Der Frühling lockt viele Menschen wieder aufs Rad - und nicht selten folgt auf die erste längere Tour ein schmerzhaftes Erwachen. Viele Radfahrer haben oder hatten schon einmal Schmerzen beim Radfahren. In diesem Beitrag erfährst du, welche Schmerzen hauptsächlich beim Radeln auftreten und woher diese kommen können.
Fahrradfahren beansprucht viele Muskelgruppen und Körperbereiche. Entsprechend gibt es beim Radfahren auch kaum einen Bereich, der nicht von Schmerzen betroffen sein kann. Diese Beschwerden können den Spaß am Radfahren deutlich schmälern. Doch viele Radfahrer kämpfen mit körperlichen Beschwerden.
Schmerzen beim Radfahren, egal ob beim sportlichen Training oder bei der entspannten Radtour, sind nichts, was du erdulden musst, und einen Vorteil hast du durch sie auch nicht. Die International Association for the Study of Pain (IASP) hat die bis heute in der Medizin übliche Definition folgendermaßen formuliert: „Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder drohenden Gewebeschädigung verknüpft ist.“ Schmerzen sind ein Warnsystem - eine Fehlermeldung des Körpers sozusagen, die dir eindringlich mitteilt, dass etwas nicht in Ordnung ist.
Häufige Ursachen von Schmerzen beim Radfahren
Beschwerden beim Radfahren lassen sich in vielen Fällen mit einfachen Anpassungen lindern. Häufige Beschwerden beim Fahrradfahren entstehen also, wie wir gesehen haben, oft durch ungünstige Körperhaltung, falsche Einstellungen am Fahrrad oder Überlastung.
Hier sind einige der häufigsten Ursachen für Schmerzen beim Radfahren:
- Falsche Sitzposition: Eine falsche Sitzposition, die die Lendenwirbelsäule überlastet, kann zu Rückenschmerzen führen.
- Überlastung der Gelenke: Knieschmerzen entstehend meist durch eine Überlastung der Gelenke oder eine falsche Sitzposition.
- Muskelüberlastung: Oberschenkelschmerzen sind oft ein Resultat aus Muskelüberbelastung oder einer unzureichenden Regeneration.
- Unnatürliche Körperhaltung: Diese Art von Beschwerden beim Radfahren treten häufig durch eine unnatürliche Körperhaltung auf.
- Druck auf die Nerven: Ein Taubheitsgefühl in den Händen beim Radfahren entsteht in der Regel durch Druck auf die Nerven in den Handflächen.
Spezifische Schmerzarten und Lösungen
Rückenschmerzen
Rückenschmerzen gehören tatsächlich zu den häufigsten Beschwerden beim Radfahren. Eine weitere Ursache ist die mangelnde Rumpfkraft, die die Stabilität beim Fahren beeinträchtigt. Regelmäßiges Dehnen des unteren Rückens und der Hüftmuskulatur kann Verspannungen lösen.
Gesäßschmerzen und Sitzprobleme
Gesäßschmerzen und Sitzprobleme kommen insbesondere auf längeren Strecken häufig vor. Sie entstehen durch den Druck, der beim Sitzen auf den Sitzknochen und empfindlichen Weichteilen lastet. Eine gute Radlerhose mit hochwertigem Polster bietet zusätzlichen Komfort. Außerdem entlasten regelmäßige Pausen auf längeren Fahrten den Sitzbereich und die Pflege der Haut kann Reizungen vorbeuten. Achten Sie zu guter Letzt darauf, dass Sattel- und Lenkerpositionen richtig eingestellt sind.
Knieschmerzen
Besonders betroffen ist oft die Kniescheibe. Sie wird bei ungünstigem Treten in die Pedale oder übermäßigem Druck gereizt. Grund dafür kann ein zu hoher oder niedriger Sattel sein. Um Knieschmerzen vorzubeugen, sollte die Sitzhöhe so eingestellt werden, dass das Bein am tiefsten Punkt der Pedale fast vollständig gestreckt ist. Um das Knie an die Belastung zu gewöhnen, können Sie die Trainingsintensität auch schrittweise steigern.
