Automobil und Motorrad Chronik Geschichte

Ob Opas Opa ein Auto hatte? Im "Deutschen Automobil-Adreßbuch" wurden 1909 erstmals alle deutschen Automobil-Besitzer zentral erfasst. 45.000 Fahrzeuge waren registriert - Pkw, Lkw und Motorräder. Ein Buch, in dem jede und jeder in Deutschland erfasst ist, der ein Motorrad, Auto oder Lkw besitzt, ist heute undenkbar.

Vor mehr als 100 Jahren sah das anders aus: Das "Deutsche Automobil-Adreßbuch - gefertigt anhand des amtlichen Materials der listenführenden Behörden der sämtlichen deutschen Bundesstaaten" verzeichnete damals 45.000 Besitzerinnen und Besitzer. Hier können Sie das Adressbuch durchsuchen, zum Beispiel nach Namen oder Orten. Es wird die damalige Scheibweise der Orte verwendet, zum Beispiel taucht die Domstadt Köln als "Cöln" auf.

Über die Automobil-Typen steht leider nichts in dem Adressbuch. Viele der Hersteller wären heute allerdings auch unbekannt, sagt der niedersächsische Automobil-Historiker Manfred Grieger: "Anfang des 20. Jahrhunderts gab es erstmal eine Vielzahl von Produzenten, mehr als 150. Viele von denen haben auch nur drei bis fünf Autos hergestellt und waren dann wieder pleite.

Das "Deutsche Automobil-Adreßbuch" gehört zum Bestand der Universitätsbibliothek der Technischen Universität Braunschweig und wurde 2014 eingescannt und digital verfügbar gemacht. Allerdings waren die Daten damit noch nicht durchsuchbar oder in Tabellenform strukturiert. Das erledigten 2019 Mitglieder des Vereins für Computergenealogie e.V. (CompGen). Mit einer für solche Zwecke konzipierten Software tippten Freiwillige die Einträge ab und speicherten das Ergebnis in einer Datenbank.

"Die 1.210 Seiten zu erfassen, hat insgesamt nur ein paar Tage gedauert", sagt Horst Reinhardt, der an dem Projekt beteiligt war. Die Mitglieder des Vereins interessieren sich vor allem für Ahnenforschung und Familiengeschichte. "Natürlich gibt es die Hauptquellen wie Kirchenbücher und Familienstandsregister.

In Zeiten lange vor dem Internet und der digitalen Kennzeichen-Abfrage war das "Adreßbuch" vor allem für die Polizei interessant. Denn zur Jahrhundertwende mehrten sich die Unfälle mit den noch relativ neuen Automobilen. Diese Meldung etwa könnte auch heute erscheinen: "Ein tödlicher Automobilunfall ereignete sich auf der Bassumer Chaussee kurz vor Binghausen." Nur: Sie stammt vom 10.

Bei dem Unfall am 6. August 1909 wird "der 11-jährige Sohn des Kaufmanns H. Bellersen aus Twistringen" tödlich verletzt. Der Junge hatte auf einem Pferdefuhrwerk gesessen - und als das Auto näher kam, hatte der Kutscher Angst, dass die Pferde scheuen könnten. Der Junge sei auf die Straße gelaufen und dann von dem Auto erfasst worden.

Die Erfindung des Pkw maßgeblich durch Carl Benz lag da zwar schon mehr als 20 Jahre zurück, trotzdem waren die Gefährte noch relativ selten auf deutschen Straßen zu sehen. "Man kann gut einen Vergleich zur Gegenwart und dem Umstieg auf den Elektroantrieb bei Autos ziehen: Es ist oft so, dass technologische Innovationen erst einmal technisch affine Menschen mit Einkommen oder Vermögen ansprechen. So war das auch beim Auto", sagt Historiker Grieger.

"Für die war es interessant, weil sie den Zug hinter sich lassen konnten. Nicht nur das Erste-Klasse-Abteil, sondern die ganze Idee, dass unterschiedliche Klassen zusammen in einem Transportmittel fortbewegt wurden. Dort, wo Autos unterwegs waren, stellten sich nun Fragen: Wer hat welche Rechte? Fußgänger, Radfahrer, Pferdekutschen - und die neuen Automobile.

