Bahntrassenradwege in der Oberpfalz

Mit mehr als 600 Burgen und Schlössern, die teilweise nur noch als Ruinen erhalten sind, ist die Oberpfalz ein burgenreiches Gebiet. Und auch die Radwege können sich sehen lassen!

In Bayern gibt es zahlreiche Radwanderwege auf stillgelegten Eisenbahntrassen mit beachtlichen Streckenlängen von 20 bis knapp 50 km. Mit der Fertigstellung des Bocklwegs (48 km) und des Radwegs Wölsendorf - Schönsee (46 km, beide Oberpfalz) im Juli 2005 wurden der Donau-Regen-Radweg in Niederbayern (ca. 39 km) und der Falkenstein-Radweg nördlich von Regensburg (ca. 36 km) von den werbewirksamen Spitzenplätzen der längsten Bahntrassenwege Bayerns verdrängt. Eine rekordverdächtige Besonderheit bietet der 2006 eröffnete Donau-Ilz-Radweg mit 40 km ausgebauter Bahntrasse "am Stück".

Circa 45 km des Bayerisch Böhmischen Freundschaftsweges verlaufen auf der ehemaligen Bahntrasse von Wölsendorf nach Schönsee. Insgesamt 43 Kilometer führt der Falkenstein Radweg von der Stadtgrenze Regensburg bis nach Falkenstein.

Der ca. 52 km lange Bahntrassenweg im Oberpfälzer Wald ist einer der herausragendsten Bahntrassenradwege in Deutschland. Er verläuft auf der ehemaligen Eisenbahntrasse Neustadt an der Waldnaab - Eslarn und ist zugleich das Filetstück des Paneuropa-Radweges (Paris - Straßburg - Heidelberg - Nürnberg - Prag). Seit Dezember 2007 besteht die Möglichkeit, mit der Bahn bis zur Endstation der Strecke Nürnberg - Neustadt an der Waldnaab anzureisen und direkt vom Zug auf's Rad umzusteigen.

Der Bocklweg: Neustadt an der Waldnaab - Eslarn

Vom Start in der Kreisstadt beim Bleikristallwerk Nachtmann geht es über den Markt Floß (Einkehr Familiengasthof Schaller) und über die Höhen des Flosser Landes (Einkehr Surrers Radlhütte bei Frankenrieth) in die Stadt Vohenstrauß, wo neben dem großzügigen Stadtplatz mit Renaissance-Rathaus das Schloss Friedrichsburg zum Besuch einlädt. Der Bockl führt im weiteren Verlauf nach Pleystein, das vom 38 m hohen und einer Klosterkirche gekrönten Rosenquarzfelsen inmitten der Altstadt dominiert wird. Über den Grenzort Waidhaus und durch das Areal des einst größten Stausees Deutschlands im Mittelalter, dem renaturierten Pfrentschweiher, wird der Markt Eslarn erreicht.

Der Erholungsort Eslarn mit vielen Freizeitmöglichkeiten war einst Endstation der Eisenbahn und ist heute Endpunkt für den Bockl.

Sehenswertes am Weg:

  • Kloster St. Felix in Neustadt an der Waldnaab
  • Schloss Friedrichsburg in Vohenstrauß
  • Rosenquarzfelsen mit Klosterkirche in Pleystein
  • Biererlebnis Kommunbrauhaus in Eslarn

Der Bockl ist auch als Wochenend-Pauschale "Zoiglbier & Bocklweg" und als Geo-Radtour zu empfehlen.

Strecke: Neustadt an der Waldnaab 10 km - Floß 16 km - Vohenstrauß 7 km - Pleystein 11 km - Waidhaus 8 km - Eslarn

Oberflächenbeschaffenheit: asphaltiert (Abschnitte Neustadt an der Waldnaab - Vohenstrauß und Lohma - Waidhaus), Rest mit wassergebundener Fahrbahn (Vohenstrauß - Pleystein-Lohma und Waidhaus - Eslarn).

Faltkarte: mit Detailinfos kostenlos erhältlich

Bahnanschluss: Beginn am Bahnhof Neustadt an der Waldnaab

Busverbindung: Vom 1. Mai bis Ende Oktober fährt an Wochenenden - während der bayerischen Pfingst- und Sommerferien sogar täglich - der Bocklweg-Shuttle-Bus mit Radanhänger auf der Linie Weiden-Vohenstrauß-Eslarn und zurück!

Bayerisch-Böhmischer Freundschaftsweg

Zwischen Rosenthal und Muggenthal soll die St 2159 bis 2022 auf der Länge von rund 1,1 km auf den heutigen Bahntrassenweg verlegt werden. Eine neue Brücke über den Forellenbach wird Ende Mai/Anfang Juni 2019 zunächst für Radfahrer freigegeben. Nach Abschluss der Arbeiten wird der Bayerisch-Böhmische Freundschaftsweg auf der teilweise rückgebauten Straße verlaufen.

Weitere Radwege in der Oberpfalz

Pegnitz, Vils, Naab, Donau und Altmühl - entlang dieser herrlichen Flusstäler führt euch der Fünf-Flüsse-Radweg.

Die Ära der Bahntrassenradwege

Obschon mancher „Nostalgiker“ der verblichenen Eisenbahnepoche wehmütig nachtrauert, so ebneten demontierte Schienenstränge andererseits dem aufkommenden Radtourismus sprichwörtlich den Weg.

