Das Bonanzarad ist ein Fahrrad, das vor mehr als 60 Jahren auf den Markt kam und in kürzester Zeit einen Kultstatus erreichte. Wer in den 1970er Jahren aufgewachsen ist, besaß eins dieser Räder oder wollte damit fahren. Wir haben uns mit dem kultigen Zweirad genauer beschäftigt.
Die Geschichte des Bonanzarads
Der Trend begann in Kalifornien, wo Latino-Kids Motorradteile an ihre Bikes schraubten und die Firma Schwinn die sogenannten Highriser auf den Markt brachte. Latino-Kids schraubten Sitze auf ihre Räder und verschafften diesem Fahrrad-Typ die erste Aufmerksamkeit. Mit der ebenfalls populären Westernserie Bonanza hatte das Fahrrad nichts zu tun. Der Name entwickelte sich jedoch zum Synonym einer ganzen Gattung von Fahrrädern.
Und was für ein Trend es war. Wer als Jugendlicher cool sein wollte, musste Bonanzarad fahren. Es dauerte nicht lange, bis der erste Hersteller, Schwinn, das Design aufgriff und sein Modell Sting-Ray auf den Markt brachte: ein echter Verkaufsschlager. Es folgten weitere Hersteller und Modelle. Die Räder wurden danach zuerst in den USA bekannter und kamen ab 1970 auch nach Europa.
Der kurze Ausflug des Bonanzarads nach Deutschland
Und in Deutschland? 1964 veröffentlichte die Firma Kynast ein Rad diesen Typs: ohne großen Erfolg. 1968 lief das erste Sting-Ray in Deutschland vom Band.
Merkmale des Bonanzarads
Wer es kennt, hat die markanten Merkmale sofort vor Augen: den Bananensattel, den Hirschgeweih-Lenker, die Knüppelschaltung am Oberrohr und natürlich den obligatorischen Fuchsschwanz. Es gibt viele Gründe, warum dieser Fahrrad-Typ so beliebt werden konnte. Das zweite auffällige Merkmal des Fahrrads ist der zweiteilige Hirschgeweih-Lenker. Er zeichnet sich durch seine langgezogene V-Form aus. Die Räder wurden danach zuerst in den USA bekannter und kamen ab 1970 auch nach Europa.
Das Bonanzarad besitzt eine 3-Gang-Nabenschaltung, die im Fahrradrahmen mittig auf den beiden schmalen Oberrohren angebracht ist. Sie ähnelt einer Schaltung beim Auto. Im Kontrast zum langen Sattel und dem übergroßen Lenker stehen die kleinen Laufräder. Sie sind 20 Zoll groß und verleihen dem Bonanzarad ein kompaktes Erscheinungsbild. Das verwundert nicht, denn zur Zielgruppe gehörten zuerst Kinder.
Der Kult um das Bonanzarad
Genau wie T-Rex und Abba-Songs, Pril-Blumen, Dolomiti-Eis und Flokati steht das Fahrrad mit dem ausgefallenen Design für das Lebensgefühl der bunten 1970er Jahre. Das Bonanzarad besitzt Kultstatus. Ursprünglich war das Bonanzarad als Kinderrad konzipiert. Es wurde jedoch schnell auch unter Jugendlichen und Erwachsenen zum Kult-Fahrrad.
Individualisierung und Zubehör
Wer ein Bonanzarad besaß, wollte nicht nur auf dem Bananensattel und mit Chopper-Lenker von einem Ort zum anderen Fahren. Neben der Funktionalität als Fahrrad stand auch die Optik im Mittelpunkt. Es ging darum, sein Bonanzarad zu präsentieren. So kamen am Kult-Fahrrad auch Fuchsschwänze, Spiegel, verchromte Hupen, Wimpel am Lenker, besondere Lampen, Katzenaugen und andere Reflektoren zum Einsatz. Mancher Besitzer verschönerte sein Bike sogar mit einen Tacho oder Mercedes-Stern. Die Devise lautete, cool zu wirken und aufzufallen.
Und wer keins bekam, wurde kreativ, wie Fahrradjournalist Martin Häußermann, als seine Eltern ihm im Sommer 1975 ein - immerhin - orangefarbenes Rad der Marke Rixe kauften. „Das habe ich dann mit dem eigenen Taschengeld Richtung Bonanza gepimpt. Zunächst musste ein Hochlenker mit farblich passenden Igelgriffen dran. Dann wurde die Schaltung modifiziert. Der poplige Daumenschalthebel wurde ersetzt durch einen Schaltknüppel, der auf dem Oberrohr montiert wurde. Die Schaltzüge erhielten zweifarbige Ummantelungen. Schließlich wurden noch Nabenputzringe moniert - farblich passend, versteht sich. Nur auf den Bananensattel samt Bügel musste ich verzichten. Sonst wäre der Gepäckträger nicht mehr nutzbar gewesen.“
Bonanzarad kaufen - eine Herausforderung
Du möchtest jetzt ein Bonanzarad kaufen? Dann musst du stark sein, denn der Oldtimer wird heute nicht mehr hergestellt. Schuld daran ist das Aufkommen von BMX-Rädern, die in den 1980er Jahren bei jungen Menschen populärer wurden. In der Fahrradszene ist Bonanza als Marke nach wie vor jedem Biker ein Begriff. Der Kult um das Rad ist jedoch nie ganz erloschen.
Es gibt viele Liebhaber, die sich dem Oldtimer verschrieben haben und alte Bonanzaräder aufpolieren. So findest du auf Portalen wie Ebay oder Ebay Kleinanzeigen mit etwas Glück und Geduld bei der Suche gepflegte Bonanzaräder gebraucht zum Kauf. Einzelmodelle oder Bikes mit besonderer Ausstattung und Optik kosten wesentlich mehr. Günstig sind dagegen Modelle mit einem erhöhten Reparaturbedarf, die für unter 200 Euro erhältlich sind.
Es schadet auch nicht, den Fahrradhändler deines Vertrauens auf Bonanzaräder anzusprechen. Neben gebrauchten Fahrrädern der Marke Bonanza findest du Ersatzteile und Zubehör über das Internet. Suche hier auch nach NewOldStock-Teilen (kurz NOS-Teile genannt). Es handelt sich dabei um unbenutzte originale Bauteile aus den 1970er Jahren, die du über gängige Online-Plattformen erhältst.
Christoph Dieckmann, ein Fahrradmonteur aus Köln und in der Szene bekannt als Crazy D., hat auf diese Weise im September 2019 nach zwei Jahrzehnten ein verrücktes Projekt beendet. Er schraubte ausschließlich aus NOS-Teilen und mit Original-Bauplänen hunderte Bonanzaräder neu zusammen und verkaufte sie. Ein weiteres Beispiel für diese Liebe ist Jörg Maltzan, der rund 100 Bonanzaräder gesammelt hat und ein gefragter Experte zum Thema ist.
Abhängig vom Zustand und Standort des Fahrrads musst du mit Preisen zwischen 200 Euro und 650 Euro rechnen.
Die "Bonanzarad Bibel"
Egal, ob wir selbst zu den glücklichen Bonanzarad-Besitzern zählen oder nur von dem Kultobjekt träumen: Das Wort „Bonanzarad“ ruft nicht nur nostalgische Erinnerungen, sondern auch ein ganz spezielles Gefühl von Freiheit, Besitzerstolz und guter Laune hervor. Mit über 200 Abbildungen erzählt „Die Bonanzarad-Bibel.
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