Im Bereich der Integralhelme verliert man leicht den Überblick. Der amerikanische Hersteller Bell ist seit Jahren für seine hochwertigen Fullface-Helme bekannt. Modelle wie der Full-9 und der Transfer schneiden bei Tests immer wieder mit Bestnoten ab.
Bell Sanction: Der Einsteigerhelm im Detail
Grund genug, Bell’s Einsteigerhelm „Sanction“ genauer unter die Lupe zu nehmen, der durch Preis und Gewicht besticht. Durch das geringe Gewicht von gerade einmal 947g (mit Visier) eignet sich der Bell optimal als Zweithelm für den Enduro-Einsatz. Auf den ersten Blick fällt die schmale Bauform des Helms auf.
Komfort und Passform
Obwohl er offiziell als „Helm für coole Kids“ angepriesen wird, passt er auch einem Erwachsenen (Größe L mit 58-60cm bei einer gemessenen Kopfgröße von 59.5cm). Die Polster sind angenehm zu tragen, lassen sich aber nicht zum Waschen entfernen. Auffallend gut ist die Aussparung an den Ohren. So konnten wir den Helm problemlos mit In-Ear Kopfhörern (Apple Ear Pods) tragen, ohne dass diese verrutschen. Auch beim Hören gab es so gut wie keine Einschränkungen.
Sichtfeld und Verschluss
Ein weiterer Pluspunkt für den Bell Sanction ist das große Sichtfeld. Ohne Goggles gibt es so gut wie keine Beeinträchtigung des Sichtfeldes. Ungewohnt war jedoch der Verschluss des Kinnriemens. Was Bell allerdings mehr als gelungen ist, ist die Luftzirkulation im Helm.
Sicherheit und Verarbeitung
Auf den ersten Blick macht der Bell Sanction einen super Eindruck. Gerade die Verarbeitung ist, wie man es von Bell gewohnt ist, hochwertig. Auf den zweiten Blick sieht man jedoch kleinere Schwachstellen am Helm. Aufgrund des geringen Gewichts ist der Kinnbügel sehr dünn und kann schon bei leichtem Druck an den Seiten eingedrückt werden. Bei einem Sturz auf das Gesicht könnte es hierbei schnell zum Bruch kommen. Des Weiteren fiel auf, dass die Polster weniger hart sind als bei anderen Modellen (z.B. ONeal Fury). Durch die geringere Dichte des Schaumstoffs lassen sich die Wangenpolster sehr leicht eindrücken, was zum einen zu einem angenehmen Tragegefühl führt, aber zum anderen eine geringere Schutzwirkung bei härteren Crashs mit sich zieht. An den Wangenknochen liegt der Helm fast auf der Schale auf. Das Polster ist so gut wie komplett eingedrückt. Hervorheben muss man allerdings den Hinterkopfschutz des Fullface-Helms aus dem Hause Bell.
Visier
Sehr gut verarbeitet wurde ebenfalls das Visier des Sanction. Einfach zu konfigurieren durch zwei Kreuzschrauben an den Seiten sowie eine Fixierungsschraube unter dem Visier. Anders als bei anderen Modellen fällt hier die Steifigkeit des Visiers auf. Dies sind natürlich sehr subjektive Empfindungen.
Fazit zum Bell Sanction
Der Bell Sanction ist ein günstiger Fullface-Helm mit großem Sichtfeld und flexibler, dünner Außenschale. Allerdings geht mit dem geringen Gewicht auch ein verminderter Schutz einher. Gerade bei Besuchen im Bikepark oder auf anspruchsvollen Downhill-Kursen sollte man daher etwas mehr investieren und zu einem teureren Modell greifen. Wer sich allerdings im zahmeren Enduro-Einsatz etwas besser schützen möchte als mit einem Halbschalenhelm, wird beim Sanction seine Freude haben.
Bell Broozer: Modularhelm für den Neo-Retro-Trend
Mit dem Broozer bietet Helmspezialist Bell ein neues Modell an, welches sich ohne großen Aufwand von einem Jet- zu einem Integralhelm umfunktionieren lässt. Wie schlägt sich der Modularhelm im ersten Test? Der Bell Broozer ist Bells neuste Antwort auf den fortwährenden Trend der Neo-Retro-Bikes. Irgendwie modern, doch irgendwie auch klassisch, passt der Bell Broozer gut in dieses Segment.
Design und erster Eindruck
Stell dir vor, du packst einen Motorradhelm aus, der aussieht, als wäre er direkt aus den wilden 70ern in die Gegenwart katapultiert worden. Der mit 1.380 Gramm relativ leichte Helm macht einen wertigen Eindruck, lässt sich jedoch schwer aufsetzen.
