Die Kette gehört zu den am meisten beanspruchten Teilen an einem Motorrad. Besonders problematisch an ihr ist, dass hier alle Gelenkteile unentwegt und mit hoher Energie aneinander reiben sowie auf die ebenfalls aus Metall bestehenden Kettenräder treffen. Ein dünner Schmierfilm ist hier unabdingbar, damit die Kette nicht schon nach kurzer Zeit verschlissen ist und ausgetauscht werden muss.
Warum ein automatischer Kettenöler?
Die meisten Motorradfahrer führen diese Kettenpflege immer noch mit Kettensprays durch. Diese Sprays haften recht zuverlässig und bringen damit das Problem mit sich, dass sie auch Schmutzpartikel binden, die beispielsweise in Kettenzwischenräumen wie Schmiergelpapier wirken und außerdem dafür sorgen, dass die Kette einfach unansehnlich aussieht. Die Kette muss also regelmäßig mit einem Öllappen abgewischt und gereinigt werden. Eine nachlässig gepflegte Kette kann ihren Dienst schon nach deutlich unter 10.000 Kilometern quittieren. Verläuft die Grundpflege mit Kettenspray und Reinigung optimal, so hat die Kette eine Lebenserwartung von etwa 20.000 Kilometern.
Seit einigen Jahren rücken hier fest installierte Kettenschmiersysteme, sogenannte Kettenöler, zunehmend ins Blickfeld. Sie haben den Vorteil, dass sie permanent, in regelmäßigen oder in frei wählbaren Abständen eine mehr oder weniger winzige Menge Öl auf die Kette geben. Das Öl hat immer noch eine gewisse Haftung, womit die Schmierfunktion gewährleistet ist. Auf der anderen Seite wird es nach einer Weile von der Kette abgeschleudert, womit sich auch die gebundenen Schmutzpartikel verabschieden.
Diese Anti-Aging-Kur soll dazu führen, dass die Kette auch nach über 20.000 Kilometern, wo bei anderen bereits das Ende ihrer Lebensspanne liegt, noch in vollem Saft steht und nahezu neuwertig ihren Dienst versieht. Das soll auch für Ketten gelten, die aufgrund einer niedrigeren Materialqualität eigentlich eine geringe Lebenserwartung haben. Die Hersteller geben hier eine mindestens Verdopplung oder Verdreifachung der Kilometerleistung an. Der Hersteller CLS beziffert die Kosten für eine getestete Kettenhaltbarkeit mit seinem Kettenöler von über 75.000 Kilometern mit rund 300 Euro.
Zudem können sich Kettenöler nicht nur positiv auf die Lebenserwartung der Kette auswirken. Die sauberere Kette kann auch mit einer Leistungssteigerung von bis zu zwei kW verbunden sein sowie den Spritverbrauch um über drei Prozent senken. Der Öllappen kann auch bei den besten Kettenölern nicht gänzlich entsorgt werden. Allerdings wird sein Einsatz deutlich seltener erforderlich, als dies bei der Verwendung von Sprays der Fall ist.
Funktionsweise und Unterschiede
Alle Kettenöler gleichen sich in dem Punkt, dass sie das Öl aus einem Vorratsbehälter durch einen Schlauch zum Endstück oder Injector leiten. Grundsätzlich unterschieden werden muss jedoch zwischen manuellen und automatischen Systemen.
Manuelle Kettenöler
Manuelle Kettenöler müssen von Hand dazu bewegt werden, Öl auf die Kette zu geben. Dazu gibt es unterschiedliche Verfahren. Beim Osco Schmiersystem beispielsweise wird ein Stift gezogen. Dadurch entsteht ähnlich wie bei einer Spritze ein Unterdruck, durch den eine kleine Menge Öl in eine Kammer gelangt. Nach dem Loslassen drückt sich der Stift langsam wieder runter und das Öl auf die Kette. Beim Nemo2 Kettenöler hingegen wird das Öl durch einen herunterschraubbaren Ölbehälter herausgepresst. Die einfachste Methode verfolgt jedoch der Loobman Kettenöler. Auf Knopfdruck wird ein Auslassventil geöffnet und den Rest besorgt die Schwerkraft.
Automatische Kettenöler
Die automatischen Kettenöler unterscheiden sich von den manuellen dadurch, dass sie abgesehen von wenigen Ausnahmen mit einer elektronischen Steuerung ausgestattet sind. Das heißt, die Ölung der Kette erfolgt ohne eigenes Zutun abhängig von festgesetzten Parametern. Hier gilt es wiederum zwischen zwei verschiedenen Klassen zu unterscheiden.
