Austauschmotor Harley-Davidson: Vor- und Nachteile

Der Markt für gebrauchte und neue Harley-Davidson Motorräder in Deutschland boomt, doch es gibt auch viel Schrott auf dem Markt, da nicht alle Verkäufer vertrauenswürdig sind.

Die "ehrlichen" Motoren bis EVO

Bis zum EVO waren die Motoren noch "ehrlich". Alles, was man an so einem Motor gesehen hat, hatte Zweck und Funktion.

Beispiel Nockenwellendeckel: Bis zum EVO liegt die Lagerung der Nockenwelle tatsächlich in diesem Deckel. Beim TC befindet sich dahinter eine Platte, in der die zwei Nockenwellen geführt werden. Der äußere Deckel ist nur noch Kosmetik und aus nostalgischen Gründen so geformt.

Sicher, völlig unwichtiger Punkt, merkt kein Schwein beim Fahren, mir persönlich ist es wichtig. Von den Ausgleichswellen, der Gummilagerung und dem vermehrten Einsatz von Elektronik fange ich gar nicht an. Das ist nun mal Evolution und Weiterentwicklung.

Wenn Du ein problemlos funktionierendes Moped haben willst, quasi fahren ohne Nachdenken, ist der TC ideal für dich. Je weiter Du dann bei den Motoren zurück gehst, nehmen Charakter und Feeling zu, gepaart mit technischen Problemen und Unzulänglichkeiten. Charakter und technische Perfektion schließen sich weitestgehend aus.

Der TC ist wie eine Quarzuhr mit analogem Zifferblatt, bis zum EVO war es noch ein Automatik-Uhrwerk, nicht so genau wie das Quarzgelumpe, aber technisch interessanter, ehrlicher. Schlechter?

Twin Cam Motoren (TC)

Alle TCs haben kettengetriebene Nockenwellen. Eben diese Kunststoffgleitschuhe sind einem Verschleiß unterworfen. Zum einen durch die recht vollkantigen Kettenglieder, die von der MoCo verwendet werden, zum anderen von der Betriebsbelastung.

Werden nun scharfe Nockenwellen verbaut, sind die Spannschuhe größeren Belastungsspitzen ausgesetzt als mit den vergleichsweise zahmen Seriennocken. Es gibt wohl in den USA einen oder mehrere Zubehörhersteller, die solche Steuerketten in polierter Ausführung anbieten, was zu einer deutlichen Rundung der Kanten an den einzelnen Kettengliedern führt.

Bei den Softails mit dem ausgleichswellentem Motor kommt dann irgendwann die notwendige Überholung der Ausgleichswellensteuerung. Es ist nun mal, wie es ist. Diese und keine anderen Motoren sind der aktuelle Antrieb bei den BigTwins.

Die durch die nachfolgende Einspritzanlage komplette elektronische Regelung des Twin-Cam-Motors machte es zum ersten Mal in der Geschichte der Harley-Motoren möglich, jeden Zylinder exklusiv anzusteuern. Das hatte Konsequenzen in der Startprozedur.

Die Twin-Cam-Steuerung musste also noch das Ansaugen oder Ausstoßen erfassen, bevor die Einpritzanlage loslegen und den Motor mit Kraftstoff versorgen konnte. Das führte zu den charakteristischen drei Umdrehungen, die er beim Anlassen ohne Zündung absolvierte. In dieser Zeit ordnete er nämlich die Positionen seiner Komponenten einander zu.

TC88 vs. TC96

Der TC96 ist der langhubigste Motor im FD2-Rahmen. Der TC110 bietet das kurzhubigste Verhältnis aus Bohrung:Hub, gefolgt von TC88 und TC103.

Meine Meinung: Bislang hatte ich zwei EVO 80er Bj. 92 und 93, einen TC 88 Vergaser, einen TC 88 Vergaser, zwei TC 88 Einspritzer, einen TC 88A 6-Gang (gab es nur 2006), und einen TC 96 mit 103er SE-Kit bei Neukauf. Alle haben auf ihre Art Spaß gemacht und waren absolut zuverlässig.

