Die Geschichte des AWO Motorradlogos

Viele alte Motorradmarken sind uns noch gut in Erinnerung, auch wenn die Firmen von damals schon lange keine Motorräder mehr produzieren. Manchmal verbinden wir die Markennamen dieser Firmen auch mit anderen Dingen. Vermutlich denken die meisten von uns bei Miele zuerst an Waschmaschinen, bei Victoria, Dürkopp, und Wanderer bestenfalls noch an Fahrräder, bei Adler an Omas Nähmaschine und bei Mars gar an einen Schokoriegel. Bei AWO fällt mir als „Wessi“ zuerst nur die Arbeiterwohlfahrt ein. Warum hätten wir im Westen uns auch mit AWO beschäftigen sollen, schließlich hatten wir BMW.

Immer wieder liest man von den vergangenen Zeiten und der Biker-Szene im Osten, und immer wieder tauchen die AWOs darin auf. Meist sind es in den Erzählungen wilde Chopper-Umbauten, gefahren von Jungrockern in Jeanskutten mit Vokuhila-Frisur. Originale finden wenig Erwähnung. Bis heute haben, den Anzeigen auf dem Gebrauchtmarkt nach zu urteilen, verhältnismäßig wenige Exemplare den Weg in den Westen gefunden. Ossis werden nun sicher ihre Häupter schütteln, denn für sie war eine AWO völlig alltäglich.

Die Anfänge: Awtowelo und die Entwicklung der AWO 425

Die Geschichte von AWO beginnt nach dem zweiten Weltkrieg. Im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands wurden die früheren Waffen- und Fahrzeugherstellungsbetriebe in die eine SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) mit dem Namen „Awtowelo“ umgewandelt, mit dem Zweck Reparationsleistungen zu erfüllen.

Zu diesen Betrieben gehörten nicht nur kleinere mechanische Fabriken in Sachsen und Thüringen, sondern auch das ehemalige BMW Werk in Eisenach und die Waffenschmiede Simson, die unter der Naziherrschaft zuvor als „Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke Simson & Co. Die neuen, russischen Eigentümer hatten jedoch kein Interesse daran wieder Waffen fertigen zu lassen, sondern beauftragten die beiden Ingenieure Helmut Pitz und Ewald Dähn ein Motorrad zu entwickeln. Unter Mitwirkung der Konstrukteure Michael Heise und August Prüssing, einem ehemaliger Rennleiter der Auto-Union, wurden 1949 die ersten beiden Prototypen präsentiert.

Die Materialbeschaffung gestaltete sich in der damaligen DDR nicht gerade einfach. Der Wellenantrieb der AWO war eine Vorgabe, die wegen der Tatsache angeordnet wurde, dass Ketten im Osten nicht ausreichend verfügbar waren. Bis 1952 wurden die AWO Doppelschleifenrahmen aus teuren Chrom-Molybdänstahlrohren gefertigt, die aus dem Westen von der Firma Kronprinz aus Solingen bezogen werden mussten. Stahlrohre waren Mangelware. Trotzdem steigerte sich die Produktion rasant. Wurden 1951 noch 7.300 Motorräder unter dem Namen AWO 425 gebaut, waren es 1955 schon 20.000.

Die AWO wird Simson: Übergang zur DDR-Produktion

Zwischenzeitlich wurde im Mai 1952 das AWO-Werk in Suhl von den Russen an die DDR Regierung übergeben. Damit änderte sich die Bezeichnung der Motorräder von AWO in Simson 425 (T oder S). Auch die Kürzel VEB (Volkseigener Betrieb) und IFA (Industrieverband Fahrzeugbau) waren von nun an auf den Plaketten der AWO Motorräder zu finden. Vermutlich war das eine Folge weiterer Zentralisierungsbestrebungen der Staats- und Parteiführung der DDR hinein in eine Kombinats-Struktur.

Obwohl sich der Fahrzeugbau entsprechend der Produktionspalette (LKW, PKW, Busse, Motor- und Fahrräder, Motoren, Traktoren, Anhänger) in mehrere Kombinate gliederte, wurde das Kürzel IFA allen Kombinats-Namen vorangestellt. Damit sollte der Fahrzeugbau im Regierungsauftrag vor allem international ein einheitliches Erscheinungsbild abgeben. Heute sind nahezu alle Fahrzeughersteller um Charakteristika mit Wiedererkennungswert innerhalb der gesamten Modellpaletten bemüht und nennen das „Corporate Identity“.

