Motorradfahren bei 4 Grad: Tipps und Tricks für sicheres Fahren

Viele Motorräder verbringen den Winter in Garagen. Wer auf das Bike im Alltag jedoch nicht verzichten kann, sollte beim Fahren im Herbst und Winter besonders aufmerksam sein: Die äußeren Bedingungen haben Auswirkungen auf die Fahreigenschaften des Motorrads.

Sicherheitshinweise für winterliche Temperaturen

„Ab einer Temperatur von vier, fünf Grad kann es auch ohne Schnee bereits sehr glatt werden“, sagt Hopp. Wer dann noch mit Sommerreifen unterwegs sei, setze sich einer großen Gefahr aus. Klassische Winterreifen, wie man sie von Autos kennt, gibt es für Motorräder allerdings kaum. Hopp empfiehlt daher Reifen mit einer weicheren Gummimischung, ähnlich einem Enduro-Reifen, wenn man im Winter mit dem Motorrad fahren will.

Motorradfahrer*innen sollten sich bewusst auf die besonderen Bedingungen im Winter einstellen. Vorsicht gilt besonders beim Überfahren von Kanaldeckeln und Fahrbahnmarkierungen. Die seien zu dieser Jahreszeit besonders rutschig. Lenzen empfiehlt „einen möglichst runden, vorausschauenden Fahrstil“ ohne abrupte Bremsmanöver, heftiges Gasaufreißen und hektische Lenkbewegungen.

Eine gute Vorbereitung für das Motorradfahren im Winter ist es, bereits vorher das Fahren auf rutschigem Untergrund zu üben, damit Sie ein Gefühl dafür kriegen, wie Sie auch bei Schnee- und Eisglätte reagieren können. Enduro-Fahrer sind hierbei klar im Vorteil, da sie das Fahren auf rutschigem Untergrund bereits regelmäßig trainieren und damit ein gutes Gefühl für das Verhalten ihrer Maschine bekommen.

Die richtige Kleidung für Kälte

„Wenn ich durchgefroren bin, nimmt meine Reaktionsfähigkeit ab“, gibt Hopp zu bedenken. Deshalb brauche es die richtige Kleidung, um sicher durch die kalte Jahreszeit zu kommen. „Beispiel Finger: Sind die klamm, besteht die Gefahr, dass ich beim Bremsen, Kuppeln und Gas geben eingeschränkt bin“, sagt Hopp.

Funktionsunterwäsche, wie man sie vom Skisport kennt, ist laut Hopp nicht die beste Wahl. „Ich war viele Jahre bei BMW Motorrad in der Entwicklung tätig. In dieser Eigenschaft war ich im Winter zu Testzwecken oft in sehr kalten Regionen“, sagt der Motorradspezialist. Funktionsunterwäsche halte nur warm, wenn man in ständiger Bewegung sei - eben beim Skifahren oder Wandern. „Sitzt man aber über Stunden auf dem Motorrad, reicht diese Unterwäsche nicht aus, um den Körper warm zu halten“, erklärt Hopp. Er rät stattdessen zu klassischen Materialien wie etwa Angorawolle.

Darüber sollte es dann schon Jacke und Hose mit wasserdichter Membran sein - denn wenn es mal regnet, wird es aufgrund der niedrigen Temperaturen im Winter auch gleich richtig ungemütlich, wenn die Nässe durchgeht. Um den Hals sollte ein Tuchgetragen werden, besser sogar ein etwas dickerer Fleece-Halswärmer - einerseits natürlich, um den Hals und Nacken zu wärmen, andererseits, um den Kragen dicht zu halten, damit keine kalte Luft eindringt und den wärmenden Luftpolster im Inneren der Jacke zunichte macht. Die Stiefel sollten natürlich ausreichend hoch und wasserdicht sein, die Handschuhe detto.

Vorbereitung des Motorrads für den Winter

Nicht nur Motorradfahrer*innen müssen bei Winterwetter angemessen präpariert sein. Auch die Maschine benötigt eine entsprechende Vorbereitung. Dazu zählt ein regelmäßiger Blick auf den Zustand der Batterie. Sie sollten Ihre Batterie aufladen oder gegebenenfalls eine neue besorgen, wenn diese bereits schwächelt.

Besonders wichtig: Die Flüssigkeiten im Fahrzeug verändern bei Kälte ihre Eigenschaften. Weil Motorräder selten im Winter gefahren werden, sind ihre Bauteile schlechter konserviert als die von Autos. „Genau genommen ist ein Motorrad ein Saisonfahrzeug für das Sommerhalbjahr. Der Verschleiß durch das Salz ist extrem“, sagt Hopp. „Alu-Teile und -Applikationen ermatten in Rekordzeit. Plastik wird so hässlich, dass man es nach nur einem Winter eigentlich austauschen müsste.“

Was man dagegen tun kann? Lenzens einfacher Tipp: „Schmieren, Schmieren, Schmieren.“ Steckverbindungen, Bowdenzüge und Metallteile sollten Fahrer*innen mit konservierenden Schmiermitteln behandeln. Für Lackteile empfiehlt sich ein Konservierungswachs.

Weitere Tipps für das Fahren im Winter

  • Vorsicht ist unter Brücken und auf schattigen Straßen geboten, da hier auch bei sonst trockenen Straßen ggf. Glatteis herrscht.
  • Große Vorsicht ist vor allem beim Bremsen gefragt: Bei Schnee und Glätte sollten Sie als Motorradfahrer vor allem die Bremse des Hinterrades benutzen und vorne nur sanft abbremsen. Sonst besteht die Gefahr, dass das Vorderrad blockiert und Sie stürzen.
  • Auch die Maschine benötigt im Winter besondere Zuwendung.
  • Wählen Sie das richtige Bike und Equipment! Am besten eignen sich zum Motorradfahren im Winter Motorräder, auf denen man schön aufrecht sitzt und schnell Korrekturen am Lenker durchführen kann, wie etwa Naked Bikes oder Reiseenduros.

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