Komfort und Funktionalität
Einmal übergestülpt, fällt dann - je nach Nasenlänge - das relativ kurze Kinnteil auf. Zum Glück ist dieses abnehmbar und macht aus dem Integralhelm dann ratzfatz einen homologierten Jethelm. Die Hebel hierfür sind relativ klein, aber leichtgängig - nicht so am Visier. Dieses hat zwar an beiden Seiten eine Zacke zum Greifen, das funktioniert aber auch nur, wenn man beide gleichzeitig zieht. Ansonsten kommt der Helm mit zwei Belüftungsreglern, Anti-Beschlag-Scheibe und zusätzlichem dunklen Visier. Käufer können zwischen den Größen S bis XXL wählen. Zu haben ist der Bell Broozer ab 259,99 Euro. Käufer haben die Wahl zwischen fünf verschiedenen Farbvarianten wählen - dabei sind alle Versionen aber eher dunkel gehalten. Wer eher auf bunte Designs steht, wird beim Broozer vorerst nicht fündig.
Praxiserfahrungen mit dem Bell Broozer
Seit Anfang April befindet sich der Bell Broozer im Besitz des Autors und kristallisierte sich schnell als Lieblingshelm der Saison 2020 heraus. Mit seinen 1.350 Gramm Gewicht und der kompakten Form passt er fast zu jedem Motorrad und jedem Roller. So kam er unter anderem auf dem Honda SH125i, der Brixton Crossfire 500, oder drei gebrauchten Harley-Davidsons zum Einsatz. Durch seinen modularen Aufbau ist er recht wandlungsfähig und passt somit gut zu allen Bikes, auf denen man einen coolen Auftritt schätzt. Sein Wohlfühlbereich befindet sich jedoch in der Stadt, bzw. der Landstraße bis Tempo 100.
Belüftung und Geräuschentwicklung
Zwar verfügt der Bell Broozer über einen Lufteinlass am Kinnteil, sowie eine Öffnung auf der Helmoberseite; aufgrund des dünnen abnehmbaren Kinnteils schließt der Helm aber nie wirklich ab. Luft strömt unter dem Kinn direkt in den Helm und sorgt somit stets für gute Belüftung. An heißen Sommertagen perfekt, im kalten Herbstwetter ein wenig frisch. Nachteile bringt das auch, wenn der Broozer auf der Autobahn verwendet wird. Ab 70 km/h machen sich Windgeräusche bemerkbar, bei Autobahntempo wütet ein akustischer Tornado im Broozer. Persönlich ist dem Autor das Outfit am Motorrad sehr wichtig, besonders was den Helm angeht. Klar, Sicherheit steht an erster Stelle, doch Style folgt direkt danach. Auch wenn die Sturzeigenschaften glücklicherweise nicht probiert werden mussten, geht man davon aus, dass eine Qualitätsmarke wie Bell hier nichts anbrennen lässt.
Design und Style-Faktor
In Zweiterem, dem Style, macht der Bell Broozer auf jeden Fall alles richtig. Sowohl auf der Straße fängt er viele Blicke und auch in den YouTube Kommentaren kam oft die Frage, um was für einen Helm es sich handle. Neben dem coolen Design ist die gelungene Belüftung des Helmes das zweite Highlight des Broozers. Im Sommer ein echter Genuss, müssen im Herbstbetrieb natürlich Abstriche gemacht werden, die Lüftungen am Kinnteil sind nicht verschließbar. Dadurch ergibt sich auch ein konstanter Geräuschpegel, der höher ist, als man es von anderen Helmen gewohnt ist. Für die lange Reise oder rasante Autobahnetappen ist er also nicht geschaffen.
Fazit zum Bell Broozer
Trotzdem hat Bell mit dem Broozer einen Top-Helm auf den Markt gebracht. Es besteht kein Zweifel: Der Bell Broozer ist das Helmhighlight der Saison. Vor allem bei kurzen Fahrten in der Stadt fiel die Wahl immer auf den Broozer, der dank seiner angenehmen Passform und dem luftigen Gefühl im Kinnbereich viel Komfort suggerierte. Zusätzlich bietet das Kinnteil im montierten Zustand ein zusätzliches Gefühl der Sicherheit. An heißen Sommertagen kann es aber mit zwei Handgriffen schnell entfernt werden. Für sehr sportliche Einsätze, bzw. lange Reisen wird er wegen der Lärm- und Durchzugseigenschaften nie der Favorit sein. Doch wer einen optisch großartigen Helm für die Stadt und kurze Überlandstrecken, bzw. Touren sucht, sollte den Bell Broozer unbedingt probieren.
Bell Moto-3 Retro-Crosshelm: Eine Hommage an die 70er
Der Bell Moto-3 ist nicht irgendein Retrohelm. Er ist eine Hommage an die 70er, verpackt in modernem Composite. Der Look? Radikal reduziert, mit klaren Linien und ikonischer Silhouette. Schon beim Auspacken wird klar: Hier hat jemand ein Design-Manifest in Schale gegossen.
Design und Materialien
Die Außenschale besteht aus einer Fiberglas-Composite-Konstruktion. Leicht, aber stabil. Alle Nähte sind sauber verarbeitet, das Finish ist top. Die drei Druckknöpfe auf der Stirn sind nicht nur optisch cool, sondern funktional, z. B. für die mitgelieferte Snap-on-Sonnenblende. Wer will, kann auch Googles montieren.