"Die anderen mochten Automobile in aller Regel erstmal gar nicht. Sie machten Staub, sie machten Lärm, sie verursachten Unfälle und gefährdeten die nicht motorisierten Personen am meisten. Manchmal wurde dieser Kampf um die Straße mit militanten Mitteln geführt.

"Es gab Attentate auf Automobilisten, zum Beispiel mit über die Straße gespannten Drahtseilen. Es gab in den Städten Proteste gegen Lärm und Gestank, und es kam immer wieder zu Übergriffen. In den Erinnerungen von August Horch (Gründer der Automobilwerke Horch und Audi, Anm. d.

"Für die meisten Menschen war ein Auto in der Zeit noch unerschwinglich", so Automobil-Historiker Grieger. Doch bereits jeder vierte Eintrag gilt einem "Wagen für Luxus-, Vergnügungs- und Sportszwecke". Denn am Anfang saßen vor allem Adelige und Vermögende hinterm Steuer oder ließen sich kutschieren. Die absolute Zahl war in Berlin am höchsten, aber der Kennzeichenbezirk mit dem höchsten Anteil an Luxuswagen war Hamburg - mit jedem zweiten registrierten Gefährt.

Später kamen Berufsgruppen dazu, die ein Auto für ihre Arbeit brauchten - zum Beispiel Landärzte oder Menschen im Vertrieb. "Für einen Krupp-Arbeiter Anfang des 20. Jahrhunderts war ein Auto ein Luxusgut, selbst ein Motorrad konnten sich die wenigsten leisten", so Grieger. Die Besitzer der "Luxuswagen" waren vor allem Kaufleute und Fabrikanten.

Nach dem Ersten Weltkrieg kommt das Fließband - eine US-Erfindung - schließlich auch in Deutschland an - ein Meilenstein auch für die Mobilität auf der Straße. "Hanomag und andere Hersteller adaptierten das Fließband und reduzierten dadurch die Preise. Eine neue Diskussion tauchte dann auf, nämlich ein Volksautomobil, ein Auto für viele.

Zum Vergleich: Heute sind laut Kraftfahrtbundesamt in Deutschland 49,1 Millionen Pkw angemeldet (Stand: 1. Januar 2024) - rund 1.000 mal so viele wie 1909 im Deutschen Reich, das noch eine ganz andere Ausdehnung hatte als die heutige Bundesrepublik.

Am Steuer saßen damals vor allem Männer. Nur vereinzelt tauchen Frauen in dem "Adreßbuch" auf, zum Beispiel Elisabeth Trincks, eine Witwe aus der Lessingstraße 24 in Hamburg. Oder Alma Eichwede aus der Seelhorststraße 18 in Hannover. Set 1909 haben sich die Verhältnisse aber geändert: Laut Kraftfahrzeug-Bundesamt besaßen zum 1. Januar 2024 mehr als 22,8 Millionen Frauen in Deutschland eine gültige Fahrerlaubnis.

Der ADAC blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ein Überblick von der Gründung als Motorradfahrer-Verein bis zur Gegenwart

  • 1903-1912: Die Anfänge als Motorradfahrer-Verein
  • 1914-1933: Erster Weltkrieg und Weimarer Republik
  • 1933-1945: Zwangsvereinigung der Automobilclubs im Dritten Reich
  • 1945-1952: Neugründung des ADAC nach dem Zweiten Weltkrieg
  • 1953-1963: Wirtschaftswunder und Ausbau der Straßenwacht
  • 1964-1973: Mehr Service für mehr Mitglieder
  • 1974-1986: Ölkrise und Einsatz für Umwelttechnik
  • 1987-1995: Wendezeit und Mitgliederwachstum
  • 1996-2010: Digitalisierung und Aufbau des Technikzentrums
  • 2011-2024: Neue Zentrale und Pannenhilfe für Fahrräder

Die Anfänge als Motorradfahrer-Verein

1903 In Stuttgart wird am 24. Mai die Deutsche Motorradfahrer-Vereinigung (DMV) als Interessensvertretung für Motorradfahrer gegründet. Bei einem Treffen in Frankfurt am Main verabschiedet der Verein seine erste Satzung. Emil Schmolz ist erster Vorsitzender. Der motorsportbegeisterte Bruder Kaiser Wilhelms, Prinz Heinrich von Preußen, wird Ehrenmitglied. Diese Personalie verschafft dem Verein Zugang zu Politik und Hochadel.

