In der Serie "How to ride a Motorcycle - Motorradfahren lernen" auf dem YouTube-Kanal von 1000PS TV werden wichtige Bereiche der Themen Fahrtechnik und Fahrsicherheit beleuchtet. Ziel der Serie ist es, Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer zu inspirieren und sie anzuregen, über das Thema Motorrad, Ausrüstung und Sicherheit nachzudenken.
Wir unterhalten uns über die Bedienelemente vom Motorrad und helfen Dir so, ein besserer Motorradfahrer zu werden. Es geht um die Bedienelemente am Motorrad und wie man sie auf die individuellen Bedürfnisse optimal einstellt.
Der Lenker und seine Funktionen
Klar ist: Mit dem Lenker kannst du lenken. Darüber hinaus sind die meisten Bedienelemente darauf versammelt. Natürlich gibt es verschiedene Arten von Lenkern. Sie unterscheiden sich vor allem in Breite, Wirkungsweise und Schwenkbereich. Je breiter ein Lenker ist, desto leichter kannst du die Kreiselkräfte bändigen, desto leichter fällt es dir also, eine Kurve einzuleiten. Du brauchst aber natürlich im Stau auch mehr Platz, wenn du dich zwischen den Kolonnen nach vorne schwindeln willst.
Die Position des Lenkers, im Besonderen der Lenkachse, hat wesentlichen Einfluss darauf, was dann passiert, wenn du lenkst. Es gibt Lenker, die wollen schon bei geringer Schräglage bei geringen Geschwindigkeiten unbedingt nach innen lenken und es gibt Lenker, die biegen auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten schnell in die Richtung, in die du willst.
Kannst du mit deinen Körpermaßen, in einer halbwegs komfortablen Sitzposition, den kompletten Lenkereinschlag herbeiführen, ohne dass sich deine Schultern, dein Oberkörper dabei viel bewegen müssen und ohne, dass dabei irgendwas (vielleicht dein Knie) im Weg ist?
Die Kupplung
Die Kupplung wird mittels Handhebel am linken Lenkerende bedient. Wie bei Autos mit Schaltgetriebe reguliert die Kupplung auch bei Motorrädern den Kraftschluss zwischen Motor und Antriebsrad, also dem Hinterrad. Beim dosierten Einkuppeln kontrollierst du also, wie viel Kraft vom laufenden Motor an das Hinterrad weitergegeben wird. Deshalb ist ein absolut unaufwendiges und präzises Bedienen der Kupplung sehr wichtig, nicht nur beim Losfahren.
Für alle, die das noch nie gesehen haben: Ziehst du den Kupplungshebel mit der linken Hand zu dir, sollte komplett ausgekuppelt sein, also nichts vom Motor gelangt zum Hinterrad. Löst du dann den Kupplungshebel immer mehr, lässt ihn also mit den Fingern immer mehr nach vorne, wird eingekuppelt. Je mehr nach vorne, desto mehr Kraft vom Motor gelangt ans Hinterrad.
Da es eine wesentliche Rolle spielt, wie viel Schub- oder Schleppmoment am Hinterrad ankommt, ist eine kontrollierte Bedienung der Kupplung das Um und Auf, denn die Umsetzung deiner Arbeits-Aufträge an den Motor (über die Gasgriffstellung) erfolgen zeitverzögert und nicht immer in so fein dosierbarer Form, wie über die Kupplung.
Den Kupplungshebel solltest du dir so einstellen (lassen), dass ein müheloses Dosieren der Kupplung mit zwei Fingern möglich ist. Bei sogenannten Seilzugkupplungen geht das relativ einfach über Einstellschrauben im Bereich des oberen Endes vom sogenannten Bowdenzugschutzschlauch. Bei hydraulischen Kupplungen ist das komplizierter und du solltest dir da von jemandem helfen lassen, der sich auskennt oder entsprechende Reparaturunterlagen befolgen.
Die Vorderradbremse
In den letzten drei Jahrzehnten ist die Vorderradbremse bei neuen Motorrädern und Rollern, die in der EU verkauft wurden und heute noch werden, serienmäßig immer am rechten Lenkerholm mittels Handbremshebel zu bedienen. Abweichungen davon gibt es bei ganz wenigen Elektrorollern und bei Oldtimern beziehungsweise möglicherweise umgebauten Gebrauchtfahrzeugen.
Für die Einstellung dieses Handhebels der so wichtigen und effektiven Vorderradbremse gilt sinngemäß dasselbe, wie für den Kupplungshebel. Du solltest auch den Handbremshebel so einstellen können, dass ein müheloses Dosieren über den gesamten Wirkungsbereich mit zwei Fingern möglich ist.