Komfort und Passform
Bell bietet den Moto-3 in drei Schalengrößen an. Ein Pluspunkt für die Proportionen. Der Helm sitzt relativ snug, ohne zu drücken. Die Wangenpolster sind straff, aber nicht störend. Lüftung? Nicht vorhanden. Dafür funktioniert die passive Belüftung durch das große Kinnteil bei schnellerer Fahrt ganz ordentlich.
Funktionalität und Praxiserfahrungen
Visier: Der Moto-3 kommt ohne festes Visier, stattdessen mit abnehmbarer Sonnenblende. Gewicht: Subjektiv leicht, passt gut zu längeren Tagestouren. Wer den Bell Moto-3 trägt, entscheidet sich bewusst gegen Aerodynamik-Perfektion und für Charakter. Der Helm ist laut, Windgeräusche sind ab 80 km/h deutlich spürbar. Am Scrambler, Café Racer oder Vintage-Bike wirkt er wie ein fehlendes Puzzlestück. Pflege: Polster herausnehmbar und waschbar.
Style-Faktor und Fazit
Der Moto-3 ist kein Helm für alle Tage - aber einer für echte Szene-Fans. Auf Retro-Bikes, Scramblern oder auch track-tauglich gestylten Naked Bikes macht er optisch eine Ansage. Der Bell Moto-3 ist kein Helm für alle Tage - aber ein Helm für Tage, die man nicht vergisst.
Bell Qualifier DLX MIPS: Guter Integralhelm mit Extras
Der Qualifier DLX MIPS von Bell kommt gleich mit zwei Extras daher. Zum einen verbaut der Hersteller als einer der wenigen in einigen Modellen das sogenannte MIPS-System. Vor allem im Fahrradbereich ist dieses System weitverbreitet, schützt es doch deutlich besser vor Gehirnverletzungen als Produkte ohne diese Technik. Schade, dass der Hersteller bislang keine ECE-22.06-Zertifizierung nachweisen kann. Ferner ist auf Wunsch ein selbst tönendes Visier vormontiert. Dieses kostet einzeln etwas mehr als 175,-- Euro. Legt man darauf Wert, sollte man den Helm direkt in der korrekten Ausstattungsvariante ordern.
Visier und Funktionalität
Außer in Shoei-Helmen gab es bislang keine selbst tönende Visiere im Test, für diese beiden kann man aber sagen, dass sie tadellos funktionieren. Dadurch spart man die Sonnenblende, das notwendige Hoch- und Herunterklappen sowie etwas an Gewicht und genießt den Vorteil einer gleitenden Anpassung an die wechselnden Lichtverhältnisse. Ein Pinlock-Visier kann nicht angebracht werden. Das wird im Neuzustand auch nicht benötigt, da die Anti-Beschlag-Beschichtung ihren Job problemlos verrichtet. Etwas nervig während der Fahrt zeigt sich die Visiermechanik, schafft sie es selbst innerorts nicht immer, das Visier in der gewünschten Position zu halten.
Komfort und Belüftung
Auch ist der Helm trotz dieser Gewichtsersparnis relativ schwer. Negativ aufgefallen ist das Gewicht während der Fahrt allerdings nicht. Die Lautstärke im Helm ist während der Fahrt in Ordnung. Dreht man den Kopf oder pfeift der Wind von der Seite, wird es etwas laut. Die Frischluftzufuhr an Kinn und Stirn könnte dazu etwas kräftiger ausfallen, aber selbst bei einer Fahrt bei 40 °C Außentemperatur war das Helmklima in Ordnung. Das Innenfutter ist herausnehmbar, der Einsatz eines Kommunikationssystems vorbereitet.
Fazit zum Bell Qualifier DLX MIPS
Alles in allem ein gutes Produkt, das wir immer wieder gerne mit auf Tour genommen haben, vorwiegend im Sommer. Dazu ist er ab einer UVP von lediglich 299,90 Euro zu haben. Einfarbig oder in ausgewählten Größen in dem getesteten Design namens „Devil May Care“ findet man gar Angebote zu einem Preis von rund 250,-- Euro, wenn man keinen Wert auf das selbsttönende Visier legt, auch darunter. Guter Integralhelm von Bell. Mit MIPS und selbst tönendem Visier wird er für einen sehr fairen Preis angeboten.
Zusammenfassung der getesteten Bell Helme
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Eigenschaften und Bewertungen der getesteten Bell Motorradhelme zusammen:
| Modell | Typ | Besonderheiten | Preis (ca.) | Fazit |
|---|---|---|---|---|
| Bell Sanction | Fullface (Einsteiger) | Leichtgewicht, großes Sichtfeld | Günstig | Guter Zweithelm für Enduro, Abstriche beim Schutz |
| Bell Broozer | Modularhelm | Umfunktionierbar (Jet/Integral), Retro-Design | Ab 260 € | Ideal für Stadt und kurze Überlandstrecken, laut auf Autobahn |
| Bell Moto-3 | Retro-Crosshelm | Hommage an die 70er, stylisch | 350 - 400 € | Für Szene-Fans, laut und wenig aerodynamisch |
| Bell Qualifier DLX MIPS | Integralhelm | MIPS, selbsttönendes Visier | Ab 300 € | Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, kleine Schwächen bei Visier und Belüftung |
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