Beringer Bremsen für Motorräder: Ein umfassender Überblick

Wer ein Motorrad umbaut, steht immer vor der Frage: Was mache ich mit der Bremse? Eine mögliche, vielleicht die beste Antwort gibt Beringer mit der neuen Lenkerenden-Bremse.

Beringer Hand-Hinterradbremse

Der französische Bremsenspezialist Beringer bietet jetzt eine entsprechend ausgelegte Handhebelarmatur für jedermann an. Beringer hat in sein Angebot eine Kupplungsarmatur mit integriertem Hinterradhandbremshebel aufgenommen. Das neue Bauteil kombiniert einen konventionellen Handhebel für die Kupplung mit einem darüber liegenden kurzen Bremshebel für die Hinterradbremse. Um Fehlgriffe zu vermeiden, wurde der Kupplungshebel dabei um 20 Grad weiter angestellt als üblich.

Für den Anschluss des externen Ausgleichsbehälters ist ein Anschluss vorgesehen. Kombinierbar ist die Armatur derzeit nur mit Seilzug-betätigten Kupplungen. Zudem ist aktuell nur ein Kolbendurchmesser von 12,7 Millimeter verfügbar. Später sollen weitere Varianten das Angebot ergänzen. Preise nennt Beringer noch nicht.

Hinten bremsen mit der Hand

Auf dem Motorrad - zumindest im Rennsport - gewinnt die Bedienung der Hinterradbremse per linker Hand immer mehr Freunde. Der Grund: Gerade bei großen Rechts-Schräglagen kommen viele Fahrer einfach nicht mehr an den Fußbremshebel. Manche greifen aber auch darauf zurück, weil der rechte Fuß (rechtes Bein) nach Verletzungen nicht mehr ausreichend beweglich ist.

Los ging es mit der Daumenbremse. Dabei wird unterhalb des Kupplungshebels ein kurzer Bremshebel montiert, mit dem per Daumendruck die Hinterradbremse aktiviert werden kann. Weil viele Fahrer im Daumen nicht so viel Feingefühl besitzen wie beim Bremsen mit den Fingern, war der nächste Entwicklungsschritt eine Hinterradbetätigung per konventionellem Bremshebel, der auf Zug belastet wird. Der verläuft parallel zum Kupplungshebel. Und der wird dank Seamless-Getrieben und Quickshiftern bei Rennmotorrädern eh nur noch zum Start bedient.

Beringer Lenkerenden-Bremse

Sie sieht zwar falsch montiert aus, doch genau so soll es sein. Platziert am Lenkerende, wie bei ganz alten Krädern der 1920er und 1930er. Seit Jahren versuchen Customizer und Anbieter diesen Stil technisch greifbar zu machen, denn der Umbau auf derartige Armaturen bringt viel Beachtung. Beringer aus Frankreich hat diese spezielle Brems- und Kupplungspumpe bereits für einen R 18 Umbau des Workhorse Speedshop als Prototypen hergestellt und bietet die Teile ab sofort als Serienware an. Und dieses Motorrad zeigen wir in der Fotoshow.

Wie gehabt setzt Beringer bei der neuen Lenkerenden-Pumpe auf einen Korpus und Hebel aus Aluminium. Die Klemme ist für 22-Millimeter-Lenker gefertigt. Für eine saubere Optik ist es möglich, die Bremsleitung durch den Lenker zu legen. Beringer bietet den Hauptbremszylinder in 12 Farben an, aktuell in Frankreich für 672 Euro zu haben.

Beringer Offroad-Bremse im Test

Die High-End-Beringer-Offroad-Bremse musste unter härtesten Bedingungen bei der Rallye-Breslau ihre Können unter Beweis stellen und zeigte mehr als erwartet. Natürlich hatte ich vor der gezeiteten Sonderprüfung SS1 auf der Verbindungsetappe die Möglichkeit mich etwas mit der Beringer-Anlage auseinander zu setzen. So dass vor dem eigentlich wichtigen Einsatz noch ein paar Einstellungen an der ohnehin schon sehr angenehmen Hebelposition probiert wurden.

Beispielsweise wurden die Hebelposition und der Druckpunkt für die Einfinger-Betätigung über das per Feder gelagerter Stellrad passend eingestellt. Die Bedienkraft der Beringer-Bremsanlage begeistert in allen Belangen. Hinzu kommt der kugelgelagerte Bremshebel, der immer perfekt funktionierte und nie seine Bedienkraft veränderte. Die geschlossen Galfer-Bremsscheibe am Hinterrad samt Sinter-Bremsbeläge ließ keine Wünsche offen.

Die schwimmend gelagerte und mächtige 291 Millimeter große geschlossene Vorderradbremsscheibe erwies sich als absoluter Traum. Auch sie erhält in Kombination mit dem Beringer-Bremssattel und seinen vier Kolben die Bestnote, egal welcher Bedingungen vorherrschen. Zwar hatte ich anfangs den Druckpunkt als zu nahe am Lenker empfunden, doch schnell erwies sich das als falsch, da die Beringer-Bremse bereits bei minimaler nahezu druckloser Bedienung des Hebels ihre Arbeit verrichtet, wo so anderes Produkt noch keine Anstalten zur Reduzierung der Geschwindigkeiten macht.

Trotz des vergleichsweise hohen Einstiegspreis von 1184 Euro ist die damit erreichte Bremsleistung und vor allem Dosierbarkeit der Beringer-Anlage jeden Euro wert. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben: Wer also weiß mit einer Bremse artgerecht umzugehen, sollte sich die Beringer-Bremsanlage wirklich näher anschauen.