1905 Die DMV hat 10.000 Mitglieder und damit mehr als alle anderen deutschen Kraftfahrervereinigungen zusammen. Neuer DMV-Vorsitzender wird Dr. Josef Bruckmayer aus München. Der Verein zieht von Stuttgart nach München.

1906 Mit dem Kaiserlichen Automobil-Club (KAC) schließt die DMV einen Kooperationsvertrag. Der DMV wird die Pflege des Motorradwesens und kleiner Motorwagen bis zu einem Preis von 3500 Mark anvertraut. Sportveranstaltungen werden gemeinsam durchgeführt. Der KAC vertritt die DMV bei allen in- und ausländischen Behörden. Mit Prinz Ludwig Ferdinand von Bayern tritt das zweite Mitglied des Hochadels der DMV bei.

1907 Immer mehr Mitglieder der DMV fahren ein Auto. Sie ermöglichen den zollfreien Grenzübertritt von Kraftfahrzeugen und erleichtern damit das Reisen in Nachbarländer enorm. Der Service zeigt Wirkung: Die Mitgliederzahl steigt sprunghaft an. Die Prinz-Heinrich-Fahrt ist eine der ersten großen Motorsport-Veranstaltungen unter der Ägide von KMC und DMV. Der Tourenwagen-Wettbewerb führt von Berlin nach Frankfurt am Main.

1909 Die Zahl der Autos steigt, und auch Verkehrsunfälle werden häufiger. Als besonders gefährlich erweist sich das Aufeinandertreffen von Pferdefuhrwerken und Pkw. Die Regierung erlässt deshalb ein Automobil-Haftpflichtgesetz, das Kraftfahrenden die Haftung auch dann zuweist, wenn sie den Unfall nicht verschuldet hatten. Die DMV kritisiert das neue Gesetz, allerdings erfolglos.

1910 Der "Motorfahrer", die Vereinszeitschrift der DMV, attackiert die Einführung einer Straßenbenutzungsgebühr durch bayerische Gemeinden. Mit Erfolg: 1913 wird dieser "Pflasterzoll" wieder abgeschafft.

1911 Unter den 17.000 Mitgliedern sind 12.000 Wagenbesitzer. Die DMV beschließt daher, sich in "Allgemeiner Deutscher Automobilclub" (ADAC) umzubenennen. Der Club will sich künftig um alle Formen der motorisierten Fortbewegung kümmern: Motorrad, Motorwagen, Motorboot, Flugzeug und Luftschiff.

1912 Immer mehr Verkehr erfordert immer mehr Regeln. Der ADAC stellt die ersten Verkehrsschilder auf.

Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

1914 In der Zeitschrift "Motorfahrer" fordert der ADAC eine gleichberechtigte Rolle unter den deutschen Kraftfahrer-Verbänden. Obwohl er der mit Abstand größte Verband sei, werde er von der Konkurrenz behindert und vom Staat missachtet. Unterstrichen wird dieser Ruf nach Aufmerksamkeit durch einen Protesttag in Eisenach.

1914 - 1918 Mit Beginn des Ersten Weltkriegs ertönen auch beim ADAC kriegerische und nationalistische Töne. Der Club richtet freiwillige "Automobil-Kolonnen" ein, die als mobiler Hilfsdienst zwischen Depots, Lazaretten und Bahnhöfen verkehren. Die Mitglieder werdenaufgerufen, ihre privaten Kraftfahrzeuge für Verwundetentransporte zur Verfügung zu stellen. Privatfahrten mit dem eigenen Fahrzeug sind seit 1915 untersagt.

1919 Nach dem Krieg machen viele Probleme den Kraftfahrern zu schaffen. Wegen der Kraftstoffknappheit gelten Fahrbeschränkungen, es fehlt an Ersatzteilen. Der ADAC richtet einen Wettbewerb um den besten Vergaser aus. Das Ziel: robuste Technik entwickeln, die mit verschiedenen Kraftstoffmischungen umgehen kann. Sieger wird ein Modell von Lyma.

1920 Wirtschaftskrise in Deutschland. Der ADAC verlangt eine Förderung der deutschen Autoindustrie und fordert die Freigabe des immer noch verbotenen privaten Kraftfahrzeugverkehrs. Tragischer Unfall auf der Olympia-Rennbahn in Berlin: Beim ersten Bahnrennen für Motorräder nach dem Krieg stirbt ein Mensch, sechs werden verletzt.