Von den TC Antrieben gefällt mir einzig der 88er in Verbindung mit seinem 5-Gang Getriebe. Könnte man sich bei HD aussuchen, ob man in seiner Modellorder wahlweise einen TC88, TC96 oder TC103 (Gross)Serienmotor bestellen möchte, wäre ich beim TC88 sofort wieder dabei.

Aus meiner Sicht sind Evo-, TC88, TC96 und TC103 alles faszinierende Motoren mit sehr hoher Zuverlässigkeit und Langlebigkeit. Meine Frau und ich spulen zusammen 30.000km im Jahr auf TC88 und TC103 ab, und haben einen riesen Spaß dabei.

Obwohl Leistung und Drehmoment über die Motorgenerationen etwas zugenommen haben, ist dies nach meinem Erleben für den praktischen Fahrspaß völlig unbedeutend. Auch die Frage nach Vergaser oder Einspritzung ist eher eine Geschmacksache.

Jede Motorgeneration hat so ihre kleinen, aber beherrschbaren Schwachpunkte:

  • Beim TC88 sind es die Kettenspanner, die bei 40.000km fällig werden
  • Beim TC96/103 ist es der Ruckdämpfer auf der Kurbelwelle, der gerne weich wird und dann zu metallischem Schlagen beim Anlassen und Abstellen führt.

Beim Kauf eines TC88 muss man also nach den Kettenspannern fragen, und den Preis ggfs. um einen Tausender drücken. Beim TC96/103 hört man beim Anlassen genau hin, um metallisches Schlagen mit einem halben Tausender Abzug zu quittieren. Und: Von getunten Motoren würde ich persönlich die Finger lassen.

Probleme und Lösungen

Eine 2006er hat von Modell und Ausstattung her ihre Vor- und Nachteile. So hat sie noch weniger Restriktionen bei Abgasreinigung und Geräusch, dafür aber „nur“ einen 88 cui Motor. Durch serienmäßig nicht vorhandene O2-Sonden wird die Abstimmung schwieriger, ist aber auch nicht so wichtig, weil die serienmäßige Abstimmung dies bereits berücksichtigt.

Die serienmäßigen Einspritzdüsen erzeugen nicht das optimale Einspritzmuster und es lohnt sich ein Update auf die spätere Version. Kompensator und Generator waren serienmäßig nur verschraubt, was gelegentlich zu massiven Schäden geführt hatte, falls sich die Schrauben gelöst haben.

Auch aufgrund der Konstruktion des Kompensatorpaketes lohnt sich hier ein Update auf die aktuelle Version. In dieser Art gibt es noch viele kleinere und größere „Problemzonen“, sowohl was allgemein üblichen Verschleiß in Anbetracht der Gesamtkilometer betrifft, aber auch gründlich verbesserte Funktion von neueren Teileversionen.

Das Thema Nockenwellentrieb mit Steuerkette und den hydraulischen Steuerkettenspannern ist auch zu beachten.

Motor Empfehlungen

Wenn es nun um den Motortyp geht, empfehle ich Dir die Karre zu kaufen, die Dir am besten gefällt.Generell sind die Änderungen zum Modell ab 2007 zu gravierend.

Bleibt Deine Wahl auf ein Vergasermodell beschränkt, wäre im Hinblick auf leistungsoptimierende Eingriffe ein Fahrzeug der ersten 3 Modelljahre (‘00 bis ‘02) durchaus empfehlenswert, da bei diesen Modelljahren die Kurbelwelle noch beidseitig in hoch belastbaren Kegelrollenlagern geführt wird.

