Barhocker Harley Davidson: Ein Vergleich von Qualität und Konstruktion

Allgemein liest man hier und auch woanders sehr häufig von der sog. japanischen Qualität. Was genau ist damit eigentlich gemeint, im Vergleich zu Harleys und anderen „Exoten“? Oder den Zweiventil-BMWs? Konkret geht’s ja derzeit um Tests wie Bolt VS. Sportster und Honda VS. Harley, die typischen Tests, die durch neue Modelle immer wieder aktuell werden.

Wenn ich allerdings auf der Straße bin und mir die Oldtimer ansehe, dann sind da erstaunlich viele Harleys und BMWs dabei, ob jetzt die Klassiker oder Evo- und TC Modelle - egal. Von den Zweiventil BMWs sieht man hier auch sehr viele, allerdings nur wenige Japan-Ikonen aus der gleichen Zeit, wie z.b. Z1000 oder ähnliche Hammer. H-D und BMW waren zwar schon immer auch in den Neuzulassungen oben mit dabei und für die japanischen Hersteller gilt nichts anderes, d.h. die schenken sich nicht viel, was Stückzahlen angeht.

Im Mittel kann man sicher sagen, dass Japaner sich auf einem anderen Preisniveau bewegen, bis auf spezielle Ausnahmen, die im Preissegment der Harleys wildern. Ist der Preis jetzt standortbedingt oder woher der günstige Preis? Zahlt man bei H-D und BMW v.a. erst mal den Namen?

Konstruktive Qualität im Fokus

Die Hersteller liefern sich heute einen knallharten Preiskampf, so werden Halbzeuge beispielsweise auf drei Stellen hinter dem Komma gehandelt und jedes Teil muss aufwändigen Preisbewertungen standhalten. Wenn es günstiger geht, wird es günstiger gemacht, so die Devise. Wenn man irgendwo etwas sparen kann, dann wird es weggelassen und dem Kunden möglicherweise noch als Benefit verkauft, oder einfach verschwiegen, denn was dieser nicht weiß, interessiert nicht. Alles in allem heißt das, die Hersteller haben uns nichts zu schenken.

Wenn also nirgends mehr gespart werden kann, wird an der Konstruktion gespart und genau an dem Punkt möchte ich hier ansetzen. Da lohnt es sich durchaus, sich einige Unterschiede zwischen Japaner und den „Marken-Herstellern“ aus den USA und Deutschland zu verdeutlichen.

Die Frage nach den Oldtimern

Kommen wir nochmal zurück zum Oldtimermarkt. Wo sind die ganzen alten Japaner? Ich behaupte jetzt ganz provokativ, dass kaum ein Japaner mit normalem Aufwand länger am Leben gehalten werden kann, als eine Harley oder BMW. Die Gründe habe ich mal hier aufgelistet, man könnte sie als Teil der Einwegkonstruktion bezeichnen:

  • Keine Hydrostößel und aufwändige Wartungsarbeiten (Nockenwellen ausbauen, Gehäuse öffnen und so weiter)
  • Lager direkt im Block, ohne Lagerschalen wie z.b. bei H-D (Abnutzung des Blocks)
  • Große Gehäuse als ein Bauteil ausgeführt, z.b. Kurbelgehäuse und Kopf, Motor- und Getriebeeinheit (Bei Big Twins traditionell getrennt ausgeführt)
  • Rahmen aus Alu (!) Guss werden verwendet
  • Kunststoffbauteile, wo die traditionellen Hersteller Metall verwenden, z.b. bei Tanks und Verkleidungen (Viskoelastizität von Kunststoff, irreparabler Materialverschleiß durch UV Strahlung)
  • Kettenantrieb und kein Riemen/Kardan (Dreckig und mit größerem Verschleiß)
  • Lenkkopflager knapp dimensioniert (Bei H-D und BMW als Kegelrollenlager von FAG, SKM, Timken o.ä. ausgeführt)
  • Getriebe i.d.R. gradverzahnt (Höhere Geräuschentwicklung, schlechteres Laufverhalten und höherer Verschleiß bei gleicher Größe. Wenn die Härteschicht weg ist, ist sie weg. Schrägverzahnte Zahnräder besitzen außerdem Axialkräfte, die konstruktiv aufgefangen werden müssen, d.h. Mehraufwand.)
  • Ölvolumina geringer als bei H-D
  • Motor- und Getriebeöl nicht getrennt bei jedem Motorrad

Um also mit dem Vorurteil der generell überlegenden japanischen Wertigkeit aufzuräumen: Sind H-Ds und BMWs in ihrer Gesamtheit wirklich simpler konstruiert oder wird das vielleicht nur so dargestellt? Verwenden diese Firmen nicht Markenteile für ihre Elektronik von Bosch und unterstützen diese Firmen nicht zufällig auch regionale Zulieferer?