Bausätze
Die Bausätze stammen in der Regel aus engagierten Projekten und haben keinen oder nur einen geringfügigen kommerziellen Hintergrund. Die kompletten Schmiersysteme sind daher schon wie der Rehoiler Kettenöler für unter 100 Euro erhältlich und können in Deluxe-Ausstattungen, die McCoi als Alternative zu seiner Standard-Version anbietet, auf etwas über 130 Euro kommen. Der Anwender erhält dafür vielerorts gelobte automatische Kettenöler mit konkurrenzlos vielfältigen Einstellmöglichkeiten zur Feinabstimmung. Allerdings sind hier unter anderem Lötarbeiten durchzuführen, um die Platine für die elektronische Steuerung zu bestücken.
Komplette Systeme
Komfort inklusive unproblematischem Einbau versprechen automatische Kettenschmiersysteme, die betriebsbereit angeboten werden. Ihre Integration kann in Einzelfällen dann doch noch etwas kniffelig werden, wenn es beispielsweise darum geht, einen passenden Platz für Ölbehälter und Depot zu finden, Verkabelungen sowie eventuell eine Verbindung mit dem Tacho herzustellen und eine Grundjustierung vorzunehmen.
Recht günstig und sehr leicht installierbar sind dabei der K-ö-S Kettenöler und das legendäre Scottoiler vSystem. Sie liegen bei 70 beziehungsweise 130 Euro. Der K-ö-S ist allerdings sobald der Motor gestartet ist immer in gleicher Weise aktiv. Das heißt, er passt die Ölabgabemenge nicht an äußere Gegebenheiten an.
Beide Kettenöler verwenden allerdings ein Dosier- oder Fließventil zur Ölabgabe. Das heißt, der Ölfluss wird durch die Schwerkraft gewährleistet. Damit ist jedoch ein Problem verbunden. Die Viskosität oder Zähflüssigkeit von Öl ist sehr stark abhängig von der Temperatur. Im Bereich zwischen zehn und 30 Grad Celsius kann sie sich mit entsprechenden Auswirkungen auf den Ölfluss um über 400 Prozent verändern. Folge ist, dass das Ventil häufig an die Witterungsverhältnisse angepasst werden muss. Unterbleibt dies wird die Ölabgabemenge beim Übergang von eine Kälte- zu einer Wärmeperiode zu hoch sein und die Heckteile des Motorrades gleich mitölen.
Aus diesem Grunde setzen sich zunehmend automatische Kettenöler durch, bei denen eine Pumpe für den Ölfluss sorgt. Die Ölabgabemenge wird in eine Kammer geleitet und dort von einem Kolben herausgepresst. Die Viskosität des Öls und damit auch die Temperatur spielt hier keine Rolle. Es wird unabhängig von diesen Faktoren immer die gleiche Menge Öl angegeben. Das hat allerdings auch seinen Preis.
Es bleibt aber auch mit Pumpe die Frage, nach welchen Kriterien die Kettenölung stattfinden und gegebenenfalls variiert werden soll. Bei allen Systemen ist gewährleistet, dass die automatische Ölung nur bei laufendem Motor stattfindet. Ein Parameter kann dabei die Zeit sein. Über die Zeit lässt sich jedoch nicht feststellen, inwieweit beispielsweise Fliehkräfte den Ölbedarf der Kette beeinflussen. Die Sportversion von CLS hat daher zusätzlich einen Geschwindigkeitssensor integriert. Andere Kettenöler erkennen die Beschleunigung, Geschwindigkeit oder auch die zurückgelegte Strecke über eine Verbindung mit dem elektronischen Tacho. Falls dies nicht durchführbar ist, besteht die Möglichkeit einen Magnet ans Rad anzubringen und einen sogenannten Reed-Schalter zu verbauen, der bei jeder Umdrehung das Magnetsignal auffängt, um so die entsprechenden Berechnungen zu ermöglichen. Natürlich muss dem System dazu vermittelt werden, welche Strecke mit jeder Umdrehung zurückgelegt wird.