Sofern es auch ein Modell mit zeitgemässer Gemischaufbereitung/EFI sein darf, könnte vielleicht eine 2006er Softail Standard oder Nighttrain als Basis interessant werden. Einerseits sind diese beiden Modelle schon 2006 mit dem 200er interrad verfügbar gewesen, andererseits sind sie auch die einzigen mit dem "fetten" Hinterrad, die noch mit einem TC88(B) mit 5-Gang Getriebe ausgestattet sind.

Die Vibrationen und der Sound

Charakteristisch ist sein verzögerter Rhythmus: Zwei Schläge, die nicht in gleichem zeitlichen Abstand zueinander erfolgen. Der eine Schlag kommt etwas zu früh, der andere etwas zu spät. Ganz nüchtern erklärt war dieser Sound aus der Not geboren, denn er lässt sich nur einem sogenannten echten V-Motor entlocken.

Das Geheimnis des Sounds einer Harley ist gelüftet! Wer das nicht glaubt, der findet den unumstößlichen Beweis, wenn er das Zündgehäuse einer klassischen Harley öffnet.

Die Vibrationen können den Motorrädern ihren spezifischen Charakter verleihen (good Vibrations), sie können aber auch einfach nur nerven. Das ist der Grund, weshalb selbst die Company für die Twin-Cam-Motoren zur Jahrtausendwende die „B“-Reihe eingeführt hatte.

„B“, das steht für „balanced“, die Twin-Cam-B-Motoren haben also Ausgleichswellen. Eine Ausgleichswelle ist ein im Gegensinn des Motors rotierendes Metallgewicht. Auch der Milwaukee-Eight hat eine Ausgleichswelle, die Twin Cams hatten sogar deren zwei, jeweils mit der Kurbelwelle im Verhältnis 1:1 gekoppelt.

Twin-Cam-Motoren ohne Ausgleichswelle sind in der Gasannahme etwas spritziger als ihre „B“-Brüder. Trotzdem sind inzwischen so ziemlich alle modernen V-Motoren mit Ausgleichswellen versehen.

Worauf sollte man beim Kauf achten?

Du möchtest Dir eine gebrauchte Harley-Davidson kaufen, die nicht nur optisch zu Dir passt, sondern auch allerhöchste Ansprüche erfüllt? Setze auf echte Markenqualität - gebrauchte Harley-Schnäppchen aus 2. Gebrauchte Harley-Davidson Bikes vom autorisierten Vertragshändler haben das “HD Originals” Qualitätssiegel. Damit garantieren wir, dass Dein Traumbike von erfahrenen Harley-Davidson Mechanikern anhand unseres 99-Punkte Checks umfassend auf Herz und Nieren geprüft wurde.

Lass Dich nicht vom ersten Eindruck blenden. Denn meistens sind Harley-Davidson Motorräder, die zum Verkauf angeboten werden, frisch geputzt und auf Hochglanz poliert. Daher ist hier der zweite Eindruck entscheidend! Nimm Dir Zeit und begutachte das Bike in seinem Gesamtzustand kritisch. Am besten Du notierst alle Schäden und Mängel direkt. Ein unschönes Erscheinungsbild, das jedoch nicht auf einen Schaden hinweist, sollte auf jeden Fall als Argument für die Preisverhandlung genutzt werden!

Checkliste für den Gebrauchtkauf

  • Beurteile den Zustand der Maschine im Detail
  • Als erstes die Fahrgestellnummer am Motorradrahmen mit dem Fahrzeugbrief abgleichen
  • Ist etwas undicht an Motor, Kühlsystem, Kraftstoffanlage oder Getriebe?
  • Schleifspuren an den Enden des Lenkers, der Schwingungsdämpfer und den Armaturen können Hinweise auf einen Sturz geben
  • Umbauten: An dieser Stelle ist es sehr wichtig, mit dem Verkäufer zu klären, welche Bauteile und Komponenten umgebaut wurden, weshalb dies vorgenommen wurde und ob diese auch eingetragen sind.