Schräg verzahnte Getriebe, Lagerschalen, Hydrolifter und getrenntes Getriebe vom Motor? Kooperation mit Firmen wie Porsche und dennoch traditionelle Motorenkonzepte, wie den 45° Victory-Twin mit Gabelpleuelbauweise?

Ich finde, die Japaner verstehen es teilweise besser, die Kaufteile und eigenen Teile zu verheiraten. Dadurch ergeben sich teilweise einfach „Ecken und Kanten“ aus dem Zusammenspiel von Elektronik und Mechanik bei den Traditionsmarken: H-D, Moto-Guzzi, Ducati (vielleicht weniger) und so weiter. Das lässt sich in aller Regel aber als „Charakter“ verzeihen und man findet auch immer Leute, die einem damit helfen - nicht nur die Dealer.

Insgesamt möchte ich aber festhalten, dass man auch mal genauer differenzieren sollte. Eine Harley ist also stellenweise berechtigterweise so teuer, genau wie BMWs auch. Manche sind auch völlig überteuert, aber das möchte ich damit nicht sagen, sondern das man einfach kein Wegwerfmotorrad kauft, sondern ausgereifte und solide Technik, die sich darüber hinaus sogar von der Konkurrenz absetzen kann.

Sind H-Ds und BMWs in ihrer Gesamtheit wirklich simpler konstruiert oder wird das vielleicht nur so dargestellt? Verwenden diese Firmen nicht Markenteile für ihre Elektronik von Bosch und unterstützen diese Firmen nicht zufällig auch regionale Zulieferer?

Der Preis und das Image

Üblicherweise die betriebswirtschaftlichen Methodiken, welche die japanische Industrie angestellt hat, um effizienter und mit einer geringen Streuung um die Fertigungsvorgaben zu arbeiten. Ist der Preis jetzt standortbedingt oder woher der günstige Preis? Zahlt man bei H-D und BMW v.a. Nein. Man zahlt das Image, besonders bei Harley. Sa hatten wir in MaWi damals ein schönes Rechenbeispiel. BMW wollte den Gewinn um 10% steigern.

Erst fragst du "gibt es die Probleme wirklich?" um sie dann wieder mit "falls es sie gibt, sind sie keine Probleme sondern Charakter" kleinzureden. Das ständige Berufen auf "Charakter" ist einfach nur die Kapitulation gegenüber Mängeln. Die kleinen Problemchen akzeptiere ich als Charakter, zumal ich genau das will. Ich möchte kein herzloses Motorrad, wo ich förmlich in vielen Bauteilen bereits die lieblose Ausführung erkenne.

Wer weniger Geld hat, lässt auch seltener alle Wartungen in Fachwerkstätten durchführen, wenn überhaupt. Vielleicht fahren "Japaner" auch mehr als "Brot-und-Butter" Fahrzeuge bei jedem Wetter, also zur Arbeit, in der Stadt auf Kurzstrecken auch wenn es Supersportler sind. Man hat eben kein Zweitmopped oder Drittauto.

Sehe ich genauso! Die meisten Japaner werden nicht erhalten sondern runtergeritten bis es nicht mehr geht, weil diese gebraucht nichts wert sind (einige Ausnahmen mal außen vor: Z1000, XT500 und Exoten wie CBX, RD500 etc.). Ab einem gewissen Punkt wird nichts mehr investiert, manchmal nicht mal mehr Ölwechsel gemacht etc. Und es gibt durchaus Japaner, die extrem lange laufen. Z.B. die CX 500 oder die die Africa Twin.

Vergleichstest Cruiser: Victory gegen Harley-Davidson

Gleich vorweg: Die Victory beschleunigt mächtiger, bremst effektiver, hat das bessere Fahrwerk und ist obendrein noch günstiger als die Harley. Lesen Sie hier, warum die Rocker C gegen die Jackpot dennoch eine Chance hat.

Viele Harley-Eignern ist es piepegal, wie weit ihre Maschine den Schein wirft, ob sie impotenzfördernd vibriert, Trommel-, ja sogar Felgenbremse statt ABS besitzt oder nur unwesentlich besser beschleunigt als ein Fiat 500 mit defekter Zylinderkopfdichtung. Hauptsache, die Maschine glänzt. Hauptsache Sound. Hauptsache, sie kommt aus Amerika. Das zumindest könnte die Verkaufserfolge der Harley-Davidson-Bikes erklären, die bislang nie einen MOTORRAD-Vergleichstest gewinnen konnten und meist sogar auf dem letzten Platz landeten.

Seit September 2009 will sich Victory als zweite und junge US-Marke im selben Motorrad-Segment platzieren. Und sie tut es mit einem Paukenschlag: Beim ersten Schlagabtausch der beiden Ami-Bikes verweist das Modell Jackpot die Softail Rocker C in der Punktetabelle auf den undankbaren zweiten Platz. Harleys Stammplatz sozusagen.