AWO 425 T und S: Touring und Sport Modelle

Der Erfolg der AWO 425 motivierte die Konstrukteure 1954 ein sportlicheres Pa­rallel-Modell zu planen. Bereits 1956 wurde die AWO 425 S (Sport) auf der Leipziger Messe vorgestellt und ab 1957 in Suhl produziert. Die Motorleistung der S stieg gegenüber der ursprünglichen 425, die nun Touring hieß und mit einem T gekennzeichnet wurde, von 12 PS bei 5500 U/min. auf 14 PS bei 6300 U/min. und ab 1959 sogar auf 15,5 PS. Gleichzeitig erhöhten sich auch das Gewicht von 140 kg auf 161 kg und der Spritverbrauch von 3,3 auf 3,7 Liter/100 km. Das Fassungsvermögen des Tanks wurde von 12 Liter auf 16 Liter angepasst. Die Höchstgeschwindigkeit wuchs um 10 km/h auf ganze 110 km/h.

Die Führung des Hinterrades übernahm nun eine gezogene Schwinge, die beiden Schwingsättel wichen einer Sitzbank, die später gegen zwei Sitzkissen mit Griff für den Sozius getauscht wurden, und die Bremsen wurden zur Vollnarbenbremse überarbeitet. Der Rahmen der AWO 425 S verfügte gegenüber der AWO 424 T über vier Aufnahmen, so dass der Seitenwagen „Stoye Elastik“, ebenfalls ein Spitzschiff, jedoch mit komfortabler Schwingfederung, angesetzt werden konnte.

Kleinserien für Wettbewerbszwecke mit bis zu 350 ccm wurden nicht nur als Straßenmaschinen für das Werksteam und Privat-Rennfahrer, sondern auch in einer Enduro-Version gefertigt, die als Eskorte-Maschine für Behörden und die Volksarmee eingesetzt wurde.

Das Ende der AWO-Produktion und die Nachwirkungen

1961 musste abrupt die Produktion, trotz der anhaltend großen Nachfrage, auf Anweisung übergeordneter Dienststellen hin eingestellt werden, da man die Hoffnung hegte, dadurch die nur 70-prozentige Auslastung des Motorenwerkes Zschopau (MZ) zu verbessern. Man entschied stattdessen, sich auf die Produktion von Kleinkrafträdern mit 50 ccm Zwei-Takt-Motoren zu konzentrieren. Zur Aufnahme der Produktion einer Simson AWO mit 350 ccm und neuem Design kam es in Folge dieser Anordnungen leider nicht mehr.

Auch die in Suhl bereits als Prototyp gefertigte AWO 700 mit Boxermotor, die bei EMW (Eisenacher Motorenwerke) als starke Seitenwagenmaschine entwickelt wurde, ging nicht mehr in Serie. Es folgte im VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl ein dreijähriges Produktionsloch, bis es 1964 mit der Herstellung der „Vogelserie“ Schwalbe, Spatz und Star weiter ging.

Das Produktionsende 1961 bestärkte die 4-Takt-Fans erst recht an ihren Eintöpfen fest zu halten und so prägte die AWO die Motorrad-Subkultur der DDR umso mehr. Die AWO war für alle, die damals auf „Easy Rider“ machen wollten, die erste und abgesehen von der veralteten EMW R35, auch nahezu einzige Wahl. Es folgten zahlreiche private Umbauten vom Chopper bis hin zum Dreirad mit Kippvorrichtung. Sehr beliebt war der Einbau der längeren und besser ansprechenden Gabel aus der MZ.

Häufig wurde auch die Zündung überarbeitet, da die vom 6 Volt Bord-Netz unabhängig arbeitende Magnetzündung oft Schwierigkeiten durch Magnet- und Spulenschäden machte. Deshalb wurde von vielen nachträglich auf Batteriezündung umgestellt, was natürlich den Nachteil der Abhängigkeit von der Batterie mit sich brachte. Vielfahrer kamen deshalb auf die Idee, ihre AWO mit beidem auszurüsten, so dass beim Ausfall der Magnetzündung durch Umstecken des Zündsteckers auf Batteriezündung gestellt werden konnte.