1921 Inflation und hohe Steuern machen den Automobilisten das Leben schwer. In den 20er- und 30er-Jahren veranstaltet der ADAC alljährlich eine Langstrecken-Straßenprüfung für Autos und Motorräder, die durch ganz Deutschland führt. Begründet wird diese Tradition 1921 mit der ersten Reichsfahrt von Berlin nach Heidelberg.

1922 Auf der 1921 eröffneten Avus in Berlin findet das erste ADAC Rennen statt. Dort besuchen die Teilnehmer das Autorennen "Targa Florio".

1925 "Der Motorfahrer" erscheint zum letzten Mal. Die Mitglieder des ADAC erhalten fortan zwei verschiedene Zeitschriften: zweimal wöchentlich die Zeitung "ADAC Sport" und monatlich das Magazin "ADAC Motor-Welt". Nach 20-jähriger Präsidentschaft tritt JosefBruckmayer überraschend zurück. Interimspräsident wird Fritz Krüger aus Dresden.

1926 Als juristische Beilage zum "ADAC Sport" erscheint erstmals die Zeitschrift "Deutsches Autorecht" (DAR). Sie ist eine Antwort auf die vielen Verfahren rund um das Kraftfahrzeug. Die DAR erscheint bis heute. Carl Fritz aus München wird neuer ADAC Präsident.

1927 Eine Kernforderung des ADAC wird erfüllt: Im Deutschen Reich beginnt man, einheitliche Straßenschilder aufzustellen. 700.000 zugelassene Fahrzeuge und die steigende Unfallzahl machen eindeutige Bestimmungen unumgänglich. Die Einweihung des Nürburgrings wird als nationales Großereignis gefeiert: Nach langem Ringen hat Deutschland eine repräsentative Rennstrecke. Die Südschleife führt über 7,7 Kilometer Länge, die Nordschleife ist 22,8 Kilometer lang. Am 2. und 3. Den Anfang bilden 34 Motorrad-Beiwagen-Maschinen. Drei Pioniere der Kraft- und Luftfahrt werden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Carl Benz, der Vater des Kraftfahrzeugs, Ludwig Dürr, Erbauer von 129 Luftschiffen, und Hugo Eckener, ein Pionier des Luftschiffbaus.

1929 Der ADAC empfiehlt eine jährliche technische Überprüfung der Kraftfahrzeuge auf freiwilliger Basis. Dies begründet letztlich die Einführung einer technischen Hauptuntersuchung, die heute alle zwei Jahre Pflicht ist. Frauen am Steuer werden alltäglich. Folgerichtig widmet ihnen die "Motorwelt" eine eigene Rubrik "Dame und Motorsport".

1930 Um im Notfall Hilfe leisten zu können, lässt der ADAC für seine Mitglieder in einem Feldversuch entlang der Strecke München - Garmisch 15 Telefonhäuschen errichten. Die Notrufsäule ist geboren. Der Club kritisiert, dass bei Straßenbauarbeiten stets beide Fahrtrichtungen gesperrt werden. In Hannover greift man die Kritik auf und sperrt nur noch eine Richtung - der Verkehr kann weiterfließen.

1931 Der ADAC protestiert gegen Benzinpreiserhöhungen und spricht sich gegen die Beimischung von Spiritus im Kraftstoff aus. Nach Ansicht der Experten schädigt gepanschter Sprit den Motor. Die weltweite Rezession trifft auch die Automobilindustrie. Der ADAC ruft in der "Motorwelt" dazu auf, deutsche Autos zu kaufen, um die Volkswirtschaft anzukurbeln.

1932 Mit einer Strahlenfahrt weiht der ADAC die "Kraftfahrstrecke" von Köln nach Bonn ein. Sie führt über das erste 20 Kilometer lange Teilstück der ersten Autobahn, die das rheinisch-westfälische Industriegebiet mit dem Mittelrhein verbinden soll. In allen Gauen organisiert der ADAC Protestkundgebungen gegen die hohe Abgabenlast, unter der die Autofahrer nach Meinung des Clubs leiden.