Vergleich der Fahreigenschaften

  • Parken: Die Victory Jackpot lässt sich leichter rangieren als die Harley-Davidson Rocker C.
  • Sitzplatz: Die Victory integriert den Fahrer besser, während der Harley-Pilot eher AUF der Maschine sitzt. Der Sitzkomfort ist im Harley-Sitz besser.
  • Motoren: Der Victory-Motor hat mehr Punch, ist agiler und drehfreudiger als der Harley-Motor. Der Harley-Motor hat einen kernigen Sound und läuft im Leerlauf stilvoll.
  • Fahrwerke: Die Federwege beider Modelle sind knapp bemessen. Die Victory ist handlicher und stabiler in den Kurven. Die Harley verkraftet den Soziusbetrieb besser.
  • Bremsen: Die Bremsen der Victory sind denen der Harley überlegen.
  • Details und Verarbeitung: Beide Maschinen bieten viele Detaillösungen und blitzenden Chrom. Die optischen Wege gehen auseinander: Die Harley kokettiert mit Schmucklosigkeit, während die Victory in die Custom-Ecke verweist.

Technische Daten im Überblick

Die folgende Tabelle vergleicht die technischen Daten der Harley-Davidson Softail Rocker C und der Victory Jackpot:

Merkmal Harley-Davidson Softail Rocker C Victory Jackpot
Motor Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-45-Grad-V-Motor Luftgekühlter Zweizylinder-Viertakt-50-Grad-V-Motor
Hubraum 1585 cm³ 1731 cm³
Nennleistung 54,0 kW (73 PS) bei 5250/min 66,0 kW (90 PS) bei 4900/min
Max. Drehmoment N/A N/A
Gewicht vollgetankt 326 kg 317 kg
Tankinhalt 18,6 Liter 17,0 Liter

Frappierend große Differenzen auf dem Diagramm - wer allerdings nur cruist, wird die 18 PS Mehrleistung kaum bemerken. Bei zügig durchgeführten Überholvorgängen fallen die Pferde jedoch mächtig ins Gewicht. Das monumentale Drehmomentplateau der Victory spielt beim Durchzug eine große Rolle . Überzeugend: Trotz mehr Power braucht die Victory weniger Sprit.

MOTORRAD-Bewertung

Fakt Harley-Davidson Rocker C und Victory Jackpot im Vergleich. Wer hat die Nase bei der Wertung vorne?
Motor: Der Modernere Motor legt die Latte hoch: Wenn es nur um Power und Messwerte geht, sieht der anachronistische Harley-Vau (wie immer) alt aus: Er generiert nicht nur relativ bescheidene Leistung, sondern dreht träge und vibriert trotz zwei Ausgleichswellen in hohen Drehzahlen arg. Victorys Vau, ebenfalls luftgekühlt, doch mit Hubraumraumvorteil, kann fast alles besser: Er hat stets mehr Power, dreht vergleichsweise euphorischer, das Getriebe lässt sich leichter schalten. Sieger Motor: Victory
Fahrwerk: Schwere Brocken: Beide Maschinen haben relativ wenig Federweg bei hohem Gewicht. Komfort kann der Fahrer nicht erwarten. Allerdings gibt sich die Victory trotz des breiten 250er-Hinterreifens handlicher; sie ist leichter und hat den steileren Lenkkopfwinkel. Zudem sprechen ihre Federelemente etwas besser an. Die der Harley hingegen verkraften den Soziusbetrieb besser. Auch läuft die Rocker stabiler geradeaus. Sieger Fahrwerk: Victory
Alltag: Ansichtssache: Sicherlich kann man über die Sitzposition streiten: Auf der Rocker ist sie cooler, auf der Victory ergonomischer, denn der Fahrer kann sich an den Fußrasten besser abstützen. Allerdings ist der Victory-Sitz nicht so flauschig-softig wie das Exemplar der Rocker. Als absolute Zumutung präsentiert sich das Victory-Sozius-Sitzbrötchen. Es ist schmal, kurz, fällt nach hinten ab, und der Kniewinkel für den ...

Kult Unbezahlbar, oder? Willi G. Davidson hat es mal treffend formuliert: ?Bei uns kauft der Kunde ein Lebensgefühl. Das Motorrad bekommt er kostenlos dazu." Trotz der teilweise anachronistisch anmutenden Technik gilt Harley seit knapp zwei Jahrzehnten als Inbegriff von Beständigkeit in einem ständig schwankenden Markt. Ein Wert, den viele Menschen in unruhigen Zeiten missen. Und suchen. Durch geschickte Marketingstrategie hat es der Hersteller geschafft, seinen Fahrzeugen Kultstatus zu verleihen, Kunden durch Events zu binden und bestenfalls in einen familiären Verbund wie die H.O.G (Harley Owners Group) einzuweben. Nebenbei ist eine Harley außerordentlich wertbeständig, eine Währungsform, ein Schmuckstück, das man gern und offen zur Schau stellt.

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