kit) und Schlafsack.
Mein Bikepacking-Lifehack: Den dritten Drybag schnalle ich bei Bedarf mittel der Gummibänder oben auf die Satteltasche, um meine Regenkleidung schnell griffbereit zu haben bzw. sie in nassem / schmutzigen Zustand wieder unkompliziert verstauen zu können.
Weitere Packlisten und Tipps
- Bikepacking ohne Zelt: Für Touren im Frühling oder Herbst mit Übernachtung in festen Unterkünften.
- Gewichtsverteilung: Schwere Gegenstände nahe am Radmittelpunkt befestigen, z.B. in einer Rahmentasche.
- Organisation: Packtaschen mit verschiedenfarbigen Packsäcken unterteilen und beschriften.
- Flexibilität: Arschrakete für Gravel- und Hardtail-Fahrräder ohne Umbauten verwenden.
- Kleidung: Merino-Mix für feuchtigkeitsregulierende und geruchsneutrale Kleidung wählen.
Ausrüstungsgegenstände für deine Radtour
Hier eine Übersicht der wichtigsten Gegenstände, die auf deiner Packliste stehen sollten:
| Kategorie | Gegenstände |
|---|---|
| Bekleidung | Radhose, Trikot, Regenjacke, Regenhose, Funktionsunterwäsche, Fleecejacke, Daunenjacke, Schuhe, Socken, Handschuhe |
| Hygiene | Sonnencreme, Duschbad, Shampoo, Deo, Zahnbürste, Zahnpasta, Reisehandtuch |
| Navigation | Fahrradcomputer, Handy, Powerbank, Ladekabel, Karte |
| Werkzeug & Reparatur | Multitool, Flickzeug, Reifenheber, Luftpumpe, Kabelbinder, Gaffa-Tape |
| Camping (optional) | Zelt, Schlafsack, Isomatte, Kocher, Geschirr, Besteck |
| Sonstiges | Erste-Hilfe-Set, Stirnlampe, Schloss, Geld, Papiere |
Es gibt nichts besseres als nach einem langen Tag auf dem Rad vor dem Campingkocher zu sitzen und sich ein köstliches Abendessen zuzubereiten! Abends vor dem Zelt sitzen und dann, sobald es dunkel wird, in den gemütlichen Schlafsack einkuscheln.
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