1933 Der ADAC gründet einen unabhängigen Gutachterservice. Unter Druck unterzeichnen die Vertreter dieser vier größten Clubs am 24. Juli 1933 ein Papier, das als "Pakt von Baden-Baden" in die Kraftfahrtgeschichte eingeht. Darin wird die Führung im deutschen Kraftfahrtwesen dem nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps NSKK übertragen. Am 27. September 1933 schließlich wird der Einheitsclub mit dem Namen DDAC (Der Deutsche Automobilclub) aus der Taufe gehoben. Dies unterbricht die Geschichte des selbstständigen ADAC für fast 13 Jahre.

Neugründung nach dem Krieg

Im Jahr 1945 wird die Neugründung des ADAC nach anfänglicher Zustimmung wieder untersagt. Erst ein Jahr später wird der Club unter seinem alten Namen - vorläufig nur inBayern, dann in der gesamten amerikanischen Besatzungszone - neu gegründet. ADAC Präsident ist Ludwig Sporer aus München.

1948 Durch die Währungsreform gerät der Club in einen finanziellen Engpass - eineKreditaufnahme ist erforderlich. Ein Lichtblick ist die Rückgabe des beschlagnahmten Clubgebäudes an der Münchner Königinstraße. Die "Motorwelt" erscheint wieder. Hans Meyer-Seebohm wird zum neuen ADAC Präsidenten gewählt.

1949 Während der ADAC in den Westzonen wieder existiert, gibt es ihn in der sowjetischen Zone nicht. Weil viele Straßen durch Bombenangriffe beschädigt sind, bringt der Club eine Straßenzustandskarte heraus. Sie soll den Autofahrern dabei helfen, schlechte Streckenabschnitte zu meiden und so Fahrzeug und Reifen zu schonen und Benzin zu sparen.

1950 Der Club verabschiedet seine neue Satzung, die im Wesentlichen bis heute Bestand hat. Oberstes Organ ist die Hauptversammlung, die das Präsidium wählt und den Haushalt genehmigt. Das Präsidium führt die Geschäfte. Neue Straßenkarten für das Inland werden erstellt - erstmals nicht mehr im Schwarz-, sondern im Fünffarbendruck. Der ADAC ernennt Ferdinand Porsche zum Ehrenmitglied.

1951 Der Club beschließt den Aufbau eines Straßenhilfsdienstes und einen kostenlosenKrankenrückholtransport. Auch ein Rückholdienst für defekte Fahrzeuge aus dem Ausland wird ins Programm aufgenommen. Als der Plan der Bundesregierung publik wird, eine Autobahngebühr einzuführen, reagiert das Präsidium des ADAC mit einem Protesttelegramm an das Bundesfinanzministerium. In der "Motorwelt" wird in Leitartikeln gegen diese Überlegungen gewettert und zum Boykott aufgerufen.

1952 Wer eine Auslandsreise unternehmen will, benötigt auch einen Pass für sein Fahrzeug. Der ADAC richtet am Grenzübergang Bad Reichenhall einen Kiosk ein, an dem Mitglieder nachträglich die Reisedokumente für ihr Fahrzeug bekommen. Mit Erfolg, weitere Grenzkioske werden eröffnet.

Wirtschaftswunderzeit: Ausbau der Straßenwacht

1954 Für eine halbe Million Mark schafft der Club 60 Motorradgespanne für die neue ADACStraßenwacht an. In den Beiwagen befindet sich das Werkzeug für die Pannenhelfer. Hauptaufgaben der Straßenwachtfahrer - allesamt ausgebildete Automechaniker - sind die Unterstützung bei Pannen und Erste Hilfe. Allein in den ersten drei Monaten leistet die Straßenwacht 25.000-mal Beistand. Daraufhin wird der Ausbau auf 100 Fahrzeuge beschlossen. In der Presse taucht erstmals die Bezeichnung "Engel der Straße" auf.

1955 Für die wachsende Zahl der Camper unter den Mitgliedern richtet der ADAC eine"Betreuungsgruppe Camping" ein. Der ADAC schreibt seine erste 3000 Kilometer lange Rallye aus. Dabei sollen "die Fahrer nicht nur Sprintvermögen auf der Rennbahn, sondern auch Ausdauer auf der Langstrecke beweisen", wie die "Motorwelt" schreibt. Von den StartortenHamburg, München oder Dijon aus geht es über den Nürburgring weiter nachFrankreich und wieder zum Nürburgring.