Eine ganz eigenwillige Alternative bietet hier der Pro-Oiler an. Für ihn gibt es nämlich ein optionales GPS-Modul über das Auswertungen zur zurückgelegten Stecke vorgenommen werden können. Andere Systeme beziehen einen Mix an Informationen ein, nach denen die elektronische Steuerung über ein optimales Schmierverhalten entscheidet. Dazu kann auch ein Regensensor gehören. In der Regel sind aber auch bei automatischen Kettenölern manuelle Eingriffsmöglichkeiten vorhanden. So kann ein Schalter integriert sein oder auch ein Display, dass am Lenkrad angebracht wird. Hier sind zumindest die Modi für einen Normalbetrieb, Regenverhältnisse oder die Erfordernisse bei Offroad-Touren wählbar. Im Falle eines Displays können natürlich auch Informationen zum Betriebszustand des Kettenölers angezeigt werden. Bei den CLS EVO Touring- und Sporttouringsets hat das Display noch eine weitere Funktion.
Montage und Anbringung
Eine Herausforderung, die sich bei allen Kettenschmiersystemen stellt, ist, wo das Endstück angebracht werden sollte, um eine möglichst optimale Schmierung zu erreichen. Zunächst kommen dabei Positionen auf dem Kettenrad oder Ritzel in Frage. Letzteres ist eher ungünstig, da von hier das Risiko höher ist, dass das Öl nicht zur Kette weitergeleitet sondern direkt abgeschleudert wird. Aber auch über dem Kettenrad besteht diese Gefahr, wenn auch in geringerem Maße. Dies gilt auch für mögliche Beschädigungen des Injectors, zu denen es beim Zurücksetzen kommen kann. Außerdem hat die Anbringung auf Kettenrad oder Ritzel den Nachteil, dass das Öl im ersten Moment nur einseitig auf die Kette gelangt. Um dies zu vermeiden, sind Systeme mit doppeltem Injector erhältlich.
Eine alternative Anbringung bringt das Öl direkt auf die Kette. Dabei hängt das Endstück kontaktfrei über der Kette. So wird das Beschädigungsrisiko minimiert sowie eine beidseitige Schmierung gewährleistet.
Kettenöler Vergleich 2025: Die besten Modelle im Überblick
Hier ist eine Übersicht der besten Kettenöler, basierend auf einem Vergleich vom August 2025:
| Modell | Bewertung | Preis (ca.) | Volumen | Reichweite | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Scottoiler xSystem 3.0+ Elektronischer Kettenöler | Sehr gut | ab 279,00 € | 60 ml | 2.400 km | Große Reichweite, per Bluetooth-App steuerbar, einfache und schnelle Installation | Relativ hohes Eigengewicht |
| Scottoiler SO-1205 | Sehr gut | ab 139,00 € | 50 ml | 2.200 km | Große Reichweite, inkl. Kettenöl, hochwertige Verarbeitung | Anspruchsvolle Installation |
| Scottoiler SO-5000 | Sehr gut | ab 29,00 € | 250 ml | Keine Herstellerangabe | Einfache und zuverlässige Installation, kompatibel mit den meisten Schwingarmen | - |
| Scottoiler SO-6030AMEU | Sehr gut | ab 99,00 € | 35 ml | 1.200 km | Vakuumbetriebener Kettenöler, einfache Installation | Enthält kein Kettenöl |
| Scottoiler SO-9105 | Sehr gut | ab 319,00 € | 60 ml | 2.400 km | Große Reichweite, inkl. Kettenöl, biologisch abbaubar | Anspruchsvolle Installation |
| Cobrra Nemo2 | Sehr gut | ab 99,00 € | 30 ml | 5.000 km | Sehr leicht, besonders große Reichweite | Enthält kein Kettenöl |
| Nicolie 547378 | Sehr gut | ab 36,00 € | 30 ml | Keine Herstellerangabe | Handsteuerung, einfache Installation | Relativ geringes Fassungsvermögen |
Die Qual der Wahl: Welcher Kettenöler ist der Richtige?
Die Entscheidung für den richtigen Kettenöler hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Budget: Manuelle Systeme und Bausätze sind oft günstiger als elektronische Komplettsysteme.
- Komfort: Komplettsysteme bieten in der Regel einen einfacheren Einbau und Bedienung.
- Anpassbarkeit: Bausätze und einige elektronische Systeme bieten umfangreiche Einstellmöglichkeiten.
- Fahrstil: Für sportliche Fahrer mit stark wechselnden Geschwindigkeiten eignen sich Systeme mit Geschwindigkeitserkennung.
- Witterungsbedingungen: Systeme mit Regensensor oder manueller Anpassung sind bei wechselhaftem Wetter von Vorteil.
Unabhängig von der Wahl des Systems ist eine sorgfältige Montage entscheidend für eine zuverlässige Funktion und lange Lebensdauer.
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