Beringer 6-Kolben Bremssattel

Für Beringer gibt es keinen Unterschied zwischen einer Bremsanlage für die breite Masse und denen für Rennfahrer. Die Bremsen sind darauf ausgelegt, den Zwängen des Wettbewerbs standzuhalten. Der Großteil unserer Kunden bevorzugt die Ausführung BRO12. Mit der Racing Ausführung BRO10 hast du einen sehr großen Hebelweg, du kannst den Hebel fast bis hinter an den Griffgummi ziehen und das ist nicht Jedermanns Sache. Dazu benötigt man viel Erfahrung und vor allen Dingen viel Vertrauen in das Bremssystem.

Erfahrungen und Meinungen zu Beringer Bremsen

Im Folgenden werden einige Erfahrungen und Meinungen von Motorradfahrern zu Beringer Bremsen und alternativen Produkten zusammengefasst:

  • An meiner Evo Fatboy (eine Scheibe!!) habe ich seit Mitte der '90er den 6-Kolben PM-Sattel (112x6B DBO = Direct Bolt On), ein Unterschied wie Tag u. Nacht (allerdings nur mit Stahflexleitungen, die alten Gummileitungen blähten sich ziemlich auf) und vernünftigen EBC Racemetal Klötzen (FA249HH).
  • Ich habe vorne 6 Kolben PM an meiner 08`er FB und bin voll zufrieden. Pm und viele Amibremsen funktionieren zwar, aber bei den Pumpen ist das Alu zu weich und die Hebel schwingen nach einiger Zeit auf und ab. Bei mir wurden die Bremspumpen regelmäßig undicht und das nervt. Ich habe bisher bei allen Bikes die ich auf- oder umgebaut habe RST (stocker) verbaut. Sind baugleich mit PM aber günstiger und made in Germany.
  • Ich bin allgemein sehr zufrieden mit Beringer gewesen, hätte diese aber nicht neu gekauft da sie mir eigentlich zu teuer ist.

Überlegungen zur Bremsleistung und Komponenten

Zum Verzögern muss man offensichtlich die mit dem Rad rotierende Bremsscheibe verlangsamen. Man überträgt seine Handkraft mit Hebelwirkung verstärkt auf den Bremskolben in der pumpe und dieser gibt den Druck an die Bremsflüssigkeit weiter. Die Bremsflüssigkeit kann sich nicht verdichten und gibt somit den Druck im Idealfall ohne Verluste, gleichmässig an die Kolben in den Bremssätteln weiter die somit die Beläge an die Bremsscheibe pressen.

Wirklich "gut" wird die Bremse aber auch dann erst durch geeignete Auswahl des Handbremszylinders, in und an dem die hydraulische und mechanische Übersetzung der Handkraft in hydraulischen Druck erfolgt. Wenn der nicht passt, hilft kein noch so guter Bremssattel (und wenn die Scheiben "eiern", hilft kein noch so guter Bremssattel ggn.

Die Anzahl der Kolben hat nichts mit der Bremsleistung zu tun! Und da ist es am Besten, wenn er einteilig aus dem vollen gefräst ist. Wenn euch der Druckpunkt weg wandert, ist der Sattel nicht gut durchdacht und isoliert die Bremsbelagträgerplatte nicht vom Kolben. Bei Rennbremssätteln imAuto gibt es für sowas "Pistoncaps" , bin mir aber nicht sicher, ob das auch in Motorradsätteln gemacht wird.

Auswahl der Bremspumpe

Das erste was einem bei der Pumpe auffällt ist das ungewöhnliche Design. Standartmässig ist sie komlett rot eloxiert und sticht somit direkt ins Auge, wem das nicht zusagt der kann allerdings auch aus vielen anderen Farben wählen. Auch auffällig ist der Hebel. Es gibt drei zur Auswahl, ich habe den mittel langen, welligen und habe noch keinen Hebel angefasst der sich besser angefühlt hat, man könnte fast sagen er ist gemütlich aber er ist nicht klappbar.

Ausser dem recht hohen Preis ist mir noch etwas negativ aufgefallen: Die Verschraubung der pumpe mit den Bremsleitungen ist auf der Oberseite der Pumpe! Warum? Wüsst ich auch gern. Mag sein das das irgendwie sinn machen kann aber für mich war es ein großes Ärgernis da ich zum testen Bremsleitungen kaufen musste die andere Fittings haben und/oder länger sind.

Zusammenfassung der getesteten Bremspumpen

Die Magura war für mich auf längere sicht unfahrbar, Obelix hätte jedoch vermutlich seine große Freude an der Pumpe. Aber! Ich habe beim Testen versucht bei Gelegenheit immer die Meinung meiner Freunde zu hören und deshalb sage ich die Pumpen sind wie schuhe, klar die Optik ist Geschmackssache aber auch das Gefühl ist nicht bei jedem gleich.

Tabelle: Vergleich von Bremssattel-Optionen

Option Vorteile Nachteile
PM 6-Kolben Bremssattel Hohe Bremsleistung, deutliche Verbesserung gegenüber Original Aluminium der Pumpen kann zu weich sein, Hebel können ausschwingen
RST (Stocker) Bremssattel Baugleich mit PM, aber günstiger und Made in Germany -
Yamaha 4-Kolben Bremssattel Sehr gut, einteilig -

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