Die Hinterradbremse
Heute hat ein Motorrad rechts Fußbremshebel für die Bedienung der Hinterradbremse und ein Roller links einen Handhebel am Lenker. Ausnahmen findet man ganz selten. Englische Oldtimer haben den Fußbremshebel manchmal links, wenige aktuelle Elektroroller den Hinterradhandbremshebel am rechten Lenkerholm.
Und zwar so, dass die Dosierung über den gesamten Wirkungsbereich mühelos erfolgen kann. Bei Rollern gilt dasselbe, wie für die Vorderradbremse, bei Motorrädern sollte man sich Stellung und Druckpunkt des Hinterradbremshebels so einstellen lassen, dass er zu Fußhaltung und Schuhgröße der reitenden Person passt. Besonders wichtig ist das bei Motorrädern, die offroad auch im Stehen geritten werden. Auch wenn du mit deinen Stiefeln am Fußraster stehst, solltest du ohne störende Bewegung den Fußbremshebel über den gesamten Dosierbereich bedienen können.
Der Schalthebel
Wenn auf einem Motorrad ein Fußschalthebel montiert ist, dann funktioniert er in der Regel so: Aus der Leerlaufstellung legst du den ersten Gang ein, indem du den Hebel entschlossen mit dem Fuß nach unten bewegst (bei sperrig arbeitenden Getrieben könnte man auch sagen trittst). Ab nun gilt eine einfache Regel: Willst du einen Gang höher schalten, bewegst (reißt) du den Hebel (mit gezogener Kupplung selbstverständlich, wie beim Auto!) nach oben, wenn du einen Gang runter schalten willst, trittst du den Hebel nach unten.
Du kannst in einer Bewegung immer nur die nächste Schaltstufe wechseln. Du willst etwa nach dem Stehenbleiben wieder in den Leerlauf? Der Leerlauf liegt sozusagen zwischen erstem und zweitem Gang. Je nach Getriebe braucht das mehr oder weniger Gespür, wie du da mit der Fußspitze aus dem ersten Gang den Schalthebel behutsam nach oben ziehst. Auf deinem Display ganz in der Nähe des Tachometers muss das, meist mit einem grünen N, angezeigt werden, wenn der Leerlauf wirklich eingelegt ist. Das ist eine wichtige Information, denn erst jetzt kannst du im Stand die Kupplung auslassen.
Einige Ausnahmen von dieser Systematik fallen uns ein. Oldtimer aus England haben manchmal den Fußschalthebel rechts. Für die Rennstrecke optimierte Geräte haben manchmal eine umgedrehte Rennschaltung, also alles umgekehrt, erste rauf, alle anderen Gänge runter.
Die Steuerung des Reaktors am rechten Lenkerholm
Wenn die Kupplung regelt, wie viel Leistung ankommt, dann regelt der Gasgriff, wie viel Leistung zur Verfügung steht. Für alle, die das noch nie gesehen haben: Hält man den Gasgriff und dreht man sein rechtes Handgelenk nach unten, dann wird Gas gegeben. Es braucht bei Anfängern doch einige Übung, diese Feinmotorik zu beherrschen. Schon die Änderung der Gasgriffstellung um nur ein Grad kann wesentlich andere Drehzahlen vom Motor liefern lassen.
Manche Gasgriffe haben, wenn man über die Stellung null (das wäre Standgasdrehzahl, eine Rückzugsfeder bringt den Gasgriff immer in diese Position, wenn man ihn mit der Hand auslässt), weiter drüber dreht, also das Handgelenk nach oben dreht, eine Deaktivierung des Tempomaten zur Folge. Wenige Elektromodelle haben obendrein noch eine negative Gasgriffstellungsfunktion. Dreht man bei diesen Fahrzeugtypen den Gasgriff (ist ja eigentlich ein E-Power-Controller) in die negative Richtung (so, wie beim beschriebenen Tempomatdeaktivieren) so rekuperiert so ein Fahrzeug mehr Strom und bremst weich ab.
Weitere Bedienelemente und Anzeigen
Wir haben jetzt die für die Kontrolle des Fahrbetriebs unbedingt notwendigen Bedienelemente besprochen. Natürlich finden sich darüber hinaus vor allem am Lenker noch allerhand andere Bedienelemente und Anzeigen. Ganz sicher gibt es irgendwo in Daumennähe einen Startknopf. Bei Motorrädern einen sogenannten Notaus-Schalter (dieser ermöglicht in Notfällen unabhängig von der Zündschlüsselstellung die sofortige Unterbrechung der Zündung).
Dort befindet sich meist der Bedienhebel für den Fahrtrichtungsanzeiger (Blinker), für die Beleuchtungsanlage (etwa: Begrenzungslicht/Tagfahrlicht, Abblendlicht, Fernlicht) und für die Hupe. Und natürlich der Kupplungshebel und bei Rollern der Hinterradbremshebel.