Wurde die Maschine umgebaut? Wenn ja, mit Originalteilen oder Fremdteilen? Wenn an der Maschine Teile montiert wurden, die die Betriebserlaubnis betreffen, muss dies im Fahrzeugbrief eingetragen sein. Vor dem Kauf müssen alle Zulassungsvoraussetzungen zweifelsfrei und lückenlos geklärt und dokumentiert werden. Ist dies nicht möglich, solltest Du misstrauisch werden und Dir den Kauf gut überlegen.

Ist der Verkäufer der Harley-Davidson auch der Eigentümer oder nur der Besitzer? Alle nötigen Informationen zum Bike solltest Du vom Eigentümer einholen, denn er kennt seine Maschine besser als jeder Verkäufer. Wenn der Verkäufer nicht der Eigentümer ist, lass Dir sicherheitshalber eine schriftliche Verkaufsvollmacht vorlegen.

Modellübersicht

Die Eigenschaften der Bikes sind von Modell zu Modell verschieden - egal ob Gebrauchtmotorrad oder Neufahrzeug. Lass Dir daher ausreichend Zeit für Deine Entscheidung und informiere Dich umfassend, welches Bike genau Deinen Anforderungen entspricht.

Harley-Davidson Softail: Power und Stil verbunden mit Individualität und Tradition treffen auf modernste Technologie. Hierzu gehören zum Beispiel die Modelle Harley-Davidson Fat Boy, Sport Glide, Low Rider S, Heritage Classic, Softail Standard, Softail Deluxe oder die Harley-Davidson Breakout FXSB.

Harley-Davidson Dyna: Fahrdynamische Alternative zur Softail. Beliebte Modelle sind Street Bob, Fat Bob, Dyna Wide Glide oder Low Rider.

Harley-Davidson Tourer: Diese klassischen Modelle bieten mit Power und luxuriöser Ausstattung besonders für Langstrecken die perfekte Performance. Dazu gehören Road Glide, Road King, Ultra Limited, Pan America und natürlich die Harley-Davidson Street Glide und Harley-Davidson Electra Glide bzw. Electra Glide Ultra Limited FLHTK.

Harley-Davidson Sportster: Die amerikanische Legende unter den Harleys zählt zu den absoluten Klassikern und verkörpert Geschwindigkeit, Stil und Dynamik. Die Sportster umfasst die Modelle Super Low, Roadster, Forty Eight und Iron.

Harley-Davidson CVO Sondermodelle: Wie der Name bereits verrät, steht die CVO-Reihe für exklusive und vollausgestattete Harleys in limitierter Auflage. Dazu gehören beispielsweise die CVO Limited, CVO Street Glide oder CVO Road Glide.

Harley-Davidson V-Rod Familie: Die leistungsstarken “Power Cruiser” mit faszinierendem Look der Harley-Davidson Dragster und viel Hubraum, die nur noch als Gebrauchtbikes erhältlich sind.

Nicht zu vergessen ein individuelles Custom Bike von Harley-Davidson, das durch gezielte Custom-Maßnahmen seinen Look verändert hat. Dabei gehören die Bobber zu den beliebtesten Umbauten im Oldschool-Look.

Die Kosten

Gemessen an der Zahl der Neuzulassungen sind die drei beliebtesten Harley-Davidson Modelle des letzten Jahrzehnts die Harley-Davidson XL 1200 X Forty-Eight, gefolgt von der Street Bob und der Fat Bob/114. Die Fat Bob, Street Glide und die Forty-Eight sind außerdem in Deutschland die wertstabilsten Modelle mit hohem Wiederverkaufswert.

Die kleinste und bisher günstigste Harley-Davidson ist die Street 750 für einen Neupreis knapp unter 8.000 Euro. Eine günstige Einsteiger-Harley ist außerdem die Harley-Davidson Sportster XL 883 L Super Low. Auf dem Gebrauchtmarkt kannst Du je nach Alter und Zustand auch andere günstige Modelle und Baureihen bekommen.

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