Oberschenkelschmerzen
Besonders bei steilen Anstiegen oder intensiven Trainingseinheiten werden die Quadrizeps-Muskeln stark beansprucht. Aber auch die falsche Sattelhöhe kann den Bewegungsablauf stören, die Muskeln ungleichmäßig belasten und so für die Schmerzen im Oberschenkel verantwortlich sein. Mit einem gezielten Kraft- und Dehntraining, welches die Muskulatur stärkt und beweglich hält, können Sie solche Schmerzen vermeiden.
Nackenschmerzen
Das kann eine zu stark nach vorne geneigte Sitzposition sein, die Sie dazu zwingt, den Kopf dauerhaft anzuheben. Das belastet die Nackenmuskulatur und führt zu Verspannungen. Achten Sie generell auf eine entspannte Haltung und wechseln Sie regelmäßig die Position der Hände am Lenker.
Taubheitsgefühl in den Händen
Dazu kommt es durch eine ungünstige Handposition oder starkes Abstützen auf dem Lenker, was die Blutzirkulation stört und Nerven reizt. Vermeiden Sie dauerhaftes Festhalten an einer Stelle des Lenkers. Tragen Sie gepolsterte Fahrradhandschuhe und nutzen Sie ergonomische Lenkergriffe, um den Druck zu verringern.
Weitere Ursachen und Lösungen
Schmerzen am Damm und Reizung der Vulva
Schmerzen am Damm und Reizung der Vulva können viele Aktivitäten stark beeinträchtigen. Schmerzen im Dammbereich haben oft Narben als Ursache. Eine schlecht verheilte Narbe von einem Dammriss oder Dammschnitt ist hart und berührungsempfindlich. In den Monaten und Jahren nach einer Geburt sind die Narben oft weich, und erst im Laufe der Zeit wird das Bindegewebe in der alten Wunde härter und weniger elastisch.
Nach jeder Operation ist es wichtig, dass Sie die Narbe gut pflegen. Massieren Sie diese, damit die Vernarbung möglichst gering bleibt. Dadurch wird auch der Heilungsprozess beschleunigt. Diese Massagen sollten nach der Operation regelmäßig durchgeführt werden. Sie sollte mindestens bis zu zwei Jahren nach der Operation weitergeführt werden. Wichtig dabei ist bei der Massage Öl zu verwenden, z. B. Johanniskrautöl. Mit den zwei Fingern die Narbe fixieren und mit den Fingern der anderen Hand die Massage durchführen. Bitte beachten Sie, dass Sie massieren und nicht streicheln.
Urologische und gynäkologische Sitzprobleme
Die Ursache sämtlicher urologischer und gynäkologischer Sitzprobleme sind Druck und Reibung an verkehrter Stelle. Um hier eine grundsätzliche Lösung herbeizuführen, ist es wichtig, den Verursacher Ihrer Schmerzen auszuschalten. Viele haben schon mit gepolsterten Hosen und zig Satteln laboriert.
Ergonomische Anpassungen und Bikefitting
Unsere erfahrenen Ergonomieberater gehen das Problem strukturiert an. Wichtig ist natürlich, dass die Sitzposition und komplette Rahmengeometrie passen. Denn diese beeinflusst immer auch die Kontaktstelle Fahrradsattel mit. Aber auch dies überprüfen wir und passen alles bei Bedarf an. Wir messen die Druckverteilung des Fahrradsattels digital und dynamisch, immer in der Position, wie Sie auf dem Rad sitzen und fahren. Das heißt: Sie pedalieren während des Messvorgangs. Unsere Bikefitting- und Fahrradsattel-Spezialisten wählen gemeinsam mit Ihnen aus über 80 verschiedenen Fahrradsattel-Modellen den richtigen für Sie aus, z. B. Viele unserer Sättel sind medizinisch geprüft und von Urologen empfohlen. Lassen Sie sich die Freude am Radfahren nicht durch Sitzprobleme verderben.