Je nach Ausstattung und Modell bringen Hersteller auch andere Bedienelemente irgendwo am Lenker unter. Vom Tempomatregler über Fahrmodiwahlknöpfe, über Heizgriffregler bis zu sehr komplizierten Knöpfen, kleinen Joy-Sticks oder Wahlrädern, die die Navigation in umfangreichen Untermenüs ermöglichen.
Gesetzlich vorgeschrieben bei Neufahrzeugen ist seit langem zumindest die Geschwindigkeitsanzeige, die Anzeige der Beleuchtungseinstellung, die Kontrollleuchte für die ABS-Funktion (so vorhanden), einige Fehlerkontrollleuchten sowie die besprochene Leerlaufkontrolllampe.
Bei älteren Modellen findet man direkt am/beim Display select-Buttons (für die Wahl, was im Display angezeigt werden soll) oder reset-Buttons, wo man zum Beispiel den Tripkilometerstand auf null stellen kann. Es gibt natürlich mittlerweile umfangreiche färbige Displays, die allerhand Informationen liefern. Das geht bis zu der Möglichkeit, die Navigationshilfe externer Geräte einzuspielen. Manche Displays haben sogar Touch-Screen-Funktion.
Mittlerweile gibt es bei Motorrädern umfangreiche Farb-Displays, die allerhand Informationen liefern. Das geht bis zu der Möglichkeit, die Navigationshilfe externer Geräte einzuspielen.
Lenker für verschiedene Motorradgattungen
Drei wesentliche Faktoren sind dafür verantwortlich, wie sich ein Motorrad beim Lenken anfühlt. Erstens die Lenkerbreite: Je weiter die Hände des Fahrers auseinander sind, desto länger ist der Hebel, mit dem er die Lenkbefehle ins Motorrad einleitet. Ein langer Hebel bedeutet, dass zwar relativ geringe Kräfte nötig sind, aber die Hand einen weiten Weg zurücklegen muss. Beim kurzen Hebel, also bei schmalen Rohrlenkern und Stummeln, ist es umgekehrt: kurzer Weg, große Kraft.
Zweitens spielt die dreidimensionale Biegung des Lenkers, die sogenannte Kröpfung eine Rolle: Dezent nach hinten gebogene und nach unten geneigte Lenkerenden empfinden die meisten Fahrer als komfortabel. Hier lohnen sich Experimente: Die Schrauben der Lenkerklemmung lösen, den Lenker leicht verdrehen, dabei keine Kabel und Schläuche knicken oder klemmen, die Schrauben festziehen und das Ergebnis ausprobieren.
Drittens fühlt sich das Lenken umso präziser an, je näher die gedachte Linie zwischen den Händen am Lenkkopflager liegt. Im einen Extremfall, bei Stummellenkern, glaubt man, die Achse des Vorderrads selbst in den Händen zu halten. Das andere Extrem stellen breite und weit nach hinten gezogene Cruiser-Lenker dar; sie steuern das Motorrad indirekter, eher wie einen Schubkarren.
Noch etwas: Ein Fahrer, der breit und aufrecht, womöglich mit einer flatternden Kombi im Fahrtwind sitzt, leitet bei hohem Tempo unbewusst Lenkimpulse ins Fahrzeug ein, das dann unruhig wird. Ein sehr schmaler, tiefer Lenker mindert diesen Effekt, doch zwingt er den Fahrer in eine Haltung, aus der er wenig vom Verkehr sieht. Der beste Kompromiss ist - wie so oft - eine Frage des persönlichen Fahrstils.
Überblick über verschiedene Lenkertypen
Hier ist eine Übersicht über einige gängige Lenkertypen und ihre typischen Anwendungen:
- Hohe Stummellenker: Typisch für sportliche Tourenmotorräder. Erlauben eine aerodynamische und komfortable Körperhaltung.
- Tiefe Stummellenker: Typisch für Sportmotorräder. Ermöglichen präzises Dirigieren und eine kompakte Sitzposition.
- Endurolenker (Serien-Lenker): Typisch für geländetaugliche Motorräder. Hoch montiert und wenig gekröpft, gut zum Fahren im Stehen.
- Superbike-Lenker (Serien-Lenker): Typisch für Sportmotorräder, die für längere Touren umgebaut werden sollen. Bieten eine komfortablere Sitzhaltung.
- Dragbar (Serien-Lenker): Typisch für leistungsstarke Cruiser. Erzeugt ein direktes Lenkgefühl.
- Beach Bar (Zubehör-Lenker): Typisch für klassische Cruiser und Retro-Varianten. Aufrechte, spannungsfreie Körperhaltung.
- Apehanger (Zubehör-Lenker): Typisch für Custom Bikes. Gewöhnungsbedürftige Körperhaltung.
Die Wahl des richtigen Lenkers hängt stark vom Fahrstil und den individuellen Bedürfnissen des Fahrers ab.
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