Dank der hohen Fertigungszahl ist die Ersatzteilversorgung für AWOs auch heute noch unproblematisch. Nach der Wende gründeten ehemalige Mitarbeiter 1991 die Suhler Fahrzeugwerke GmbH. Das Werk schleppte sich jedoch nur bis zum Juni 2002 mit der Produktion von erfolglosen 125er Modellen durch und musste schließlich Insolvenz anmelden. Daran konnte auch der Designpreis 2001 nichts mehr ändern, der der Firma kurz vor der endgültigen Schließung der Werkstore für die Simson 125 RS in Thüringen verliehen wurde.

Im ehemaligen Simson Werk in Suhl entstand danach ein Fahrzeugmuseum.

Technische Daten der AWO 425 Modelle

Merkmal AWO 425 T (Touring) AWO 425 S (Sport)
Motorleistung 12 PS bei 5500 U/min 14 PS bei 6300 U/min (später 15,5 PS)
Gewicht 140 kg 161 kg
Spritverbrauch 3,3 Liter/100 km 3,7 Liter/100 km
Tankvolumen 12 Liter 16 Liter
Höchstgeschwindigkeit 100 km/h 110 km/h

Die Restauration einer Legende: Stefan Neumann und die Simson AWO 425

Wenn Nostalgie auf meisterhaftes Handwerk trifft, entsteht ein Meisterwerk - so auch bei der Restauration dieser Simson AWO 425 aus dem Jahr 1958. Ein Motorrad, das in der DDR eine Legende war, aber erst durch die Kunstfertigkeit von Restaurator Stefan Neumann in seiner heutigen Pracht erstrahlt. Hier werfen wir einen Blick auf die beeindruckende Arbeit, die in dieses Projekt geflossen ist.

Die Simson AWO 425, ein echtes Stück deutscher Motorradgeschichte, hätte sicherlich ihre besten Tage gesehen, wenn sie nicht von Stefan Neumann mit so viel Hingabe und Detailtreue restauriert worden wäre. Auf den ersten Blick mag man denken, es handelt sich um ein komplett neues Motorrad - doch dieses Schmuckstück erzählt eine Geschichte von Handwerkskunst, Leidenschaft und unermüdlichem Einsatz.

Stefan Neumann, ein wahrer Meister seines Fachs, hat jedes einzelne Detail dieses Motorrads in Angriff genommen. Von der mühevollen Wiederherstellung des Motors bis hin zu den komplexen Chromarbeiten an den Felgen und dem Auspuff - jedes Element wurde mit äußerster Präzision behandelt. Der Tank, der in seinen ursprünglichen Farben wieder auferstanden ist, die getunte Sitzbank und der perfekt restaurierte Rahmen geben der AWO 425 ein fast unberührtes, ursprüngliches Aussehen, das mit moderner Technik kombiniert wurde.

Stefan Neumann versteht die Kunst der Restauration als eine Kunstform. Es geht nicht nur um das Reparieren, sondern um das Wiederbeleben der Geschichte. Jedes Motorrad, das er restauriert, wird zu einem Kunstwerk, das den Geist seiner Zeit atmet. Neumanns Liebe zum Detail und sein tiefes Verständnis für klassische Motorräder machen ihn zu einem der angesehensten Restauratoren in der Szene. Für ihn ist jedes Stück ein Meisterwerk, das es verdient, in seiner vollen Pracht zu erstrahlen.

Die Geschichte dieses Motorrads beginnt 1960 in den Simson-Werken in Suhl, Deutschland. Unter Verwendung innovativer technischer Lösungen ist mein Motorrad eines der 85.000 produzierten Exemplare des Modells 425 Sport. Für die 1960er Jahre waren die Leistungen des Motorrads ziemlich beeindruckend: Es hatte einen 4-Takt-Motor mit 250 Kubikzentimetern, 14 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h.

Nach einem vierjährigen Auslandsaufenthalt, der 2017 endete, war eines der ersten Dinge, die ich tat, meine Simson zu einer Ausfahrt mitzunehmen. Ich stellte es in der Fahrradgarage meines Wohnhauses ab, so dass es vor Korrosion und schlechtem Wetter geschützt war und ich es in diesem Zustand bis zum 24. Januar 2019 nutzen konnte. Von diesem Zeitpunkt an beschloss ich, das Fahrrad komplett zu überholen, Teil für Teil, bis zur letzten Schraube, aber im Rahmen meines knappen Budgets.