1956 Im September erklärt der Automobil- und Touringclub Saar (ATS) seinen Beitritt zum ADAC. Einen Monat später entscheiden sich die Saarländer für den Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland. Der ADAC richtet eine Zentralfundstelle ein. Das Prinzip ist einfach: Auf Autobahnen und Bundesstraßen werden alle Fundstücke, die wahrscheinlich von Kraftfahrern stammen, auf Karteikarten erfasst. Die erste Straßenwachtstation wird am Zonenübergang Berlin-Dreilinden eröffnet. Im Lauf des Jahres werden zusätzliche Stationen in Hannover, Köln, Stuttgart, Frankfurt und München eingeweiht.

1958 Für eine Gebühr von drei Mark pro Jahr können Mitglieder einen Auslandsschutzbrief erwerben. Er hilft im Fall einer Panne oder eines Unfalls. Zudem ist ein Kreditbrief über500 Mark enthalten, mit dem anfallende Reparaturen bezahlt werden können. Der ADAC Verlag wird gegründet. Das Wissen der Clubexperten soll Mitgliedern und Nichtmitgliedern mit Ratgebern zugänglich gemacht werden.

1959 Der ADAC testet erstmals Kleinwagen. Auf dem Prüfstand sind unter anderem Kupplung, Bremsen und Beschleunigung. Die Ergebnisse werden in der "Motorwelt" veröffentlicht.

1960 In Deutschland verunglücken im europäischen Vergleich die meisten Kinder im Straßenverkehr. Der ADAC bittet deswegen die Kultusminister der Länder, Verkehrserziehung in den Schulunterricht zu integrieren. Die Schutzbriefleistungen werden erweitert: Jetzt schickt der Club Ersatzteile ins Ausland, und ein Rückholdienst für kaputte Wagen wird auch für das Inland eingeführt.

1961 ADAC Reiseruf: Der Club verständigt in Notfällen Angehörige im Urlaub über das Radio. Um Fahranfängern mehr Praxis zu ermöglichen und somit die Sicherheit auf denStraßen zu erhöhen, fordert der ADAC den Bau von Übungsplätzen.

1962 Stetig steigende Zulassungszahlen - zehn Millionen Kraftfahrzeuge sind registriert -veranlassen den Club, den Umstieg der Straßenwacht vom Motorrad aufs Auto voranzutreiben. Der VW-Käfer wird als Straßenwachtfahrzeug ausgewählt. Nach der schwersten Hochwasserkatastrophe in Norddeutschland seit über 100 Jahren unterstützt die Straßenwacht die Rettungsarbeiten und versorgt die Menschen mit Medikamenten, Kleidung und Nahrungsmitteln.

1963 Jeder dritte Verkehrstote ist ein Fußgänger. Der ADAC ruft deshalb den Wettbewerb"Sicherheit für den Fußgänger" ins Leben. Städte und Gemeinden werden ausgezeichnet, die sich besondere Verdienste um die Fußgängersicherheit erworben haben. Die Verwaltungsarbeit ist ohne elektronische Hilfe nicht mehr zu bewältigen. In der Münchener Clubzentrale wird ein "Elektronengehirn", wie Computer damals genannt werden, installiert.Der Computer "IBM 1401" soll die Mitarbeiter entlasten.

Mehr Service für mehr Mitglieder

1964 Die Straßenwacht nimmt Prüfstände für Brems-, Reifen- und Tachometertests in Betrieb. Unter der Münchner Telefonnummer 22 22 22 richtet der ADAC einen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst für dringende Notfälle ein. Sie ist bis heute gültig. Als Extraservice beim Auslandsschutzbrief können sie auch eine Rechtschutzversicherung fürs Ausland kaufen. In einem "Manifest der Kraftfahrt" fasst der Club seine Forderungen zum weiteren Ausbau der Straßen, ihrer Finanzierung und der staatlichen Verantwortung gegenüber allen motorisierten Bürgern zusammen.

1966 Die "Motorwelt" befragt die Leser zu ihrer Haltung zum Tempolimit. Das Ergebnis ist eindeutig: Sieben von acht Autofahrern lehnen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ab. Der ADAC st...

Jahr Ereignis
1903 Gründung der Deutschen Motorradfahrer-Vereinigung (DMV)
1911 DMV wird in Allgemeiner Deutscher Automobilclub (ADAC) umbenannt
1933 Zwangsvereinigung zum DDAC im Dritten Reich
1946 Neugründung des ADAC nach dem Zweiten Weltkrieg
1954 Aufbau der ADAC Straßenwacht

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