Der Unterschied zwischen Auto- und Motorradöl

Viele Motorradfahrer, die schon seit langem Auto-Motoröl auch für ihre Motorräder verwenden, beachten natürlich die Spezifikationen. Im Internet liest man jedoch oft, dass man das auf keinen Fall tun soll. Doch ist das wieder nur Panikmache oder steckt da wirklich etwas dahinter? Es stellt sich die Frage, ob es tatsächlich Unterschiede zwischen Auto- und Motorradöl gibt und warum diese existieren sollten.

Hauptunterschiede zwischen Auto- und Motorradöl

Der Hauptunterschied liegt in der Scherfestigkeit. Diese spielt beim Pkw quasi keine Rolle, während beim Motorradöl, wo die Kupplungen meist im Öl laufen, eine gewisse Scherfestigkeit vorhanden sein muss, damit die Kupplung nicht rutscht. Diese Scherfestigkeit wird durch den japanischen JASO-MA Standard definiert.

Ein weiterer Unterschied ist, dass bei den meisten Motorrädern Motor und Getriebe geschmiert werden müssen, während beim Auto in der Regel nur der Motor geschmiert wird und das Getriebe in einem separaten Getriebeöl läuft. Das Getriebe kann lange Molekülketten der Öle zerschneiden, wodurch wichtige Schmiereigenschaften verloren gehen. Bei Motorradölen wird dies durch die Zugabe spezieller Additive unterbunden bzw. verringert. Zudem haben Motorräder in der Regel deutlich kürzere Ölwechselintervalle als Pkw.

Motorradmotoren erreichen meist extrem hohe Literleistungen und benötigen dafür weitaus höhere Drehzahlen als Pkw-Triebwerke. Besonders die luftgekühlten Motoren belasten das Öl stärker als die fast ausschließlich wassergekühlten Automotoren. Außerdem muss bei fast allen Motorrädern das Öl Getriebe und Kupplung mitversorgen.

Spezifikationen und Standards

Die JASO-MA Spezifikation gibt es erst seit 1999. Bei älteren Motorrädern konnte man also noch gar nicht auf diese Spezifikation verweisen. Auch bei den meisten Motorrädern Anfang der 2000er war die JASO-MA Spezifikation wohl nicht sehr verbreitet.

Ein Autoöl hat keine Spezifikation für eine Nasskupplung. Die allermeisten Motorräder haben eine Nasskupplung, was bedeutet, dass die Kupplungsscheiben direkt im Motorenöl laufen. Da Autos in der Regel eine Trockenkupplung besitzen, verfügen Motorenöle für Autos über sogenannte Low Friction Additive, die eine Oberflächenreibung im Motorinneren verringern. Diese reibungsmindernden Additive würden sich bei einem Einsatz in einem Motorradmotor auf die Kupplungskomponenten legen und ein Durchrutschen der Kupplung bewirken.

Viskosität und API-Angaben

Viskosität ist die Eigenschaft einer Flüssigkeit, ihrer Verformung einen Widerstand entgegenzusetzen. Öl hat eine hohe Viskosität, wenn es zähflüssig ist (im kalten Zustand), eine niedrige, wenn es dünnflüssig ist (im heißen Zustand). Motoröle müssen beim Kaltstart dünn genug sein, um schnell an alle wichtigen Stellen im Motor zu gelangen, und bei heißgefahrenem Motor immer noch dick genug, damit der Schmierfilm nicht reißt.

Die API-Angabe auf der Ölflasche teilt das Öl nach Qualitätsklassen ein. Der erste Buchstabe ist bei Ottomotoren ein S, der zweite sollte ein E, F oder G sein - je höher, desto besser. Allerdings ist die API eine Auto-Norm, und selbst Billigöle erfüllen oft schon API SE oder SF.

Mineralische vs. Synthetische Öle

Synthetische Öle sind Mineralölen aber klar überlegen, sie sind thermisch belastbarer, altern weniger und sorgen für sauberere Motoren. Mit hochwertigen Mineralölen sind alle "Normalfahrer" gut bedient, deren Motoren zwar auf Temperatur kommen, aber nicht ständig am Limit bewegt werden. "Randgruppen" wie Wenigfahrer mit häufigem Kaltstart- und Kurzstreckenbetrieb sowie Sportfahrer sind mit hochwertigen Synthetikölen besser bedient.

Alle Motorenöle sind untereinander mischbar, egal, ob Mineral- oder Synthetiköle. Die ersten 2000 Kilometer sollte zwingend ein Mineralöl verwendet werden, denn in dieser "Einfahrzeit" müssen sich alle bewegten Teile einander anpassen, und dieser gewünschte Verschleiß klappt mit Mineralöl besser.

Auswirkungen der Ölalterung und Ölwechsel

Jedes Öl altert, das mit Sauerstoff in Berührung kommt, aber bis zu einem Jahr Standzeit hat ein frisches Öl keine Probleme. Der Ölwechsel kann daher ruhig vor der Winterpause durchgeführt werden. Bei jedem Ölwechsel sollte auch der Ölfilter getauscht werden, denn im Filter verbleibt immer ein Rest Altöl, der beim Nichtwechsel sofort die Qualität des frischen Öls reduzieren würde.

Motoröl "arbeitet" erst ab zirka 50 Grad Celsius, und das Laufspiel der Mechanik hat erst bei Betriebstemperatur den richtigen Wert. Fünf Kilometer "Halbgas" sollten es mindestens sein.

Kupplungsprobleme und Ölsorten

Kupplungsprobleme können mit der verwendeten Ölsorte zusammenhängen. Speziell bei Synthetikölen bringt die Wahl eines anderen Synthetiköls meist wenig. Oft hilft aber das "Zurückrüsten" auf Mineralöl.

Preis und Qualität

Ordentliche Mineralöle sind ab etwa acht Euro pro Liter zu bekommen, synthetische ab etwa 14 Euro. Wer auch noch an der allerletzten Mark sparen muss, soll in Gottes Namen mit Kaufhaus- oder Baumarktöl fahren. Nach spätestens 2000 Kilometern ist aber ein Wechsel empfehlenswert. In jedem Fall muss die Ölqualität zumindest der Mindestanforderung des Fahrzeugherstellers (API-Klasse und Viskosität) entsprechen.

Wenn ein Öl schnell dunkel wird, heißt das nur, dass es Fremdstoffe in der Schwebe hält - und genau das soll es auch.

Motorradöl im Auto verwenden?

Motorradöl ist für ganz andere Belastungsbereiche ausgelegt. Zudem stehen auf jeder Öldose Freigabenummern von den Herstellern. Motorradöl ist meistens für eine Ölbadkupplung geeignet, was ein Pkw-Öl nicht ist. Des Weiteren ist ein Motorradöl deutlich höher belastbar im Bezug auf die Additive.

Zusammenfassende Tabelle

Eigenschaft Autoöl Motorradöl
Scherfestigkeit Gering Hoch (JASO-MA Standard)
Schmierung Nur Motor Motor und Getriebe
Additive Low Friction Additive Spezielle Additive gegen Molekülkettenzerstörung
Ölwechselintervalle Länger Kürzer
Anforderungen Emissionswerte, Reibwerte, Verschleißschutz Hohe Drehzahlen, Ölbadkupplung

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