Der richtige Sattel
Ein zu harter oder unergonomisch geformter Sattel kann Druck auf das Steißbein ausüben und so Schmerzen verursachen. Direkte Mechanismen, die auf das Steißbein einwirken, sind vor allem Druck auf den Bereich des Steißbeins ausgelöst durch Muskeln, Bänder und Sehnen, die in den Steißbeinbereich strahlen und eine Drehung des Beckens nach hinten.
Die optimale Druckverteilung auf die Sitzbeinhöcker kann nur gewährleistet werden, wenn der Sattel a) eine Breite hat, die zum Abstand der Sitzbeinhöcker passt und b) diese beiden Kontaktpunkte ausreichend höher liegen als der Rest des Sattels (Stufe zur Sattelnase) [16].
Die anatomische Varianz des Abstands der Sitzbeinhöcker zueinander liegt einer eigenen Untersuchung zufolge beim Mann zwischen 9 und 16 cm, (n = 275, Median 13,32 cm), bei der Frau zwischen 11 und 17 cm (n = 445, Median 12,05 cm) (Staudte 2017). Ermittelt wird dieser Wert durch einen Abdruck der Sitzbeinhöcker im Sitzen auf einer Wellpappe (Maß = Mitte - Mitte) (Abb. 3).
Tabelle 1: Anatomische Varianz des Abstands der Sitzbeinhöcker:
| Geschlecht | Abstand der Sitzbeinhöcker | Median |
|---|---|---|
| Mann | 9 - 16 cm | 13,32 cm |
| Frau | 11 - 17 cm | 12,05 cm |
Für die passende Sattelbreite werden je nach Einsatzgebiet (Rennrad vs. Abb. Weiche Sattel erzeugen durch vermehrtes Einsinken der Sitzbeinhöcker eine größere Sitzfläche und sind für kurze Fahrten (< 30 min.) subjektiv am bequemsten. Bei längeren und sportlichen Fahrten jedoch kommt es durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit der am Schambein und Sitzbein ansetzenden Muskeln häufig zu Beschwerden (Hüftstrecker/Adduktoren). Vorsicht ist bei der Wahl eines harten Sattels angebracht, der mit hohem Druck eine kleine Fläche an den Sitzbeinhöckern belastet. Dies kann zu einem schmerzhaften Überlastungssyndrom führen. Plane Sitzflächen sind günstiger als konvexe, da konvexe Formen mehr Druck auf den medialen Damm ausüben.
Tipps zur Vorbeugung von Schmerzen
- Starten Sie mit kürzeren Fahrten, damit sich Muskulatur und Sitzknochen langsam anpassen können.
- Eine ergonomische Haltung auf dem Rad entlastet nicht nur das Gesäß, sondern auch Hände, Rücken und Schultern.
- Verändern Sie regelmäßig Ihre Sitzposition, stehen Sie zwischendurch auf, strecken Sie den Rücken durch und lockern Sie Arme und Schultern. Das fördert die Durchblutung und reduziert Druckstellen.
- Wählen Sie lieber kleinere Gänge, um gleichmäßig zu treten und die Gelenke zu schonen.
- Bei längeren Touren sorgt eine hochwertige Radhose für mehr Komfort - und weniger Schmerzen am Gesäß. Am besten ohne zusätzliche Unterwäsche, um Scheuerstellen zu vermeiden.
- Spezielle Sitzcremes bilden einen schützenden Film auf der Haut. Sie reduzieren die Reibung zwischen Haut und Kleidung, beugen Reizungen vor und wirken oft auch kühlend und pflegend.
- Wer frühzeitig Pausen einlegt, beugt Schmerzen vor. Warten Sie nicht, bis der Druck zu groß wird - gönnen Sie sich bewusst Erholungsphasen.
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