In der ersten Phase musste ich eine Reihe von Vorrichtungen, Pressen und Abziehvorrichtungen entwerfen und bauen, um den Motor zerlegen zu können. Dann baute ich einen Kompressor aus recycelten „Schrottteilen“ und lackierte das Motorrad so, wie ich es mir in seiner Blütezeit vorstellte. Der Rahmen und das Zubehör wurden in eine Spezialwerkstatt gebracht, wo sie sandgestrahlt und in einem elektrostatischen Feld lackiert wurden, während andere nach Oradea zum Verchromen geschickt wurden.

Letzten Endes kann ich jedoch sagen, dass eine solche Arbeit nur mit viel Herz und Leidenschaft erledigt werden kann, denn das ist überhaupt nicht produktiv oder effizient, weil man sich voll und ganz in die Arbeit stürzen muss, sobald man die Werkstatt betritt. Der Vorteil ist, dass man das Gefühl hat, dass alle Sorgen im Nu verschwunden sind. Das Vergnügen, die Simson zu restaurieren, war ebenso groß wie das, sie zu fahren.

Die Geschichte von Simson: Von Waffen zu Fahrrädern und Motorrädern

Basis war ein Stahlhammer, der bereits 1741 von Andreas Bauer gegründet wurde und von den Brüdern Simson im Jahre 1854 gekauft wurde. Die Produktion von Holzkohlenstahl lief weiter, das Erzeugnis wurde aber bald für die Herstellung von Waffen verwendet. Die ersten Fahrräder, die englischen Vorbildern ähnelten, fuhren ab 1896 auf deutschen Straßen und die Firma Simson wurde bald zu einem der großen Fahrradproduzenten.

Wurden 1856 gerade 20 Mitarbeiter beschäftigt, so gab es 1918 3.500. Ab 1908 wurden auch PKW gebaut, zwischen 1924 und 1930 sogar ein Rennwagen mit der Bezeichnung Simson Supra, der im Rennsport sehr erfolgreich fuhr.

Aufgrund des Vertrags von Versailles war die Firma Simson in Suhl der einzige konzessionierte Waffenproduzent für Maschinengewehre in Deutschland. Daher begann schon 1933, kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, der Zugriff durch den thüringischen Gauleiter Fritz Sauckel auf diesen Betrieb. So wurde 1934 der Familie Simson die Kontrolle über ihre Firma zwangsweise entzogen und ein Treuhänder eingesetzt. Der Firmenname wurde auf Berlin-Suhler Waffen- und Fahrzeugwerke Simson & Co. (BSW) geändert und die Automobilproduktion zu Gunsten der strategisch wichtigen Rüstungsproduktion eingestellt.

Nach einem Scheinprozess mit konstruiertem Material wurde die Familie Simson dann de facto enteignet, womit der Prozess der Arisierung bei dieser Firma schon im Jahr 1935 abgeschlossen war. Die Familie konnte 1936 ins Ausland fliehen und wanderte in die USA aus. Der Name Simson wurde schließlich aus der Firmenbezeichnung gestrichen. Ende 1935 waren die BSW der Grundstock des neuen Rüstungskonzerns Wilhelm-Gustloff-Stiftung, geleitet durch Fritz Sauckel persönlich. 1939 erfolgte die Umbenennung in Gustloff-Werke - Waffenwerk Suhl. Die Belegschaft wuchs auf über 6.000 Mitarbeiter.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Werke von den Alliierten als Rüstungsbetrieb eingestuft, das Werk 1946 weitgehend demontiert und als Reparationszahlung in die Sowjetunion transportiert. Mit dem Rest wurde die Produktion von Jagdwaffen, Kinderwagen und Fahrrädern wieder begonnen. 1947 wurde Simson in die sowjetische Aktiengesellschaft SAG Awtowelo (AWO) eingegliedert.

Ende 1948 erhielt das Werk von der sowjetischen Militäradministration (SMAD) den Befehl, ein seitenwagentaugliches Motorrad mit 250-cm³-Viertaktmotor zu bauen, die legendäre AWO 425. Dieses Modell ähnelt sehr stark der EMW beziehungsweise BMW R25, jedoch sind die Fahrzeuge kaum ersatzteilkompatibel.

Am 1. Mai 1952 wurde das Werk als VEB Fahrzeug und Gerätewerk Simson Suhl ein volkseigener Betrieb der DDR und in das IFA-Kombinat eingegliedert. "Dampfhammer" genannt - zugunsten der kleineren 50-cm³-Mokicks eingestellt. Somit war Simson fortan nur noch für die Mokicks bis 70 cm³ zuständig, während die großen Motorräder von MZ hergestellt wurden. Diese Aufteilung der Marktsegmente blieb bis zum Ende der DDR bestehen.