Durch die Bahnreform, die 1994 durch das in Kraft getretene Eisenbahnneuordnungsgesetz eingeleitet wurde, legte die Deutsche Bahn bis 2004 in Deutschland pro Jahr mehr als 400 km Schienenstrecken still. Innerhalb 25 Jahren waren es mehr als 5400 Kilometer, was das gesamte Streckennetz um rund 16 Prozent dezimierte.

Von den 60 er Jahren bis 2008 wurden in Bayern ingesamt 152 Bahnstrecken stillgelegt.

Der Bahnbau vom 19. Jhrd. bis Anfang 20. Jhrd. schaffte nicht nur Arbeitsplätze sondern förderte im „Eisenbahnzeitalter“ die Wirtschaftskraft betroffener Einzugsbereiche. Infolge eines Bahnanschlusses konnten sich Industrieansiedlungen entwickeln, Güter transportiert werden, Einheimische ferne Arbeitsplätze erreichen bzw. „Fremde“ (Sommerfrischler) in landschaftlich reizvolle Gegenden gelangen.

Das Verkehrsmittel legte den „Grundstein“ zum heutigen „Tourismus“, da ehemals unerreichbare Entfernungen durch die - für damalige Verhältnisse hohe Geschwindigkeit - plötzlich schrumpften.

Auf jenen Spuren, wo heute mit einem Selbstverständnis geradelt wird als sei das niemals anders gewesen, eröffneten Eisenbahnlinien den Menschen einst eine vollkommen neue Dimension von Raum und Zeit.

Sanfte Streckenprofile haben Radfahrer einer technischen Unzulänglichkeit im 20. Jahrhundert zu verdanken. Die Lokomotiven waren seinerseits nämlich nicht in der Lage, das beträchtliche Gesamtgewicht eines Zuges über einen Steigungsprozentsatz von mehr als 3% zu bewältigen. Deshalb wurde kupiertes Gelände durch massive Baumaßnahmen wie Viadukte, Tunnel, Brücken und Geländeeinschnitte von Menschenhand künstlich eingeebnet.

Die trassierte Einebnung des Landschaftsreliefs erwies sich 100 Jahre später für den neuzeitlichen Radwegebau als segensreiches Geschenk. Selbst in Steigungspassagen lässt es mit erträglichem Kraftaufwand entspannt dahin gleiten.

Die "Profilglättung" senkt Tritt- und Energieleistung was wiederum die Tagesreichweite steigert und zudem größere Höhendifferenzen ermöglicht. Ob E-Bike oder klassisches Rad, entschärfte Streckenprofile kommen besonders leistungsschwächeren Fahrern entgegen, um in entlegene Winkel der Natur - selbst im kupierten Mittelgebirgsterrain - mit Muskelkraft vorzustoßen.

Oft zeichnen sich die Streckenverläufe dadurch aus, dass Bahntrassenradler fernab von den Brennpunkten der Verkehrswege Regionen / Standorte erreichen, die für Autos unzugänglich sind.

Geländeeinschnitte, Bahndämme, Brückenbauwerke geben die Richtung der verkehrsfreien Trasse vor. Somit bleibt Zeit zum Träumen, Nachdenken und Philosophieren.

Nicht selten erinnern wiederbelebte, restaurierte Bahnhöfe, Tunnel, Viadukte, Signalanlagen, Kilometersteine, Telegraphenmasten an die nostalgische Eisenbahnvergangenheit des 19./20. Jahrhunderts. Dieser besondere Erlebniseffekt macht neben sanft gewellten Höhenprofilen den Unterschied zu landläufigen Radwegen aus.

Deshalb säumen ab und an liebevoll restaurierte Waggons, Loks, Bahnschranken, Signalanlagen und Prellböcke den Rand früherer Gleiskörper. Rast- und Spielplätze mit Unterstellgelegenheit, Infotafeln die Auskunft über die Streckenhistorie geben, gehören zum Standard moderner Infrastruktur.

Jede Unter- oder Überquerung historischer Brückenbauwerke bzw. Tunneldurchquerungen stellt die Rückblende zur Vergangenheit her. Zum absoluten Höhepunkt der Zeitreise gerät der Einkehrschwung, wenn umfunktionierte Bahnhofsgebäude, dem Leib und Wohl rastender Radler dienen.

Radeln auf historischen Eisenbahntrassen - umgeben von unberührter Naturlandschaft - fördert die Entspannung und letztlich die Balance vom stressgeplagten Alltag. Wer dazu noch seinen inneren "Tempomat" auf entschleunigten Wohlfühlmodus dimmt, kann seine Sinne in Ruhe schweifen lassen und dabei reichlich Energie schöpfen.

Der harmonische Bahntrassencharakter spart kognitive Ressourcen, weshalb man die Umgebung achtsamer wahrnehmen kann, was prompt dem Fahrgenuss zugute kommt. Sauerstoffreiche Wälder, mäandernde Bäche, sattgrüne Wiesenhänge sind Beigaben der Natur, die dem Genussfeeling freien Lauf geben.

Keine Frage: Das smoothe Streckenprofil fördert den ungestörten Bewegungsfluss und damit den Fahrspaß für Groß und Klein.

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