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde Simson von der "Treuhandanstalt" abgewickelt, aber sofort wieder neu gegründet als Suhler Fahrzeugwerk GmbH.

Die Mokickbaureihen wurden modernisiert und man engagierte sich im Automobilbau, indem man das im Schwarzwald entwickelte viersitzige Elektroauto namens "Hotzenblitz EL-Sport" produzierte. Allerdings wurde das Modell nur in einer kleinen Serie von 140 Stück gefertigt, da es kaum Kaufinteressenten gab.

Nach mehreren Beinahe-Insolvenzen musste die Firma am 28. Juni 2002 endgültig Insolvenz anmelden; der Firmenbesitz wurde im Mai 2003 versteigert. Die Ersatzteilversorgung ist vorerst gesichert durch diverse Teilehändler.

50 Jahre AWO: Ein Jubiläum in Suhl

Fast hätte das IFA-Fahrzeugfestival zur gleichen Zeit stattgefunden wie eine Feier, die zu Ehren einer weiteren DDR-Legende am letzten Aprilwochenende in Suhl über die Bühne ging: "50 Jahre AWO". Die Geschichte des Motorrades begann mit einem sowjetischen Befehl. Wie Hans-Jürgen Schwanitz vom Fahrzeugmuseum Suhl berichtete, wurde Ende 1948 die Entwicklung eines 250-Kubikzentimeter-Viertaktmotors gefordert. Nachdem Anfang Juli 1949 mit drei Mustern die ersten Fahrversuche unternommen wurden, baute man in Suhl im März des Folgejahres die erste AWO 425, am 1. Mai wurde eine Nullserie von 25 AWO-Motorrädern übergeben.

Die Bezeichnung AWO 425 steht für: AWTOWELO 4/Viertaktmotor 25/250 Kubikzentimeter Hubraum. Zum Jahresende 1950 lief die tausendste AWO vom Band; ein Jahr später bereits die 7000. Am 1. Mai 1952 übergab die Sowjetunion das Werk an die Regierung der DDR. Damit änderte sich auch die Typenbezeichnung. Die Motorräder wurden unter dem Namen der Gebrüder Simson ausgeliefert, die 1896 in Suhl mit der Fahrradproduktion begannen: Simson 425 und Simson 425 S. Durchsetzen konnte sich der Namen für das einzige in der DDR hergestellte Viertakt-Motorrad aber nie. Das Werk hieß ab 1957: "VEB Fahrzeug- und Gerätewerk Simson Suhl".

Neben der "normalen" Version entwickelten die Suhler Ingenieure eine sportliches Motorrad, die AWO 425 S, so Schwanitz. Das überarbeiten des Zylinders und Zylinderkopfes ergab eine Leistungssteigerung von zwölf auf 14 PS. Das Fahrwerk wurde völlig neu konzipiert. Eine langhubige Teleskopgabel in Verbindung mit der Hinterradschwingenfederung und hydraulisch gedämpften Federbeinen sorgten für sehr guten Fahrkomfort. Verbessert wurden auch die Bremsen. Nachdem die Sport - AWO zuerst mit einer Doppelsitzbank ausgeliefert wurde, ersetzte man diese später durch Einzelsitze. 1961 wurde die Motorenleistung auf 15,5 PS erhöht.

Auf Weisung übergeordneter Dienstellen musste 1961 die Produktion der Simson-Motorräder eingestellt werden. Damit sollte eine Stückzahl der bereits seit 1955 im Suhler Werk parallel produzierten Mopeds und Kleinroller gesteigert werden. So konnte das in der Entwicklung weit vorangeschrittene 350-Kubikzentimeter-Motorrad von Simson nicht mehr gebaut werden. Motorräder wurden ab der Zeit nur noch in Zschopau hergestellt (MZ). Bis zum Ende waren 124.140 AWO 425 und 84.569 AWO 425 S vom Band gelaufen.

In der Folgezeit stellten die Suhler Monteure nur noch Mopedtypen her. Ab 1955 bauten die Monteure bereits den SR 1. Ihm folgten der SR 2 (1957) sowie der SR 2 E (1960). Der Kleinroller KR 50, Vorgänger der Schwalbe, lief ab dem Jahr 1958 in der damaligen Bezirksstadt vom Band.(lh).

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